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Troja? Oh, ja!

Autor: ElisaGroka
Bewertung: 4,50 | 6 Stimmen
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Mythologie für Einsteiger - eine komische Kritik

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Troja? Oh, ja!
von: ElisaGroka |  08.01.2010 10:15:36

Troja, oder:  Früher war alles besser!

 

Nachdem uns über Weihnachten sämtliche öffentlich rechtlichen Fernsehanstalten wie jedes Jahr ausufernd darüber aufgeklärt hatten, wie schlimm der Krieg war, war es endlich so weit: Das ZDF servierte Troja! Was ja nichts mit Krieg zu tun hat, sondern ein Heldenepos ist.

Und die Geschichte ist ja eigentlich ganz einfach. Angenommen, Agamemnon ärgert Memmen. Zack,  bricht der Krieg aus.

Dafür wird natürlich ein charismatischer Freiheitskämpfer gebraucht. Weil jetzt aber Che Guevara, ähm, verhindert war, griffen die Griechen auf Achilles zurück. Achilles hatte sich bereits einen gewissen Kultstatus erarbeitet, und so konnte die gesamte Staffel von Griechenland sucht den Superhelden übersprungen werden und er hatte den Job.

Achilles, im Film dargestellt von Brad Pitt und einem Bodydouble mit strammen Schenkeln, lässt den Zuschauer bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit wissen, dass er keinen anderen Gedanken kennt, als später, in tausenden von Jahren, an jedem humanistischen Gymnasium der Welt Erwähnung zu finden. Dafür lebt er, und dafür wird er sterben. Hach!

Man möchte ihm sagen: Ach, Achill, chill!, aber er hört ja sowieso nicht. Es gibt Dinge, die ein Mann tun muss. Zum Beispiel einer narzisstischen Neurose folgen. Und Achill muss nach eigener Aussage noch mehr als alle anderen Männer. Nun gut. Auch das gehört bei einer narzisstischen Störung dazu.

Er zieht also für uns in den Kampf. Damit wir was zu gucken haben. In epischer Breite bekommen wir einen Heldenmythos erster Güte serviert. Troja, dass ist wie Herr der Ringe ohne Hobbits, wie Gladiator ohne Cäsar ( der Soundtrack aber war glaub ich derselbe ), wie Star Wars ohne R2-D2.

Einfach nur großartiges Gewimmel.

Wäre der Film nicht so sandfarben, man könnte sich an die Hong Kong Ästhetik erinnert fühlen, in der porzellanhäutige Helden noch immer von Ehre sprechen, wenn sie schon von so vielen Pfeilen durchbohrt sind, dass selbst Boromir längst tot am Boden läge. 

Aber wir haben es mit Achill zu tun, und mit seinem Gegenspieler Hektor, der nur erschaffen zu sein scheint, um die unbedachten Missetaten seines triebgesteuerten kleinen Bruders Paris wieder auszubügeln.

Hektor häkelt hektisch seine Frisur, dann zieht er in den Kampf. Denn die Prinzen von Troja tragen ausgefallene Flechtfrisuren, bei denen man sich fragt: Was machen die eigentlich, wenn das Haar langsam lichter wird? Wird dann um die Pläte drum herum geflochten, oder lassen Trojanische Prinzen das Haar dann auf einer Seite länger wachsen, um es quer über die glänzende Glatze zu flechten? Einerlei. Hektor möchte lieber Familienvater sein und in Ruhe kahl werden, muss aber tun, was die Ehre ihm gebietet.

Und dann ist da noch Paris.

Tja. Paris also ist der klassische Jüngste. Der verwöhnte, hübsche Paris, der sicher zu viele Liebesromane gelesen hat, die seinen Charakter verdorben haben. Wären Die Leiden des jungen Werther damals schon en vogue gewesen, er hätte sich sicher erschossen.

So aber raubt er die schöne Helena, die noch mit einem Ach, das sagst du doch jeder! versucht, die Sache abzubiegen. Paris aber meint, dass er es diesmal ernst meint. Und das nach einer Jugend, die vermuten lässt, dass der Ausdruck Pariser für Verhüterlis von Paris abgeleitet ist.

Das Unglück nimmt also seinen Lauf.

Paris sieht nach dem Raub Helenas ein, dass die Sache doch Ärger geben könnte und stellt sich in Anbetracht der Tatsache, dass die Griechen mit tausend Schiffen über die Ägäis gekommen sind, um Helena wieder bei sich im Vereinsheim aufzustellen, dem Kampf gegen ihren angetrauten Gatten. Er hat eingesehen, das es sich hier um eine Geschichte zwischen zwei Männern handelt. So, wie bei Hitler und Stalin.

Jedoch stellt sich die Sache mit den zwei Männern als falsch heraus. Paris tritt zwar als Mann zum Kampf an, kriecht aber weinend vom Platz, als er sich einen Fingernagel abbricht und der erste Tropfen Blut fließt. Hektor muss wieder für ihn einspringen und so lernt Paris endlich Demut und Bescheidenheit. Das tat weh. Auch Helenas Gatten, der nun tot am Boden liegt.

Die Griechen schreien nach Rache, Achill muss her. Und so tötet Achill Hektor, der zuvor Achills Praktikanten getötet hatte. Auge um Auge, lange, bevor das alte Testament geschrieben war.

Weil Hektor aber clever genug war, um zum Sterben vor die Tür zu kommen, bleiben die Tore Trojas den Griechen immer noch verschlossen.

Daher greifen sie zu einer List, die heute noch jeder Internet-User fürchtet. Sie installieren einen Trojaner in Form eines wackeligen, sperrmüllreifen Holzpferdes und verstecken sich hinter dem nächsten Busch. Während Paris zu bedenken gibt, dass man den Gaul noch nicht mal mehr bei eBay los wird und besser gleich verbrennen sollte, glaubt ihm, der sich als gefühlsduseliger Warmduscher unter den Kriegern disqualifiziert hat, kein Mensch mehr.

Die Trojaner halten den Holzgaul für ein Abschiedsgeschenk der scheinbar geflohenen Griechen und zerren ihn in die Stadt.

Keiner wundert sich, warum das Teil so schwer ist, denn Brad Pitt und seine Männer im Inneren ziehen den Bauch ein, um sich extra leicht zu machen.

Tja. Fürchtet die Griechen, auch wenn sie Geschenke bringen! Es kam, wie es kommen musste. Brennende Häuser, schreiende Frauen, weinende Kinder, sterbende Männer.

Und mittendrin der große Showdown mit den zwei letzten Protagonisten, die noch übrig sind.  

Achill hatte für sich inzwischen romantische Ideale entdeckt und rannte schreiend durch die sterbende Stadt, um sein Krösken zu suchen. Denn sein Herz war entbrannt für die gekidnappte Cousine von Paris, die, wie jedes gute Entführungsopfer in großen Epen, ein Stockholmsyndrom entwickelt hatte und sich in Achill verliebt glaubte.

Paris hingegen hatte die von Achill fallen gelassenen Ideale aufgeklaubt und war nun besessen von dem Gedanken, abzuwenden, dass er später an humanistischen Gymnasien als romantisches Weichei Erwähnung finden könnte. Er wollte jetzt ein Held sein.

Und so schoss er Achilles einen Pfeil durch die berühmte Ferse, die ja nach ihm benannt ist. Also, die Achilles-, nicht die Parisferse.

Achilles fällt, nicht ohne seiner Angebeteten noch pathetisch mitzuteilen, dass er bei ihr Frieden gefunden habe. Er, der große Krieger.

Vielleicht ging er deshalb nicht mit seinem Ruhm, sondern mit seiner verletzbaren Ferse in den heutigen Sprachgebrauch ein. Ob es genau das war, was er beabsichtigt hatte, bleibt unklar.

Aber man kann sich eben nicht aussuchen, wofür man berühmt wird. 

 

 

Tags: 

Paris, Helena, Achilles, Satire, Komik, Film, Trojaner, Mythologie

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