Gustav Dieckheuer – Makroökonomik (Theorie und Politik)
An alle Politiker, Studenten der Wirtschaftswissenschaften und sonstige Personen, die sich für makroökonomische Inhalte interessieren und nach einer sehr umfassenden und besonders tiefgründigen Makroökonomik-Lektüre suchen, die besonders für Studenten der Wirtschaftswissenschaften geeignet ist, aus der jedoch auch jeder Einzelne von uns wesentliche Grundzusammenhänge aus der theoretischen Makroökonomik und der praktischen politischen Umsetzung gewinnen kann.
Die Inhaltsangabe:
Im Lehrbuch „Makroökonomik“ von Gustav Dieckheuer, das erstmals im Jahre 2003 im Springer-Verlag erschienen ist, geht es um die Einführung in die grundlegenden Analysebereiche der Makroökonomik und um die Aneignung eines tiefen gesamtwirtschaftlichen Verständnisses, mit welchem der Leser dieses Buches in der Lage sein kann, auch im Hinblick auf bestimmte wirtschaftspolitische Problemstellungen heraus (z.B. eine hohe Arbeitslosigkeit oder eine stark zunehmende Inflation), eine möglichst treffende Gesamtanalyse zu machen und dabei vor allem die möglichen Auswirkungen staatlicher Eingriffe auf die volkswirtschaftliche Entwicklung einschätzen zu können.
Diese Lektüre zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass eben nicht aus ideologischen Gründen einseitig für eine eher angebots- oder nachfrageorientierte Wirtschaftspolitik geworben wird, wie dies gerne häufig Politiker, bestimmte Wirtschaftsverbände oder Gewerkschaften tun, sondern Gustav Dieckheuer geht es stets um die präzise Analyse der gesamtwirtschaftlichen Situation einer Volkswirtschaft und zeigt dabei wohl differenziert die sämtlichen möglichen Konsequenzen auf, die sich kurz-, mittel- oder langfristig aus einer wirtschaftspolitischen Maßnahme heraus ergeben könnten, mit der eine vermeintliche wirtschaftspolitische Problemstellung behoben werden möchte. Dem Lesenden werden dabei auch deutlich die Grenzen der staatlichen Einflüsse und Aktivitäten innerhalb der komplexen gesamtwirtschaftlichen Realität aufgezeigt.
Der wesentliche Aufbau des Lehrbuches:
1) Innerhalb des Vorwortes wird der Lesende zunächst einmal kurz und prägnant in die grundlegende Thematik des Buches eingeführt: Einerseits werden die wesentlichen Kennzeichen moderner Volkswirtschaften und die Aufgabenbereiche der Makroökonomik angesprochen, andererseits wird dem Leser die sinnvolle Verwendung und die Eignung der Lektüre aufgezeigt, die vor allem für Studenten der Wirtschaftswissenschaften konzipiert wurde, um die Inhalte im Rahmen einer Einführungsveranstaltung neu bzw. vertiefend für weiterführende Lehrveranstaltungen einzuüben.
2) Im ersten Kapitel wird der Leser zunächst in die grundlegenden Hauptstoßrichtungen der makroökonomischen Theorie eingeführt. Während die Ex-post-Analyse eine reine Beschreibung des Wirtschaftsgeschehens einer bereits abgeschlossenen Periode innerhalb der Systeme der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung darstellt, geht es bei der Ex-ante-Analyse um die Erklärung zukünftiger Entscheidungen und Handlungen der als Aggregate zusammengefassten Wirtschaftssubjekte. Die Ex-ante-Analyse bildet dabei den Kern der makroökonomischen Theorie und arbeitet dazu mit modellhaften Vereinfachungen, um überhaupt klare Analysen und Prognosen bestimmter Maßnahmen abschätzen zu können. Daher werden sämtliche Gleichungen aus der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung auf das Wesentliche komprimiert und unwichtigere Größen vernachlässigt, damit eine klare Analyse erfolgen kann und der Leser die wesentlichen Schlussfolgerungen überhaupt nachvollziehen kann.
Aber das System der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung und die wesentlichen Zusammenhänge zwischen der Produktion, der Einkommensentstehung und der Einkommensverwendung sowie die sektoralen Abgrenzungen und auch die Finanzierungssalden der 4 aggregierten Sektoren (private Haushalte, private Unternehmungen, der Staat und das Ausland) müssen dabei grundlegend verstanden werden und bedürfen einer sehr intensiven Auseinandersetzung mit der Thematik innerhalb des ersten Kapitels, damit der Lesende zum Kerngebiet der makroökonomischen Theorie, also zur Ex-ante-Analyse, innerhalb der gesamten nachfolgenden Kapitel sinnvoll vordringen kann.
Ausgangspunkt einer Volkswirtschaft ist dabei grundsätzlich die Produktion, aus der überhaupt erst Einkommen entstehen können und schließlich an die privaten Haushalte verteilt werden können.
Dabei sind die Gleichgewichtszustände und die Beziehungen zwischen den 4 Sektoren, die vor allem mit Gleichungen dargestellt werden, von großer Bedeutung, da sich die Entstehungsseite, die Verwendungsseite und die Verteilungsseite innerhalb des Systems der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung gegenseitig bedingen müssen.
Als eine zentrale Kerngröße innerhalb der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung ist vor allem das Bruttoinlandsprodukt zu nennen, welches den Wert der im Inland hergestellten Sachgüter und Dienstleistungen innerhalb einer zugrunde gelegten Periode darstellt. Gerade die Veränderung des Bruttoinlandsproduktes lässt im Allgemeinen wichtige Rückschlüsse darauf zu, ob sich die wirtschaftliche Entwicklung einer betrachteten Volkswirtschaft im Vergleich zu einer vorherigen Periode verbessert oder verschlechtert hat.
3) In den nachfolgenden Kapiteln geht es dann um die Ex-ante-Analyse, die nach Erklärungen für bestimmte wirtschaftliche Situationen und Problemstellungen sucht und sich an das künftige Handeln der Wirtschaftssubjekte ausrichtet. Zum besseren Verständnis wird dazu mit bestimmten Vereinfachungen und Annahmen gearbeitet und die zunächst einfach gehaltenen Modelle werden im Fortlauf der Kapitel schrittweise erweitert und weiter an die komplexe wirtschaftliche Realität einer Volkswirtschaft angepasst.
Ausgangspunkt ist dabei zunächst einmal der Gütermarkt, auf dem der grundlegende Zusammenhang zwischen der Produktion, der Güternachfrage und dem Einkommen modellhaft unter anderem mit zahlreichen Gleichungen klar gemacht wird. Dabei wird zunächst unterstellt, dass sich die Produktion unmittelbar der Nachfrage anpasst. Die Angebotsseite wird zunächst vernachlässigt, sowie auch die möglichen Auswirkungen bestimmter Maßnahmen auf dem Kapitalmarkt und auf dem Arbeitsmarkt.
Es handelt sich dabei folglich um eine nachfrageseitige Analyse, die die Angebotsseite weitestgehend ausklammert und auch finanzwirtschaftliche Auswirkungen. Diese wird auch als keynesianischer Ansatz bezeichnet. Diese Modelle werden anschließend mit den Einflüssen von Zinsänderungen erweitert (IS-Kurve) und die Auswirkungen von Zinserhöhungen oder Zinssenkungen auf das Gütermarktgleichgewicht untersucht.
Dabei spielen der Geld- und Kreditschöpfungsprozess und die Steuerung der Geldmenge Seitens der Zentralbank eine sehr wichtige Rolle. Das Zusammenspiel von Geldangebot und Geldnachfrage (LM-Kurve) wird dazu ebenfalls mit in die güterwirtschaftliche Betrachtung inklusive der Zinseinflüsse einbezogen und das IS-LM-Gleichgewicht, also das Gleichgewicht auf dem Gütermarkt und auf dem Geldmarkt simultan erfasst. Anschließend werden die Einflüsse der Veränderungen des Preisniveaus und zuletzt der Wechselkurse für die wirtschaftliche Entwicklung in Bezug auf das Güter- und Geldmarktgleichgewicht einer Volkswirtschaft untersucht.
Im Fortlauf wird nun schwerpunktmäßig die Angebotsseite mit in die makroökonomische Analyse mit einbezogen. Eine vorwiegend angebotsorientierte Analyse wird auch als neoklassischer Ansatz bezeichnet. Diese ist vor allem zur Analyse des Arbeitsmarktes von zentraler Bedeutung, da die Ursachen der Arbeitslosigkeit und die Funktionsweisen von Arbeitsmärkten zu einer effektiven Bekämpfung der Arbeitslosigkeit in den modernen Volkswirtschaften von großer gesellschafspolitischer und wirtschaftlicher Bedeutung ist. Der Geld- und Wertpapiermarkt wird ebenfalls als ein für die Volkswirtschaft zentrales Thema umfassend untersucht und mit in die güterwirtschaftliche Betrachtung mit einbezogen.
Die Einflüsse von Inflation und Beschäftigung und von konjunkturellen Schwankungen werden ebenso ausführlich und fundiert behandelt.
Mein Fazit:
Dieses Makroökonomik-Lehrbuch zeichnet sich vor allem durch seine ideologiefreie Darstellung der einzelnen behandelten Themen aus, die sehr umfassend und in wohl differenzierter und verständlicher Sprache behandelt werden. Es wird eben nicht versucht für eine verstärkte Angebots oder Nachfragepolitik zu werben, sondern es geht stets um die präzise Analyse der Situation, in der sich eine Volkswirtschaft befindet, da eine wirtschaftspolitische Maßnahme vor allem des Staates Sinn machen sollte, weil sonst die volkswirtschaftliche Effizienz der Ressourcen und der allgemeine gesellschaftliche Wohlstand in Gefahr geraten kann.
Die Gleichungen und Zeichnungen werden durchweg recht übersichtlich und relativ gut nachvollziehbar erklärt.
Zu bemängeln ist aus meiner Sicht jedoch, dass keine Farbzeichnungen vorhanden sind und einzelne praktische Beispiele eher selten sind, was für das Verständnis und für einen zügigen Lernfortschritt von Nachteil sein kann. Um praktische Beispiele und Übungsaufgaben jedoch vertiefend einüben zu können, gibt es vom gleichen Autor das Übungsbuch „Übungen und Problemstellungen zur Makroökonomik“, welches sich konkret auf dieses Lehrbuch bezieht und zu den einzelnen Kapiteln zum genauen Lesen Kontrollfragen zur eigenen Verständnisüberprüfung stellt, noch bevor die praktischen Übungsaufgaben in Angriff genommen werden sollten. Ich habe beide Arbeitsbücher in der Fachbuchhandlung in Münster im „Doppelpack“ erworben und zur zielgerichteten Klausurvorbereitung damit gute Erfahrungen gemacht. Wenn Sie mehr über das angesprochene Übungsbuch erfahren möchten, dann empfehle ich Ihnen auch dazu meinen entsprechenden Erfahrungsbericht zu lesen.
Dennoch kann ich diese Makroökonomik-Lektüre als ein insgesamt sehr umfassendes und fundiertes Werk jedem Studenten der Wirtschaftswissenschaften und sonstigen Interessengruppen weiterempfehlen und dieser 4 Sterne vergeben. Mit einem Preis in Höhe von 24,95 Euro bietet diese Lektüre dem Leser insgesamt ein rundum gutes Preisleistungsverhältnis an, da diese für Einsteiger und Fortgeschrittene sehr nützlich sein kann.
Pro: Ideologiefreie Darstellung der einzelnen behandelten Themen, sehr umfassend und didaktisch gut aufbereitet.
Contra: Leider sind keine Farbzeichnungen vorhanden und konkrete Beispiele eher selten.