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Autor: TimWest
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Paris, Paris - Monsieur Pigoil...
von: TimWest |  05.12.2008 15:42:31
Was passiert, wenn man "Moulin Rouge" mit "La Vie En Rose" und angedeuteten Gesellschaftsdramen in einen Topf wirft? - Paris, Paris. Der neue Film von Christophe Barratier, dem Vater der Kinder des Monsieur Matthieu, verbindet seichte Unterhaltung, musikalische Klischeebestätigung und anstrengungsfreier Story zu einem Film, der den Kopf frei macht und die Seele baumeln lässt.
Alles dreht sich um das kleine Theater "Chansonia", das zum Jahreswechsel 1935/1936 zwangsüberschrieben wird und die Belegschaft, samt des Vorhangmannes Monsieur Pigoil, auf der Straße landen. Pigoil beginnt zu trinken, nachdem ihm auch noch die Frau abhanden kam und der Sohn hält die Beiden mit illegalem Akkordeonspiel auf Paris Gassen über Wasser. Bis die Polizei ihn aufgreift und der Mutter das Sorgereicht übergibt. Nebenbei tanzen Geschichten um die Machtergreifung der Faschischtischen Volkspartei und
das Doppelspiel von Schauspielerfreunden und Gewerkschaftskämpfern. Kurzum, eines Tages beschließt die alte Theaterbande, das Chansonia wieder strahlen zu lassen. Mit mäßigem Erfolg - bis die junge Sängerin Douce sich der Truppe anschließt. Familiengeschichten werden aufgedeckt, alte Herren verlassen nach 20 Jahren wieder ihre Wohnung und alle packen an, dem maroden Theaterbau wieder Leben einzuhauchen. Doch Douce muss sich "verkaufen", sich aushalten und beobachten lassen vom Inhaber des Theaters, der in guter alter Mafia-Manier über das Schicksal der armen Künstler entscheidet. Dramen sind vorprogrammiert als sich Douce in den Gewerkschaftsführer verliebt, der nciht nur politisch das konkrete Gegenteil zum Boss des Chansonia darstellt. Es kommt zum Eklat, der aber, wie soll es denn auch anders sein, zum Happy-End führt.
Paris, Paris glänzt zwar weder durch tiefgründige Erzählstrukturen, sagenhafte Kameraführung oder schauspielerische Hochleistungen. Aber wahrscheinlich macht gerade das den Film zu "guter Unterhaltung"...
 

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Paris Pigoil Film Chanson Frankreich France

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JULIA
von: TimWest |  06.10.2008 16:29:21

Pfui, denkt man. Schlampe, denkt man. Wie furchtbar, sagt man. Zu keiner anderen Reaktion neigt man, wenn man sieht, wie sich die Protagonistin Julia (Tilda Swinton) Nacht für Nacht aufdonnert, zugegeben ein wenig billig, und sich nach erreichen des alkoholisch bedingten Point-of-no-return einem jeden X-beliebigen Mann an den Hals wirft. Zugegeben, viel zu willig. Fast riecht man ihren Atem, beißend von den Strapazen der durchtrunkenen Nacht, wie sie morgens in Autos oder fremden Betten erwacht, aufspringt, stolpert und stürzt und sich nahezu verliert in ihrem verkrampften overacting. Eins ist klar, was so maßlos lebenslustig wirkt, ist in Wahrheit eine lebensmüde Existenz, die sich lediglich durch das mentale Bad im Hochprozentigen behaupten kann. Eine gerade stereotypische "gescheiterte Existenz". Sie verliert ihren Job, gerät in die Finanzbredouille. Wie auch nicht anders zu erwarten, will man meinen.

 

Stets behangen mit dem selben Sammelsurium aus schwerem Modeschmuck wirkt sie eher wie ein trotziges Kind, das im Schrank der Mutter Karneval spielt als dem Bild einer vertrauenswürdigen, lebensfähigen Frau zu entsprechen. Die Tipps ihres Freundes Mitch (Saul Rubinek) ignoriert sie entweder oder spielt sich als missverstandene Venus auf. Steil wird er, ihr Weg, sehr steil. Bei einem Treffen der Anonymen Alkoholiker, wo sie gezwungenerweise erscheint, sich jedoch die gesamte Sitzungszeit über vor der Tür aufhält, lernt sie die von Anfang an manisch wirkende Elena (Kate Del Castillo) kennen.

 

Elena plant, ihren Sohn Tom zu entführen, der bei ihrem Großvater untergebracht ist und bittet Julia um ihre Hilfe. Die, verkatert und aufgedunsen rauchend in Elenas Küche sitzend, lehnt ab, das ist ihr zu heiß - Bis Elena vom großen Geld erzählt, dass sie wegen ihres Jungen geerbt habe und Julia ist im Boot. Scheinbar. Hinter Elenas Rücken heckt sie den Plan aus, das Kin zwar zu entführen, Elena aber völlig aus dem Spiel zu lassen und von ihr selbst so viel Geld wie möglich zu erpressen.

 

Der Plan scheint aufzugehen und ein amüsant bis schockierendes Spiel zwischen dem bizarren Gespann aus Entführerin und Kind beginnt. Das Drama wird zum Roadmovie, der auf über 200km/h beschleunigt und für gefühlte 100 Stunden auch nicht wieder vom Gas tritt. Ein wenig stört der Hauch von Gangster-Film, der in die Handlung weht als Julia mit dem Kind nach Mexiko gerät. Anstrengend wird es mitunter, wenn man das Gefühl hat, der Kameramann hätte sich an einer von Julias Whiskeyflaschen vergriffen. Und doch: Tilda Swinton überzeugt als unsympathische Lotterliesel mit abgebrochenen Kunstfingernägeln, die wohl zum ersten Mal in ihrem Leben über den Schatten ihrer eigenen Existenz springen muss um eine andere zu beeinflussen und hat den gewonnenen Oscar umso mehr verdient.

 

 

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Julia, Tilda Swinton, Neu, DVD, 2008

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"10 Sekunden" von Nicolai Rohde
von: TimWest |  06.10.2008 11:08:59

[Ob es etwas zu bedeuten hat, weiß ich nicht so recht, daher gebe ich vorab zu Protokoll, dass ich in diesem Film an einem Samstagabend zu üblicher Kinozeit mit meiner Begleitung alleine im Saal war.]

Es beginnt zunächst, wie ein abendfüllender ZDF-Zweiteiler. Ein Krimi vielleicht. Brennende Flugezugteile im Wald, aufgeregte Menschen. Doch schon nach den ersten Minuten geht es los. Man findet sich inmitten einer fröhlichen Schneiderei wieder. Szenen springen, Zeitzonen wechseln. Das Hirn surrt, Ärger tanzt durch die Magengegend. Dann kommt der Moment. Aha, verstanden. Der Plot gestaltet sich also so: Ein Jahr nachdem der Fluglotse Markus (Wolfram Koch) 10 Sekunden lang seinen Monitor aus den Augen gelassen hatte und so die Kollision zweier Passagiermaschinen nicht verhindern konnte, betreten wir als Zuschauer den Schauplatz Leipzig. Markus und seine Frau Franziska (Marie Bäumer) kehren aus einem Urlaub zurück. Polizist Harald (Sebastian Kirchschläger) war damals am Unfallort, entdeckt nun an jeder Ecke Dinge, die ihn erinnern. Erik (Filip Peetern) hat seine Frau und seine Tochter bei dem Unglück verloren und kehrt zum Jahrestag nach Leipzig zurück. Gespickt wird das ganze durch schnelle Rückblenden, Zeitsprünge vorwärts und rückwärts, ausstaffiert mit mehrern unwichtigen Nebenhandlungen.

Der Film ist sicher nicht schlecht. Inspiriert von wahren Begebenheiten steht auf dem Plakat. Sowas ist ja stets eine nette Idee. Hier allerdings hapert es an der Umsetzung. Rohde wollte zu viel, sage ich. Der Film wird bleiern und anstrengend, langatmig und unkoordiniert. Die Zeitsprünge geben den Rest. Allein die Schauspieler retten in der einen oder anderen Szene das aufgesetzte der Handlung, pfeffern den Plot an der ein oder anderen Stelle, wo es sich auch lohnt.

Kurzum: Es hätte was werden können.

 

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10, sekunden, Rohde, Bäumer, Film, Aktuell, Kino, Neu, Drama

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