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Ich schreibe einen Roman...

Autor: Boert84
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Beschreibung:

Es wird wohl wirklich ein Lebenswerk

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Ich schreibe einen Roman...
von: Boert84 |  06.05.2008 19:35:49

Seit meiner Schulzeit schreibe ich an einer Geschichte über eine starke Freundschaft zweier Jugendlicher, das Verliebtsein, ein Abenteuer und ein dadurch resultierendes tragisches Schicksal...

Nach einer langen, langen Schreibpause habe ich die „Arbeit“ nun wieder aufgenommen, weil ich irgendwann meine Geschichte beenden will. Aber es geht schleppend voran.

Vielleicht baut es mich ja auf, wenn ich sehe, dass meine Kapitel hier jemand liest.

Mein Text mag nicht vollkommen und vielleicht überarbeitungsfähig sein, aber die Geschichte nimmt langsam Formen an – auch wenn manche Umschreibungen vielleicht nicht so ganz passen.

Viel Spaß beim Lesen. Für Anregungen bin ich immer offen.


Nachfolgend also meine einzelnen Kapitel...

 

 

 

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Es wird wohl doch ein Lebenswerk...

Kommentare (2)
Kapitel 1
von: Boert84 |  06.05.2008 19:39:22

Ein letztes Mal 15?


1

Der erste Ferientag begann für die beiden fünfzehnjährigen Mädchen um drei Uhr morgens. Der Mond stand noch hoch am Himmel und beleuchtete nur schwach die Bäume vor dem Fenster. Die schmalen und knochigen Äste warfen gespenstische Schatten auf die Erde, die sich wie durch Geisterhand, wippend und pfeifend bewegten.

„Mensch, sei doch vorsichtig!“, herrschte Kathi Steffi an. „Bin ich doch.“ Vorsichtig zog Steffi die Gardine ein Stück weiter zur Seite. „Das Fenster quietscht!“ Steffi drehte ihrer besten Freundin den Kopf zu und grinste. „Ich komm mir vor, als fahre ich Achterbahn!“ - „Ich mir auch!“ - „Ich kann nicht glauben, dass wir das machen!“ - „Das ist einfach Wahnsinn!“ - „Lass mich mal ran!“ Vorsichtig hob Kathi den Fensterrahmen etwas an, während sie die Scheibe vorsichtig zu sich heranzog. „Sei leise! Wenn sie jetzt aufwachen!“ - „Ich hab was gehört!“  - „War da was?!“ - „Mach das Fenster wieder zu! Ich glaub meine Mutter ist im Flur!“ - „Ach da war nichts! Oder?“ Die Beiden hielten den Atem an. „Mensch, die schlafen noch! Deine Mutter muss erst um sechs los zur Frühschicht!“ - „Und wenn nicht? Das gibt Ärger bis zum geht nicht mehr!“ - „Den gibt es sowieso! Aber das nehme ich auf mich!“ - „Ich auch!“, grinste Kathi nun etwas gelassener. Sie gab dem Fenster einen letzten Ruck. Nun war es vollständig geöffnet. „Ich glaube, es wäre doch einfacher gewesen, ganz normal die Haustür zu nehmen!“ - „Ja, aber das wäre zu laut gewesen!“, erinnerte Kathi sie. „Hier deiner!“ - „Danke!“, sagte Kathi und schnappte sich ihren Rucksack, den Steffi ihr entgegenhielt.

Zaghaft stieg Kathi mit dem einen Bein auf die Lehne der Couch und mit dem anderen auf das Fensterbrett. „Na los, beeil dich, deine Eltern können jeden Moment aufwachen!“ Schwupps, machte sie einen Satz hinunter und landete nach zwei Metern Fall auf dem feuchten Rasen. „Hier fang!“, warf Steffi ihr den Rucksack hinunter. Angestrengt zog sie sich an dem Fensterrahmen hinauf und machte auch einen Satz hinunter auf die nasse Erde. Der Nebel hüllte die Freundinnen sanft ein und das leise Zischen des Windes übertönte das wilde Pochen ihrer Herzen. „Ich kann nicht glauben, dass wir das tun!“ - „Wow, wow, wow, Treasures wir kommen!“ - „Kannst du dich noch daran erinnern, als wir den ersten Treasures-Song hörten? Lady? Da kannte sie noch keiner!“ - „Und jetzt kennt sie die halbe Welt!“ - „Ich kann´s kaum abwarten!“ - „Eh, wie lange haben wir auf diesen Tag gewartet?!“ - „Jahre?! Einfach abhauen und los!“ - „Ich wünsch mir, dass wir die Treasures treffen!“ Eifrig schritten sie auf leisen Sohlen, wie zwei hüpfende Störche davon.
„Lady, would you dance with me?!“ - „Lady, come and rescue me!“

Die beiden sangen und liefen nun ein Stück. Schnell warf Steffi noch einen Blick zurück. Gott sei Dank, hinter ihnen war nichts weiter als die harmlose Mondlandschaft. „Siehst du, und es ist keiner aufgewacht!“ - „Oh meine Eltern reißen mir so den Kopf ab, wenn sie wissen, was ich hier mach!“ - „Na und meine erst!“ - „Ach Mauz! Das wird ein riesiges Abenteuer!“, sagte Steffi und schlug ihrer Freundin im Laufen auf die Schulter. „Bald treffen wir Sam, Glenn, Roger und Co!“ - „Ja, ganz bestimmt!“  - „Lady, come rescue me!“, sang Kathi wieder und deutete mit ihrer Hand eine tanzende Silhouette in ihrem Armen an. „Hast du auch den Zettel nicht vergessen?“ - „Nein, ich hab ihn in den Flur gestellt, damit meine Mutter ihn gleich findet, wenn sie morgen aufsteht.“ - „Sie wird bestimmt ausrasten!“ - „Das glaub ich auch. Irgendwie hab ich ja schon ein schlechtes Gewissen!“ - „He, nicht drüber nachdenken! Das ist jetzt unser Traum! Wie lange haben wir uns vorgestellt, wie wir hier rumlaufen und uns auf die Suche nach den Treasures machen?!“ - „Okay, ich denk nicht mehr nach. Ich träume nur!“

Kathi krempelte den Rollkragen ihres Pullovers hoch und kroch mit dem Kinn unter den wärmenden Stoff. „Ganz schön kalt heute!“ - „Ja, aber dir wird schnell warm werden, wenn wir erstmal in Halsken sind!“

Halsken, die Stadt, in der die Treasures, die fünf smarten Boys, ihr erstes Konzert ihrer Tour geben  werden. Die Treasures: Ben, Chris, Sam, Glenn und Roger, fünf Jungs in den Zwanzigern, die sämtliche Mädchenherzen zum Flattern brachten. Vor allem Chris, der Dunkelhaarige, hatte es Kathi mit seinen tiefbraunen Augen und den kleinen Löckchen angetan. Steffi hingegen schwärmte mehr für Roger, dessen Lachen unvergleichbar war. Für Kathi klang es jedoch mehr wie das Lachen von Donald Duck, nicht wie die Stimme eines Engels, wie Steffi dieses Lachen immer beschrieb.

Halsken war die erste Stadt auf dem Tourplan der Boys. Sie war die erste Stadt, die den Mädchen die Chance bot, die Treasures zu treffen. Sie würden den Jungs auf Schritt und Tritt folgen und ihnen überallhin nachreisen. Halsken sollte nur der Anfang sein. 

„Beeil dich!“, forderte Steffi Kathleen auf. Sie eilten in Richtung der gelben Telefonzelle, die die letzte ihrer Art war. In jedem anderen Dorf hatte man diese alten Telefonzellen durch neumodische halboffene Zellchen ersetzt, die mit der Farbe des Telekommaskottchens verziert wurden. Tja, die gelbe Post hatte ausgedient.

Und da das Handyguthaben Jugendlicher meist aufgebraucht war, musste nun dieser schöne Münzsprecher herhalten.

Eifrig zog Kathi die schwere Glastür zu sich heran und betrat den kleinen, engen Raum. „Ihh, hier soll ich telefonieren!“, schrie sie angewidert und deutete auf ein paar ausgelutschte Zigarettenkippen und ein paar klebrige Kaugummis auf den halb zerfledderten Telefonbüchern, die sprichwörtlich am seidenen Faden an der Metallhalterung hingen. „Augen zu und durch!“ - „Aber das mach ich nur für die Treasures!“  Steffi grinste, warf jedoch noch einen Blick die Straße hinunter zum Haus ihrer Freundin. Alles blieb dunkel. „Zum Glück!“, dachte sie. Kathi wählte nun die Nummer von Roy. Das Abenteuer konnte beginnen…

 

 

Tags: 

Roman, Jugendroman, Autor gesucht, Freundschaft, Tragik, Schicksal

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Kapitel 2
von: Boert84 |  06.05.2008 19:42:51

2 

Roy war der Schlüssel, der das Tor zu ihrem aufregenden Erlebnis öffnen würde. Mit zittrigen Händen lauschte Kathi dem Tuten in der Telefonleitung. Aufgeregt hauchte sie gegen die Scheibe, als Steffi angewidert zurücksprang und grinste.

 „Hallo, Roy hier.“, erklang eine Stimme am anderen Ende der Leitung. „Hi Roy, hier ist Kathi. Wir sind jetzt draußen. Du  kannst kommen.“ - „Nun mal langsam, wohin kann ich kommen?“, murrte der Freund und gähnte müde in den Hörer.  „Na es war doch alles abgesprochen. Du wolltest uns doch abholen und zum Bahnhof bringen?“ - „Ich bin müde und habe keine Lust auf eure Spielchen. Gute Nacht.“ Klack.  Kathi hörte ein lautes Knallen und dann nur noch Stille. „Hallo?“ Vergeblich fragte sie nach ihrem Freund. Roy hatte bereits aufgelegt.

 „Das kann doch nicht sein!“ Kathi öffnete wutentbrannt die Tür. „Was ist los? Beeil dich!“, sagte Steffi etwas verdutzt und drängend. „Wir müssen uns beeilen. Außerdem ist mir kalt.“ - „Roy hat aufgelegt. Ich fass das nicht!“, sagte Kathi entgeistert. „Wie er hat aufgelegt?“ - „Einfach aufgelegt!“ - „Das kann nicht sein. Warte, ich ruf ihn noch mal an.“  Steffi riss eifrig den Hörer an sich, steckte eine Münze in den schmalen Schlitz und wählte Roy´s Nummer.

 „Und, geht er ran?“ - „Nun warte doch mal! Es klingelt doch noch gar nicht!“, versuchte Steffi ihre Freundin zu beruhigen. Doch auch ihre Miene änderte sich rasch. „Er nimmt nicht mehr ab!“ - „Toll ey, was machen wir denn jetzt?“ - „Ich weiß es nicht!“ - „Uns bleibt wohl nichts anderes übrig, als schnell zu Fuß zu laufen!“ - „Meinst du, dass schaffen wir rechtzeitig!?“ - „Na klar, wir haben doch genug Zeit eingeplant!“ - „Dann lass uns schnell los!“ -„Roy kann uns mal!“ - „Genau!“

Steffi wollte die Tür hinter sich zu knallen, doch leider war sie zu schwerfällig und blieb halb offen stehen. Sie zog die Gurte ihres Rucksackes enger und legte Kathi eine Hand auf die Schulter. „Auf geht’s! Davon lassen wir uns doch nicht unterkriegen!“ - „Hast recht! Lass uns los!“ - „Scheiße, guck mal da drüben!“ - „Was? Wo?“ - „Da drüben ist grad Licht angegangen!“ -„Wo? Bei mir Zuhaus?“ Kathi drehte sich ruckartig um und prüfte die heimischen Fenster - alles dunkel. „Nein, da drüben! Schräg hinter dir! Da guckt Frau Samber raus!“ Kathi blickte unauffällig in die besagte Richtung. „Oh nein, nicht die! Die tratscht das im ganzen Dorf umher!“ - „Wir müssen uns so unauffällig wie möglich verhalten! Die fragt sich doch garantiert, was wir hier mitten in der Nacht  machen!“ - „Lass uns wieder zurück gehen und den Schleichweg hinterm Spielplatz entlanggehen. Dann denkt sie, wir gehen wieder nach Hause und sieht uns nicht, wenn wir nachher auf die Straße kommen.“ - „Aber dann sehen uns doch bestimmt deine Eltern!“ - „Das Risiko müssen wir eingehen. Was sollen wir machen,  wenn die jetzt herkommt und uns fragt, was wir hier machen.“ - „Telefonieren!“, grinste Steffi. „ Du bist witzig. Lass uns ganz langsam und normal wieder zurückgehen.“ - „Okay. Aber sie fragt sich bestimmt, warum wir Rucksäcke auf dem Rücken haben.“ - „Kann doch sein, dass wir gerade von der Disco gekommen sind!“

Langsam traten sie den Rückweg an. „Man, das ist aber auch kalt heute. Wenn wir noch weiter so langsam schleichen, schaffen wir den Zug nicht. Und dann weiß ich auch nicht weiter!“ - „Das schaffen wir schon!“ Sie erreichten das Ende der Straße und bogen vor Kathis Elternhaus nach Links ins Dunkel ein. „Hier sieht sie uns nicht mehr. Jetzt lass uns laufen!“ - „Okay!“ Kathi griff nach Steffis Hand und folgte ihr durch das Halbdunkel. Sie liefen quer über den unebenen Rasen gleich hinter der alten Baracke hinter dem Spielplatz entlang.

 „Warte nicht so schnell, ich flieg noch hin!“ - „Wir müssen uns beeilen!“, pustete Steffi. Sie bogen nun noch mal links ein und hasteten den schmalen Schleichweg entlang! „Wow, was machen wir hier nur!“ - „Wenn das die Treasures sehen könnten!“ - „Die würden sich krank lachen über zwei so blöde Mädchen!“ - „Ja und danach heiraten Chris und Roger uns!“ - „Du spinnst doch!“, schnaubte Kathi.

Sie erreichten die Straße und stoppten abrupt. „Was ist?“ - „Lass uns erstmal um die Ecke luschern und gucken, ob sie noch da ist!“ - „Hier sieht sie uns doch nicht mehr. Es ist doch viel zu dunkel hier!“ - „Dann lass uns schnell weiter.“ - „Ich brauch erst ne Pause!“, stöhnte Kathi. „Bist du jetzt schon ko? Es ist noch ein weiter Weg bis zu den Treasures!“ - „Ich weiß. Na gut, lass uns weiter!“ In schnellem Schritttempo, doch wesentlich langsamer, folgten sie nun dem Straßenverlauf, hielten sich direkt neben dem Asphalt auf und möglichst weit weg von den Häusern links und rechts von der Fahrbahn.  „Was ist wenn uns jetzt einer sieht - wie wir hier langgehen?!“ - „Uns sieht schon keiner. Die schlafen alle noch.“ Kathi sah sich ängstlich und prüfend um. „Da drüben hinter der Kirche ist Licht an!“ - „Die sehen uns nicht. Oder kannst du hinter deren Gardinen gucken?“ - „Nee.“ - „Na also.“ Und eins und zwei und drei…

Nach wenigen Minuten erreichten sie das Dorfschild liefen schnell ein Stück weiter und blickten zurück. Schnell klatschten sie sich gegenseitig in die Hände: „Die erste Hürde ist geschafft!!“ - „Ja, und weiter geht’s!“ - „Treasures wir kommen!“ - „Lady…“ - „come rescue me!“

Fröhlich und sich nun sicher fühlend sprangen sie nun regelrecht auf der leeren Landstraße umher. „Hat doch auch was Gutes, dass Roy so ein Arsch ist. Wir genießen ungestört den schönen Nachthimmel, die Sterne... Es riecht noch regelrecht nach Schlafen!“ - „Ja, aber wir müssen unseren Zug schaffen, denk dran! Wir haben uns ganz schön in Roy getäuscht. Erst groß reden und lieb gucken und dann kommt nix!“ - „Der ist für uns jetzt Vergangenheit! Jetzt gibt’s nur noch die Treasures!“ „La, la, la, la, la!“

Sie liefen wieder ein Stück und fanden sich immer besser im Halbdunkel zurrecht. Ab und zu ging ein Blick zurück auf das Dorf, das noch immer im Dunkel schlief. „Oh man, hoffentlich geht das alles gut!“ - „Na klar! Das ist unser großer Traum!“ - „Mist!“ - „Scheiße!“ - „Da kommt ein Auto!“ - „Und nun?“ - „Der achtet bestimmt nicht auf uns!“ - „Und wenn doch, der bringt uns bestimmt gleich wieder nach Hause, zwei jugendliche Ausreißer!“ - „Schnell!“ Steffi stieß Kathi in den Straßengraben noch ehe sie ein weiteres Wort herausbrachte. Und plumps, landeten sie beide auf der feuchten, schlammigen Erde des Feldes. Und rusch, zischte das Auto an ihnen vorbei.

 „Du spinnst!“ - „Nein, ich hab uns gerettet!“ Beide fingen an zu lachen. „Ihh!“ Kathi rappelte sich hoch und stütze sich mit den Händen in dem kalten Schlamm ab. „Pfui! Wie sehen wir denn jetzt aus!“ - „Wie absolut echte Treasures-Fans!“, lachte Steffi und zog sich an ihrer Freundin mit hoch. „Hat der uns auch nicht gesehen?“ - „Nach der Aktion?“ - „Wohl kaum!“

Sie standen voreinander und wischten sich den Matsch so gut von der Kleidung wie es eben nur ging. Kathi stampfte mit dem Fuß auf den Boden und schien verzweifelt: „Man, es geht aber auch alles schief!“ Steffi sah sie von unten bis oben an und lachte erneut. „Man, das ist nicht lustig!“, wehrte Kathi sich und fiel nun auch in einen Lachkrampf. „Wir sind doch bescheuert!“ - „Wie spät ist es? Können wir so überhaupt in den Zug steigen?“ - „Wir haben noch Zeit. Die im Zug denken bestimmt wir sind heimatlose Landstreicher!“ - „Oder kurz gesagt Assis!“

 Im Dauerlauf eilten sie nun der Stadt entgegen. Gelegentlich blickte Kathi zur Seite und warf einen flüchtigen Blick auf Steffi. Wer hätte jemals gedacht, dass sie mal so gute Freunde werden würden. In ihrer Klasse sicher niemand. Sie selbst galt als ruhig und unnahbar und Steffi wohl auch mehr als Außenseiter. Aber sie hatten sich gefunden. Waren sie auch äußerlich auch verschieden, Steffi mit ihren dunklen Haaren und den braunen Augen und Kathi mit ihren hellen Haaren und den blauen Augen, so waren sie innerlich doch gleich. Sie lachten über die gleichen Witze und verliebten sich oft in den gleichen Jungen, den sie Geheimkürzel wie TK oder SI gaben. Tausend gemeinsame Erinnerungen brachten ihre Augen noch heute zum Funkeln, war es zum Bespiel der rituell durchgeführte Voodoozauber, der tatsächlich den Geliebten herbeiführte oder der vergebliche Versuch eine erste Zigarette mit Streichhölzern im Wind anzuzünden.

 „Ach Mauz, ich hab dich lieb!“ - „Ich dich auch Mauz, aber heiraten will ich Roger, okay!?“, grinste Steffi.

Nach weiteren schnellen Schritten erreichten sie nun den Bahnhof der nahen Kleinstadt, während der Tag langsam auch an Helligkeit gewann. Die nächste Hürde wollte bewältigt werden.

 

 

Tags: 

Roman, Jugendroman, Autor gesucht, Freundschaft, Tragik, Schicksal

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Kapitel 3
von: Boert84 |  06.05.2008 19:45:46

3

 Verdutzt blickten die beiden Mädchen auf die große Bahnhofsuhr, dessen Zeiger hörbar von Ziffer zu Ziffer sprang. „Was, es ist erst halb fünf? Haben wir nur eine halbe Stunde gebraucht bis hierher?“ - „Hmm, sieht ganz so aus!“, antwortete Steffi und prüfte die Zeit auf ihrer Armbanduhr. Der Bahnhofshalle war noch geschlossen und die beiden Gleise lagen verlassen und stumm vor ihnen. Die alte Zuckerfabrik die bereits vor Jahren geschlossen hatte, ragte vor ihnen gen Himmel empor.

Plötzlich begann Steffi zu lachen. „Was denn?“, fragte Kathi überrascht. „Guck dich mal an!“, deutete Steffi auf ihre Sachen. Jetzt wo es schon heller war, sahen die beiden Mädchen aus, als hätten sie in einer Pfütze geplanscht. Kathi lachte. „Du siehst aber auch nicht besser aus. Wollen wir uns da drüben hinsetzen?“ Sie zeigte auf die Bank die direkt vor dem Bahnhofsgebäude stand. „Ja, noch können wir unsere Karten ja nicht kaufen. Der Schalter ist ja erst ab Fünf geöffnet.“ - „Hier sucht uns bestimmt auch niemand. Ob meine Eltern schon wach sind?“ - „Ach, glaub ich nicht. Um diese Zeit?“ - „Die Treasures sind jetzt bestimmt schon unterwegs und proben oder so.“ - „Und Roger träumt bestimmt gerade von mir.“ - „Ja klar, und Chris von mir.“ Kathi sprang auf: „Tam dam da dam, tam  dam da dam...Wollen sie die hier anwesende Stefanie Holster heiraten, Herr Roger von und zu?“ - „Ha, ha, du spinnst!“ - „Warum, das trifft bestimmt bald ein!“ - „Schön wär’s!“, schwärmte Steffi und öffnete ihren Rucksack. „Hier Frau Dreckspatz, wie wär’s mit Frühstück?“ - „Oh ja gerne, Frau ebenso Dreckspatz!“ Steffi reichte Kathi die vorbereiteten Brötchen. „Aber ich glaub, wenn ich das jetzt aufesse, kommt’s eh gleich wieder raus, so aufgeregt wie ich gerade bin.“ - „Geht mir genauso.“

Langsam knabberten sie an den Brötchen herum und beobachteten die Zeiger der Uhr. Gleichzeitig zog Steffi nun ihren Halsken-Stadtplan aus der Tasche. Nachdem sie ihn die letzten Wochen ausgiebig studiert hatte, konnte sie nun behaupten, sich sicher zurechtfinden zu können. „Oh mein Gott!“, sagte nun jedoch Kathi. „Da sollen wir uns zurechtfinden?“ - „Na klar, das Organisatorische überlass mal mir. Ich bin bestens informiert.“ - „Das hoff ich auch Mauz!“ Verängstigt sah Kathi auf das Wirrwarr von Linien. „Was ist wenn wir uns da verlaufen und Hilfe brauchen? Unsere Eltern können wir ja schlecht anrufen.“ - „Mauz, vertrau mir. Ich bin gut vorbereitet.“ - „Vielleicht sollten wir das doch sein lassen.“ - „Jetzt hör auf damit. Das ist unser Traum! Alles Gute fängt mal blöd an.“ Kathi seufzte. „Ich glaub, ich trau mich nie mehr nach Hause.“ - „Mauz, denk jetzt nicht daran. Wir brauchen volle Konzentration für Chris und Roger. Wenn wir schon aussehen wie Schlamm höchstpersönlich müssen wir wenigstens selbstbewusst tun.“ Kathi lachte wieder. „Ach Mauz!“

Die Zeit verging nun schnell, während sie von den Treasures schwärmten, diese atemberaubende Band, die mit ersten Schritten begann, einen weiteren Meilenstein in der Musikgeschichte zu setzen. Bald würden sie den fünf Boys so nahe sein, koste es alles was sie geben konnten.

Die dunklen Wolken am Himmel hatten sich vollständig aufgelöst, doch der Bahnhof war noch immer vollkommen leer. Eins jedoch hatte sich verändert, es leuchtete nun Licht in der kleinen Bahnhofshalle. Steffi stieß Kathi an. „Guck mal, ich glaub wir können.“ - „Ich trau mich nicht.“ - „Los Mauz, jetzt können wir keinen Rückzieher mehr machen.“ - „Na los, dann komm. Hauptsache, die Verkäuferin kennt uns nicht und erzählt Jemanden, dass wir hier waren.“

Wenige Minuten später hielten die Mädchen ihre Fahrkarten nach Halsken in den Händen. „Jetzt ist es offiziell. Jetzt gibt es gar kein Zurück mehr.“, flüsterte Steffi. „Ja, auf geht’s! Hoffentlich klappt mit dem Hotel auch alles!“ - „Na klar, ich hab mir die Reservierung schriftlich bestätigen lassen und das Geld hab ich hinten im Rucksack.“ - „Hoffentlich findet uns da auch keiner!“ - „Ach Mensch, nun mach dir nicht so viele Sorgen.“

Besorgt blickte Kathi noch einmal hoch zur Uhr. „Oh man, er kommt gleich.“ - „Ja, dann geht’s los!“ Und mit einem akustischen Signal senkten sich auf schon die Schranken. Steffi griff nach Kathis Hand. „Jetzt geht’s los Mauz. Treasures wir kommen!“ - „Ich hab Angst Mauz!“ - „Nicht nachdenken!“ Und mit einem lauten Knattern näherte sich nun der Zug bis er direkt vor ihnen zum Stehen kam.

Mit zittrigen Beinen betraten sie die Bahn und nahmen auf den Plätzen gleich schräg gegenüber der Tür platz. Steffi nahm ihren Rucksack vom Rücken und legte ihn auf ihre Knie. Kathi sah sich um. Sie waren bisher die einzigen Fahrgäste. „Tja, die schlafen alle noch.“, seufzte Steffi. Kathi lehnte sich zurück und starrte hinaus. Ihr Gesicht spiegelte sich in der Scheibe. Steffi beobachte den Gesichtsausdruck und schwieg. Mit Getöse schlossen sich nun die Türen und das Fahrwerk setzte sich in Bewegung. Kathi blickte zurück und prüfte den Bahnsteig. Ihnen war Niemand gefolgt. Erleichtert atmete sie auf. Jetzt fühlte sie sich sicher.

„So, jetzt planen wir noch mal.“ - „Nein, nicht jetzt Mauz. Mir ist schon ganz übel.“ - „Na gut. Aber auf jeden Fall müssen wir uns in Halsken aufteilen. Wenn wir getrennt suchen, ist die Chance größer, die Treasures zu finden.“ - „Mir ist schlecht.“ - „Ich glaube, wir brauchen ganz viel Mut. Aber für die Treasures schaffen wir das!“ - „Ja…!“, antwortete Kathi beiläufig und starrte weiter aus dem Fenster.

Und mit dem Start in eine lange, ruhige Fahrt war die nächste Hürde genommen.

 

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Roman, Jugendroman, Autor gesucht, Freundschaft, Tragik, Schicksal

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