In diesem Bericht möchte ich mal eins unserer regionalen Freizeitschwimmbäder vorstellen. Der Bericht ist in der Vergangenheit schon mal von mir bei ciao.de und yopi.de unter meinem damaligen Account veröffentlich worden, die jetzige komplett überarbeitete Version erscheint bei trivago.de, typeer.de und preisvergleich.de.
Seit Ende 1993 gibt es nun auch in Bocholt ein Erlebnisschwimmbad, das Bahia (nachdem die Nachbarstadt Borken so etwas schon einige Jahre eher hatte). Entstanden ist es am Hemdener Weg 169 (etwas außerhalb von der Innenstadt, Richtung Stadtteil Hemden, quasi "im Grünen"), das ist genau dort, wo sich zuvor fast 30 Jahre lang das alte Bocholter Freibad befand, in dem ich als Jugendlicher öfter war.
„Bocholt“ sagt längst nicht jedem etwas. Ein wenig zur geographischen Einordnung: diese Stadt befindet sich im westlichen Münsterland und liegt direkt an der holländischen Grenze. Etwa 50 km weiter südlich befindet man sich schon im Ruhrgebiet (nächste Städte: Duisburg, Dinslaken, Oberhausen).
LAGE UND ÄUßERE FORM
Wie oben schon erwähnt, liegt das Bad nicht direkt in der Innenstadt, sondern am Stadtrand. Wenn man den Hemdener Weg stadtauswärts fährt, findet man das Bad irgendwann an der linken Seite der Straße (ziemlich in der Mitte zwischen Bocholt Innenstadt und Stadtteil Hemden).
Die Bauform des Bahia ähnelt sehr einer Pyramide, mit großem pyramidenförmigem Glasdach. Somit ist es im Schwimmbadbereich tagsüber sehr hell. Die Parkplätze (beleuchtet) befinden sich an der gegenüberliegenden Seite des Hemdener Wegs - der Weg zu Fuß von dort bis zum Eingang ist akzeptabel.
EINGANGSBEREICH, PREISE, ÖFFNUNGSZEITEN
In der Eingangshalle angekommen (und da kann es manchmal zu Wartezeiten kommen, sonntags auch schon mal mehr als eine Stunde zu Stoßzeiten) bekommt man ein Armband mit Spindnummer und einer Chipkarte. Das ist ein sehr großer Vorteil: man zahlt erst beim Verlassen des Bades, somit zahlt man nicht zu viel, wenn man doch nur kürzer bleibt als geplant. Im Bahia-Restaurant verzehrte Speisen und Getränke werden auch nachher über diese Chipkarte abgerechnet. Es gibt die Tarife 2 Stunden, 3 Stunden oder Tageskarte. Beim Erwachsenen (ab 16) beträgt der Preis zwischen 5,60 und 9,20 Euro nur fürs Schwimmbad, je nach Verweildauer. Wochentags ab 19 Uhr bekommt man beim 2-Stunden-Tarif noch eine Vergünstigung (4,20 Euro für Erwachsene). Studenten und erwachsene Schüler bekommen sogar eine leichte Ermäßigung, was leider in solchen Bädern immer seltener wird. Wenngleich auch hier die Ermäßigung relativ gering ausfällt (zwischen 4,70 und 8,00 Euro je nach Verweildauer, also max. 1,20€ gespart).
Die Öffnungszeiten sind wie folgt:
Schwimmbad: Montag - Samstag: 10.00 - 22.00 Uhr, Sonntag/Feiertage: 9.00 - 21.00 Uhr
Sauna: Freitag bis 23.00 Uhr, Mittwoch (nur für Damen): 9.00 – 13.00 Uhr (beides nicht an Feiertagen).
Frühschwimmen im Schwimmerbecken: Montag, Mittwoch, Freitag 6.30 – 8.00 Uhr
DER UMKLEIDEBEREICH
Auf den Umkleidebereich geht man direkt zu, wenn man hinter der Kasse das Drehkreuz (durch Einstecken der Chipkarte) passiert ist. Hier befinden sich Einzelkabinen, die sowohl von einem Mann als auch von einer Frau benutzt werden können. Lediglich die Räume, in denen sich die Spinde befinden, sind nach Damen und Herren getrennt, denn zu Stoßzeiten kleiden sich hier auch erfahrungsgemäß einige Badbesucher um (Funktion einer Sammelkabine).
Den richtigen Spind findet man, indem man auf die Chipkarte schaut, denn auf diese ist die Nummer des Spindes aufgedruckt. Da jeder Besucher also einen Spind zugeteilt bekommt, ist es unmöglich, dass die Anzahl der Spinde zu knapp wird. Das habe ich nämlich schon mal in anderen Bädern erlebt, mit der Folge, dass ich über eine halbe Stunde auf einen freien Spind warten musste und das von der Badezeit abgezogen wurde (weniger Leistung für den bezahlten Eintritt). Ist das Bahia mal überfüllt, so kommen die Leute, für die es keinen Spind mehr gibt, erst gar nicht hinein, dementsprechend brauchen sie auch nicht zu zahlen. Aber trotzdem bleibt das ärgerlich, wenn man sich auf den Badbesuch gefreut hat und dann wieder nach Hause geschickt wird. Vor allem sonntags kann so etwas oft zur Realität werden. Die Anzahl der Parkplätze ist in solchen Stoßzeiten übrigens auch in keiner Hinsicht ausreichend.
Nach dem Umkleiden wird natürlich geduscht. Dafür muss man eine Treppe nach unten gehen. Von der Treppe aus links befindet sich die Herrendusche, und rechts ist die Damendusche.
Zwischen Umkleide- und Duschbereich kann in Spitzenzeiten (Wochenende) gelegentlich mal der Fußboden etwas schmutzig oder auch glatt sein, was ich als Minuspunkt ansehe. Vor allem der Bereich der Treppenstufen ist hier besonders stark betroffen. Das mag auch daran liegen, dass der Schmutz noch vom Umkleidebereich übertragen wird, der ja zum Teil auch noch mit Schuhen begangen wird. Aber in den letzten Jahren hat sich auch hier die Hygiene schon gebessert.
DER SCHWIMMBADBEREICH
Von den Duschräumen aus gelangt man über einen Flur in den Hauptbereich des Bades.
Als erstes fällt ein mittelgroßes Becken auf. Dieses hat durchaus einige Bahnen zum „Schwimmen“ (na ja), aber die Highlights sind hier Massagesprudler, diverse Brausen von oben, mehrere Unterwasserliegen, die gelegentlich auch mal sprudeln, sowie eine "Grotte", in der vor allem Kinder ihre Spiel- und Planschmöglichkeiten haben.
Die Wassertiefe dieses Beckens ist nur ca. 1,30 m, was lange Zeit ein erheblicher Nachteil für Schwimmer war und mich oft vom Bahia-Besuch abhielt. Jahrelang war das ein Minuspunkt. Bei einer solch geringen Tiefe wird das sportliche Schwimmen nun doch sehr erschwert, hinzu kommen noch Störfaktoren wie Ball spielende Kinder und Jugendliche, die sich natürlich in diesem Becken besonders gern aufhalten (schließlich sollte dieses Becken auch die Funktion als „Planschbecken“ haben). Zum Schwimmen also nur sehr bedingt geeignet.
Seit Juli 2002 gibt es aber endlich auch ein richtiges, tiefes 25m-Schwimmerbecken mit 4 Bahnen und mit Sprungtürmen, in dem der sportlich aktive Schwimmer auf seine Kosten kommt. Für dieses Becken wurde extra ein Gebäudeteil angebaut. Hier ist das Wasser leider etwas kälter als in den übrigen Badbereichen. Ein Nachteil ist, dass die 4 Bahnen relativ wenig sind. Vor allem wenn man bedenkt, dass sich hier zwei Sprungtürme befinden und diese auch sehr beliebt sind. Man muss aufpassen, keinen Springer „in den Nacken“ zu bekommen, außerdem ist leider auch dieses Schwimmerbecken sehr beliebt bei Kindern und Jugendlichen, die den aktiven Schwimmer behindern könnten. Deshalb empfehle ich den aktiven Schwimmern, das Bahia erst nach 19 Uhr aufzusuchen. Zum einen wird es dann viel ruhiger, zum anderen ist das unter der Woche ja auch vergünstigt, wenn man nur 2 Stunden wählt.
Als nächstes komme ich zu den beiden nebeneinander liegenden ovalen Whirlpools, welche zwischen Palmen ein wenig versteckt in einer Ecke liegen. Einen Platz zu bekommen ist am Wochenende schon mal schwierig, zumal die Pools auch bei Kindern und Jugendlichen sehr beliebt sind und leider auch schon mal zum Springen und Planschen „missbraucht“ werden. Aber alles in allem sind diese Pools recht wohltuend und vor allem abends im Dunkeln gemütlich, da diese Ecke allgemein sehr dunkel ist, die Whirlpools aber von unten hell beleuchtet werden. Unter der Woche bekommt man meistens auch ohne Probleme einen Platz in einem dieser Pools. Hier beträgt die Wassertemperatur übrigens 36 Grad, was für einen Whirlpool recht angemessen ist.
Hinter den Whirlpools befindet sich seit Mai 2009 eine weitere Schwimmhalle, welche aber für den „normalen“ Badbesucher nicht zugänglich ist. Benutzt wird diese für Reha-Maßnahmen, Krankengymnastik und ähnliches.
Gehen wir nun weiter nach hinten, und wir finden ein weiteres niedriges Becken, das ein wenig wärmer ist als die anderen beiden „Hauptbecken“. Das Highlight ist dort der Wildwasserkanal, in dem es wirklich richtig abgeht. Am anderen Ende befindet sich der Ausgang einer neuartigen, 110 Meter langen Wasserrutsche, die vor allem für die „Kleinen“ wiederum interessant ist.
Von diesem Becken aus gelangt man auch in den Außenbereich, mit gleicher Wassertiefe, sowie mit Massageliegen und einer kleinen Rutschbahn für die Kinder. Auf den Außenbereich gehe ich nicht ganz so intensiv ein, da dieser quasi eine Fortsetzung der beiden niedrigen Becken ist, mit ähnlichen Attraktionen. Abends ist dieser natürlich auch beleuchtet. Der Außenbereich ist ganzjährig nutzbar, das Wasser ist hier zwischen 25 und 28 Grad warm, je nach Jahreszeit (im Winter ist das Wasser wärmer).
Will man nicht durch dieses Becken nach draußen, kommt man auch zu Fuß in den Außenbereich, über eine Brücke.
Erwähnenswert ist vielleicht auch noch die riesige Liegewiese um den Außenbereich herum, diese ist noch vom alten Freibad bekannt.
SAUNA
Da ich absolut kein Saunagänger bin, kann ich hier nicht ganz so viel erzählen. Noch vor wenigen Jahren wurde die Sauna komplett renoviert (seit der Eröffnung des Bahia wurde die Sauna schon mehrmals umgebaut und erweitert). Nun findet man hier unter anderem eine Erdsauna, eine holzbefeuerte Sauna, eine Rosen- und eine Fruchtsauna, ein Biosaunarium, eine Aufguss-Sauna, sowie ein Dampfbad. Es handelt sich hierbei um eine der bestbewerteten Saunen Deutschlands.
Die Saunanutzung ist teurer als das normale Schwimmen. Das Minimum beträgt 15 Euro für 3 Stunden (normaler Erwachsenentarif). Die Schwimmbadnutzung ist hier inbegriffen. 17 Euro zahlt man hier für eine Tageskarte.
RESTAURANT
Oberhalb des Schwimmbadbereiches befindet sich das Inselrestaurant „Baloa“, in dem man sich selbst bedienen kann. Auch gibt es immer mal wechselnde kleinere kulinarische „Insel“-Spezialitäten. Positiv hervorzuheben ist, dass auch der Verzehr erst bei Verlassen des Bades über die Chipkarte abgerechnet wird.
GESAMTEINDRUCK, ZIELGRUPPE, FAZIT…
Allgemein ist das Bahia als ein sehr modernes und familienfreundliches Freizeitbad einzustufen. Der Hauptanteil des Publikums besteht aus Kindern und Jugendlichen, sowie auch aus kompletten Familien, die sich dort mal einen schönen Tag machen. Vor allem an den Wochenenden überwiegen dort die Familien und die Jugendlichen (bis etwa 16 Jahre).
Das bedeutet aber auch wiederum, dass es sehr laut ist und man mit Störungen rechnen kann. So wird viel mit dem Ball gespielt, oder die Kleinen planschen und spritzen sogar im Whirlpool - und vor allem empfiehlt es sich für den aktiven Schwimmer eher später abends, denn dann sind die Bahnen eher frei und nicht mehr so sehr von jugendlichen Springern blockiert.
Aufgefallen ist mir jedoch, dass die Generation der 20- bis 35-Jährigen nur schwach vertreten ist, obwohl Bocholt ein Hochschulstandort ist und daher auch viele junge Leute zugezogen sind. Ich habe da manchmal sowieso den Eindruck, dass Schwimmen für viele dieser Zielgruppe „out“ ist. Studenten z.B. gehen zu dieser Zeit erfahrungsgemäß lieber in bestimmte Szene-Lokale oder treiben anderen Sport (ich spreche aus Erfahrung, da ich ebenfalls in Bocholt studiert habe). Als ich früher noch häufiger andere Schwimmbäder dieser Art besuchte, fand ich diese Generation eher z.B. in der „Niederrhein-Therme“ in Duisburg oder auch mal im „Aquarius“ im benachbarten Borken (dem „direkten Konkurrenten“ des Bahia).
Senioren sind natürlich hier auch sehr oft anzutreffen. Für sie eignet sich vielleicht ganz besonders auch das vormittägliche Schwimmen, denn dann ist es sicher ziemlich leer.
Das „Hauptpublikum“ bleiben auf jeden Fall die Familien mit Kindern, gefolgt von den 13-16-jährigen Jugendlichen, die oft allein oder in Gruppen das Bad aufsuchen.
Sehr gern wird das Bahia auch von Niederländern besucht, denn Bocholt ist Grenzstadt.
Ich selbst besuche inzwischen meistens das Bahia, wenn ich Lust auf einen Schwimmbadbesuch habe. Zum einen ist für mich persönlich die Anfahrzeit mit Abstand am kürzesten, und die Eintrittspreise bewegen sich im mittleren Bereich, wenn man das mit benachbarten Bädern dieser Art vergleicht.
VORTEILE
· Bezahlung erst nach Verlassen des Bades
· Abrechnung komplett über Chipkarte
· mittleres, akzeptables Preisniveau
· tiefes Schwimmerbecken vorhanden
· Attraktionen wie Whirlpools, Unterwasserliegen, Wildwasserkanal
· den Kindern wird viel geboten
· Zuteilung eines Spindes nach Eintritt
· großzügiger Saunabereich
· beleuchtete Parkplätze
NACHTEILE
· extreme Überfüllung zu Stoßzeiten (vor allem Kinder)
· sehr laut, Störungen durch Planschen, Springen und Ballspiele
· Schwimmerbecken zu Stoßzeiten etwas beengt und zu viele Springer
· ab und an mangelnde Hygiene im Umkleide- und Duschbereich
· zu Stoßzeiten lange Wartezeiten beim Eintritt, evtl. keine Spinde mehr verfügbar
· zu Stoßzeiten Anzahl der Parkplätze nicht ausreichend
Fazit: Empfehlenswert natürlich für Familien mit Kindern, neuerdings kommt aber endlich auch der sportlich aktive Schwimmer hier auf seine Kosten. Normales, akzeptables Preisniveau.