Von Lebensgefährten und anderen Gefahren
Oder
Nur Kracher zwischen Burn-Out, Boutique und Bar
Kreativ-Theaterensemble belustigte mit Urlaubskomödie in ausverkaufter Scheune das Publikum
Annett Lahn
Schönwalde-Glien
„Ich brauche gleich ein Sauerstoffzelt“, sagte die Dame, die in der letzten Reihe der ausverkauften Schönwalder Theaterscheune Platz genommen hatte und prustete vor Lachen wieder los. Beim neuesten Stück des Kreativ-Theaterensembles blieb kaum Zeit zum Luft holen. Die Komödie „Sei im Pool mein Krokodil!“ feierte am Sonntag Premiere.
Der Dreiakter von Bernd Spehling spielt mit sämtlichen Klischees der Geschlechterrollen.
„Du hast nur eine Gehirnzelle mehr als ein Pferd, damit Du beim Putzen nicht aus dem Eimer säufst“, giftet Macho Viktor, begnadet gespielt von Reinhold Ehl, seine vom Burn-Out-Syndrom betroffene Frau Stella an. Mit ihr muss er eine Woche Urlaub machen, damit sie im Haushalt wieder funktioniert und er sich danach mit Freundin Gracia, gegeben von Susanne Kosche, auf Ibiza vergnügen kann. Inmitten der schicken Boutiquen und Kosmetikstudios des All-Inklusive-Hotels verwandelt sich die graue Maus Stella in die heiß begehrte Bella – eine Rolle, in der Hobbyschauspielerin Heidi Mielenz erneut brilliert. Diese wundersame Entwicklung kommentieren die anderen Urlauber aufs Feinste. „Männer trinken ohne Durst zu haben. Frauen reden ohne ein Thema“, heißt es an der Poolbar. Man erfährt außerdem, dass Lebensgefährtin die Ableitung von Lebensgefahr ist und die Wissenschaft im Zusammenhang mit Frauen von der so genannten Herdanziehungskraft spricht. Die dominante Ehefrau des Fitnessurlaubers, dargestellt von Carla Ehl, nimmt sich in kniehohen Stiefeln der Rolle der Männerhetzerin an. Sie kontert beharrlich mit deftigen Sprüchen wie „Männer sind wie Wolken, wenn sie sich früh genug verziehen, kann es ein schöner Tag werden.“ So jagte ein Gag den nächsten.
Für die Hausfrau Stella, die über die äußerliche Verwandlung hinaus, noch zum kreativen Kopf einer Werbeagentur avancierte, stand fest: „Der Urlaub hat mir richtig gut getan.“
Die Theatergruppe übertrug die ausgelassene Ferienstimmung auf ihr Publikum. Zum Dank gab es langen Applaus, Bravo-Rufe und Plüschkrokodile. Schwach vor Lachen verließen 80 Zuschauer die Theaterscheune. „Ein Kracher“, „großartige Leistung, vor allem bei der Hitze“ oder „Gracia war eine Granate“ lauteten die Komplimente. Ein Lob haben auch die Leute hinter den Kulissen verdient. Beispielsweise kümmerten sich Achim Schade und Hans-Joachim Nauck um Ton und Technik. Mit über 40 Tönen und Geräuschen hatten sie viel zu tun. Da die gesamte Scheune in einen Urlauberklub mit Krokodils-Bar und Zuschauerpool umfunktioniert wurde, leisteten auch die Dekorateure ganze Arbeit. Eintauchen kann man wieder am 3. und 23. August, 7. und 28. September sowie am 11. und 12. Oktober.