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Weihnachtsmann - Horrorjobs

Autor: Alexander-Hassberg
Bewertung: 6,00 | 1 Stimme
Beschreibung:

Weihnachtsgeschichte über einen studentischen Weihnachtsmann. Auftrag: Kinder bescheren. Erleben Sie mit, welche Bescherung tatsächlich dabei heraus kommt

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Weihnachtsmann Teil I [Text]
von: Alexander-Hassberg |  26.12.2008 13:28:37

Heiligabend, 16:15 Uhr. Als Weihnachtsmann verkleidet stand ich an der Stadtbahnhaltestelle in der Nähe meiner Wohnung. Ich wartete auf die Bahn, die mich zu meinem ersten Einsatz als studentischer Weihnachtsmann bringen sollte. Mit mir warteten noch ein paar auf Gangster gestylte Jugendliche an der unterirdischen Haltestelle. Sie spielten sich gegenseitig mit ihren Handys Rap-Lieder vor und rauchten Zigaretten.


Eigentlich herrschte hier Rauchverbot. Aber sollte ich mich deswegen mit ihnen anlegen? Seit dem U-Bahn-Überfall in München wusste man, wie das enden konnte. Ob mich mein roter Weihnachtsmann-Mantel schützen würde? Ich ließ es lieber bleiben und hielt ausreichend Abstand. Hier roch ich nichts von dem Rauch.


„Ey Weißbart, was guckst du?“, pöbelte einer der Jugendlichen.

„Dogan, lass den, das ist doch der Weihnachtenmann!“, scherzte ein Zweiter. „Hey, du im roten Bademantel! Wenn ich dich vor Dogan hier beschütze, bekomme ich dann auch ein Geschenk?“, forderte der Zweite nun.


Blöde Sprüche. Aber mir viel keine gescheite Antwort ein. Ich wollte Ärger vermeiden. Die Bahn erlöste mich im genau richtigen Moment. Ich stieg ein, die Mini-Gangster blieben draußen und warteten auf eine andere Linie.


„Hey, du besoffener Student! Mach die Kippe aus!“, brüllte jemand durch den Zug.


Jetzt roch ich auch Zigarettenrauch. Das musste hier wirklich nicht sein. Ich konnte auch niemanden mit Zigarette erkennen, der Wagen war fast leer. Es roch auch eine Spur nach brennendem Plastik. Wer rauchte denn so ein Kraut?


„Mama, warum hat der Weihnachtsmann Feuer am Kopf?“, fragte das einzige Kind im Zug und zeigte auf mich.


„Verdammte Scheiße, die haben mir eine Kippe in die Kapuze geworfen“, fluchte ich und versuchte umständlich, an meine Kapuze zu gelangen. „So eine Scheiße aber auch, jetzt ist die Kaution futsch!“


Statt dem Kind zu antworten, kam mir die Mutter zu Hilfe. Sie stülpte die Kapuze um und trat die glimmende Zigarette auf dem Wagenboden aus.


„Das darf doch nicht wahr sein! Jetzt ist hier ein fettes Brandloch. Das sieht man ja sofort! Und es stinkt auch noch. Oh Mann, wenn ich die erwische!“, brummelte ich lautstark vor mich hin, als ich den Schaden begutachtete.


„Mama, warum darf der Weihnachtsmann die Wörter sagen, die ich nicht sagen darf? Du hast gesagt, wenn ich die bösen Wörter sage, dann bekomme ich vom Weihnachtsmann Ärger und keine Geschenke. Warum sagt der Weihnachtsmann das? Und von wem bekommt der Weihnachtsmann Ärger, wenn er böse ist? Warum ist der Weihnachtsmann hier in der Bahn? Warum ist er nicht bei uns zu Hause und legt mit Papi die Geschenke unter den Baum, wie du es gesagt hast? Und wieso fährt der Weihnachtsmann mit der Bahn, der hat doch seinen Schlitten?“, fragte das Kind.


„Das ist nicht der richtige Weihnachtsmann, das ist nur einer seiner Helfer. Und der bekommt gleich Ärger mit mir, wenn er noch einmal ein böses Wort sagt.“, argumentierte die Mutter und strafte mich mit einem bösen Blick ab.


Ich bedankte mich für die Hilfe und wollte dem Kind noch etwas nettes sagen, aber ich hatte mein Ziel erreicht und stieg aus.


Ich steuerte das Reihenhaus an, hinter dessen Wohnungstür sich die erste Familie meines Laufzettels verbarg. Nach meinem Klingeln öffnete eine große, schlanke Frau, die sich sehr edel herausgeputzt hatte. Sie trug ein „kleines Schwarzes“, hatte sich eine Perlenkette umgehängt und die passenden Perlenohrringe angesteckt. Ihre blonden Haare waren etwas zu platinfarben, um eine natürliche Haarfarbe zu sein.


„Schön, dass sie das einrichten konnten. Herbert, mein Mann und Dennis erwarten sie im Wohnzimmer.“, empfang mich die unechte Blondine.


Sie gab mir noch die Geschenke, die ich wiederum Dennis, dem einzigen Kind im Hause, überreichen sollte. Außerdem bekam ich von der Mutter noch eine kurze Info, wie artig das Kind das Jahr über gewesen ist: „Also, der Herbert und ich, wir sind natürlich sehr stolz auf unseren Dennis. Was der schon alles kann. Er hat extra für den Weihnachtsmann ein Violinenstück auswendig gelernt. Hören sie sich das an und dann loben sie ihn, wie er es verdient. Nicht zu sehr, versteht sich. Lob vom Weihnachtsmann ist beim ihm sowieso mehr wert als alles andere.“


Die Mama, die von ihrem Mann Britta genannt wurde, öffnete die Wohnzimmertür. Dahinter verbargen sich ein gelangweilter Sechsjähriger in Hemd und Pollunder und ein strahlender Papa im dunklen Anzug, der mich mit einem Camcorder anvisierte. Strahlende Kinderaugen sahen anders aus, als die stumpfen Augen von Dennis. Strahlende Kinderaugen sahen wohl eher aus, wie die leuchtenden Augen von Papa Herbert. Der versuchte, mit seiner Kamera jeden Augenblick einzufangen und sprach nur, um Regieanweisungen zu geben. Anscheinend konnte er sich nicht so recht entscheiden, welches der anwesenden Gesichter gerade das bedeutendste war. Und so wackelte Herbert mit ruckartigen Bewegungen von mir zu Britta, zu Dennis und wieder zurück. Immer wieder. Gerade so, als würden wir drei unter uns ein wichtiges Tennismatsch austragen.


„Hohoho, ich bin der Weihnachtsmann“, nuschelte ich in meinen flauschigen Bart aus Polyester.

„Von draußen, aus dem Walde komme ich her. Ich muss sagen, es weihnachtet sehr.“, versuchte ich mich an den Text zu erinnern. „Überall auffen Tannenspitzen, sah ich goldene Lichterlein blitzen. Bevor es die Geschenke gibt, singen wir ein Weihnachtslied.“, reimte ich spontan. Das Kostüm, das mich draußen noch ganz passabel gewärmt hatte, umgab mich nun mit einer brennenden Hitze, die kaum auszuhalten war.


„Aber nein, lieber Weihnachtsmann. Der Dennis spielt uns doch etwas auf seiner Geige vor.“, verbesserte mich Mama Britta. Ich war mir noch immer nicht sicher, ob Britta eine schreckliche Abkürzung für einen echten Namen war. Oder ob sie tatsächlich so hieß.

Britta schubste ihren Sprößling von seinem Stuhl und drückte ihm eine kleine Geige vor die Brust. Mit gesenktem Kopf und herabhängenden Armen stand der Kleine vor dem Tannenbaum und versuchte die ganze Welt um sich herum zu ignorieren. Herbert hielt erst voll drauf, fing dann aber den Weihnachtsbaum in seiner vollen Pracht ein.


„Dennis, nun nimm schon! Nun mach schon! Wie wir es geübt haben!“, zischte Britta und erhöhte mit dem Instrument den Druck auf der Brust ihres Kindes.


Dennis ergriff widerwillig Instrument und Bogen. Herbert schwenkte blitzartig auf den Kleinen, als er die ersten Töne von sich gab.


Ich muss zugeben, ich bin kein Fan von Geigen und kenne mich mit Streichinstrumenten nicht aus. Aber das, was Dennis mit dem Ding zusammenfidelte, konnte beim besten Willen nicht als Musik bezeichnet werden. Monoton kratzte Dennis mit dem Bogen 13 Mal über die Saiten und erzeugte jedes mal ein fürchterliches Quietschen.


Ich fürchtete schon, dass Britta ihrem Sohn wegen dieser Frechheit den Kopf abreißen würde. Stattdessen hüpfte sie klatschend durch den Raum, so dass die Perlenkette wackelte wie der Schwanz eines Hundewelpen, der sich vor Freude gleich einnässt.


„War das nicht Her-Vor-Ra-Gend, lieber Weihnachtsmann.“, flötete Britta, während ich mich noch stumm über die plötzliche Stille freute.


„Ganz Wun-Der-Bar“, antwortete ich und musste mir auf die Zunge beißen, um nicht „sonderbar“ zu sagen. Was man für Geld nicht alles tat... „Wie lange spielst du denn schon?“, wollte ich von Dennis wissen.


„Mit Vier Jahren hat er das Instrument bereits für sich entdeckt!“, antwortete Britta euphorisch für ihn. „Und seitdem hat er laufend Fortschritte gemacht. Ist es nicht wahr, Herbert?“


Herbert hielt seinen ausgestreckten Daumen vor die Kamerlinse. Ich wollte gar nicht wissen, welche Geräusche der arme Junge zu Beginn seiner steilen Violinisten-Karriere von sich gegeben hatte.


Die Hitze in der Weihnachtsmannkluft wurde immer unerträglicher. Ich wollte nur noch raus aus der Wohnung, zurück an die frische Luft. Oder wenigstens den Bart abnehmen und die Kapuze absetzen. Aber dazu musste ich erst einmal die Geschenke loswerden.


„Dennis, weil du so schön für uns gespielt hast und das ganze Jahr so artig gewesen bist, bekommst du jetzt auch Geschenke von mir.“, beschleunigte ich den Ablauf etwas. Ich nahm die Päckchen aus meinem Weihnachtsmannsack und baute einen großen Turm vor dem Jungen auf. Mit diesem Haufen an Päckchen hätte man eine ganze Station des Kinderkrankenhauses glücklich machen können. Jedenfalls war das meine Annahme, als ich die Masse an Päckchen und Pakteten in buntem Geschenkpapier sah.


Im Nachhinein machten die Geschenke aber nicht einmal den Dennis wirklich glücklich. Ihm wurde noch befohlen, die bereit gestellten Kekse und Milch für mich aus der Küche zu holen. Ich durfte nicht eher das Haus verlassen, als bis ich diese aufgegessen hatte.


Es traf sich gut, dass ich sehr hungrig war, denn ansonsten hätte ich die staubtrockenen Kekse bestimmt nicht herunter bekommen. Als Britta und Herbert kurz weg sahen, ließ ich zwei Drittel der Kekse von dem Teller in den Sack rutschen.


Schlecht gelaunt entlockte Dennis den Paketen mehrere Bücher mit Noten für die Geige, ein paar kratzige Wollpullover und einen neuen Geigenbogen.


Ich deutete auf meinen nun leeren Teller und das leere Milchglas und gab zu verstehen, dass ich aufbrechen müsse. Die Milch hatte mich wieder etwas heruntergekühlt, aber ich musste jetzt unbedingt hier raus. Außerdem wartete bereits die nächste Familie auf mich.


Ich konnte dem Jungen nicht verübeln, dass er mich nicht verabschieden wollte, unterstellte er doch mir einen schlechten Geschmack, was Geschenke für kleine Jungs anbelangte. Britta steckte mir einen Umschlag zu und ich verließ hastig das Haus.


Endlich draußen, frische Luft atmen. Es war angenehm kalt. Ich machte mich auf den Weg zur Bahnstation, um die nächste Familie aufzusuchen. Aus den Augenwinkeln bekam ich noch mit, wie sich Herbert hinter der Gardine versteckte und mich filmte. Ich konnte auch erkennen, wie Dennis mit seinem Geigenbogen auf den ausgestreckten Hintern von seinem Papa einschlug, dann aber von seiner Mutter streng ermahnt wurde. Familie, du Keimzelle der Gesellschaft!

 

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weihnachten, weihnachtsmann, geschichte, weihnachtsgeschichte, schöne, bescherung, video, christkind

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Weihnachtsmann Teil I [Video]
von: Alexander-Hassberg |  26.12.2008 13:30:46

 

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video, weihnachten, autor, lesung, youtube, weihnachtsmann, horror, job, hassber, alexander, engel

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Weihnachtsmann Teil II [Text]
von: Alexander-Hassberg |  26.12.2008 13:32:08

Familie Nummer zwei sollte in einem Hochhaus auf mich warten. Außer einem überquellenden Briefkasten erwartete mich niemand. Ich versuchte noch, über die Nachbarn etwas über die verschwundene Familie herauszufinden, aber entweder öffnete niemand oder man wusste nichts über diese Leute.


Ich hatte zwar einen Auftritt weniger, aber meine Suche nach Familie Nr. 2 hatte mich viel Zeit gekostet. Dazu habe ich noch Zeit eingebüßt, weil mich mehrere Hochhaus-Kinder von Balkonen aus mit Schneebällen attackierten. Ich konnte nicht den direkten Weg zu Familie Nr. 3 nehmen, weil ich Deckung in verschiedenen Hauseingängen suchte. Sie grölten sich gegenseitig meinen jeweiligen Zufluchtsort zu und feierten jeden Körpertreffer.


Einige Zeit später und viele Hochhäuser weiter klingelte ich bei der dritten und letzten Familie meines Laufzettels.


Ich bot nicht den besten Anblick, als mir Herr Gramann die Tür öffnete. Aufgeregte Kinderstimmen drangen bereits durch den Türspalt an mein Ohr.

„Schön, dass sie auch noch kommen.“, empfing mich Herr Grammann grummelnd. „Wir sind schon seid zwanzig Minuten mit dem Essen durch. Die Kinder werden schon quengelig. Meiner Frau fällt nix besseres ein, als von einer Panne mit dem Schlitten zu reden.“


Herr Gramann gab mir den Sack, in dem sich die Geschenke für die Kinder befanden. Vom Gewicht her war er fast so schwer wie der Sack, der für Dennis bestimmt gewesen war. Diesmal allerdings war er für drei Kinder bestimmt: Chaqueline, Chantalle und Justin.


Die drei waren eine ganze Ecke lebendiger als Dennis – was den Eltern anscheinend ganz schön auf die Nerven ging.


„Wer war denn besonders brav? Wer bekommt was? Soll ich eines der Kinder noch ermahnen, im nächsten Jahr artiger zu sein?“, versuchte ich Herrn Gramann zu entlocken.

„Ganz egal, nun machen sie schon. Meine Frau und ich wollen jetzt endlich mal zehn Minuten für uns haben!“


Herr Gramann brachte mich ins Wohnzimmer und schloss die Tür hinter sich. Von außen. Ich war also nun ganz allein mit drei aufgekratzten Blagen, über die ich nichts wusste und sollte den Allwissenden Santa Claus spielen.


„Hohoho, ich bin der Weihnachtsmann!“, gab ich von mir. „Seid ihr auch alle schön artig gewesen?“


„Mama sagt immer, artige Mädchen kommen in den Himmel und böse überall hin.“, sagte eines der Mädchen. Das brachte mich natürlich kein Stück weiter. Ich wusste auch nicht, ob es sich dabei um Chantalle oder Chaqueline handelte. Jetzt bloß keine Blöße geben.


„Der Kevin sagt, dich gibt es gar nicht.“, sagte Justin.

„Aber ich bin doch hier.“

„Ja, aber du siehst nicht richtig echt aus. Das ist doch wie im Karneval.“, bohrte Justin weiter.

„Wenn ich nicht echt bin, dann gibt es auch keine Geschenke. Die sind dann ja auch nicht richtig echt!“, triumphierte ich.

Es arbeitete in dem Jungen. Auf Geschenke wollte er nicht verzichten, wie wohl jedes Kind in seinem Alter. Trotz besseren Wissens arrangierte er sich mit dieser Lüge, um zu bekommen, was er wollte.


„Na, dann wollen wir mal sehen, was es in meinem Sack so für euch gibt. Justin, sei ein lieber Junge und gib der Chantalle ihr Geschenk.“, bat ich und reichte Justin ein Päckcken, auf dem jemand mit krakeliger Schrift Chantalles Namen geschrieben hatte.


Justin gehorchte und ich konnte endlich die Kinder auseinander halten. Ich verteilte alle Päckchen und die Kinder hatten ihre Freude, die Geschenke zu öffnen. Nun betraten auch Herr und Frau Gramann das Wohnzimmer. Die Kleidung der beiden saß irgendwie komisch. Wer weiß, womit sie die letzten Minuten verbracht hatten. Ich freute mich, sie zu sehen, denn ich konnte meinen Einsatz hier beenden.


„Ich habe ihnen noch ein paar Reste eingepackt. Sie haben das ganz wunderbar gemacht.“, bedankte sich Frau Gramann. Herr Gramann brachte mich zur Wohnungstür.


„Dann auf Wiedersehen und frohe Weihnachten.“, verabschiedete sich Herr Gramann von mir.
„Aber ich bekomme noch mein Honorar von ihnen.“, lenkte ich ein.

„Honorar? Sie schleppen doch gerade den halben Festbraten davon!“, schimpfte Herr Gramann. Plötzlich wirkte er noch etwas unfreundlicher. Ich wog das kleine Essenspaket in meinen Händen.


„Erst kommen sie viel zu spät hier an und werfen unsere ganze Planung über den Haufen. Viel zu spät waren sie da. Und stehen in einem nassen Kostüm mit Brandlöchern vor mir. Sie wissen die Gutmütigkeit meiner Frau und ihr leckeres Essen nicht zu schätzen. Und dann erdreisten sie sich und verlangen Geld von mir? Seien sie froh, dass ich mich nicht in der Agentur über sie beschwere! Das gute Essen ist mehr wert als ihr jämmerlicher Auftritt!“


Ich konnte nicht fassen, was ich da hörte. „Sie...“, setzte ich an. Aber Gramann knallte mir die Tür vor der Nase zu. Ich konnte es nicht fassen. Erst griff man meine Leistung ab, um mich dann eiskalt abzuservieren. Verblüfft und wütend hämmerte ich mit der Faust gegen die Tür.


„Ruhe am Heligen Abend! Oder ich rufe die Polizei!“, erklang es lautstark aus einer Nachbarwohnungen. Hier war kein Blumentopf mehr zu gewinnen. Enttäuscht und unzufrieden zog ich von Dannen. „Hier war das letzte Wort noch nicht gesprochen!“, versuchte ich mich selbst zu besänftigen.


Jetzt nur noch nach Hause. Ich machte mich auf den Weg zur nächsten Stadtbahn. Unterwegs zog ich Bilanz. Neben der Leihgebühr für das Kostüm war auch die Kaution futsch, dem Brandloch sei Dank. Nur ein Einsatz wurde mir bezahlt, dadurch war ich immer noch leicht im Minus. So ein Mist aber auch.


An der Stadtbahnhaltestelle fand ich einen weinenden Engel. Jedenfalls wirkte sie durch ihr Aussehen und ihrer Ausstrahlung wie ein Engel auf mich, sollte aber das Christkind darstellen. Sie war wunderschön.


„Warum weinst du denn?“, fragte ich, weil mir nichts besseres einfiel.

„Ich hab mir das alles ganz anders vorgestellt. Ich dachte, die Kinder freuen sich über meinen Besuch. Aber die haben mich mit Schneebällen beworfen.“, sagte der Christkind-Engel.


Sie versuchte, ihr Weinen zu unterdrücken. Langsam und lautlos liefen letzte Tränen über ihr Gesicht. Ihr ganzes Kostüm war übersät mit feuchten Stellen, an denen Schneebälle sie erwischt hatten.


„Aber die, bei denen du zu Hause warst, die haben sich doch bestimmt gefreut?“ Mein Versuch, sie aufzumuntern, scheiterte kläglich. Tapfer, aber in einem traurigen Ton erklärte sie, dass alle Kinder total verzogen gewesen seien. Eines hatte sogar den Weihnachtsbaum umgeworfen und mit Christbaumkugeln um sich geschmissen, weil die Eltern das falsche Playstationspiel besorgt hatten.


Ihre Erlebnisse waren weitaus schlimmer als meine. „Du hattest aber auch kein schönes Weihnachten.“, schmunzelte sie, als ich ihr von dem dreisten Herrn Gramann erzählte.


„Umso schöner ist es, dich getroffen zu haben.“, dachte ich. Bis hierhin war es schrecklich. Aber ab jetzt...

Ich lud sie ein, in der Bahn mein Lunchpaket der Grammans mit ihr zu teilen. Der Festtagsbraten entpuppte sich als Kartoffelsalat mit Würstchen. Beides aus der Dose. Aber das konnte uns auch nicht mehr schocken. Wir fuhren die ganze Nacht hindurch ziellos durch die Stadt.


Am 24. Juni heirateten wir, als Christkind und als Weihnachtsmann.


 

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Weihnachtsmann Teil II [Video]
von: Alexander-Hassberg |  26.12.2008 13:35:42

 

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