Wetterfühligkeit – Ursachen und Tipps
Unter dem Begriff
„Wetterfühligkeit“ versteht man die aufgrund des Wettergeschehens erfolgte
Beeinträchtigung des Wohlbefindens und der Gesundheit. Als wetterfühlig bezeichnet
man somit Menschen, die Luftdruck, Luftfeuchtigkeit, Temperatur und andere
Faktoren verstärkt wahrnehmen und darauf körperlich und/oder psychisch
reagieren. Betroffen sind etwa 30 Prozent der mitteleuropäischen Bevölkerung,
davon ganz besonders Menschen mit Kreislaufstörungen. In Deutschland sind rund
30 Millionen Menschen wetterfühlig, davon 20 Millionen Frauen, das heißt, unter
Wetterfühligkeit leiden ungefähr doppelt so viele Frauen wie Männer.
Ursachen
Da viele Menschen aber anscheinend
nicht auf Klimaveränderungen reagieren, wird Wetterfühligkeit oft als
Einbildung abgetan. Doch das ist falsch, denn Temperatur und Luftfeuchtigkeit
beeinflussen Wärmehaushalt und Flüssigkeitsbilanz unseres Körpers. Ganz
offensichtlich ist dies beispielsweise bei Kälte durch Zittern oder bei Hitze
durch Schwitzen. Als Grund für diese Beeinflussung wird ein alter körperlicher
Schutzreflex vermutet, der bei Wetterwechsel Mensch und Tier vorwarnte. Dieser
Schutzreflex passt bei Klimaschwankungen Herzschlag und Atmung an und sorgt
dafür, dass sich die Blutgefäße verengen oder weiten und somit den Blutdruck
verändern.
Darüber hinaus wird derzeit auch
die Bedeutung so genannter „Sferics“ untersucht. Das sind elektromagnetische
Strahlen, die bei bestimmten Wettervorgängen, beispielsweise bei Gewitter, auf
das menschliche Gehirn wirken. Die Ergebnisse hierzu sind aber noch
widersprüchlich.
Einige Beispiele für kritische
Wetterlagen und ihre Auswirkungen:
r
Bei Zufuhr feuchter Warmluft und bei kaltem
Hochdruckwetter häufen sich Migräneanfälle.
r
Wolken- und niederschlagsreiche Wetterfronten
(Tiefdruckgebiete) können zu Kopfschmerzen und erhöhten Blutdruckwerten führen.
r
Warmfronten begünstigen Kreislauf-Beschwerden
und entzündliche Prozesse.
r
In der „Null-Wetterlage“ stagniert die Luft und
wird trübe. Dies kann Infarkte, Depressionen und allergischen Reaktionen
auslösen.
r
Bei schönem Wetter mit Ostwind treten vermehrt
Kopfschmerzen, reduzierte Blutgerinnung, Schlafstörungen, Krämpfe und niedrige
Blutdruckwerte auf.
Der Grund, warum nicht alle Menschen wetterfühlig sind, liegt
am individuellen Gesundheitszustand, denn Wetterumschwünge sind ein
Stressfaktor für unseren Körper. Wetterfühligkeit weist daher oft auf
gesundheitliche Schwachstellen hin. Ein gesunder
Mensch ist in aller Regel in der Lage, die Wetterreize gut auszugleichen. Medizinisch
gesehen entsteht also die Wetterfühligkeit immer dann, wenn die Reizschwelle
des vegetativen Nervensystems gegen bioklimatische Veränderungen herabgesetzt
ist. Dies geschieht beispielsweise durch Stress, innere Unausgeglichenheit und
starke Anspannung. Wer also bereits unter Stress steht oder körperlich
geschwächt ist, etwa aufgrund einer Allergie oder einer Krankheit (Diabetes,
Rheuma, Asthma) oder wer falsche Ernährungs- oder
Lebensgewohnheiten hat, leidet auch eher unter Wetterfühligkeit.
Symptome
Die Beschwerden sind vielfältig
und gehen weit über „normale“ Kopfschmerzen hinaus. Manche Menschen reagieren
gereizt oder nervös, bei anderen kommt es zu depressiven Stimmungen. Die
auftretenden Symptome hängen aber immer auch vom allgemeinen Gesundheitszustand
und dem Alter des Betroffenen ab. Die häufigsten Symptome sind:
r
Appetitlosigkeit
r
Verminderte Belastbarkeit, Müdigkeit
r
Schlaf- Einschlafstörungen
r
Konzentrationsschwierigkeiten
r
Stimmungsschwankungen (Reizbarkeit und
Aggressivität, aber auch depressive Verstimmungen, Antriebsarmut und
Lustlosigkeit)
r
Kreislaufstörungen (teilweise in Verbindung mit
Übelkeit) bis hin zu Kreislauf-Zusammenbrüchen
r
Kopfschmerzen bis hin zur Migräne
r
Übelkeit
r
Verstärkte Beschwerden bei chronisch-entzündlichen
Erkrankungen, beispielsweise Rheuma oder bei degenerativen Erkrankungen der
Wirbelsäule und der Gelenke (Verschleißerscheinungen an Gelenken und
Wirbelsäule)
r
vermehrte Narben- und Phantomschmerzen
Abgrenzung
Medizin-Meteorologen unterscheiden drei Arten
klimatischer Beeinträchtigungen des menschlichen Wohlbefindens:
r
Wetterreaktion: Um die Kerntemperatur zu erhalten, reguliert
und steuert unser Körper ununterbrochen Wärmebildung, Wärmeaufnahme und
-abgabe. Diese ständigen Körper-Reaktionen auf atmosphärische Einflüsse nehmen
wir allerdings nur wahr, wenn wir stark schwitzen, frieren oder krank sind.
r
Wetterfühligkeit: Die Reizschwelle des
vegetativen Nervensystems ist erniedrigt, der Betroffene nimmt seine
Körper-Reaktionen auf Wetter und Klima verstärkt subjektiv wahr.
r
Wetterempfindlichkeit: Im Gegensatz zur
Wetterfühligkeit äußert sich die Wetterempfindlichkeit durch Verschlimmerung
bestehender Krankheiten, örtlicher Beschwerden und Schmerzen. Beispiele für
Wetterempfindlichkeit sind Narben- und Amputationsschmerzen (Phantomschmerzen)
sowie Müdigkeit und schwere Merkstörungen nach Knochenbrüchen.
Wichtige Hinweise:
Die Symptome wetterbedingter
Beschwerden ähneln oft denen „normaler“ Krankheiten. Dennoch gibt es einen ganz
wesentlichen Unterschied: Es lassen sich keine krankhaften Veränderungen an den
betreffenden Organen nachweisen. Die Beschwerden sind folglich als Symptom
eines geschwächten
Organismus zu sehen, der nicht mehr fähig ist, Klimaänderungen
auszugleichen. Wetterfühligkeit und -empfindlichkeit sind daher keine
Krankheiten und gehören nach dem Gesetz ausdrücklich auch nicht zu den
krankhaften Beschwerden, ebenso wenig wie Ermüdungserscheinungen, Hunger- und
Durstgefühle, See- und Luftkrankheit oder Schwangerschaftsbeschwerden.
Gegenmaßnahmen
Wetterfühligkeit ist kein
Schicksal, dem man hilflos ausgeliefert ist. So wie Muskeln und Ausdauer
trainiert werden müssen, um fit zu bleiben, so ist auch die Klimatoleranz des
Körpers zu trainieren, um die Wetterfühligkeit zu verringern. Das heißt, es ist
wichtig, den Körper veränderten Klimabedingungen auszusetzen. Denn die
Klimatoleranz des Körpers sinkt aufgrund der reduzierten natürlichen
Umweltschwankungen unserer zivilisierten Lebensweise. Beispielsweise bewegen
wir uns zu wenig und üben überwiegend sitzende Tätigkeiten aus, und das auch
noch in gleichmäßig beheizten Räumen. Da ist es nicht verwunderlich, dass die
Zahl der an Wetterfühligkeit Leidenden ständig steigt. Als besonders wirksame
Vorbeugemaßnahmen eignen sich:
r
Bewegung an der frischen Luft (z.B. Radfahren,
Joggen, Spazieren gehen, auch Rasen mähen und Treppen
steigen sind gut geeignet) und das bei jedem Wetter, also auch wenn
regnet, stürmt oder schneit. Achten sie aber darauf, den Kreislauf nicht zu
überfordern. Wichtig ist, dass Sie Ihre
Belastungsgrenze rechtzeitig erkennen und bei Beschwerden eine Ruhepause
einlegen.
r
Eine regelmäßige Lebensführung mit ausreichenden
Schlaf- und Erholungszeiten. Vermeiden Sie auch in der Freizeit möglichst jeden
„Stress“.
r
Abwechselnd heiß/kalt Duschen. Drei Durchgänge,
jeweils etwa zwei Minuten heiß, dann 15 bis 20 Sekunden kalt und mit kaltem
Wasser abschließen. Danach die Haut mit dem Handtuch gründlich abrubbeln.
r
Gymnastische Übungen am geöffneten Fenster oder
auf dem Balkon, vor allem bei zu niedrigem Blutdruck und morgendlicher
Antriebsschwäche.
r
Regelmäßig einmal pro Woche in die Sauna gehen.
r
Raumtemperaturen nicht
zu hoch wählen und häufig Lüften.
r
Übermäßigen Alkohol-, Nikotin- und
Medikamentenkonsum vermeiden.
r
Vitaminreiche und
ausgewogene Ernährung (viel frisches Obst und Gemüse) mit geregelten
Essenszeiten. Meiden Sie möglichst fettreiche und schwer verdaulichen Speisen.
Sie erfordern viel Verdauungsarbeit und belasten dadurch unnötig den Kreislauf,
außerdem machen sie müde und antriebsarm.
r
Thalassobehandlung
(Bädertherapie). Aus Sicht der „Alternativmedizin“ kann Wetterfühligkeit
entstehen, wenn der Körper durch Ablagerung von Stoffwechselschlacken und
Umweltgiften geschwächt ist. Die Ausleitung dieser Stoffe wird durch die
Thalassobehandlung angestrebt. Dabei werden die natürlichen Bedingungen der
Meeresküsten genutzt: Meerwasser, Sonnenstrahlung, salzhaltige Luft, Schlick
und Algen.
r
Kräuterbad für Wetterfühlige (je ca. 50 Gramm
Rosmarin, Lavendel und Kamille in ein Leinentuch oder Baumwollsäckchen
verpacken und in den Strahl des einlaufenden Badewassers legen,
Wassertemperatur 38 °C, Badedauer etwa 20 Minuten).
Wichtige Hinweise:
Bei hohem Blutdruck oder einer
Herzkrankheit mit verminderter Belastungsfähigkeit sollten sich Wetterfühlige
bei belastenden Wetterlagen etwas schonen. Verschlechtert sich das
Allgemeinbefinden, vor allem wenn Schwindel, Benommenheit oder Atembeschwerden
hinzukommen, sollte man unbedingt den Arzt aufsuchen. Empfehlenswert ist auch,
dass Wetterfühlige ihren Urlaubsort nach klimatischen Gesichtspunkten auswählen.
Bedenken Sie: Jeder plötzliche Klimawechsel kann sich gesundheitlich negativ
auswirken. Fragen Sie gegebenenfalls auch hierbei Ihren Arzt um Rat.