Der kleine
Clown
Es war
einmal ein kleiner, schüchterner und fürchterlich ängstlicher kleiner Clown.
Der stand immer unten am Rand der Manege und schaute voller Bewunderung hinauf
zu den Drahtseilartisten – dem Höhepunkt jeder Vorstellung ! Wie gerne wäre er
selber einmal da oben , um auf dem Drahtseil zu balancieren – doch er hatte
keinen Mut.
Das machte
ihn so traurig, daß er beschloß zum Käfig des Tigers zu gehen, um ihn zu fragen
wie er Mut bekommen könnte, zum Drahtseil hinauf zu steigen.
Als er beim
Käfig ankam, stellte er sich davor und fragte den Tiger . Doch dieser war so
sehr damit beschäftigt im Käfig auf-und abzugehen, daß er den kleinen Clown nur
abfällig aus den gelben Augenwinkeln betrachtete. Da beugte sich der kleine
Clown gefährlich nah an die Gitterstäbe des Käfigs und wiederholte nochmals
seine Frage. Der Tiger hielt nur kurz an, direkt vor dem kleinen Clown, so daß
dieser den heißen Atem des Tigers spüren konnte und sagte ihm er solle doch zum
Löwen gehen – der sei doch der König der Tiere und wisse bestimmt Bescheid.
Damit wendete er sich ab und lief wieder nervös auf und ab.
Der kleine
Clown lief weiter zum Käfig des Löwen, der gerade fürchterlich gähnte und dabei
sein Maul soweit aufriß, daß man den Eindruck bekam, er würde gleich jemanden
verschlingen wollen. Doch in Wirklichkeit, war er so schläfrig, daß ihm die
Augen zufielen. Der kleine Clown wiederholte geduldig seine Frage – sehr leise
diesmal, denn er hatte zwar nicht so viel Angst wie vor dem Tiger , doch er
hatte eine Menge Respekt vor dem mächtigen Tier. Der Löwe schickte ihn weg.
Doch der kleine Clown bestand auf einer Antwort. Er sagte ihm, daß er doch der
König der Tiere sei und doch wohl wisse wer ihm sagen kann, wie er Mut bekomme.
Da schickte ihn der Löwe – nicht ohne ihn zu ermahnen, daß er in Zukunft nicht
gestört weden möchte, zu dem Kamel das angeblich sehr weiße sein soll.
Als der
kleine Clown endlich im Zelt des Kamels stand, kaute das Kamel Heu. Mit
schiefen Maul bewegte es das Büschel
von einem Mundwinkel zum anderen. Der Clown stellte seine Frage. Doch
das Kamel kaute einfach weiter und sah vor sich hin Ohne nur im Geringsten von
dem kleinen Clown Notiz zu nehmen.
Enttäuscht über das Kamel, oder über seine Frage, die man
ja so einem weißen Kamel nicht stellen darf, verließ er das Zelt – nicht ohne
sich zu wundern, ob das Kamel vielleicht nur dumm und einfältig sei.
Da kam ihm
die Idee den Direktor des Zirkus aufzusuchen, denn der ist schließlich der
Direktor und der muß doch alles wissen. Also lief er zum Wagen des Direktors.
Dort brannte noch Licht und der kleine Clown faßte sich ein Herz und klopfte.
Doch die mürrische und dunkle Stimme des Direktors , der laut tönte , wer denn
da sei und was er zu so später Stunde noch wolle- ließ den kleinen Clown zögern.
Doch schließlich drückte er den Türgriff herunter und stieß die Tür auf. Mit
qualmender Zigarre saß der Direktor über einem Stapel Rechnungen am
Schreibtisch. Mürrisch blickte er durch den Qualm seiner Zigarre herüber und
fragte den kleinen Clown was er wolle. Der Clown stellte seine Frage .Doch der
Herr Direktor hatte kein Verständnis für solch „ lächerlichen“ Fragen eines
Clowns. Er habe ihn als Clown eingestellt und das solle er lieber anständig
machen, sonst werde er gefeuert. Niedergeschlagen und traurig ging der kleine
Clown zu Zirkuszelt. In der Dunkelheit lehnte er sich an einen der Pfosten und
fing bitter an zu weinen. Da kam plötzlich Lisa – das Zirkusmädchen mit dem
rosa Röckchen und ihren wunderschönen goldenen Locken- zu ihm und fragte warum er
so sehr weinte. Da erzählte ihr der kleine Clown, warum er so traurig war und
daß er jetzt noch weniger Mut habe.
Mit großen
Augen sah sie ihn jetzt an und sagte ihm, daß sie ihn bewundere, weil er doch
alleine zu dem hinterhältigen Tiger gegangen sei. Weil er zu dem mächtigen
Löwen gesprochen habe und weil es sich zu dem Kamel gewagt habe, welches immer
nach allen schnappt. Und weil er in den Wagen des Herrn Direktors gegangen sei,
wo doch alle Angst vor ihm haben. Dann sagte sie ihm daß sie nicht solchen Mut
besitze wie er. Aber sie wünsche sich nichts sehnlichster als nur einmal dort
oben auf dem Seil zu stehen hoch
oben über der Manege. Aber so etwas würde sie sich niemals trauen. Es sei
denn...... es sei den er, der mutigste aller Clowns würde sie festhalten und
nach oben bringen. Da war der
Clown so gerührt, daß er all seine Angst vergaß und das Mädchen nach oben
führte auf das Seil und sie sicher darüber führte. Seine Furcht vergaß er dabei
ganz und gar. Als sie auf der anderen Seite des Drahtseils angelangt waren
küßten sich beide voller Freude. Im gleichen Moment ging das Licht im Zirkus an
und ein Lichtstrahl erfaßte das Paar hoch oben. Am Boden in der in der Arena
stand die gesamte Belegschaft des Zirkus, samt Direktor und jubelten dem Paar
zu und überschütteten sie mit Applaus.