Ist es moralisch vertretbar, für
Dateien Geld zu verlangen? Das Internet war doch lange Zeit dadurch geprägt,
dass jedem kostenlos Informationen und Medien zur Verfügung standen. Muss man
denn aus allem Kapital schlagen?
Um diese Frage zu beantworten,
möchte ich eine Gegenfrage stellen: Sollen wir es den Großkonzernen überlassen,
alles zu vermarkten? Oder, wenn man Inhalte kostenlos ins Internet stellt, auch
noch der Maschinerie Futter in den Rachen werfen, die Millionengewinne durch
Werbeeinnahmen macht, indem die kostenlos zur Verfügung gestellte Datei andere
Menschen anzieht?
Geld ist ein Tauschmittel. Geld
ist nur lästig und bereitet nur Probleme, wenn man zu wenig davon hat. Bei www.fileboom.de
hat jeder die Möglichkeit, seine Ideen, seine geleistete Arbeit, anderen für
einen geringen Preis zugänglich zu machen. Würde nicht jeder lieber einem
Gleichgesinnten eine Entschädigung für die geleistete Arbeit geben, statt (mal
wieder) nur andere davon profitieren zu lassen?
Marx griff zu seiner Zeit das
Kapital an, das in den Händen der Kapitalisten zu einem Teufelskreis der
Ausnutzung von Menschen führte, der bis heute hin anhält. Zu seiner Zeit
standen die Produktionsmittel in der Regel denjenigen zur Verfügung, die Geld
hatten und sich die Fabriken und Maschinen bauen lassen konnten. Gegen Lohn
schufteten die Arbeiter und hatten sonst nicht viel vom Leben. Auch nicht von
den Waren, die sie herstellten, denn meist reichte ihr kläglicher Lohn nicht
einmal dafür.
Nun haben wir heute eine
Situation, in der nahezu jeder über Produktionsmittel verfügt. Warum benutzen
wir sie nicht auch? Computer stehen heutzutage in jedem Arbeitszimmer und in
manchem Wohnzimmer. Es muss nicht der teuerste Spiele-PC sein, denn ein
Schreibprogramm läuft so gut wie immer.
Aber warum unterstellen wir einer
Geschichte nur einen Wert, wenn sie gedruckt im Buchladen liegt? Einen Drucker,
um uns Texte auszudrucken, haben wir so gut wie immer an diesem Computer gleich
mit angeschlossen. Noch glücklicher ist der, der CD-Brenner, Bildbearbeitungsprogramm,
Stereoanlage, Fotodrucker oder Bindegerät besitzt.
Täglich geben wir jemandem einen
Euro gegen eine Becher Kaffee in die Hand. Oder bezahlen in Designerläden
horrende Summen dafür, dass der Besitzer des Ladens uns ausgewählte Mode
anprobieren uns ausprobieren lässt.
Warum wehren wir uns andererseits
dagegen, jemandem Geld dafür zu geben, dass er uns an seinen Ideen, ja sogar an
seinem Leben teilhaben lässt?
Hat alles nur seinen Wert, wenn
es in einer Fabrik hergestellt wurde? Hat etwas nur einen Wert, wenn man es in
die Hand nehmen kann? Oder liegt dieser Wert, den wir zum Beispiel einem
Turnschuh eines großen Sportartikelhersteller unterstellen, vielleicht doch nur
an der Werbemaschninerie, die suggeriert, nur ein Teil der angesagten VIP zu
sein, wenn man die „Eintrittskarte“ in die hippe Gesellschaft an der
Sportladenkasse bezahlt und als Erkennungszeichen an den Füßen trägt?
Wenn wir bei www.fileboom.de
einen Preis für eine digitale Datei bezahlen, so erwerben wir Wissen, Ideen und
kreative Arbeit in seiner reinsten Form. Der Inhalt ist das ausschlaggebende.
Der Ausdruck kann jederzeit durch uns geschehen. Oder über den Umweg, beispielsweise
im Copyshop oder einem günstigen Fotoentwicklungsdienst. Es hat sich in unserer
Gesellschaft eingebürgert, dem Kreativen, dem Autor, dem Musiker, dem
Fotografen, dem Künstler im Allgemeinen einen Hungerlohn zu zahlen, während wir
eine ausbeutende Maschinerie am Laufen halten,
die daran verdient, die Werke anderer auf CD´s zu pressen, zu Büchern zu binden,
ein Riesentamtam und Tara in allen Medien darum zu machen, Ihnen und allen
anderen auf offener Straße anzubieten, ja um den Verkauf nahezu zu betteln. Auf
allen Kanälen. Rund um die Uhr und nahezu an jedem Ort. Und über Qualität sagt
dies noch lange nichts aus.
Es ist moralisch vertretbar den
neuesten Potter im Buchladen zu kaufen. Ebenso vertretbar sollte es sein, einer
allein erziehenden Mutter eine Gutenachtgeschichte abzukaufen, die sie für ihre
kleine Tochter geschrieben, aber auch im Internet angeboten hat. Diese
Unterstützung ist dann auch keine Almose, sondern ein gerechter Lohn für ihre
erbrachte Leistung.
Oder gewinnt diese Leistung erst
an Wert, wenn sie durch einen gutmütigen Lektor entdeckt wurde, ihr Buch an
jeder Ecke angepriesen wird und man beim Kauf mal wieder nur der Masse
hinterher schwimmt? Nicht zu erwähnen, dass am vergleichsweise teuren Buch alle
gut verdienen, aber die Autorin wahrscheinlich am Wenigsten.