Ohne Nachwuchssorgen
Der Wansdorfer Reit- und Fahrverein „Am Berg“ setzt auf Kinder- und Jugendarbeit
Das Stafettenspringen in Brieselang konnten sie für sich entscheiden. Mit einem Riesenvorsprung gewannen die Mitglieder des Reit- und Fahrvereins „Am Berg“ auch den ersten Havelländischen Orientierungsritt in Perwenitz. Der Reiterhof auf dem sie trainieren wirkt trotz zentraler Lage an der Wansdorfer Dorfstraße unscheinbar.
„Wir sind sehr klein und haben keine Reithalle, aber stellen trotzdem viel auf die Beine“, sagte die Vereinsvorsitzende Michaela Lessig-Arndt. So begleiteten die Pferdefreunde den Laternenumzug, das 120. Jubiläum der Wansdorfer Feuerwehr und veranstalten regelmäßig Ponyreiten und Kremserfahrten.
Die Reitervereinigung feiert im kommenden Jahr ihren 30. Geburtstag. Weil es in Berlin zu eng wurde, zogen die Pferdefreunde aus Berlin-Heiligensee kurz nach der Wende nach Wansdorf. Nur die Geschäftsstelle des Reit- und Fahrvereins „Am Berg“ blieb in der Hauptstadt. Auch der Name weist auf die Berliner Jahre hin, denn im flachen Wansdorf gibt es weit und breit keine Erhebung. Neben der bescheidenen Ausstattung des Hofes, der 36 Pferde beherbergt und dem geselligen Vereinsleben, nannte Michaela Lessig-Arndt eine weitere Besonderheit. 32 von insgesamt 44 Mitgliedern sind Jugendliche. Deswegen steht die Kinder- und Jugendarbeit im Vordergrund. Vierjährige können Voltigieren lernen. Reiten ist ab sechs Jahren möglich. Dafür werden spezielle Kinder- und Jugendponys gehalten. Gerade galoppieren drei Mädchen zwischen sieben und zehn Jahren in den letzten hellen Stunden vergnügt auf Ponys durch den Slalom-Parcour. „Die Trainingsgruppen sind klein. Wir sind kein Massenbetrieb“, erzählte die Vereinsvorsitzende nach einem Rundgang vorbei an Ställen und Koppeln im vereinseigenen Reiterstübchen. Wenn die Witterung den Ausritt im Grünen nicht mehr zulässt, steigen auch die drei jungen Mädchen von den Ponys. Kimberly, Anna und Pauline sitzen dann wieder öfter im Stübchen und erfahren von den Reitlehrern das Theoretische, was sie über Pferdepflege wissen müssen. Spätestens wenn die Rösser die Jüngsten auf dem Schlitten durch den Wald ziehen, hat auch der Winter seine besonderen Reize. „Die Kinder reiten hier auf gut ausgebildeten, turniergeeigneten Ponys. Das hat ein höheres Niveau als die Kurse auf normalen Vereinspferde“, sagte Renate Heß anerkennend. Mit ihrem Sohn Leonard – einer der wenigen Jungen – trainiert sie regelmäßig auf dem Hof.
Von ihren Erlebnissen bei Turnieren berichteten Nicole Broecker aus Bützow und Janika Bischoff aus Falkensee. Beide reiten Brandenburger mit denen ihnen das Springen am meisten Spaß macht. Die erfahrenen Turnierreiterinnen entnehmen der Verbandszeitung „Pferde- und Zucht“ wann und wo sie mit ihren Rössern starten können. Zu Pferdesport-Wettbewerben fahren sie manchmal über 100 Kilometer, um bei den wichtigen Ereignissen in Neustadt-Dosse, Karlshorst oder bei der größten Pferdemesse „Hippologica“ dabei zu sein. Neben den großen Turnieren, an denen Janika und Nicole im Sommer an jedem zweiten Wochenende teilnehmen, mögen die beiden Pferdefans das heimische Vereinsleben sehr. Einmal im Jahr stehen Sommerfest, Zeltlager und Reiterspiele auf dem Programm, bei denen jeder seine Geschicklichkeit hoch zu Ross beweisen kann. Die Mischung aus Spaß und ernsthaftem Wettbewerb gefällt ihnen besonders. „Wir sind eben wie eine kleine Familie“, fasst Michaela Leßig-Arndt treffend jene Stimmung auf dem Hof zusammen, die auch Fremden nicht verborgen bleibt.
Mehr Informationen: Reit-und Fahrverein „Am Berg“ e.V., Michaela Leßig-Arndt, Dorfstraße 21, 14641 Wansdorf, Tel. 03323 160292