Pioniergefühle in der Altstadt: Frisch saniertes Fachwerkhaus lockte junge Familie aus Prenzlauer Berg nach Nauen
Nahezu 15 Jahre stand das marode Fachwerkhaus in der Nauener Bergstraße leer und war dem Verfall preisgegeben. Nach der Sanierung zog wieder eine Familie in die Nummer 15 ein. Der Bauherr und Eigentümer Michael Schob aus Brieselang lud zur Besichtigung des wiederhergestellten Fachwerkhauses ein.
Durch die Sanierung entstanden zwei Wohnungen, von denen eine schon vermietet ist: Silke und Erik Meisel und ihre beiden Kinder wechselten aus ihrer Wohnung im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg in eine Haushälfte. Im Gegensatz zu ihrem bisherigen Quartier seien die 98 Quadratmeter für sie wesentlich erschwinglicher. Zur Arbeit im Berliner Westteil sei der Ingenieur für Theatertechnik ebenso lange wie vorher unterwegs, meint Erik Meisel. Als Übersiedler von der Stadt in die Provinz versteckt er seine Pioniergefühl nicht. Da er sich bislang nur via Internet über die Stadt schlau machen konnte, hinterfragt er wissbegierig das kulturelle und politische Geschehen in Nauen. Sein neues Domizil ist ja Teil der Stadtgeschichte, denn das Altstadt-Haus wurde 1830 errichtet. In einem undatierten Zeitungsartikel fand die Frau des Eigentümers Sabine Schob zur Historie der Umgebung des Hauses: „Das slawische Kastell Nienburg, das der Kaiser Otto der II. seiner griechischen Frau Teophano im Jahr 981 geschenkt hat, soll etwa hier, im Gebiet der heutigen Bergstraße in Nauen gestanden haben. Das Kastell gilt als Vorgänger der Stadt Nauen." Bei den Bauarbeiten haben Archäologen der Firma Aco Dinter aus Wildau die Aufgrabungen im Keller begutachtet. Sie konnten aber nichts Nennenswertes finden.
Silke Meisel hat sich in die Raffinessen der detailgetreuen Sanierung verliebt. Dort wo früher die Schwarze Küche war, ist unter einem Gewölbe noch immer die Kochstelle. Sie mag besonders, wie man von der hellen Küche direkt auf die Terrasse und in den Hof kommt. Insgesamt hätte das ganze Haus Atmosphäre. „Als wir es zuerst gesehen haben, stand nur der Rohbau aus Fachwerk, aber selbst das hat uns schon gefallen“, erinnert sich die Mutter von zwei Söhnen. Lasse ist zehn Monate und Malte wird bald drei. Damals sei das Haus wirklich in trauriger Verfassung gewesen. „Die Balken waren verfault und die Steine dazwischen mussten komplett ausgetauscht werden“, erinnert sich Bauunternehmer Thomas Schob, der für den Rohbau verantwortlich war. Mit viel Fingerspitzengefühl kümmerten sich Tischler der Firma Düring aus Perwenitz um Türen, Treppen Fenster und Dielung. Rustikal ziehen sich die freiliegenden Deckenbalken durch die Wände der vier Zimmer. Auch das Dach mit seinen zahlreichen Gauben wurde komplett im alten Stil erneuert. Die Wiederherstellung der Gebäudehülle förderte als Sanierungsträger der Stadt Nauen, die Stadtkontor GmbH. Bei ihrer Besichtigung lobte Yvonne Prochnow vom Stadtkontor das außerordentliche Engagement des Bauherrn. Sie verglich Michael Schob mit einem Engel und sagte: „Er hat den Optimismus nicht verloren. Das ist nun schon das dritte von ihm rekonstruierte Altstadthaus.“ Dieses Gebäude kaufte Schob 2004 vom Brieselanger Gastronomen Christian Stange. Nach dessen Angaben sei das Haus bis kurz nach der Wende bewohnt gewesen. Im August letzten Jahres begannen die Bauarbeiten.
Familie Meisel packt nun ihre Kisten aus. „Es sind 90 ordentlich gepackte Kartons, wie es sich für einen Ingenieur gehört“, scherzt der neue Nauener. Nun fehlen ihm in der anderen Hälfte des Hauses nur noch nette Nachbarn zum Glück.