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Der Film Requiem for a dream - Wie Träume sich selbst begraben

Autor: RoundaboutFlorence
Bewertung: 6,00 | 1 Stimme
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Der Film und was ihn besonders macht
von: RoundaboutFlorence |  18.02.2010 14:25:18

Wie Träume sich selbst begraben

Requiem for a dream zählt nun schon seit einigen Jahren zu meinen Lieblingsfilmen und doch habe ich ihn vergleichsweise selten gesehen. Heute möchte ich euch erzählen, was den Film in meinem Augen so besonders sehenswert und faszinierend macht und warum ich ihn doch nur hin und wieder gucke.


Wie kam ich auf den Film?

Mein Anreiz, mir Requiem for a dream an zu sehen war mein aufkommendes Interesse an dem Schauspieler und Sänger Jared Leto. Nach dem ich Oliver Stones Alexander gesehen hatte, wollte ich unbedingt mehr von diesem Schauspieler sehen und besorgte mir nicht nur Musik von seiner Band, sondern recherchierte auch im Internet, in welchen Filmen er noch zu sehen ist und ob mich welche davon ansprechen könnten.
Dabei stieß ich auf eben diesen Film.


Die Handlung

In Requiem for a dream geht es um vier Personen: die alternde Mutter Sara Goldfarb, ihren Sohn Harry, dessen Freundin Marion und Harrys besten Freund Tyrone.
Sara Goldfarb ist eine liebevoller Mutter und lebt in einem Apartmentblock in New York. Ihr Mann Seymour ist schon seit einiger Zeit tot und ihr Sohn Harry kommt öfter vorbei, um ihren heiß geliebten Fernseher zum Pfandleier zu bringen, als um sie einfach zu besuchen. Trotzdem liebt Sara ihn bedingungslos und holt sich ihren Fernseher immer wieder zurück.
Harry verscherbelt den Fernseher mit seinem Kumpel Tyrone nicht einfach aus Spaß an der Freude, sondern um Geld für ihr liebstes Hobby zu bekommen: Drogen. Die beiden neigen eher zum Kiffen als zu ,,harten" Drogen, aber schon bald spielen sie mit dem Gedanken, selber Drogen zu kaufen, zu strecken und weiter zu verkaufen. Seiner Freundin Marion schwärmt Harry vor, sie könnten mit dem Geld einen Laden eröffnen, den Marion strebt eine Karriere als Modedesignerin an.
Während die drei Freunde Pläne fürs große Geld schmieden, bekommt Sara Goldfarb einen seltsamen Anruf, der sie in helle Aufregung versetzt - sie soll ins Fernseh kommen und bei einer Show auftreten! Für eine Frau, dessen größtes Hobby das Ansehen von Game- und Motivationsshows ist, stellt dies natürlich die ultimative Ehrung dar. Aber als Sara mit ihrer Nachbarin versucht, sie in ihre schönstes Kleid zu stecken, stellt Sara fest, dass sie etwas rundlich geworden ist. Sie versucht es mit einer Diät, doch eine Nachbarin rät ihr, sich beim Arzt Appetitzügler zu besorgen. Guten Glaubens folgt Sara diesem Rat und bekommt die bunten Pillen auch verschrieben - aber dass sie hyperaktiv und süchtig machen, hatte sie nicht erwartet.
Weder Saras Diät noch Harrys Pläne bezüglich des Drogenverkaufes enden gut. Als der Drogenfluss in die Stadt unterbrochen wird, ist auch das Geschäft erledigt und die drei brauchen ihre Vorräte für sich selbst. Streit und Verzweiflung dominieren die Liebe zwischen Harry und Marion und die Suche nach Nachschub stürzt alle in ungeahnte Abgründe, die ihre Träume restlos begraben.
Die Schauspieler

Sara Goldfarb wird von Ellen Burstyn gespielt, die in der Rolle restlos überzeugt und den Zuschauer so unendlich traurig macht. Ihre Geschichte ist eigentlich die traurigste - während Harry, Marion und Tyrone sich ihr Schicksal eigentlich selbst zuschreiben können, ist Sara einfach ein einsames Mütterchen, dass sich aus Einsamkeit in ihre Fernsehwelt gesteigert hat. Das bringt die Schauspielerin wirklich rüber und man möchte sie eigentlich in den Arm nehmen und beschützen.
Jared Leto als Harry gefällt mir sehr gut - wegen ihm habe ich den Film ja auch in erster Linie angesehen. Er ist ,,cool", schön anzusehen und man merkt schnell, was Marion an dem von ihm gespielten Charakter findet. Er kommt authentisch rüber - mit allen Emotionen, Süchten und Problemen.
Als ich merkte, dass Jennifer Connelly in dem Film mit spielt, war ich noch erfreuter! Ich kenne und liebe sie aus dem Film ,,Labyrinth", in dem sie im Alter von 16 Jahren an David Bowies Seite mitspielte. Auch sie kommt sehr echt und überzeugend rüber. Dabie ist sie auch noch bestechend schön!
Als Harrys Kumpel Tyrone ist Marlon Wayans zu sehen. Auch er steckt hundert Prozent in seiner Rolle und versteht es sehr gut, im Wechsel Coolness und die darunter versteckte Angst vor zu großen Problemen zu zeigen.
Die Hauptdarsteller haben in diesem intensiven, schwierigen Film wahres Talernt bewiesen. Ihre Darstellungen sind auch ein Element, dass den Film so unter die Haut gehen lässt.
In Nebenrollen sind auch noch Christopher McDonald, Louise Lasser, Marcia jean Kurtz, Janet Sarno, Suzanne Shepherd, Joanne Gordon, Charlotte Aronofsky und Mark Magolis zu sehen.
Was den Film besonders macht

Requiem for a dream erwähne ich oft, wenn Menschen mich nach dem ,heftigsten' Film fragen, den ich je gesehen habe. Nach einigem Nachdenken füge ich dann noch Filme wie den alten ,,The day after'' oder ,,Schindlers Liste'' auf. Aber am meisten aufwühlen tut mich Requiem for a dream einfach.
Es ist der gnadenloser Untergang der Hauptpersonen, die den Film so ,,schrecklich" machen. Man sitzt vor dem Fernseher und flüstert innerlich ,,Tu das nicht!" oder ,,Warum merkst du denn nicht, dass du jetzt aufhören musst?!", aber die Menschen in diesem Film haben niemanden, der sie warnt. Sie sind in dem glauben, das richtige zu tun. Sie beißen sich durch Probleme und harte Zeiten, weil sie an das Licht am Ende des Tunnels glauben. Aber dort kommen sie einfach nicht an.
Auch die schwere Musik macht Requiem for a dream besonders. Das Haupt-Thema hat sich schnell eingeprägt und taucht in verschiedenen Versionen immer wieder auf, wenn wir merken, dass es mit den Hauptcharakteren noch weiter Berg ab geht. Ich habe mir den Soundtrack gekauft und finde ihn wirklich toll, aber selbst der macht mich schnell wieder traurig.
Das auffälligste Merkmal des Films ist jedoch die Schnittechnik. Schnelle Cuts werden vor allen Dingen eingesetzt, wenn Drogen konsumiert werden. Wir sehen eine Mikroskopaufnahme der Substanz und die sich weitenden Pupillen des Konsumenten. So wird sich eher auf die Wirkung als auf den Prozess der Einnahme konzentriert, was dem Zuschauer das Erlebnis und die Motivation da hinter verständlicher macht. Die meisten Filme haben etwas 600 bis 700 Cuts - Requiem for a dream genießt es, den Zuschauer mit über 2000 Cuts zu verwirren.


Weitere Informationen

Die Musik für den Film stammt von Clint Mansell in Zusammenarbeit mit dem ,,Kronos Quartet".
Der Film erschien im Jahr 2000. In Deutschland ist er erst im Januar 2002 erschienen.
Regie geführt hat Darren Aronofsky, von dem auch der Film ,,Pi" ist.
Der Film basiert auf der gleichnamigen Buchvorlage von Hubert Selby Jr., der auch ,,Last exit to Brooklyn" geschrieben hat.
Bei Amazon.de kann man den Film für € 6,99 auf DVD erstehen.


Gesamteindruck

Dieser Film wurde nicht ohne Grund in die Liste der ,,25 gefährlichsten Filme" gewählt. Leute, die sehr schnell depressiv werden, sollten diesen Film lieber nicht gucken. Obwohl ich mich als recht gefestigt betrachte, kann mich dieser Film für mehrere Tage sehr trüb stimmen.
Ich habe schön gehört, wie Leute den Film mit Trainspotting verglichen haben, aber dieser Vergleich spielt Requiem for a dream zu sehr runter - die Filme mögen ähnlichen Kultstatus haben und beide das Thema ,,Drogen" behandeln. Requiem hat aber nichts von der Leichtfüßigkeit und dem Witz, den Trainspotting aus macht. Und wo Trainspotting Drogenkonsum immer noch irgendwie spaßig und ,,cool" aussehen lässt, zeigt Requiem for a dream noch viel mehr von der hässlichen Wahrheit.
Insgesamt finde ich den Film faszinierend, aufwühlend und einfach beeindruckend. Er sollte aber keinesfalls von Jugendlichen unter 16 Jahren gesehen werden. Zwischen durch wird es nämlich einfach ,,zu viel". Ich habe ihn das erste mal mit 17 Jahren gesehen und war danach ziemlich fertig.
Fazit

Der Film ist absolut sehenswert - wenn man stark genug dafür ist.
Wer ein eher unterhaltsam inszeniertes Drogenabenteuer à la Trainspotting oder Fear and Loathing in Las Vegas erwartet, wird bitter enttäuscht sein. Wer aber bereit für einen ernsten Film ist, der zum Nachdenken anregt, der wird ihn mögen und, wie ich, alle paar Monate ansehen und wieder aufs neue geschockt sein.

(Diesen Text habe ich auch schon bei Ciao.de unter selbigem Nickname veröfentlicht!)
 

Tags: 

requiem for a dream, film, zusammenfassung, schauspieler, faszination

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