Hallo Ihr Lieben,
habt ihr noch genug Zeit für euch
und eure Gesundheit?
An dem Punkt habe ich vor gar
nicht all zu langer Zeit gestanden. Ich habe mir keine Zeit mehr für mich
genommen, sondern nur noch für die Arbeit und das Wohlergehen anderer meine Zeit
geopfert. Mein Körper gab mir in gewisser Weise ein Zeichen. Meine Salben und
Medikamente, die mir helfen, die Schuppenflechte so angenehm wie möglich zu
gestalten, haben ihre Wirkung verloren und ich war gezwungen zu handeln; und
das schnell, denn das Jucken und die Schmerzen wurden langsam zu einer
undefinierbaren Qual.
Mein Arzt riet mir, meine
Lebensweise zu ändern. Da ich aber so in meinem Trott gefangen war,
funktionierte es anfangs ganz und gar nicht. Es war mir nicht klar, was es
heißen soll, wenn ich Zeit für mich habe. Ich bin doch immer ich und wenn ich
Zeit verbringe, dann habe ich doch immer etwas davon. Der Arzt machte mir klar,
dass ich Dinge tun solle, die mir Freude machen oder die ich schon lange einmal
machen wollte. Dabei war es wichtig, dass es sich nicht um lästige Dinge
handelt, die ich seit langer Zeit vor mir her schiebe. Nein, es sollten so zu
sagen Wünsche sein, die ich mir vielleicht schon vor langer Zeit auf einer
Liste notiert oder sie bereits seit langem in meinem Gedächtnis mit mir
herumtrage.
Ich ging also erneut an die
Umsetzung dieser Vorsätze. Ich fing an, alle mir unbequemen Dinge von mir zu
weisen. Den Haushalt gab ich fast komplett an meinen Mann ab, erledigte nur mit
Widerwillen den Einkauf und verbrachte fast den ganzen Tag, wenn ich nicht
gerade arbeiten musste, vor dem Fernseher. So konnte ich meine Tage schnell und
relativ problemlos über die Bühne bringen.
Nachdem ich diesen Lebensstil drei Wochen beibehielt, fing ich an meinen
Körper noch abscheulicher zu finden als ich ihn ohnehin schon fand. Ich habe
zugenommen und bekam Pickel. Ich ging zu meinem Arzt und versuchte ihm zu
erklären, dass ich lieber wieder in meinen „alten“ Trott zurück gehe. Denn die
Nebenwirkungen, die es mit sich bringt, wenn ich das tue, wonach mir ist, wäre
ja nun offensichtlich. Voller Zorn und Erbostheit berichtete ich ihm meine
Erfahrungen und dass es mir jetzt nicht besser geht. Meine Schuppenflechte
wurde zu alledem auch noch schlimmer, was sich unter anderem aus meiner
Gewichtszunahme begründen ließ, wie ich ebenfalls von meinem Arzt erfahren
konnte.
Völlig entnervt kam ich wieder zu
Hause an. Mein Mann vertiefte sich in seine Arbeit und ich saß wieder einmal
vor dem Fernseher. Es kam sogar vor, dass ich vor dem Computer hockte und
gleichzeitig den Fernseher laufen ließ. Diesen Luxus wollte ich mir aber aus
„stromspartechnischen“ Gründen nicht mehr erlauben.
Doch bei all den vielen
Programmen, die man ja zwangsläufig zur Auswahl hat, fand ich keine Sendung die
meinem momentanen Gefühlschaos gerecht werden konnte. Ich sehnte mich nach
einem richtigen Streit, einem Beziehungsdrama, in dem die Frau von ihrem Mann
verlassen und zuvor aufs übelste Betrogen wurde. Ich wollte etwas sehen, womit
ich mich identifizieren konnte, ich wollte Menschen sehen, die so leideten wie
ich.. Doch alles, was ich fand, waren entweder total schnulzige Liebesfilme
(man nennt sie auch Daily-Soaps) oder Gerichtsshows, die derart schlecht waren,
dass ich anfing mir über die Frisuren der einzelnen Charaktere Gedanken zu
machen. Warum hatte die Frau, die eine verwahrloste Person darstellten sollte
ausgerechnet, wunderschön glänzende mit, einer Dauerwelle versehene Haare? Und
warum trug das Mädchen aus dem Superinternat eine zerrissene Hose, deren Bund
nur knapp über ihrem Schambein hing? Das passte nicht und so konnte ich mich
auch nicht in die Situation hineinversetzen und entschloss den Fernseher
auszuschalten.
Warum versuchte ich mich nicht
selbst zu heilen?
Wer könnte mir eigentlich besser
helfen als ich mir selbst. Schuppenflechte ist eine Krankheit, die aus
seelischen und physischen Ursachen bedingt auftritt. Ich musste also erst
einmal mein seelisches Problem herausfinden. Eigentlich war das keine große
Schwierigkeit, denn ein Teil meiner Verschlossenheit hat auch einen Grund.
Nicht nur meine Krankheit sondern auch Ängste haben mein Leben in ihren Bann
gezogen. Ich begriff nun langsam, dass es an der Zeit war, mir über einige
Dinge klar zu werden. Es hat auch immer einen Grund, warum der Körper, in diesem
Fall mein Körper, so reagiert wie er reagiert. Es sind Signale, die
entschlüsselt werden müssen. Ich machte mich also auf die Suche nach dem
Schlüssel, der es mir ermöglichen sollte, meinen Körper zu verstehen. So
ähnlich wie schon viele Entdecker, Fabelwesen und andere waghalsige Menschen
versucht haben, ihr Abendteuer zu erleben, machte ich mich daran es, mit dem
Finden des Schlüssel zu entziffern. Ich bin der festen Überzeugung, dass jeder
Mensch seinen Körper nicht wahrnimmt, um mit ihm eine Symbiose zu bilden,
sondern ihn benutzt, ihn auszerrt und permanent verlangt auf höchstem Niveau
das zu liefern was wir von ihm erwarten.
Kleine Zeichen einer
Unstimmigkeit zwischen Seele und Physis sind:
Hornhaut an den Füßen
Schatten unter den Augen
Risse und weiße Flecken an den
Fingernägeln
Ich möchte hier kein
Diät-Tagebuch führen, sondern versuchen mich, mit dieser Art der Therapie,
nämlich Euch über meine Krankheit zu schreiben, einen Weg zu finden die
Beschwerden zu lindern und den eben schon angesprochen Schlüssel entdecken zu
können. Ich schreibe frei über das, was ich empfinde und welche schönen aber
auch anstrengenden Erfahrungen ich durchlebe. Ich bin der festen Überzeugung
dass ich mir in meiner Situation eine Möglichkeit schaffen muss, in der ich einen
Schritt auf mich zu mache und nicht darauf warte, dass mir jemand anderes sagt
und zeigt was mir gut tun könnte, obwohl er mich vielleicht nur einige Minuten
in seiner Praxis vor mir hat.
Ich werde hier so eine Art
Berichtsheft führen, indem ihr die Möglichkeit habt, meine Geschichte zu
verfolgen. Ich habe ein Aufnahmegerät bei mir, in welches ich meine Gefühle,
Taten, Erfolge, Misserfolge und meinen Alltag aufspreche, wenn ich mal nicht am
Computer sitze, um alles an Euch weitergeben zu können. So habe ich die
Möglichkeit verschiedene Situationen zu übermitteln, auch wenn es mir zum
Zeitpunkt meines Schreibens bereits besser geht.
Ich wünsche uns viel Erfolg!