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Hörsturz - der Infarkt im Ohr

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Fundierte Informationen über den Hörsturz

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Hörsturz - der Infarkt im Ohr
von: Redaktionsbüro |  10.06.2008 12:21:28

Hörsturz: der Infarkt im Ohr

Es war ein wunderbarer Winterabend. Martha M., 45, war gerade beim Spazierengehen und genoss die erfrischende, klare Luft. Die Arbeitswoche war wieder einmal voller Hektik und Stress gewesen. Die zusätzliche Doppelbelastung mit Familie und Haushalt machte es ihr nicht einfacher. Manchmal war ihr deshalb alles zu viel, sie fühlte sich überfordert, an der Grenze ihrer Kraft. Plötzlich, wie aus heiterem Himmel, fühlte sie einen dumpfen Druck im linken Ohr, so als wäre Watte darin. Und: Sie konnte auf diesem Ohr fast nichts mehr hören, nur seltsame, hochfrequente Ohrgeräusche – Martha M. hatte einen Hörsturz erlitten.

So wie Martha M. geht es Schätzungen zufolge jährlich bis zu 250.000 Menschen in Deutschland. Denn der Hörsturz, eine plötzlich auftretende Hörminderung ohne erkennbare Ursache, ist die häufigste Funktionsstörung des Innenohrs. Der Hörverlust kann dabei gering sein, also wenige Frequenzen betreffen, er kann aber auch bis zur völligen Taubheit reichen. In der Regel ist nur ein Ohr betroffen, selten beide, allerdings ist der Verlauf des Hörsturzes individuell sehr differenziert. Bei der Diagnose sind 75 Prozent der Betroffenen über 40 Jahre alt, die meisten trifft es zwischen dem 50. bis 60. Lebensjahr. Untersuchungen weisen aber darauf hin, dass der Anteil der 30- bis 40-Jährigen steigt. Frauen trifft es etwa genauso häufig wie Männer, im Kindesalter tritt ein Hörsturz dagegen nur selten auf.

Es gibt aber auch gute Nachrichten für alle Betroffenen: In 50 bis 60 Prozent aller Fälle kommt es innerhalb von zwei Tagen zu einer Spontanheilung, das heißt, das Hörvermögen kehrt zurück.
Der Hörsturz ist daher heute kein medizinischer Notfall mehr, sondern ein Eilfall. Dennoch sollten Sie ggf. den Arztbesuch (HNO-Arzt) nicht zu lange hinausschieben, denn die Folge eines Hörsturzes kann Tinnitus oder sogar völlige Taubheit des betroffenen Ohres sein. Kommt es zu keiner Spontanheilung, ist es daher ratsam, möglichst frühzeitig mit der Behandlung zu beginnen, um gute Heilungserfolge zu erzielen.

Risikofaktoren

Aufgrund seiner Häufigkeit und da zunehmend jüngere Menschen betroffen sind, entwickelt sich der Hörsturz anscheinend zu einer Zivilisationskrankheit. Nach Ansicht von Experten sind vor allem zwei Personengruppen gefährdet:

n         Personen, die Risikofaktoren für einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall haben (hoher Blutdruck, Übergewicht, Diabetes Mellitus, eine Fettstoffwechselstörung, beispielsweise einen zu hohen Cholesterinspiegel), und Raucher.

n         Personen, die stark unter Stress leiden, die sich zu viel zumuten und überfordert sind.

Symptome

Charakteristisch ist ein plötzlicher, meist einseitiger Hörverlust, der einzelne, mehrere oder alle Frequenzbereiche betreffen kann. Eine auslösende Ursache ist nicht feststellbar, auch Ohrenschmerzen treten nicht auf.

Zusätzlich zur Hörstörung können weitere Symptome vorhanden sein:

n         Ohrgeräusche wie Pfeifen, Klingeln oder Rauschen (Tinnitus)

n         ein dumpfes Gefühl im Ohr (Druckgefühl)

n         Taubheitsgefühl der Haut (Nervus facialis)

n         Schwindelgefühl (Vertigo)

n         Doppeltonhören (Diplakusis): auf einem Ohr hört man den Ton normal, auf dem erkrankten Ohr dagegen tiefer oder höher.

Diagnose

In der HNO-Praxis stellt Ihr Arzt zunächst fest, ob tatsächlich ein Hörsturz vorliegt oder ob eine andere Erkrankung bzw. Verletzung des Ohres den Hörverlust verursacht. Dies erfolgt mit Hilfe einer Ausschlussdiagnose. Nur wenn keine Ursache feststellbar ist, handelt es sich bei einem akuten Hörverlust um einen Hörsturz. Mit der Ohrspiegelung (Otoskopie) prüft der Hals-Nasen-Ohrenarzt beispielsweise, ob der äußeren Gehörgang durch Ohrenschmalz verstopft oder das Trommelfell verletzt ist.

Durch Hörtests wie

n         Tonaudiometrie

n         Stimmgabelprüfung

n         und Sprachaudiometrie

prüft er das Ausmaß der Schwerhörigkeit. Gleichzeitig lässt sich dadurch eine Innenohrschwerhörigkeit (Schallempfindungsschwerhörigkeit) von einer Hörminderung aufgrund einer Schädigung des äußeren Ohrs bzw. des Mittelohrs (Schallleitungsschwerhörigkeit) abgrenzen.

Weitere Untersuchungen wie zum Beispiel die Messung otoakustischer Emissionen (Töne, die aus dem Ohr herauskommen) ermöglichen es Ihrem Arzt, einen Hörsturz von einer Schwerhörigkeit zu unterscheiden, die durch eine Erkrankung des Hörnervs (neurale Schwerhörigkeit) verursacht wurde.

Darüber hinaus sind beim Hörsturz folgende Verfahren und Untersuchungen möglich:

n         Blutuntersuchungen

n         Computertomographie (CT) des Kopfes

n         Magnetresonanztomographie (MRT) des Kopfes

n         Hirnstammaudiometrie (BERA, BAER), um eine Erregungsbehinderung oder Verzögerung im Bereich des Innenohrs, des Hörnervs oder der hörrelevanten Strukturen des Gehirns festzustellen

Wie kommt es zu einem Hörsturz?

Bis heute findet sich keine eindeutige Aussage über die Ursache(n) eines Hörsturzes. Man vermutet, das mehrer Faktoren beteiligt sind, die zu einer mangelhaften Durchblutung des Innenohrs führen. Dort befinden sich die Haarzellen, das sind die Sinneszellen, die uns das Hören erst ermöglichen. Geräusche von außen erzeugen in diesen Zellen ein elektrisches Signal. Dieses Signal leitet der Hörnerv an das Hörzentrum im Gehirn weiter.

Winzige Blutgefäße versorgen die Haarzellen mit Sauerstoff und Nährstoffen. Werden diese Blutgefäße schlecht durchblutet, schädigt dies möglicherweise die Haarzellen. Die Folge könnte ein plötzlicher Hörverlust bzw. ein Hörsturz sein.

Der Infarkt im Ohr

Als häufigste Ursache für die gestörte Durchblutung im Innenohr gelten kleine Blutgerinnsel, die die Blutgefäße verschließen. Dieser Vorgang ist vergleichbar mit den Gefäßverschlüssen bei einem Herzinfarkt oder Schlaganfall. Aus diesem Grund spricht man beim Hörsturz manchmal auch von einem Innenohrinfarkt.

Alle Faktoren, die das Blut verdicken oder seine Gerinnungsneigung erhöhen, können somit zur Auslösung eines Hörsturzes beitragen, beispielsweise erhöhte Blutfettwerte, vor allem Cholesterin, das sich an den Gefäßwänden anlagert. Das verengt die Blutgefäße und beeinträchtigt den Blutfluss negativ. Darüber hinaus behindert eine zu hohe Konzentration von gerinnungsfördernden Stoffen im Blut (z.B. Fibrinogen) die Blutzirkulation in den kleinen Gefäßen des Innenohrs. Sind die Blutgefäße durch Arteriosklerose (Arterienverkalkung) vorgeschädigt, erhöht sich die Gefahr, dass sich Blutgerinnsel in den Gefäßen festsetzen. Bluthochdruck und übermäßiger Nikotingenuss können Arteriosklerose fördern. Sie gelten daher ebenso als Risikofaktoren wie starke Blutdruckschwankungen, Herzerkrankungen oder Angina pectoris, die gleichfalls zu einer Minderdurchblutung der Haarzellen im Ohr führen können.

Weitere mögliche Ursachen:

Neben einer mangelnden Durchblutung des Innenohrs gelten als mögliche Ursachen für einen Hörsturz:

n         Virusinfektionen

n         Entzündungen

n         Autoimmunerkrankungen

n         Stress

n         Fehlstellung der Halswirbelsäule

n         eine Verletzung des Ohrs (Durchbruch der dünnen Trennwand zwischen Paukenhöhle und Innenohr)

n         Schädigung des Innenohrs nach Bestrahlung

n         Tumore (z.B. Akustikusneurinom)

Wichtiger Hinweis: Die tatsächliche Ursache eines Hörsturzes ist wissenschaftlich nach wie vor ungeklärt. Auch für den vieldiskutierten Zusammenhang zwischen schweren seelischen Belastungs- und Konfliktsituationen (Stress) und dem Auftreten eines Hörsturzes gibt es bislang keine gesicherten Erkenntnisse, allenfalls Erfahrungswerte. Das schließt aber Stress als mögliche Ursache nicht aus.

Behandlungsmethoden

Wie wirksam die angewandten Behandlungsformen sind, ist wissenschaftlich nicht belegt, auch hier kann man nur auf Erfahrungswerte zurückgreifen. Im Wesentlichen zielt die Behandlung des Hörsturzes darauf ab, das Innenohr wieder ausreichend zu durchbluten. Die Haarzellen sollen sich von der Unterversorgung mit Sauerstoff erholen können. Dabei sind vermutlich die Heilungschancen umso größer, je früher der Hörsturz erkannt und behandelt wird. Häufige Behandlungsformen sind:

n         Infusionstherapie
Um die Durchblutung des Innenohrs zu verbessern, wird vor allem die Infusionstherapie angewendet. Hierbei erhält der Patient über eine Vene (intravenös) etwa 10 bis 14 Tage lang einmal pro Tag Lösungen, die das Blutvolumen in den Gefäßen vergrößern und das Blut verdünnen (Plasmaexpander), dadurch kann das Blut leichter fließen. Zusätzlich werden Medikamente verabreicht, welche die Blutgefäße erweitern und auf diese Weise den Blutfluss erhöhen. Als Nebenwirkung kann u.a. Juckreiz auftreten.
Zusätzlich oder alternativ zu den Plasmaexpandern werden häufig auch Glukokortikoide (z.B. Kortisonpräparate) verabreicht, um eventuell vorhandene Entzündungen und Schwellungen zu beseitigen.

n         Ionotrope Therapie
Vor allem in Verbindung mit Tinnitus wird neben den durchblutungsfördernden Medikamenten zusätzlich Lokalanästhetika (örtliche Betäubungsmittel) wie Lidocain oder Procain intravenös verabreicht. Während der Behandlung kann es allerdings zu Krampfanfällen, zentraler Atemlähmung und Herz-Kreislaufversagen kommen, daher erfolgt diese Therapie nur stationär und zwar meist in Universitätskliniken. Allerdings ist die Wirkung der iontropen Therapie bei Hörsturz und Tinnitus äußerst umstritten.

Daneben gibt es noch eine Reihe weiterer Therapiemöglichkeiten, beispielsweise pysikalische Therapieverfahren, wie die Sauerstoffüberdruck-Therapie oder die Fibrinogensenkung mit Hilfe der Apherese (Blutreinigungsverfahren). Beide Behandlungsmethoden sind – ebenso wie operative Verfahren – äußerst umstritten. Ihre Wirksamkeit ist nicht belegt, die Risiken stehen in keinem Verhältnis zum eventuellen Nutzen.

Wichtiger Hinweis: Da die Ursachen für einen Hörsturz unbekannt sind, gibt es zahlreiche unseriöse Anbieter zweifelhafter Produkte und Dienstleistungen. Lassen Sie sich davon nicht beirren. Fragen Sie bei Ihrer PBeaKK nach. Wir beraten Sie gern und ausführlich.

So beugen Sie einem Hörsturz vor

n         Da vermutlich ein Zusammenhang zwischen Hörsturz und Stress besteht, ist es sinnvoll, Strategien zu erlernen, um Konfliktsituationen besser zu bewältigen.. Hierzu gehören vor allem Entspannungstechniken wie Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung, Yoga oder Meditation.

n         Darüber hinaus sollten Sie eine übermäßige Lärmbelastung vermeiden, weil Lärm die empfindlichen Haarzellen im Innenohr schädigen kann.

n         Wichtig ist auch, die Blutfettwerte zu normalisieren. Hierzu tragen eine ausgewogene ballaststoffreiche Ernährung mit viel Obst und Gemüse und einem geringen Fettanteil sowie körperliche Bewegung bei.

n         Nikotin schädigt die Blutgefäße, deshalb gilt auch das Nichtrauchen als gute Vorbeugemaßnahme gegen den Hörsturz.

Literaturtipp:

Biesinger, Eberhard/Greimel, Karoline:

Hörsturz und Tinnitus schnell verstehen und sofort richtig handeln

MVS Medizinverlage Stuttgart, 2003

ISBN: 978-3-8304-3096-4

 

 

 

 

Tags: 

Hörsturz, Hören, Tinnitus, Ohren, Infarkt

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