Schöne neue WeltÜber Generals Motors, Atomstrom und Gedanken an die ZukunftGeneral Motors steckt in der Krise. Mit 170 Millionen Dollar Verlust jeden Tag steht ihnen das Wasser bis zum Hals. In einigen Köpfen reift schon der Gedanke einer Insolvenz. Eine erschreckende Vorstellung bei einem der weltgrößten Autohersteller.
Wie kann es so weit kommen bei einem weltweit agierenden Großkonzern? Einer der Hauptgründe ist wohl, dass durch steigenden Benzinkosten immer mehr Autokäufer auf Fahrzeuge umsteigen, die einen geringen Verbrauch aufweisen. Diesem - vermutlich schon viel zu spät einsetzendem - Trend sind die meisten Firmen gefolgt, nicht aber General Motors. Sie blieben bei der Produktion Benzinfressender Fahrzeuge. Die Einsicht zur Not für Veränderung war nicht vorhanden, die Rechnung kommt mit etwas Verzögerung hart zurück. Und das obwohl ausreichendes Wissen um die begrenzte Ressource Öl vorhanden war. Während der Ölkrise 1973, stieg der Ölpreis um rund 70% auf über 5 Dollar pro Barrel an. Dieser Trend hielt an. 2007 stieg der Preis pro Barrel entgegen allen Prognosen auf über 100 Dollar. Am 26. Juni 2008 erreichte der Ölpreis die Marke von 140 Dollar.
Bei diesem rund 30-Fachen Preisanstieg zwischen 1973 und 2008 ist der Wunsch nach sparsamen Autos nur zu gut verständlich. Wie schnell General Motors auf diesen Zug jetzt noch umsteigen kann, ist fraglich. Durch die Verluste sind weitere Sparmaßnahmen geplant. Diese beinhalten die Entlassung von 5000 weiteren Angestellten, derzeit beschäftigt das Unternehmen noch 32 000 Mitarbeiter. Keine schönen Aussichten für die Zukunft, verursacht durch Kurzsichtigkeit an einigen Stellen.
Ebenfalls ein Thema, bei dem in den unzähligen Debatten und Diskussionen das Wort Zukunft stetig auftaucht ist der Atomstrom. Derzeit plant die Bundesregierung eine Verlängerung der Restlaufzeit um weitere 8 auf insgesamt 40 Jahren, weitere Verlängerung nicht ausgeschlossen. Die Begründung für die angeblich notwendige Aufhebung des Beschlusses: Die Energie müsste ersatzweise aus Erdgas produziert werden. Bei aktuell steigendem Weltmarktpreis würde eine milliardenhohe Zusatzbelastung auf die Verbraucher zurückfallen. Dies müsse verhindert werden.
Im Endeffekt stehen wir vor einem ähnlichen Problem wie General Motors. Die steigenden Kosten für Öl und Gas erfordern Maßnahmen um zu verhindern, was schon früher hätte angegangen werden müssen. Die Verlängerung der Laufzeit der Atomkraftwerke kann uns nicht vorwärts bringen, zumindest nicht alleine. Durch den Aufschub der Frist für die Abschaltung, rückt der Zwang für die Verwendung alternativer Energien weiter in den Hintergrund. Als die Menschheit die begrenzten Reserven von Öl nicht direkt gespürt hat, gab es keine Veränderung hin zu sparsameren Fahrzeugen. Wozu auch. Alle waren zufrieden, der Blick reichte jedoch nur wenige Jahre voraus.
Das eine milliardenhohe Zusatzbelastung nicht ohne weiteres auf den Verbraucher umgelegt werden kann, ist eine schwerwiegende Tatsache. Eine die für die Verlängerung der Kernreaktoren spricht, da diese eine kostengünstige Möglichkeit bieten. Was spricht überhaupt gegen diese verhältnismäßig günstige und noch dazu CO2 neutrale Methode Energie zu gewinnen?
Zum einen wohl die bisher immer als klein eingestuften Atomunfälle der letzten Monate, welche die Katastrophe von Tschernobyl in Erinnerung rufen. Einen großen Kritikpunkt bildet zudem die Endlagerung des Atommülls. Laut Nabu gibt es Weltweit kein einziges sicheres Endlager für den Müll, welcher tausende Jahre endgelagert werden muss. Im Salzstock Asse in den Niederlanden scheiterten die Sicherheitsvorkehrungen schon nach wenigen Jahrzehnten!
Greenpeace liefert zudem noch ein Argument, dass gegen den Ausbau der Atomenergie spricht. Laut Uran-Report reichen die Uranvorkommen noch für maximal 65 Jahre. Da die Atomkraft nur rund sieben Prozent des weltweiten Energiebedarfs deckt, würde eine klimafreundliche Steigerung die Ressource Uran in kurzer Zeit erschöpfen und dadurch die Preise drastisch steigen lassen. Auf Dauer also doch keine günstige Energie.
Die Menschheit kann sich nun also in eine neue Abhängigkeit stürzen. Eine, die der aktuellen Öl-Abhängikeit verdächtig ähnlich ist und nicht zuletzt zu Krisen in Weltkonzernen wie General Motors führt. Noch dazu eine, die die Umwelt langfristig belastet. Oder sie schafft es aktiv den Weg der erneuerbaren Energien einzuschlagen und sich frei von allen Abhängigkeiten und Problemen zu sprechen.
Und was wir zu guter Letzt nicht vergessen sollten: Unsere Kinder und die nachfolgenden Generationen werden es uns danken, denn sie müssen in der Welt leben die wir ihnen hinterlassen. Und wenn es so weiter geht, dann kann man nicht reden von einer "schönen neuen Welt".
Quellen:
http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/Automobilindustrie-General-Motors;art271,2584335
http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/507/302503/text/
http://www.tecson.de/poelhist.htm
http://www.kurier.at/geldundwirtschaft/173786.php
http://www.greenpeace.de/themen/atomkraft/nachrichten/artikel/uran_fuer_atomkraftwerke_reicht_noch_maximal_65_jahre/