Zeit des Wandels: Wechseljahre
Die Natur ist einem
stetigen Wandel unterworfen. Sie verändert sich – Frühling, Sommer, Herbst und
Winter ... alles verläuft in Phasen, hat seinen Sinn und Zweck. Warum sollte es
bei uns Menschen anders sein? Auch wir unterliegen ganz natürlichen Veränderungen
wie Kindheit, Jugend, Erwachsensein, Alter. Wir werden reifer, erfahrener, oft
auch weiser und verständnisvoller. Es ist der natürliche Lauf der Dinge. Genau
so wie die Wechseljahre, die zu unserem Leben gehören und die weder eine Laune
der Natur, noch eine Krankheit sind.
Die Wechseljahre, das Klimakterium (die „Mitte des Lebens“),
ist eine Zeit des Übergangs in einen neuen Lebensabschnitt. Unser Körper sucht
und findet in dieser Zeit ein neues hormonelles Gleichgewicht. Wer diesen
Wandel bewusst und positiv annimmt, wird nicht nur den gesundheitlichen Aspekt
der Wechseljahre sehen, sondern die Chance für eine Um- und Neuorientierung des
eigenen Lebens erkennen. Das Ende der Fruchtbarkeit beispielsweise bedeutet für
viele Frauen ein Ende der monatlichen Beschwerden und die Befreiung von der
Last der Verhütung. Die innere Einstellung ist also wichtig, nicht umsonst
heißt es im Volksmund so schön: Man ist immer nur so alt, wie man sich fühlt.
Die Wechseljahre der Frau
Die Wechseljahre der Frau ist die Zeit der hormonellen
Umstellung am Ende ihrer fruchtbaren Phase. Sie ist notwendig, weil immer
weniger Eizellen in den Eierstöcken vorhanden sind und sich das
hormonproduzierende Gewebe langsam zurückbildet. Diese Zeit der Anpassung
erfolgt in mehreren Abschnitten und dauert – individuell sehr unterschiedlich –
zwischen einigen Monaten und bis zu fünfzehn Jahren. Da die meisten
Veränderungen langsam und behutsam erfolgen, bleiben sie anfangs von vielen
Frauen unbemerkt.
Das deutlichste Zeichen für die Wechseljahre ist die Menopause,
die letzte Monatsblutung – zu diesem Zeitpunkt sind keine Eizellen mehr
vorhanden. Sie ist nur im Nachhinein zu erkennen, und zwar nach 12 Monaten ohne
Regelblutung. Die meisten Frauen erleben die Menopause zwischen dem 50. und dem
52. Lebensjahr, in Ausnahmefällen kann es aber auch bis zum 58. Lebensjahr
dauern. Ebenfalls zu den Wechseljahren gehören:
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die prämenopausale Phase (ein bis zwei Jahre vor
der Menopause, mit unregelmäßiger Regelblutung) und
n
die postmenopausale Phase (die Zeit nach der
Menopause).
Wichtiger Hinweis:
Kommt es nach der Menopause zu Blutungen, sollten Sie die Ursache ärztlich
abklären lassen. Meist sind sie nur die Folge hormoneller Nachschwankungen. In
seltenen Fällen könnte aber auch eine ernsthafte Erkrankung die Ursache sein.
Deshalb ist ein Arztbesuch unbedingt erforderlich.
Beschwerden
Während der Wechseljahre verändert sich die seit der
Pubertät zyklisch verlaufende Hormonproduktion. Die Eierstöcke produzieren immer
weniger Östrogen, die Hirnanhangdrüse dagegen erhöht die FSH-Produktion (Follikel
stimulierendes Hormon), um die Östrogenerzeugung in den Eierstöcken
anzukurbeln. Die Folge: Der Östrogen-Spiegel sinkt und die FSH-Konzentration
steigt. Dieses Ungleichgewicht kann zu körperlichen und psychischen Beschwerden
führen.
Allerdings ist bis heute nicht eindeutig geklärt, welche
körperlichen oder seelischen Veränderungen tatsächlich durch die Wechseljahre erfolgen.
Häufig werden in dieser Zeit auftretende Beschwerden lediglich den
Wechseljahren zugeschrieben, obwohl ihre Ursache in Veränderungen der
Lebensumstände oder dem Älterwerden liegt.
Neuere Untersuchungen belegen jedenfalls, dass die
Wechseljahre für die meisten Frauen nicht so krisenhaft verlaufen, wie früher allgemein
angenommen wurde. Dies liegt vermutlich mit daran, dass sich in unserer
Gesellschaft in den vergangenen zehn Jahren die Bewertung und Einstellung zu
den Wechseljahren veränderte. Das Klimakterium wird heute nicht mehr mit dem
Verlust von Jugendlichkeit, Attraktivität und Leistungsfähigkeit gleichgesetzt,
sondern als Beginn einer neue Lebensphase angesehen, die viele Chancen und
Entwicklungspotenziale besitzt.
Rund die Hälfte der Frauen haben den Untersuchungen zufolge
keine oder nur geringe Beschwerden, die sie nicht als störend empfinden. Die
andere Hälfte hat dagegen – individuell unterschiedlich – stärkere Beschwerden,
die mitunter sogar medizinisch behandelt werden müssen.
Zu den häufigsten körperlichen Beschwerden zählen:
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Hitzewallungen und Schweißausbrüche
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Schwindel
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Konzentrations- und Gedächtnisstörungen
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Schlafstörungen (meist aufgrund von
Hitzewallungen und nächtlichen Schweißausbrüchen)
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Kopfschmerzen, oft migräneartig
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Herzklopfen (Herzjagen)
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Blasenbeschwerden und Harninkontinenz
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Hautveränderungen
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Gelenkbeschwerden
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trockene Schleimhäute
n
Veränderungen der Sexualität
Zu den psychischen Beschwerden gehören vor allem:
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Depression
n
Reizbarkeit und Aggressionen
n
labile Stimmungslage
n
nervöse Erschöpfung
Die Beschwerden sind in Stärke und Häufigkeit individuell
sehr unterschiedlich. Manche Beschwerden treten einzeln auf, sie können aber
auch untereinander verbunden sein oder sich gegenseitig bedingen. Ein Beispiel:
Herzjagen beispielsweise ist oft eine Begleiterscheinung von Hitzewallungen.
Leidet man nachts darunter, kommt es zu Schlafstörungen, die zu Müdigkeit und
Erschöpfung führen und die Betroffenen reizbar und aggressiv machen.
Wichtiger Hinweis:
75 Prozent der Frauen fühlen sich nach den Wechseljahren leistungsfähig und gesund,
zum Teil sogar glücklicher und gesünder als zuvor.
Hitzewallungen
Rund die Hälfte der Frauen
leidet unter Hitzewallungen. Sie fühlt sich wie eine heiße Welle an, die sich
von der Brust ausgehend in Kopf und Oberarme manchmal sogar über den gesamten
Körper ausbreitet. Die Haut kann rot werden, oft kommen Schweißausbrüche unterschiedlicher
Stärke hinzu. Viele Frauen verspüren zusätzlich Herzklopfen. Dies ist kein Zeichen
einer Herzerkrankung, sondern eine normale Kreislaufreaktion. Hitzewallungen
dauern etwa ein bis sechs Minuten. In Ausnahmefällen können sie aber bis zu
einer Stunde anhalten. Meist verursachen sie allerdings nur geringe
Beschwerden. Als Gegenmaßnahme ist es sinnvoll, sich im
Zwiebelschalenprinzip anzuziehen(mehrere
Schichten Kleidung). So hat man je nach Bedarf immer etwas aus- oder
anzuziehen. Sport, Bewegung und Wechselduschen lindern die Beschwerden.
Alkohol, Kaffee und Schwarztee sollten Sie meiden.
Behandlungsmöglichkeiten
Da die körperlichen und seelischen Probleme während der
Wechseljahre durch die Hormonumstellung entstehen, war lange Jahre die
Behandlung mit Hormonen (Hormon-Ersatztherapie) die übliche Behandlungsweise
bei starken Beschwerden.
Studien belegten aber erhöhte Risiken zu Embolien,
Herzkrankheiten, Schlaganfall, Brustkrebs und Gebärmuterkrebs. Das
Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) änderte daher im
Mai 2004 die Zulassungen zahlreicher Arzneimittel zur Hormonersatztherapie in
wichtigen Punkten. Bereits im August 2003 wurde das Anwendungsgebiet
„Wechseljahresbeschwerden“ auf die Behandlung ausgeprägter Formen eingeschränkt.
2004 wurde zusätzlich angeordnet, dass diese Arzneimittel nur noch im Ausnahmefall
zur Vorbeugung der Osteoporose eingesetzt werden sollen.
Heute besteht daher ein Konsens, dass Frauen in den
Wechseljahren keine besondere Behandlung benötigen, sofern keine extremen
Beschwerden vorliegen. Auch dies ist ein weiterer wichtiger Schritt weg von der
Einstufung bzw. Vorstellung als Krankheit und hin zu einem gelassenen und
selbstverständlichen Umgang mit diesem natürlichen, menschlichen Entwicklungsprozess.
Was können Sie selbst
tun?
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Sport und Bewegung an der frischen Luft sind
ideal. Bewegung stärkt nicht nur Ihre Knochen und Ihr Herz, sondern beeinflusst
auch positiv Ihr Wohlbefinden. Die darauf entstehende Müdigkeit beschert Ihnen
eine gute Nachtruhe. Deshalb: Gehen Sie spazieren, machen Sie eine Fahrradtour
oder tun Sie einfach alles, worauf Sie Lust haben. Genießen Sie das Leben!
n
Achten Sie auf eine gesunde Ernährung: Optimal
ist eine vollwertige Kost mit wenig Fleisch, dafür mit viel Fisch, Gemüse,
Obst, Salat und Milchprodukten. Eine gesunde Ernährung ist kalorienarm und
hilft Ihnen, Ihr Gewicht zu halten oder zu reduzieren. Wichtig sind zudem
regelmäßige Mahlzeiten, denn chaotische Essengewohnheiten erzeugen starke
Blutzuckerschwankungen, die Hitzewallungen auslösen können.
n
Pflegen Sie Ihre Haut, denn Östrogenmangel lässt
die Haut schneller altern. Produkte für die reifere Haut enthalten deshalb mehr
Fett als Feuchtigkeit. Vermeiden Sie zudem alles, was Ihrer Haut nicht gut tut,
beispielsweise zu viel Sonne, Solarien, zu viel Alkohol und Rauchen.
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Heilpflanzentees können ebenfalls für Linderung
sorgen (Anwendung: meist 2 bis 3 Tassen täglich über einen längeren Zeitraum).
Herztee bei Herzklopfen, Nerventee bei Nervosität und Salbeitee gegen
Schwitzen.
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Viele pflanzliche Arzneimittel versprechen bei
Wechseljahresbeschwerden Linderung, jedoch gibt es dazu kaum wissenschaftliche
Belege.
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Häufig verwendet wird das Extrakt der
Traubensilberkerze Cimicifuga, das pflanzliche Östrogene enthält
(Phytoöstrogene). Cimicifuga-Extrakte wirken vor allem gegen Hitzewallungen und
Schwitzen.
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Eine ähnliche Wirkung schreibt man den in Soja
enthaltenen Soja-Isoflavonen zu.
o
Extrakte des Mönchspfeffers sollen bei
Wassereinlagerungen im Gewebe und Brustspannen helfen.
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Johanniskraut wirkt stimmungsaufhellend.
o
Medikamente mit beruhigender Wirkung,
beispielsweise Baldrian, reduzieren tagsüber die Reizbarkeit und fördern nachts
den Schlaf. Gegen Schweißausbrüche hilft Salbei.
Beachten Sie bitte: Es dauert in aller Regel mindestens zwei Wochen
bis Pflanzenextrakte anfangen zu wirken. Die vollständige Wirkung entfaltet
sich meist erst nach vier bis acht Wochen.
Die Wechseljahre des Mannes
Auch Männer geraten in die Wechseljahre, wenngleich diese
nicht so ausgeprägt sind. Man bezeichnet sie als Klimakterium virile,
Andropause oder ADAM (Androgen Decline in the Aging Male = Androgenrückgang
beim alternden Mann).
Der Hauptunterschied ist: Bei der Frau endet die
Fruchtbarkeit, beim Mann bleibt die Zeugungsfähigkeit bis ins hohe Alter
erhalten. Die Wechseljahre des Mannes treten etwa zwischen dem 45. und 65.
Lebensjahr, in fast 70 Prozent der Fälle aber erst zwischen dem 50. und 55. Lebensjahr
auf. Typischen Symptome sind Abnahme der Muskelkraft, Müdigkeit,
Erschöpfungszustände, Abnahme der Libido und Nachlassen der Erektionsfähigkeit.
Verursacht wird dies vor allem durch den langsamen aber stetigen Rückgang des
männlichen Sexualhormons Testosteron.
Allerdings existieren auch Untersuchungen, die keinen
Zusammenhang zwischen dem Testosteronspiegel und den Beschwerden feststellen
können. Hierfür gibt es zwei Erklärungsversuche:
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Das Sozialverhalten des alternden Mannes ändert
sich. Die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen sinkt, mit Merkmalen wie
beispielsweise Ausbruch aus der Familie oder einer erheblich jüngere Gefährtin
in einer unverbindlicheren Partnerschaft.
n
Das Klimakterium virile ist ein Marketing-Schachzug
der Pharmaindustrie. Die Beschwerden (Depressionen, Schweißausbrüche, Verlust
des Sexualtriebs) entstehen durch eine ungesunde Lebensweise, beispielsweise zu
viel Alkohol, Rauchen, mangelnde Bewegung und Übergewicht.
Wechseljahre als Konfliktphase zwischen Mann und Frau?
Männer stehen ihren Frauen in den Wechseljahren oft ein
wenig ratlos gegenüber. Vieles können sie aufgrund anderer Erfahrungen nicht
nachvollziehen oder mitfühlen. Und oft besteht auch die Angst, dass sich die Sexualität,
Zärtlichkeit und verändert. Tatsächlich kommt es während den Wechseljahren
häufig zu sexuellen Veränderungen. Sie sind aber individuell sehr
unterschiedlich: Bei einigen Frauen nimmt das sexuelle Interesse und die
Erregbarkeit ab, bei andere dagegen steigt es an. Jedoch haben die hormonellen
Veränderungen der Wechseljahre kaum einen Einfluss auf die Sexualität.
Lediglich das Austrocknen der vaginalen Schleimhäute könnte zu Problemen
führen, hier mildern jedoch hormonfreie Gleitmittel und Feuchtigkeitscremes die
Beschwerden.
Vielmehr spielen bei Problemen mit der Sexualität vor allem
soziale und psychische Faktoren eine Rolle, das heißt Konflikte in der
Partnerschaft und das Altern. Dagegen gibt es wie so oft kein Patentrezept.
Hilfreich ist, sich gegenseitig zu achten und zu respektieren, das bedeutet,
den Partner mit all seinen Facetten ernst zu nehmen. Ein liebevoller Umgang miteinander
und Verständnis wirkt in aller Regel mehr als jede Arznei.
Genießen Sie gemeinsam Ihr Leben. Gehen Sie zum Beispiel ins
Theater oder in die Oper. Machen Sie Ausflüge oder ein Liebeswochenende in
Venedig. Lachen Sie zusammen – und Sie werden sehen, die Wechseljahre sind nur
ein Übergang in eine andere, neue und spannende Lebensphase. Der Beweis:
Zahlreiche Frauen (und Männer) erleben nach den Wechseljahren eine glückliche
und harmonische Sexualität, Erotik und Zärtlichkeit. Denn die menschliche Fähigkeit,
Liebe und Lust zu spüren und zu genießen, bleibt Ihnen Ihr ganzes Leben lang
erhalten.