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Autor: basti
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Auch Veganer haben im Zweifel Blut an ihren Fingern
von: basti |  26.02.2010 12:48:09

Auch Veganer haben im Zweifel Blut an ihren Fingern


Dieser Text ist eine Antwort auf Raupis Beitrag Veganismus, die ethischen Gründe.


Ich bin nicht einmal Vegetarier und ich finde es bemerkenswert, dass du von vornherein mit Anfeindungen von Fleischfressern rechnest. Was hast du denn von dieser Seite erlebt?

Hat man dich angegriffen, weil dein aufklärerischer Stil so aufgefasst wurde, dass du den lieben nicht-Vegetariern den Genuss am Schnitzel verdirbst?

Meine Meinung ist, dass niemand die Augen verschließen sollte. Es ist dumm, dich anzugreifen, weil deine sachliche Wissensvermittlung von einigen als Angriff auf ihren Speiseplan bewertet wird. Dahinter steckt die Aussage: "Ich esse Fleisch, weil ich die Augen vor dem Schrecken des Mästens und Schlachtens verschließe und wenn du mir davon berichtest, zerstörst du mein gutes Gewissen."

Ich kann nur akzeptieren, wenn Fleischereikunden sich mit dem Thema auseinander gesetzt haben und es dann noch immer in Ordnung finden, tierisches auf ihre Speisekarte zu setzen.

Ich esse sehr selten Fleisch und wenn, dann beziehe ich soweit möglich Bio-Produkte. Geräucherter Tofu schmeckt mir ausgezeichnet, kross angebraten mit Gemüse ist das ein höherer Genuss als Putenbrust. Und wer in seinem Schnitzel weder Knorpel noch Fettstreifen mag, der kann auch die restlichen Fleischfasern weglassen und fertig panierte und gut gewürzte Tofu-Schnitzel besorgen - schmecken mir ausgezeichnet.1

Weniger Fleisch zu essen kann neben Tierliebe aber auch aus purem Egoismus erfolgen: Viele, viele Krankheiten2 werden dadurch ausgelöst, dass wir viel zu viele tierische Fette zu uns nehmen. Herz- Kreislaufkrankheiten, Nierensteine, Krebs, Allergien, Bluthochdruck, Prostatakrebs... Die Liste ist lang und lässt sich mit zahlreichen Zivilisationskrankheiten fortführen.3

Ein weiterer Aspekt dieser Form des Tierschutzes besteht darin, dass nicht nur durch das Essen von Fleisch Blut an den Händen der Menschen klebt und sich auch Veganer "schuldig machen", wenn sie diese Perspektive außer Acht lassen.


Bestandteile von Tieren, die unschön gezüchtet und qualvoll getötet sind, finden sich nicht nur in Nahrungsmitteln, sondern auch in zahlreichen Industrieprodukten. Am offensichtlichsten ist das wohl beim Leder, das sich im Sofa, der Geldbörse, Handytasche und Schuhen finden lässt.


Aber es geht auch versteckter, denn aus Knochenmehl werden beispielsweise Leim oder Tapetenkleister hergestellt. Da sitzt der Tierfreund in seiner frisch tapezierten Küche auf einem verleimten Holzstuhl aus nachhaltig erwirtschafteter Fichte, ernährt sich vegan und hat dann doch indirekt den Mord an Tieren auf dem Gewissen.


Sind rein pflanzliche Lebensmittel tatsächlich frei von der Schuld, dass Tiere dafür sterben mussten? Hasen, Rehe und Füchse geraten Jahr für Jahr in großer Anzahl in und unter die Mähdrescher. Sie werden lebend zerhäkselt wie im Fleischwolf.


Dieser kleine Ausflug soll keineswegs dazu ermuntern zu sagen: "Na, wenn das so ist, dann ist Fleisch essen ja gar nicht so schlimm". Es ist eher eine Forderung, nicht am eigenen Tellerrand halt zu machen. Es reicht nicht, mit dem Finger auf Fleischesser zu zeigen, damit sie das Fleischessen sein lassen. Denn Tiere werden auf viele Arten verwertet bzw, sterben grausam in Form eines Kollateralschadens.


Nur darauf zu verzichten, Tiere und deren Produkte zu essen, geht noch nicht weit genug, auch die indirekte Verwertung tierischer Produkte sollte ausgeschlossen werden, indem Ersatzstoffe aus möglichst nachwachsenden, pflanzlichen Rohstoffen gewonnen werden.


Bei dem Anbau der dafür notwendigen Pflanzen sollte möglichst wenig Land vernichtet und möglichst nachhaltig bewirtschaftet werden. Anbau und Ernte sollten ohne Umweltschäden vonstatten gehen, keine Tiere und keine Menschen sollten dabei zum Kollateralschaden werden. Eine utopische Forderung? Ich hoffe, dass der Mensch genug Einfallsreichtum hierfür besitzt!


Sich vegan oder vegetarisch zu ernähren ist definitiv ein Schritt in die richtige Richtung aber bei weitem noch nicht genug, wenn man sich ernsthaft mit dem Thema auseinander setzt.

1Vegetarischem Essen fehlt der Geschmack? Speisen Sie mal im Restaurant Hiller (Hannover), Deutschlands erstem vegetarischem Restaurant.

 

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Es gibt fliegende Teppiche!
von: basti |  09.02.2010 20:34:58

Bei Typeer-Mitglied PinkHibiskus ist der Geschwisterstreit voll entbrannt: Die Dreijährige will der Fünfjährigen nicht abnehmen, dass es keine fliegenden Teppiche gibt. Ein willkommener Anlass, mich mit dem Wunder des Fliegens auseinander zu setzen.


Der Mensch hat vor einigen Jahrzehnten aufgehört, an Wunder zu glauben. Wunder der Technik traten an die Stelle der Wunder, die keiner Technik bedurften und einfach funktionierten, weil man an sie glaubte.


Dem Menschen unserer Zeit fällt es schwer, an Dinge zu glauben, wenn er nicht sehen kann, wie es funktioniert.


Auch heute geschehen noch die wunderlichsten Dinge. Wahre Wunder geschehen in metallenen Kästen, in kleinen Geräten. Heutzutage ist um jedes Wunder herum eine Maschine gebaut und mit dieser Maschine glaubt der Mensch, das Wunder zu verstehen.


Und ich behaupte sehr wohl, dass Teppiche fliegen können. Nur hat man heutzutage um das Wunder des fliegenden Teppichs wieder einmal eine Maschine herum gebaut: Flugzeuge, Hubschrauber und wie die fliegenden Kisten noch so heißen. Ein Flugzeug ist eine geschlossene Röhre mit Flügeln. In dieser Röhre spürt man den Flugwind nicht und in den Sitzen ist es bequemer als auf dem Fußboden.


Flugzeuge fliegen - wer für dieses Wunder eine technische Begründung braucht, für den ist Aerodynamik das richtige Stichwort. Propeller oder Turbinen bringen das Flugzeug auf so hohe Geschwindigkeit, dass an den Tragflächen der Flügel Luftströmungen entstehen, die für Auftrieb sorgen und das Flugzeug in die Luft heben.


Aber es gibt Menschen, die können sich noch von einem echten Wunder verzaubern lassen. Und für diese Menschen ist ein Flugzeug eine simple Röhre, die um einen fliegenden Teppich herum gebaut wurde!


Wer das nicht glaubt, der kann beim nächsten Urlaubsflug in ein entferntes Land ja mal schauen, ob er im Ferienflieger einen Teppich findet. Ich bezweifle, dass es überhaupt ein Flugzeug gibt, in dem es keinen Teppich gibt. Und das wird einen Grund haben. Die Teppiche, sie fliegen.


Fliegende Teppiche: Es gibt sie wirklich!


 

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"Opfer-Videos" - witzig oder Cybermobbing?
von: basti |  20.01.2010 11:30:25

Charlottewho hat uns in ihrem Thema Musik&Youtube bereits einige Videos vorgestellt. Unter anderem sehr lustige, beispielsweise von "DieAussenseiter". Aber im Beitrag Youtube Opfer waren Videos dabei, über die ich nicht lachen kann.


Der Humor funktioniert hier auf der Ebene des Fremdschämens. "Wie können die sich bloß so zum Affen machen", denkt man sich zuerst. Es ist wohl richtig, dass die "Opfer" alle freiwillig diese Videos ins Netz gestellt haben.

Sie alle haben ihre Meinung per Video in der Öffentlichkeit vertreten. Das verlangt mir erst einmal Respekt ab. Nicht viele Menschen sind dazu bereit, für ihre besondere Meinung, die sich von der Masse abhebt einzustehen. Und dann in so jungen Jahren.

Ich frage mich nur, ob diese Leute die Reaktion auf ihre Videos richtig eingeschätzt haben, ob sie einkalkuliert haben, dass sich Leute gezielt auf die Suche nach solchen Videos machen, um darüber zu lachen. Um sich über sie lustig zu machen, statt ihr Anliegen ernst zu nehmen.

Das Problem an der ganzen Sache ist, dass solche Videos nie wieder aus dem Netz verschwinden. Wenn die hier als "Opfer" bezeichneten Menschen ihre Ansichten ändern und nicht mehr wollen, dass ihre Videos im Netz zu sehen sind, dann haben sie kaum eine Chance, dass sie dort wieder verschwinden.

Bestes Beispiel ist Video Nr. 1 mit der Tokio-Hotel-Angie. Das Video stammt definitiv nicht von ihr. In ihre Originalaufnahmen wurde Text hinein geschnitten, der sie aufs übelste diffamiert. Natürlich wurde dieses Video nicht von ihr hoch geladen, sondern von dem, der den Text hinein geschnitten hat. Sie kann es nicht löschen, selbst wenn sie es wollte.

Ich möchte mich an derartigen Hetz-Kampagnen nicht beteiligen. Es ist Cyber-Mobbing, das böse Folgen haben kann. Ich habe zwar keine Statistik zur Hand, aus der hervorgeht, wie viele Jugendliche wegen Mobbing in der Schule und im Internet jährlich Selbstmord begehen.

"Sie sind selbst schuld, sie haben das Video gemacht", mag erst einmal stimmen. Aber dass derartig auf sie eingeprügelt wird, daran sind sie nicht schuld, denn Mobbing ist kriminell. Ein Supermarkt hat schließlich auch keine Schuld am Ladendiebstahl, nur weil der Laden geöffnet hat und sich Waren in den Regalen befinden. Schuld ist, wer klaut. Oder eben mobbt.

Ich persönlich kann über die gewollt komischen Beiträge von Coldmirror oder den Außenseitern auch erheblich besser lachen als über Jugendliche, die sich ungewollt lächerlich machen - und das vermutlich bereits bitter bereuen, ohne sich wehren zu können.

Mich erschreckt außerdem, wie der Begriff "Opfer" Einzug in die Jugendsprache gefunden hat. Im eigentlichen Sinne sind damit Menschen gemeint, die durch (Gewalt-)Verbrechen, Unfälle oder Naturkatastrophen geschädigt wurden. Jugendliche setzen "Opfer" allerdings mit sozialen Versagern gleich, die schwach und wehrlos sind. Ihr Opferbegriff ist ohne Mitgefühl.


Sie machen sich über "Opfer" lustig und verschaffen sich dadurch die Identität, selbst kein Opfer zu sein, sondern sozial anerkannt und stark. Diese Abgrenzung der (Cyber-)Mobber zu "Opfern" lässt eine latente Angst vor sozialem Abstieg, vor der persönlichen Opferrolle, erkennen: Sich "auf die richtige Seite" schlagen und andere fertig machen, bevor einem das gleiche geschieht.


Dass sich daraus ein Teufelskreis ergibt, der ein friedliches Zusammenleben im Klassenzimmer oder Chatrioom unwahrscheinlich macht, sollte jedem klar sein. Wer weg schaut oder gar mit Mobbern lacht und nichts gegen sie unternimmt, macht sich mit schuldig.

 

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Die Musik der Jugend
von: basti |  19.01.2010 16:28:52

Ich danke Manfred für seinen Beitrag Englische Musik, in dem er die Community fragte, weshalb Jugendliche vor allem englischsprachige Musik hören, ohne die Liedtexte zu verstehen. Eine Steilvorlage, auf die ich gerne näher eingehen möchte.


Auf den ersten Blick erscheinen die Charts überfüllt mit Liedern in englischer Sprache. Radiostationen, Promi-Charts und Hollywoodfilme sind ein beliebter Kanal, um englischsprachige Musik zu verbreiten. Letztendlich fühlen sich viele deutsche Jugendliche von ihrem Lebensgefühl her amerikanischen Jugendlichen näher als deutschen Erwachsenen. Sie kopieren eher Kleidung und Musikgeschmack der amerikanischen Jugendkultur als den Lifestyle deutscher Rentner. Das Marketing der globalen (Musik-)Konzerne tut ihr übriges, um die stark umworbene Zielgruppe der Jugendlichen für ihre Produkte (=Musik + Kleidung usw.) einzunehmen.


Gerade in der Pubertät suchen Jugendliche nach ihrer eigenen Identität. Um sich selbst zu finden grenzen sie sich erst einmal von den Erwachsenen in ihrer Umgebung ab. Psychisch ist das gesünder, als sich mit den Eltern und anderen erwachsenen Vorbildern nicht kritisch auseinanderzusetzen und eine selbstständige Identität zu entwickeln.


Weiterhin erscheint es nur als eine Halbwahrheit, dass Jugendliche ausschließlich Musik in englischer Sprache hören. Es gibt sehr wohl erfolgreiche Interpreten mit deutschen Liedtexten. Hier ein paar Beispiele für solche Musik, die auch bei Jugendlichen gut ankommt:


Auf der neuen Deutschrock-Welle: Silbermond, Wir sind Helden





Hip Hop: Bushido, Sido und viele, viele andere, die in deutscher Sprache rappen.


Bushido war tatsächlich mit einer Neuinterpretation von für immer jung gemeinsam mit Karel Gott in den deutschen Charts:





Millieuspezifische Subkulturen


Die Böhsen Onkelz sind zwar schon seit einigen Jahren von der Bühne getreten, erfreuen sich aber noch immer großer Beliebtheit:





Deutscher Schlager: Ballermann-Hits oder Alexander Marcus


Deutsche Schlager sind gar nicht so unbeliebt. Zumindest nicht am Ballermann oder in Bierzelten. Alkoholkonsum und Freude am deutschen Schlager scheinen sich irgendwie zu ergänzen...


Ebenfalls beliebt sind die Neuinterpretationen von Alexander Marcus:








Dies sind nur einige Beispiele die verdeutlichen: Es gibt deutsche Interpreten mit Liedtexten in deutscher Sprache, die bei Jugendlichen gut ankommen.


Nun wird das noch immer nicht deckungsgleich mit den Schlagern sein, die Manfred zu seinen Lieblingen zählt.


Es ist gut, dass es verschiedene Geschmäcker gibt und es keine "Geschmackspolizei", die uns dazu zwingt, dass alle den gleichen Einheitsbrei hören müssen. Vorlieben für Musik unterschiedlichster Art sind meiner Meinung nach nicht altersspezifisch. Es gibt Klassikliebhaber in Manfreds Alter, die den deutschen Schlager ebenso "zum Kotzen" finden wie die angesprochenen Jugendlichen. Oder Altrocker, die dem Schlager ebenfalls nichts abgewinnen können. Und Schlagerfans könten würgen, wenn sie aus Versehen zum Winterfest der Volksmusik zappen. Es gibt eben nicht "die Rentner" und "die Jugendlichen". Wer denkt, dass es diese Schubladen gibt, der sollte sich vor die Tür begeben und neue Menschen kennen lernen, vor allem aus anderen sozialen Milieus. Menschen aus ungewohntem Umfeld.


Ich teile die Ansicht nicht, dass Jugendliche englische Texte nicht verstehen. Das Einstiegsalter ist von Schule zu Schule unterschiedlich, die ersten Worte lernen manche sogar schon im Kindergarten. Und selbst wenn sie in Englisch schlecht sind, ein Argument gegen englische Lieder ist das nicht. Eher im Gegenteil: Englischkenntnisse werden durch die Musik unter Umständen sogar verbessert.


Es ist sehr vernünftig zu fragen, weshalb Jugendliche nicht lieber Musik hören, die sie verstehen. Ebenso vernünftig ist es zu fragen, weshalb die Jugendlichen nicht lieber mehr lesen, als Musik zu hören. Aber eben das ist die Crux.


Vernunft ist bei Musik eher zweitrangig, Musik ist ein Gefühl, das unsere Seele berührt. Vor allem die verwendeten Instrumente, der Takt, die Geschwindigkeit, Rythmus und Melodie sind es, von denen abhängt, ob uns etwas gefällt oder nicht. Wenn ein neuer Sound von einer Band entwickelt wurde und "in" geworden ist, dann ist es authentischer, das Original zu hören. Mit Grauen denke ich an Versionen englischer Lieder, die miserabel eingedeutscht wurden.


Bei Musik möchten viele nicht ständig über den Sinn nachdenken, sondern sich fallen lassen. Einfach mal abschalten - wahrscheinlich geht das tatsächlich besser, wenn das Lied über den Text eher eine Stimmung transportiert als einen wortgemäßen Sinn.


Bei dieser Gelegenheit möchte ich das Buch Axel Hacke: Der weiße Neger Wumbaba empfehlen. Die These des Autors lautet: "Die besseren Liedtexte entstehen in den Köpfen der Hörer." Denn Liedtexte haben gar die Aufgabe, zum Fehlhören zu animieren.


Lieber Manfred, für dich mein Fazit:


Den Jugendlichen gibt es nicht, jeder Mensch ist einzigartig und hat einen eigenen Geschmack. In jeder Altersklasse wirst du Menschen finden, die deinen Musikgeschmack teilen - oder auch ablehnen. So gibt es tatsächlich auch Jugendliche, die Lieder mit deutschen Texten hören. Vermutlich wird dir wiederum diese Musik nicht gefallen.


Aber wie dem auch sei, Musik ist mehr als Instrumente + Gesang. Musik transportiert Gefühle, wünsche, Sehnsüchte. Und der Kopf muss nicht alles verstehen, wenn man mit dem Herzen hört.

 

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