Des
Nächtens unter Lärchen
Ein
warmes Abendrot fällt auf die verschneiten Baumwipfel eines
Wäldchens, durch das ein Mann auf seinem Rad fährt. Er fühlt die
kühle Luft über sein Gesicht streichen und schließt die Augen für
einen kurzen Moment.
Als
er die Augen wieder öffnet bemerkt er, dass der Trampelpfad einem
strikt geradeaus führenden Weg gewichen ist, der endlos zu sein
scheint. Auch das Bild der Flora hat sich gewandelt.
Statt
auf ein lichtes Wäldchen blickt er nun auf dicht beieinander
stehendes Gehölz, dass knorrig und abgestorben wirkt.
Zuerst
meint er den Kopf leicht nach links geneigt zu haben, bis er entsetzt
feststellt, dass sich die gegenüberstehenden Bäume voreinander
verneigen. Ihre dürren Äste verflechten sich ineinander, bilden
einen Tunnel, der jegliches Licht aussperrt.
Als
sich die Speiche seines Vorderrads in einer Wurzel verfängt, fällt
er hart auf den eisigen Boden. Es ertönt die Stimme einer Frau, die
in dem Tunnel aus totem Holz widerhallt.
Sie
klingt erzürnt und schrecklich abweisend. Schnell rappelt er sich
wieder auf und beginnt zu rennen. Er versucht vor der Stimme zu
fliehen, doch es scheint zwecklos. Orientierungslos tastet er sich
durch das dunkel, gerät ins Taumeln und stürzt erneut, diesmal
fällt er jedoch nicht auf die kalte Erde, sondern in ein bodenloses
Loch, das ihn zu verschlingen droht.
Plötzlich
sieht er nur noch grell blendendes Licht.
Eine
weiße Decke.
Ein
Krankenbett, an dem ein Arzt und eine junge Frau stehen.
Der
Arzt misst das Fieber des im Bett liegend Patienten, wendet sich dann
zur Frau
:“
Ich bitte sie jetzt zu gehen. Sein Zustand ist weiterhin kritisch.
Sollte er aus dem Koma erwachen werden wir sie darüber informieren.“
Die
Frau blickt ein letztens mal auf den im Bett liegenden Mann und
haucht schließlich unter Tränen :“ Ich will mich nie wieder mit
dir streiten.“