Dreschflegel, Diashow und Diplomanden
Seit 18 Jahren machen die Heimatfreunde Nauens Stadtgeschichte publik.
Den 18. Geburtstag ihres Vereins feierten die Nauener Heimatfreunde kürzlich inmitten der Schau „Erntezeit in der Ackerbürgerstadt“. Die in Zusammenarbeit mit dem Haus Gartenstraße und dem Landfrauen-Verein entstandene Ausstellung sei der Höhepunkt ihrer bisherigen Arbeit, erklärte der Vorsitzende Wolfgang Johl. Er führte als historischer Bürgermeister mit lockiger Perücke und in edlem Zwirn einige Schulklassen durch die Schau. Damit hätten die Geschichtsfreunde ein wesentliches Ziel erreicht und die Jugend an heimatgeschichtliche Themen heran geführt.
Auch bei der kleinen Geburtstagsfeier mit 16 Vereinsmitgliedern und Gästen blieb man dem Erntethema treu. So präsentierte Wolfgang Wiech zum Teil farbenprächtige Dias aus dem Zentralarchiv, die das Leben in der Landwirtschaft rund um Nauen in den 50er und 60er Jahren zeigten. Damals stand die Bredower Mühle noch. Die Bauern fuhren ihr Heu mit dem Pferdewagen in die Scheunen und beim Kartoffelstoppeln mussten alle helfen. Die alten Fotos zeigten auch, wie die Mitglieder der Freien Deutschen Jugend beim so genannten „Milchader“- Projekt Gräben anlegten. Der feuchte Luchboden sollte entwässert werden, damit mehr Rinder weiden können. In der Vortragspause wurden die Sieger des Gewinnspiels ermittelt, dass die Ausstellung begleitete. Es ging darum das Gewicht eines ausgestellten Kürbis´ zu schätzen. Mit 25 Kilogramm bewiesen ein 14- und ein 68-jähriger Besucher gutes Augenmaß. Der erste Preis, ein Kalender mit Altstadtmotiven wurde somit zweimal vergeben.
Im täglichen Geschäft übernehmen die Heimatfreunde mit Sitz in der Stadtinformation für Nauen eine wichtige Aufgabe. Sie beantworten sämtliche Fragen über die Geschichte des Ortes. Denn viele Technikfreunde in der ganzen Welt wollen Details über die Wiege des Rundfunks wissen. Darunter sind oft Studenten, die Haus- und Diplomarbeiten, beispielsweise über die Geschichte von Telefunken schreiben. Zudem organisieren und planen die Heimatfreunde Stadtrundgänge und Besichtigungen des Nauener Funkamtes, dass seit einem Eigentümerwechsel selten zugänglich ist. Seit kurzem gibt es auch eine historische Trachtengruppe, die unter anderem beim Ackerbürgerfest auftritt und Geschichte auch für Lesemuffel erlebbar macht. „Die selbst geschneidert Kostüme sind wichtig. Das erregt Aufmerksamkeit, denn die Leute sehen was“, findet Wolfgang Johl. Der Vorsitzende leitet erst seit 2005 den Verein. Dazu gebracht, hat ihn der bekannte Stadtführer Franz Mania, den er 2003 in der Altstadt erlebte. „Der Mann riss mich damals so mit, dass ich selbst Stadtführer werden wollte.“ Heute sei die Vereinsarbeit wie „sein zweiter Beruf“. Johl hat 27 weitere Mitstreiter, die nicht nur in Nauen, sondern auch in Brieselang oder im bayrischen Coburg beheimatet sind. Zukünftig sollen die Öffentlichkeits- und die Jugendarbeit intensiviert werden.
Mehr Infos unter www.funkstadt-nauen.de