Die Zukunft der Bilder und
deren Geschichten
Scheinbar befinden wir uns
an einem Wendepunkt der Umsetzung und der sich daraus ergebenden Ästhetik –
gemeint sind unsere Filmbilder.
Wir reden über die totale Übernahme durch die digitalen Möglichkeiten. Es soll
technisch , wie gestalterisch plötzlich alles möglich sein, was wir vor ein
paar Jahren nur träumen konnten. „ If you can dream it , you can make it!“ sagte
George Lucas einmal.
Wirklich alles? Besteht denn
so ein großes Bedürfnis beim Zuschauer alles zu sehen.
Nehmen wir dem Zuschauer
dadurch nicht noch mehr Fantasie weg, als wir das ohnehin schon tun. Werden die
Bilder nicht zu perfekt? Wird nichts mehr dem Zufall oder dem spontanen Einfall
überlassen? Zu beobachten ist dies längst bei den teuren Hollywoodproduktionen.
Wenig wird mehr riskiert, weder gestalterisch , noch inhaltlich.
Die Illusion ist so perfekt,
dass wir als Zuschauer völlig platt gemacht werden von einer Bilderflut in der
es kein Geheimnis mehr zu entdecken gibt.
Letztendlich erzählen wir
aber Geschichten mit Hilfe der Bilder. Die Magie dieser Bilder wird nicht mehr
ernst genommen . Bilder werden zerstückelt in Pixel und dadurch neutralisiert.
Dann werden sie neu aufgebaut , bearbeitet und neu gestaltet. Fehler werden
ausgemerzt und das perfekte Bild entsteht.
Der ursprüngliche Macher der
Bilder wird verdrängt und durch ein Heer von ausgefeilten Technikern ersetzt.
Die Innovation, die Interpretation und der künstlerische Atem einer
einzigartigen Persönlichkeit und seines Schaffens geht dabei verloren.
Im Moment werden wir
bombardiert mit Bildinhalten und Geschichten die das bisher unmögliche möglich
machen. Immer bessere Tricks , kühnere Stunts und faszinierende
Kameraperspektiven werden auf dem Rummelplatz Hollywood ersonnen. Und das alles
scheint kein Ende zu haben. Die einzelnen Großproduktionen überbieten sich
gegenseitig mit immer spektakuläreren Bildern. Natürlich ist der Reiz groß für
die Macher , aber vertrauen sie diesen neuen Bildern . Offensichtlich nicht .
Deswegen werden diese Bilder
so kurz montiert, dass der Zuschauer nicht einmal richtig hinschauen kann.
Oft haben diese Bilder
überhaupt nichts mehr mit den Geschichten zu tun. Sie sind nur
effekterhaschende Elemente. ( Wenn zum Beispiel am Anfang von PANICROOM die
Kamera geisterhaft durch Wände und Decken fliegt. Und wir das Gefühl haben uns
erwartet ein Geisterfilm . Nachher stellt sich der Film als ein ganz normaler
Thriller heraus ) .
Aber werden die Geschichten
besser. Oder berühren sie uns mehr?
Die Frage ist, wie wird sich
die Bilderwelt und deren Montage verändern . Technische Inovationen und
wirtschaftlicher Druck werden für die nähere Zukunft ausschlaggebend für die
Bilder sein. Der wirtschaftliche Erfolgsdruck wird nur das zulassen was Profit
bringt. Zumindest im
Mainstreamkino oder quotenabhängigen Fernsehen.
Filme sind längst zu
Werbeträgern von Merchandisingprodukten verkommen .Wenn uns die Filmbilder
diese Produkte nicht schön genug präsentieren, dann werden wir nicht motiviert.
Unsere Kauflust wird nicht angeregt.
Ein wichtiger Aspekt –
ähnlich wie in der Werbung – ist das Sicherheitsdenken. Hat eine Sache einmal
Erfolg und macht Profit, dann kann man ihr auch weiterhin vertrauen.
Ich denke aber gerade bei
den immer teurer werdenden Großprojekten, werden immer mehr Lücken entstehen.
Kleinere unabhängige Produktionen können sich etablieren. Und mit ihnen auch
die Durchsetzung von individuelleren Bildern. Weniger Druck ergibt dann größere
künstlerische Freiheit und mehr Raum zum experimentieren.