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| Die Vermessung der Welt
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von: Lesari |  01.02.2009 17:09:59
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Hallo zusammen,
über dieses Buch wurde viel geredet und geschrieben. Hochgelobt, bekam der Autor einige Preise, wie den Thomas-Mann Preis 2008.
Eine Buchvorstellung kann in vielfältiger Weise dargestellt werden, sicherlich werden mir die ein oder anderen Aspekte erst hinterher einfallen.
Daniel Kehlmann "Die Vermessung der Welt"
Verlag Rowohlt, 304 Seiten, ISBN 3-498-03528-0
Inhaltsangabe
Wem ist Alexander Humboldt oder Friedrich Gauß nicht bekannt?
Alexander von Humboldt wurde am 14. September 1769 in Berlin geboren, und starb dort auch am 6.Mai 1859.Bekannt war er als deutscher Naturforscher und Mitbegründer der Geographie als empirische Wissenschaft. Neben den "Ansichten der Natur", indem er Naturbeschreibungen mit deren wissenschaftliche Erklärungen verband, hat sein Hauptwerk, der "Kosmos", die größte Verbreitung gefunden.Seine Erkenntnisse gewann er durch jahrelange Forschungsreisen, die ihn oft auf unbekanntes Terrain führten. Dabei untersuchte er die Wechselbeziehungen zwischen Lebewesen und Umwelt.
Hätte Friedrich Gauß kein Stipendium bekommen, wer weiß was aus ihm geworden wäre. Geboren wurde er am 30. April 1777 in Braunschweig, und starb am 23.Februar 1855 in Göttingen.Er stammte aus armen Haus, und sein Lehrer Büttner erkannte seine schnelle Auffassungsgabe.Er gab ihm sein schwerstes Arithemitik-Buch das er besaß Gauß studiert es als achtjähriger innerhalb eines Tages, auch Büttner war erstaunt, und beschloß das Gauß auf Gymnasium muss, sonst sei sein Leben vergeudet.Gauß war der bedeutendste Mathematiker, Astronom, Geodat und Physiker aller Zeiten , auch schon zu seinen Lebzeiten.
Zwei anscheinend unterschiedliche Menschen, so verbindet sie doch eins.
Sie wollen beide die Welt vermessen, die danach nie so sein wird wie zuvor. Beide haben eine Vision der Zukunft, das treibt sie voran, ihre Genialität ermöglicht es ihnen, die gegebenen Voraussetzungen hochzurechnen und ihre Möglichkeiten zu suchen.
Leseprobe:
"Seltsam sei es und ungerecht, sagte Gauß, so recht ein Beispiel für die erbärmliche Zufälligkeit der Existenz, daß man in einer bestimmten Zeit geboren und ihr verhaftet sei, ob man wolle oder nicht. Es verschaffe einem einen unzulänglichen Vorteil vor der Vergangenheit und mache einen zum Clown der Zukunft."
Vieles beginnt erst in diesem Zeitalter, wie die Fotografie.Berlin wird gerade gebaut. Der eine zieht durch die Lande als Landvermesser, der andere treibt es über die Meere. Alexander Humboldt lässt sich nicht aufhalten,er kämpft sich durch den Urwald, gefährdet seine eigene Leute. Eine Reise durch die Steppe, befährt den Orinoko, kostet Gifte, zählt Kopfläuse, kriecht in Erdlöcher, besteigt Vulkane und begegnet Seeungeheuer und Menschenfresser. Dabei hat er einen treuen Begleiter gefunden.Bonpold ist mindestens genauso wagemutig und neugierig wie Humboldt.
Leseprobe:
"Manchmal, sagte Bonpland nachdenklich, komme es ihm schier rätselhaft vor, daß er hier sei. Unendlich weit von daheim. von niemanden losgeschickt, bloß eines Preußen wegens, den er im Treppenhaus getroffen habe. Humboldt nimmt so manche Strapazen auf sich, um die Gegenden zu erforschen. Er setzt sich sogar über alte Bräuche hinweg. Auf einer abgelegenen Missionsstation finden sie zwar Indianer, die sie über die Kataraken führen, doch als sie aus einer Höhle zwei Tote mitnehmen, will am nächsten Morgen keiner mit ihnen etwas zu tun haben.Immer wieder kommt er mit Bonpland in nicht ungefährliche Situationen, doch sein Forscherdrang ist größer. Gauß versucht dagegen Zeit für seine Theorien und für seine Familie zu finden. Eine Gratwanderung die nicht immer einfach ist.Schon mit zwanzig schrieb er sein Lebenswerk "Disquisitionen Arithemeticae".
Er liest viel über Humboldt in der Zeitung, über seine Forschungsreisen. Gauß hat selber das Gefühl, das er nicht älter als dreißig wird.Seine Frau stirbt bei der Geburt seines drittens Kindes. Von seinen drei Kindern hatte er mehr erwartet. Eugen ist gefühlig und begriffsstutzig, Joseph macht sich gut als Offiziersanwärter und Wilhemine hielt das Haus sauber. Gauß heiratet noch einmal, doch er merkt das es ein großer Fehler war. Es war nicht das Problem das er sie nicht liebte, sondern daß er sie nicht ausstehen konnte.
Leseprobe:
"An dem Tag, der alles änderte, tat ein Backenzahn so weh, daß er glaubte, wahnsinnig zu werden. Nachts hatte er auf dem Rücken gelegen und dem Schnarchen der Zimmerwirtin nebenan zugehört. Gegen halb sieben, als er müde ins Morgenlicht blinzelte, fand er die Lösung zu einem der ältesten Probleme der Welt."
Doch die beiden kommen in die Jahre. Humboldt und Gauß treffen in Paris aufeinander. Humboldt hat eine neue Idee, die Erde mit einem Netz magnetischer Beoachtungsstationen zu überziehen. Dafür braucht er die Hilfe von Gauß. Der lehnt ab.Humboldt kehrt nach Berlin zurück, und hält dort an der Uni Vorlesungen.Einige munkeln aus Geldnot, die anderen das der König es nicht mehr dulde, daß sein berühmter Untertan im Ausland lebe.Die Entdeckungen in der Welt gehen weiter. Viele Dinge werden neuentdeckt, wie z.B im Himalaya das noch höhere Berge gibt, als Humboldt sie erstieg.
Zwei ältere Herren sind sie geworden, die ein ruhigeres Leben führen und die Konversation pflegen.
Meine Meinung
Das war ein Buch das sich leicht und amüsant lesen ließ.Sicherlich ist nicht immer alles historisch korrekt in der Erzählung, sondern mehr als Geschichte zu sehen.
Allein schon die Idee, zwei so bedeutende Figuren in ihrer Lebendigkeit zu schildern, war ein Wagnis.Es ist die schriftstellerische Freiheit, seinen Figuren Charaktere zu geben.Eine reine Erfindung, die den Roman so lebendig werden lässt.
Humboldt als Figur hat mir besser gefallen. Vielleicht liegt es daran, das mich die Natur und deren Beoachtungen mehr faszinieren, als die Mathematik.Manchesmal sind einige Dinge ekelhaft, wie z.b als Humboldt den Vogelkot isst. Er ist der Meinung das man alles probieren sollte. Da spürt der Leser viel von seiner Neugierde und Entdeckerlust.Humboldt geht im Buch die Dinge sehr entschlossen an, und bringt andere dadurch Gefahr.Er ist geradezu von seiner Arbeit besessen.
Gauß ist mehr der bodenständige.Er ist hin-un hergerissen zwischen seinem Genie und seiner Familie. Das spürt der Leser. Oft wirkt er arrogant, miesepetrig ist jedoch hoch intelligent und visionär.Er klagt über manches Zipperlein, wie den Zahnschmerzen. Reisen sind für ihn eine Qual, so auch die im Roman beschriebene Reise von Göttigen nach Berlin. Über Literatur und Poesie macht er sich lustig.
Dabei ist eine Kritik das die genaueren Motive und Charaktereigenschaften der beiden im Dunklen bleiben. Würden sich beide nicht am entgegengesetzte Ende befinden,so würde der Leser kaum ein Unterschied zwischen den beiden entdecken. Zwischen dem Leser und der Sprache der Figuren würde immer einer vermittelnde Instanz eines Erzählers stehen.
Das habe ich so nicht empfunden, denn Unterschiede waren herauszulesen. Gut, David Kehlmann widmet sich mehr den Naturbeoachtungen von Humboldt in längeren Abschnitten.Doch welcherAutor nutzt nicht Reisen, um aus ihnen wunderbare Beschreibungen zu formulieren.
Ich finde weniger es ein philosophisches Buch ist.Es will einen mehr für die Naturwissenschaften und der Mathematik begeistern. Wir finden wichtige Entdeckungen wieder, wie die Abhandlung über die lebendige Muskelfaser als leitende Substanz, die Humboldts wissenschaftlichen Ruf begründetet.
Sehr gut gefiel mir der Humor. Ein Reszent bemängelte ihn als zu brachial, zu unglaubwürdig und auf Pointe getrimmt. Das Buch habe ich von Anfang an nicht als tiefergehendes gesehen, sondern mehr zur Unterhaltung. Und wenn manches zusammengeflickt wirkt oder zu erheischend, dann war es bestimmt so gedacht.Eine Erzählung die sich auf verschiedene Weisen lesen läßt und dem Leser selber eine Entdeckungsreise bietet.
Deshalb bekommt das Buch von mir die volle Empfehlung.
Der Autor
Daniel Kehlmann wurde am 13.Januar 1975 in München geboren. Er studierte Philosophie und Literaturwissenschaft.1997 debütierte Kehlmann mit dem Roman "Burholms Vorstellung", seinen internationalen Durchbruchschaffte er 2003 mit dem seinen vierten Roman "ich und Kaminski". Er schreibt Rezensionen und Essays für verschiedene Zeitungen.
(auch für andere Plattformen)
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Tags: Gauß, Mathematik, Daniel Kehlmann
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| Sind wir sichtbar in dieser Welt?
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von: Lesari |  01.02.2009 17:03:22
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Hallo zusammen,
nachdem ich schon mit Begeisterung Daniel Kehlmanns "Die Vermessung der Welt" gelesen habe, musste ich sein neues Buch unbedingt haben.
Daniel Kehlmann "Ruhm"
ISBN 978-3-498-03543-3, 203 Seiten, EUR 18,90, Rowohlt Verlag
Inhaltsangabe
Sicherlich wird nicht jeder gerne Kurzgeschichten lesen, doch diese neun zeigen das Talent vom Autor. Er schafft sich eine Art Autor namens Leo Richter, der seine Umgebung als Figuren in die Geschichte einbaut. Dabei geht es darum einen Roman ohne Hauptfigur zuschaffen und der Frage wie wirkt sich die Medialisierung der Welt auf uns aus.
1.Stimmen
Wer hat heutzutage kein Mobiltelefon, und möchte immer erreichbar sein? Der Computertechniker Ebeling hat sich endlich eins zugelegt, doch eigentlich klingelt es nur, wenn seine Frau Gurken braucht. Doch bei diesem Anruf ist eine andere Stimme am anderen Ende. Höflich weist er daraufhin das sie sich verwählt habe, jedoch erreichen ihn immer wieder Anrufe für einen Ralf. Es beginnt ihm zu Spaß zu machen, und daraus entsteht eine irrwitzige Situation.
Leseprobe:
"Während er sich lautlos auf dem Weg nach oben machte, dachte er darüber nach, ob es diesen Ralf wirklich gab. Plötzlich kam ihm unglaubhaft vor, dass Ralf da draußen existierte, seinen Angelegenheiten nachging und nichts von ihm wusste. womöglich war Ralfs Dasein ja immer schon für ihn bestimmt gewesen, vielleicht hatte nur ein Zufall ihrer beiden Schicksale vertauscht."
2. In Gefahr
Natürlich kommt die Liebe nicht kurz. Hier lernen sich Elisabeth und Leo Richter kennen, mit seinen fiktiven Figuren, die er einflicht in die Handlung.
3. Rosalie geht sterben
In dieser Erzählung fleht die todgeweihte Dame Rosalie, den Autor um ihr Leben an. Es entsteht ein Zwiegespräch, denn der Autor möchte das sie stirbt. Schließlich hilft er ihr, indem er ihr eine neue Jugend schenkt.
Das war eine der Geschichten die mir am besten gefallen hat.
Leseprobe:
"An seinem Schweigen merkt sie, daß er darüber nicht nachdenken will, schon mehrmals ist ihr aufgefallen, daß Leute unter dreißig sich nicht dafür interessieren,warum die Dinge so wurden, wie sie sind."
4. Der Ausweg
In der Geschichte dreht es um den Schauspieler Ralf Tanner, der anscheinend öfters bei den Menschen im Leben auftaucht. Auch sein Leben ändert sich plötzlich, er bekommt die Auswirkungen der falschen Handyanrufe aus der ersten Story zu spüren. Zudem versucht sich er sich als sein eigenes Double, das ihn ebenfalls in Schwierigkeiten bringt.
Leseprobe:
"Nein, dachte er in der Straßenbahn auf dem Weg in Matthias Wagners Bleibe. Natürlich bewiese es nichts dergleichen, es zeigte bloß, das Selbstbeobachtung die Persönlichkeit wirr macht, den Willen ablenkt, und die Geisteskraft bricht, es bewies, dass kein, von außen und mit Klarheit gesehen, sich selbst ähnelt."
Am Ende fragen wir uns wer ist wer?
5. Osten
Wieder einmal begegnen uns Verknüpfungspunkte aus der ersten Geschichte.Leo Richter sollte eine Literaturreise in einem fremden Land im Osten unternehmen, doch kurzerhand übergibt er sie einer anderen Autorin. Zunächst geht alles gut, doch dann sind es wenige Zufälle, und sie verliert jeden Kontakt zu ihrer vertrauten Welt. Sie ist eine wie Gefangene in einem ihr unbekannten Land.
6. Antwort an die Äbtissin
Eine Erzählung die sich mehr um die Gedanken des Miguel Auristos Blancos dreht, und nach den Sinn des Lebens fragt. Für mich eher eine schwache Geschichte, die etwas verwirrend wirkte.
7. Ein Beitrag zur Debatte.
Hier wird alles auf den Kopf gestellt. Die normale Wortwahl wechselt in eine cybermässige Sprache und zeigt uns wie technischer Wahnsinn unser Leben bestimmen kann. Dargestellt wird es in dem fresssüchtigen Nerd, der sogar seine Arbeit vernachlässigt, weil der Bildschirm ihn dirigiert.
Leseprobe:
"Dann zweiter und dritter Techniktyp, und ausgerechnet jetzt kam Lobenmeier zurück und machte ein Smile wie Mooshirn und hörte zu, während der Techniktyp nach Namen und Stand-Ort und IP-Adresse und Ethernet ID fragte. Dann tippte der Typ, gähnte, tippte und stockte."
Das war für mich eine der besten Geschichten.
8.Wie ich log und starb
Eine vertraute Erzählung, die sooft in unserem Leben vorkommt. Ein Mann, der eine Wochenendehe führt und dann in der Woche eine neue Frau kennen lernt. Er verstrickt sich zunehmend in Lügen, wird er diesen Irrsinn überleben?
9. In Gefahr.
Zum Schluss erleben wir wieder Leo und Elisabeth und knüpfen damit an die zweite Geschichte an. Beide fliegen in ein Krisengebiet, und am Ende wissen wir nicht ob es wirklich passiert ist.
Meine Meinung
Das waren Kurzgeschichten die mir wirklich gefallen haben.
Daniel Kehlmann ist ein guter Beobachter und diesmal zeigt er uns mit einen bissigen Humor, wie eine kleine falsche Programmierung in der technischen Welt, alles aus den Fugen geraten lässt. Dabei nimmt er Spuren von anderen Geschichten auf, wie die von Marlene Haushofer "Die Wand", um sie dann wieder zu verlassen. Er wechselt Ton, Perspektiven, Erzählweisen und Geschichten, wie es ihm gefällt.
Daraus entwickelt sich das zentrale Thema des Buches: der Austritt aus dem Leben hinüber in ein anderes, um es neu zu erfinden. Deshalb sind die Geschichten untereinander verwoben, manche Personen, die zunächst als Nebenfiguren oder Schemen auftreten, übernehmen in einer anderen die Hauptrolle,andere tauchen immer mal wieder kurz auf,die eine Wirklichkeit erweist sich dreißig Seiten später als unwirklich.
David Kehlmann versteht zu erzählen. Neben einer klaren Sprache und üblichen Sätzen, verwendet er auch eine Sprache die mehr Netz dem entspricht. Das ist sehr ausgeklügelt, und hält uns wie ein Spiegel vor,wie sich das Web auf uns einwirkt.
Da ist es auch nicht so schlimm, das die Figuren keine richtige Entwicklung durchnehmen, weil wir wissen nie ob sie wirklich da sind oder nicht. Neun ausgeklügelte Kurzgeschichten die von mir eine absolute Empfehlung bekommen.
Der Autor
Daniel Kehlmann wurde am 13.Januar 1975 in München geboren. Er studierte Philosophie und Literaturwissenschaft.1997 debütierte Kehlmann mit dem Roman "Burholms Vorstellung", seinen internationalen Durchbruchschaffte er 2003 mit dem seinen vierten Roman "ich und Kaminski". Er schreibt Rezensionen und Essays für verschiedene Zeitungen.
(auch für andere Plattformen)
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Tags: Ruhm, Daniel Kehlmann, Autoren
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| Erzählende Bilder
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von: Lesari |  24.01.2009 17:02:30
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Hallo zusammen,
da kommt eine kleine Meldung das Inger Christensen am 02.01.09 verstarb. Wer? Ja, da musste ich erstmal recherchieren, und bin mittlerweile begeistert über ihr Werk.
Inger Christensen ist vor allem wegen ihr außergewöhnlichen Sprachkunst bekannt. In ihrer Lyrik, der Prosa und den Essays fließen viele Einflüsse, aus der Mathematik, Chemie und Medizin, die die vielfach ausgezeichnete Schriftstellerin studiert hat. Wer sich näher mit ihrem Werk beschäftigt, wird einen roten Faden finden, der sich um das Verhältnis von Sprache und Schreibendem, von Sprache und Welt dreht. Mit Hilfe ihrer schafft sie Sprachbilder in dem immer wieder ein Ort, die innere und die äußere Welt zusammenführt, als wären sie nie voneinander getrennt gewesen.
"Ist der Schreibende, der die Geschichte schreibt, oder ist es die Sprache, die sich selbst schreibt?"
Eine Frage, die sich auch im vorliegenden Buch stellt. Es ist keine Handlung, die sich wie ein Roman lesen lässt, nein den Leser erwartet mehr ein Kunstprodukt, eine fiktive Geschichte um ein Gemälde.
Inger Christensen `Das gemalte Zimmer`
ISBN 3-518-22218-X, 107 Seiten, EUR 11,80 mit dem Siegfried-Unseld-Preis 2006 ausgezeichnet.
Eine Inhaltsangabe ist gar nicht so leicht, denn in erster Linie ist es das Gemälde das die Fiktion der Worte bestimmt. Ich werde versuchen Euch, für diese Wortspiele zu begeistern, denn das ganze ist für mich ein Kunstgriff der Autorin.
Die Geschichte beginnt mit einem ersten Teil worin, der Hofsekretär Marsilo Andreasis seine täglichen Erlebnisse am Hof schildert,bei der seit 1328 der regierenden Adelsfamilie Gonzaga. Verbunden sind sie mit dem größten Fresko an der Nordwand "Audienz" am Hof der Gonzaga. Scheinbar alltägliches Geplänkel, und doch bezieht es sich auf das Bild.
Leseprobe:
"19.April. Abends Am besten, sich nicht mehr Mensch, nennen. Sondern im stillen zu sich selbst wie zu einer Sphinx sprechen, einer Maschine oder einem Mönch."
Im zweiten dreht die Autorin die Erzählweise. Hier kommt die Sklavin Farfalle zu Wort, die sich bei der Betrachtung des Deckengewölbes- dem illusionistischen Intrigen der Gonzagas erinnert. In erster Linie eine in sich abgeschlossene Geschichte um ein Brautpaar, um Pfaue in einem Zimmer und was alles darum geschieht.
Leseprobe:
"Nie seit Menschengedenken war in Mantua ein so ungleiches Paar getraut worden. Man sagte, er sei genauso schön, wie sie reich sei. Sie sei die Leidenschaftliche, während er kalt sei."
Im dritten Teil und dem Schlusskapitel erzählt der zehnjährige Bernardino, bei einem Spaziergang über die Bilderwelt des Vaters und wie es geschaffen wurde. Er ist auch, der alle Zeit-und Erzählebenen zusammenführt,damit gibt er sich gewissermaßen als das alter ego der Autorin zu erkennen.
Leseprobe:
"Der Spaziergang, auf den ich mich jetzt begeben werde, ist Gentilias Spaziergang in das Bild meines Vaters hinein. Und ich glaube nicht, daß die viele Leute in Mantua in einer Stadt gewesen sind, die so merkwürdig ist, die unglaubliche Stadt, die ich heute, am 27. August 1473,besuche."
Damit endet ein kleine feine Geschichte, die sich einem erst nach und nach öffnet. Wer ein raschen Plot erwartet, wird enttäuscht sein.
Es ist mehr ein Kunstprodukt, wo es sich in erster Linie um das Gemälde dreht.
Ihr findet nach dem ersten Teil das Gemälde, worüber die Geschichte erzählt. Die Figuren sind nicht dazu geschaffen, um allzu lebendig zu wirken. Sie erfüllen in erster Linie den Zweck über das Alltägliche zu berichten, obwohl die Zeit anscheinend so lange her ist.
Das ist ein weiterer Kunstgriff in der Handlung, dem Leser werden Situationen geschildert, die noch heute aktuell sein könnten.Klatsch-und Tratschgeschichten werden niemals aus dem Leben des Menschen verschwinden.
Ein Spiel mit Worten,Sätzen, Figuren und Phantasien worauf ich mich einlassen sollte. Es geht nicht so sehr um den Spannungsbogen der Handlung, der ist eher flach, nein Inger Christensen führt einen auf eine andere Ebene des Erzählens.
Gut, das wird sicher nicht für jeden etwas sein, auch wenn einige Kritiker meinen, das wäre leichte Kost. Nein, das war es für mich nicht,ich musste es in Ruhe lesen, um die Raffinesse des Kunstwerks zu verstehen. Daraus ergibt sich ein Komposition des Bildes und der Handlung in einem.
Eine Handlung, die viel von dem Können der Autorin zeigt,schade das es mit dem Literaturnobelpreis nicht mehr geklappt hat. Vielleicht ging es mit dem Lesen auch nicht so direkt voran, da Inger Christensen ein Teil ihrer Werke, mit ihren mathematischen Verfahren unterstreicht. Es würde den Buchbericht sprengen, um auf ihre sprachliche Gewandheit einzugehen, das möchte ich auf die anderen Bücher übertragen, um den Sinn ihrer Fertigkeit der poetischen Sprache vorzustellen.
Ich habe gerade erst angefangen sie zu entdecken.
Ich empfehle es denjenigen, die Lust auf Experimente des Lesens haben. Es lohnt sich.
Inger Christensen wurde 1935 in Veilje, Dänemark. Kurzzeitige Tätigkeit als Lehrerin. Sie arbeitete als freie Schriftstellern und Übersetzerin Kopenhagen, ihr Werk wurde vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Österreichischen Staatspreis für Europäische Literatur (1994), und dem Preis der Stadt Münster für Europäische Poesie (1995).
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Tags: Gemälde, Inger Christensen
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| Rätsel Sprache
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von: Lesari |  23.01.2009 19:07:35
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Hallo zusammen,
heute habe ich mal ein Buch für Euch, das wirklich lesenswert ist. Eine Geschichte, die sich um Glaube, Liebe und das Wissen über die Sprache dreht.
Matt Rubinstein `Ein leichter Regen am Donnerstag`
ISBN 978-3442-31158-3, Goldmann Verlag, EUR 17,95; 349 Seiten
Inhaltsangabe
Das jungverheiratete Ehepaar Jack and Beth erben von Beths verstorbenem Vater eine ungenutzte Kirche in Sydney, die kurz darauf von einem Hagelsturm fast vernichtet wird. Das Dach stürzt in den Altarraum und zerschlägt den Stein. Als beide nachschauen entdecken sie eine verborgene Krypta, in deren Nischen, sich hinter einem losen Stein ein altes Mansukript verbirgt. Jack, der als Übersetzer arbeitet ist davon fasziniert, denn es scheint eine unbekannte Schrift zu sein.
Es wird eine regelrecht Obsession für ihn, dabei bemerkt er nicht das sich Beth verändert.Auch sie findet alte Fotografien die ihr Vater hinterlassen hat. Bilder die sie als Kind zeigen und in ihr Erinnerungen wecken. Doch wer ist dieser Schatten im Hintergrund der Bilder? Hatten ihre Eltern an Geheimnis?
Jack ist ihr immer weniger ein Hilfe,denn das Manuskript lässt ihn alles herum vergessen. Er bemerkt nicht das Beth eine persönliche Krise durchlebt, die anscheinend in einem Selbstmord endet.
Leseprobe:
" Er setzte sich wieder auf den Boden, nahm das Manuskript und öffnete vorsichtig den umgeschlagenen Einband. Er knisterte seufzend und Jack hatte das Gefühl, er würde etwas zerbrechen. Das Manuskript wollte weder zuklappen, deshalb musste er die Seiten festhalten. Die inneren Blätter waren heller als der Einband.Mittig auf der rechten Seite standen zwei Wörtern, ein Titel in einer schnörkeligen Schrift. Sie war zu kompliziert und verblasst, um sie lesen zu können."
Wozu wurde es geschaffen? Sollte es eine aussterbende Sprache bewahren, oder Fragen stellen, woher wir kommen und wie wir Dinge sehen.Jack entwickelt eine regelrechte Paranoia indem er überall Feinde sieht,die das Mansukript stehlen wollen. Als Jack meint, vertraute Zeilen entdeckt zu haben, zieht sich sein Magen zusammen. Es scheint aus dem Griechischen zusein, etwas Sankrit und einige Dutzend andere Alphabete
Einiges an Bildern erkennt er durch seine Suche in der Bibliothek. Jack glaubt die Lösung gefunden zu haben, wenn er seine Aufzeichnungen vergleicht, doch irgendwie scheint es doch wieder anders zu sein, oder ist es einfach seine Verwirrung die dieses Manuskript auslöst.
Leseprobe:
" Das Manuskript brach seine eigene Regeln, es entfernte sich von seinem vertraut gewordenen Alphabet und führte neue Zeichen ein: einen Picknicktisch, ein Bierglas.Sie passten nicht recht, sie gehörten nicht zu den dem volkommenen Alphabet. Er hätte aufmerksamer sein müssen."Wird er aus seiner Isolation herausfinden, und Beth helfen können?
Bevor ich zu meiner Meinung komme, möchte ich ein paar Hintergrundfakten hinzufügen.
Matt Rubinstein hat die Idee des Romans nicht so einfach aus dem Ärmel geschüttelt. Als er noch als Anwalt arbeitete, las er alles über dieses Manuskript im Internet.Das Voynich Manuskript faszinierte ihn,indem er zwei erste Bücher darüber veröffentlichte. Das eine schrieb er mit neunzehn Jahren, mit dem Titel "Solstice", in Sonettform.Es ist eine beschwörerische und spielerische Beschreibung einer Stadt und deren Einwohner.
Doch wie wurde das Mansukript bekannt? Während des letzten Jahrhunderts kaufte eine Gruppe von Jesuiten eine heruntergekommene alte Villa ausserhalb Roms. Um die Restauration bezahlen zu können, verkauften sie einige der Manskripte ihrer Bücherei an den amerikanischen Antiquariat Wilfried Voynich.Mit den üblichen Gospel und Gebetbücher, beendet Voynich seine Sammlung mit dem mysteriöusen alten Buch, das in einem Alphabet geschrieben wurde,und bizarren Bildern, die er niemals vorher gesehen hatte. Zwischen den Seiten findet er einen Buchstaben in Latein, gewidmet den grossen Universalgebildeten des 1600s. Die Buchstaben sagen das das Manuskript von Mönchen des 13 Jh, geschrieben wurden sein könnte, frühe Gelehrte und Alchemisten- aber keiner konnte es übersetzen.
Es gibt keinen anderen Beweis woher das Manuskript stammt oder was es meint. Voynich war überzeugt das es von Roger Bacon geschrieben wurde und ein sehr wichtiges Dokument für die Geschichte der Wissenschaft war. Er sandte Kopien an verschiedene Experten, und diese verschickten weitere Kopien.Menschen wurden besessen von dem Manuskript und verbrachten im zwanzigsten Jahrhundert viel Zeit damit um es zu lösen.Einige dachten sie hätten es gelöst, sie waren sicher das es eine Art griechische Kurzschrift ist, oder eine hohes verkürztes Latein, oder ein ukrainischer Dialekt ohne Vokale, oder eine visonäre Verformung des Hebräischen.Es könnte auch eine ausgestorbene Sprache sein oder eine erfundene. Die meisten Forschungen behaupten das das vollständige Manuskript eine Sprache war, die zufällig aus einigen Modellen entstand.Aber keiner glaubt wirklich daran.
Und darum hat es Matt Rubinstein so fasziniert.Er mochte die Idee, das soviele Menschen versucht haben die Lösung zu finden und verschiedene Argumente hervorbrachten. Seitdem es geschrieben wurde, wurde viel darüber geschrieben, woher es kommt und was man damit machen könnte. Denn die Welt ist voller Buchstaben und Sprachen die wir vergessen. Wir haben einige von ihnen entschlüsselt - wie die ägyptischen Hieroglpyhen- aber bei vielen wird immer noch nach einer Übersetzung gesucht.
All diese Geschichten, all diese Misserfolge und falschen Interpretationen sind in dem Voynich Manuskript zusammengefasst. Es ist wie ein Faß ohne Boden, ein Buch ohne Anfang oder Ende das niemals zweimal gleich gelesen wird. Und all diese verschiedenen Argumente hat der Autor in seinen Roman eingefügt. Es ist über ein mysteriöses altes Manuskript das hinter einem Stein in einer alten Krypta gefunden wird, und es kann alles sein: ein geheimer Code, eine verlorene oder perfekte Sprache,und vielleicht noch viel mehr. Wir haben gelernt ein Alphabet zu lesen und zu verstehen, doch in einer anderen Sprache hat es wieder einen anderen Sinn.
Doch wie lesen wir? Wie nehmen wir die Wörter auf, oder es ist nur eine visuelle Form davon? Es ist schwierig das alles zu erklären, wie es funktioniert. Und so hat jedes Buch seiner Zeit eine literarische Mysterium, wir lesen es nicht sondern suchen eine Interpretation, nicht immer können wir den Autor fragen. Es sind Bücher, wie der Eco`s Name der Rose die uns beschäftigen, Bücher über die wir viel nachdenken und diskutieren.
Ich hoffe dadurch nicht zuviel zu verraten, wie der Roman verlaufen wird.Kommen wir nun zu
Meine Meinung
Ein wirklich spannendes Buch, weil es so viele Fragen aufwirft.
Was mich am meisten beschäftigt ist die Übersetzung des deutschen Titel "Ein leichter Regen am Donnerstag", die mir nicht gefällt. Ich meine das der Originaltitel eine Phrase oder ein Sprichwort meint , die ich noch nicht gefunden habe.A little wird übersetzt als `ein bisschen`,`ein wenig`oder `etwas`, dagegen hat leicht eine andere Übersetzung.Also da werde ich noch weitersuchen
Ebenso sagen beide Titelbild etwas völlig anderes aus. Auf dem englischen wird mehr auf das Manuskript eingegangen. Es zeigt ein zerknitteres Papier, und stärkt mehr die Aussage von Jack. Das deutsche Titelbild zeigt einen Leuchtturm und bezieht sich mehr auf Beth. Ich denke jedoch das englische trifft mehr den Sinn des Romanes.
Es sind vor allem die Themen des Lebens die Matt Rubinstein in die Geschichte einbindet.Neben dem Hautpmerkmal auf dem Manuskript und seiner verborgenen Sprache, entwickelt sich eine weitere um Jack und Beth.Ein zweite Geschichte um Liebe und Vertrauen sowie den Tod. Das gefiel mir sehr gut, denn das lockerte die Handlung auf. Auch blieb die Spannung erhalten, weil der Leser will ja wissen, wie es so weitergeht. Ein gute Idee,so den Roman aufzubauen.
Für die einen mag sich der Roman nicht erschliessen, doch da ich solche Handlungen, die ein wenig rätselhaft daherkommen mag, fand ich es eine gelungene Verwicklung. Sicherlich war es nicht immer einfach die Geheimnisse zu verstehen, manches sollte der Leser zweimal lesen,jedoch macht der Autor es wieder gut indem er eine klare Sprache verwendet. Ich habe kein einziges Mal den Faden verloren, auch wenn manchmal der Schwerpunkt variierte. Ich wußte immer worum es ging.
Gut, die Hieroglyphen als Kapitelüberschriften haben mir natürlich nichts gesagt. Es sollte wahrscheinlich um das Alphabet im Manuskript gehen,das so geheimnisvoll ist. Auch wenn es so scheint das Matt Rubinstein einen Krimi schrieb, so ist es nicht, auch wenn ein Labor in die Luft fliegt. Das war für mich eher eine Randnotiz, ich denke im Vordergrund standen seine jahrelangen Rechercheergebnisse, die er jetzt in diesem Roman zusammenfasst. Es geht vielmehr um die Bedeutung der Sprache.Ein Roman, der von jedem etwas bietet, ein Stück Krimi, ein Stück Liebesgeschichte, ein Teil Dichtung, jeder findet etwas das er mögen wird.
Und deshalb bekommt es von mir die volle Empfehlung.
Der Autor
Matt Rubinstein wurde 1974 in Sydney geboren, wo er nach einem längeren Aufenthalt in Adelaide auch heute lebt. Nachdem er einige Jahre als Rechtsanwalt arbeitete, beschloss er sich dem Schreiben zu widmen.Das wurde ihm praktisch in die Wiege gelegt, denn seine Mutter - die Autorn Gillian Rubinstein- liebte die Worte, die Rhytmen und die Geschichten.Heute schreibt er auch für den Filmbereich nd ist Verfasser von Drehbüchern.
(auch für andere Plattformen)
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Tags: Manuskript, Sprache, Voynich
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