Erstmals gepostet unter
http://ww3.cad.de/foren/ubb/Forum12/HTML/012334.shtml#000018
...
Mit dieser
Zusammenfassung moechte ich nicht sagen, welches Programm das Beste
ist, sondern nur kundtun, dass ProE sehr schlecht zu bedienen ist und
sehr viele Macken hat. „Anderswo“ ist das mitunter seit Jahren besser.
Dies aus meiner und der Einschaetzung meiner Kollegen.
Der Text wird
umfangreich, ist aber sicherlich hilfreich fuer Leute, die noch die
Freiheit haben, sich zu entscheiden. Diese Meinung mag auch
unvollstaendig sein, aber behandelt Dinge, die trotz Schulung, Jahren
an Praxis und der hervorragende Hilfe von CAD.DE immer noch maechtig
und staendig stoeren ... jeden Tag!
Ich beziehe mich auch weniger
auf die high-end-features, die in ProE sowieso wegen der
Unuebersichtlichkeit der Eingabe kaum zu bedienen sind, sondern mehr
auf den alltaeglichen Frust mit den Dingen, die man mehrmals pro Stunde
braucht und die letztendlich die Entwicklungszeit maszgeblich
beeinflussen.Kurz zum meiner Historie:
Im Studium: Praxis mit ACAD, ME10, SD, 1 Woche Schulung in ProE eine in Catia V4
Dann Job: 3 Jahre SWX
- SolidWorks (learning by doing – dank der Hilfe ausreichend)
3 Jahre Inventor (1 Woche Schulung - ausreichend)
(ueberschneidend) 2 Jahre ProE WF (4 Wochen Schulung – wohl nicht ausreichend)
Die
ganze Zeit im Automobilzulieferbereich (also vom Splint ueber Bleche,
Vorrichtungen bis zu recht komplizierten (Spritz-)Gussteilen)
Hinweis fuer kommendes: Die „JaJa...“ Kommentare sind fuer die PTC-Freaks da draussen.
Nun wird’s konkret:
Unsere
Firma hat weltweit etwa 50 ProE Lizenzen. Bei uns sind’s aber nur 3
Arbeitsplaetze mit allen moeglichen Zusatzmodullizenzen, die Kohle
kosten ... ca. 9(!!!). Aber da sind aber noch nicht mal Normteile
dabei. Wir modellieren lieber Schrauben selbst. An einer DIN-Mutter
kann man mal 10 Minuten etwas entspannen. „Normteil“ und
„Normteildatenbank“ sucht man auf der PTC (dt.) Homepage vergebens...
Eigentlich
benoetigt man ab dem ersten ProE-Arbeitsplatz schon einen
Administrator, der fundiertes Wissen hat und sich von Anfang an um die
Installation und den Lauf der Software kuemmert. Anderswo einfache
Dinge wie z.B. schnell mal was -ans Papierformat angepasst- ausdrucken,
sind ohne Adminaufwand schlichtweg nicht moeglich.
Dazu kommen die ganzen Formatvorlagen, Config’s, etc. die zT an C-Progammierung erinnern – wer’s kann und mag...
(JaJa,
.... man kann fuer vieles mehr oder weniger kompliziert Mapkeys
(teach-in Macros) erstellen aber ein Programm, bei dem man sich selbst
einfache Operationen hinzuprogrammieren muss, ist wohl nicht ganz
up-to-date).
Wer vielleicht darueber nachdenken sollte ... remote Administration ist nicht praktikabel... das haben wir leidlich gelernt.
Gleich was zu Baugruppen:
Im
normalen Modus (ohne das Zusatzmodul Mechanisms was wiederum voellig
neue und andere Verknuepfungskenntnisse erfordert – das gibt’s nur fuer
extra Kohle) koennen Bauteile nur hierarchisch im Featurebaum
hinzugefuegt werden. D.h. jedes neue Bauteil referenziert sich
ausschliesslich auf die darueber im Baum. Es kann (wenn Beziehungen
bestehen) nicht im Baum geschoben werden. Auch kann ein „unteres“
Bauteil nicht die Position eines darueber liegenden definieren, was
wirklich sehr oft vorkommt. Von einfach „anfassen und alles bewegen“
kann man nur traeumen ... geht nicht!
(JaJa ... man kann am Anfang
ein Skeletonmodel (fuer Unkundige: quasi ein Modell im Modell)
erstellen auf das man die Bauteile legt bzw. bezieht. Das funktioniert
... ist aber erheblicher und unnuetzer Aufwand, der das Modell nur
einschraenkt und komplizierter macht)
Mit Mechanisms geht’s wie
schon gesagt etwas besser aber wer dann das CAD-Modell woanders ohne
dieses Modul oeffnet bzw. sich nicht darin auskennt ist aufgeschmissen.
Nun zum Besten.... der Skizzenmodus.
Da
kann ich gleich vornweg sagen: A-CAD R10 hat mehr drauf bzgl.
Geometriehandhabung (definiertes drehen, schieben, kopieren, ...). Echt
kein Scherz!
Man zeichnet zu Beginn in ProE eine nett anzusehende
Freihandskizze und faengt an zu bemassen.... gut und schoen, aber oft
nimmt es die Maszeingabe einfach nicht an. Vermutlich verhindern die
von ProE selbsterdachten Masze und Referenzen MEINE Eingabe, die
vielleicht doch nicht ganz so wichtig ist, wie ich’s mir vorstelle...
Was macht man? Man schiebt den Punkt mit Hand (mit Skizzieren in
MS-Word zu vergleichen) nahe der richtigen Position und versucht dann
die gleiche Eingabe noch mal. Und oh Wunder es funktioniert... warum
auch immer.
Vorsicht! Das „mit Hand verschieben“ verschiebt fast
immer anderes mit (das wiederum ist noch nicht so gut geloest wie bei
Microsoft Word). Es aendert auch Masze, die ich vorher schon richtig
platziert und eingegeben hatte irgendwo anders in der Skizze. Obwohl
man annehmen muesste, dass „meine“ Maszeingaben gottgleich sein
sollten. OK, ich sollte vielleicht meine Egomanie behandeln lassen.
(JaJa...
man kann Masz fuer Masz per Hand „lock-en“ dann verschieben sich diese
Eingaben nicht mehr. Eine tolle und sehr praktikable Loesung! HALLO!!!!
Achso, einmal die Skizze verlassen und wieder rein und man lock-t alles
von neuem)
Wichtig: den
Skizzenmodus kann man mit offener bzw. nicht kompletter Skizze nicht
verlassen. Ausserdem ist im Skizzenmodus ProE sozusagen eingefroren.
Andere offene Modelle kann man weder bearbeiten noch ausmessen, was ab
und an ja mal notwenig ist. (kleiner Tipp fuer den Gluecklichen der’s
kann: Das auszumessende Modell exportieren und in einem anderen CAD
Programm oeffnen (bewaehrte Praxis bei uns) ... oder noch besser...
gleich darin arbeiten, wenn’s der Kunde/Chef nicht anders vorschreibt)
Angefangene
Features -wo in ProE die jeweils notwendige(n) Skizze(n) unabtrennbar
dazu gehoeren- koennen so auch nicht abgespeichert werden. Aber man
sucht ja eh immer nach Gruenden laenger im Buero zu bleiben.
BTW
: die Messfunktion in ProE ist das Komplizierteste was ich je gesehen habe. ... endlose Klickorgien stehen einem da bevor.
Kleine Frage in die Runde:
Findet
wirklich jemand die Layerhandhabung und die Darstellung der Ebenen,
Achsen, ... vorteilhaft? Wenn ja nach wie vielen Jahren als Tarzan im
ProE Ebenenurwald?
Und wie ist’s mit dem „QUICK FIX“ bei Fehlern? Da
ist der Name leider weniger Programm. Das ist keinesfalls eine Option.
Dort wird man quasi hindurch gezwungen und verbringt man schon mal
etliche Minuten damit, dort einfach nur wieder raus zukommen und hat
dann sowieso nur alle fehlerhaften Teile/Features geloescht oder
unterdrueckt was neues vermehrtes „quickfixen“ nach sich zieht.
Kleine aber feine Sache fuer den Nicht-ProE user zu wissen:
ProE akzeptiert NUR den Punkt als Komma! Ich sage nur „der US-Amerikanische Horizont ...“
Man
muss also immer den „Punkt“ auf der Tastatur suchen wenn man ein
Dezimalmasz eingeben will. Das nervt gehoerig und zwar sehr oft.
(JaJa,
es gibt da ein kleines Programm (auch auf CAD.DE) wo man Punkt und
Komma umstellen kann. Aber erstens ist dann das komplette Windows mit
allen Programmen umgestellt und zweitens ist’s die bodenlose Frechheit
von PTC.)
Neben vielen
kleinen Bugs noch zwei wichtige Punkte aus dem 2D-Bereich von meinem
Kollegen, der sich seit einem Jahr fast komplett mit Zeichnungen in
ProE befasst. Mitleid ist hier durchaus angebracht.
Einfache
Zusatzskizzen zur Verdeutlichung in einer 2D Zeichnung sind nur
aeusserst schwer zu erstellen. Die entsprechende Entwicklungsabteilung
bei ProE kennt da so was wie Kreis und Rechteck wohl noch nicht. Die
Erstellung von Linien erfolgt nicht etwa über „klick and drag“ sondern
ueber reine x-y Koordinatenwerteingabe, die man erstmal kennen muss
(ja, wir springen zurueck auf A-CAD R4 oder drunter – das war zum
Glueck vor meiner Zeit – PTC faehrt wohl immer noch auf Retro.
Vielleicht wird’s ja wieder Mode)
Der
Schnittverlauf eines Stufenschnitts (über die Erzeugung von
Stufenschnitten möchte ich gar nicht erst reden) kann nicht editiert
werden. D.h. die Ansicht und alles damit verbundene löschen und
komplett von vorn beginnen. Das sieht man schon mal 2-3 Stunden der
eigenen Arbeit durch die eigene Hand ausgeloescht. Hier waere u.U. ein
Absturz-bug wie es ihn bei „Schnittansichten umbenennen“ gibt nicht
schlecht. Fuer alle die, die das „JA“ auf die Frage „Wollen Sie
wirklich diese Ansicht und alles damit verbundene loeschen“ nicht so
leicht uebers Herz bringen. Eine Umkehrung der Schnittrichtung ist wohl
auch nicht möglich, aber wer braucht das schon?
Ja, man sollte sich schon vorher ueberlegen was man macht (bestenfalls vor der Anschaffung von ProE!).
Nun ein paar Punkte ueber die sich der (immer noch) Interessierte auf CAD.DE oder bei ProE-Usern unbedingt informieren sollte:
- Resourcenbedarf von ProE
- Baugruppen mit Bauteilen in verschiedenen Ordnern (Adminbedarf!!)
- Modellansichtsoptionen „das einfach mal draufschauen“
-
Windowsfunktionalitaet (JaJa, WF2 hat jetzt Copy und Paste YEAH...
welch Freude. Anderer Tipp: Haut euch auf die Finger und freut euch
wenn der Schmerz nachlaesst)
- Klickorgien selbst fuer einfachste Features
-
das urploetzliche Wiedererwachen von uralten Menues, die es in WF gar
nicht mehr geben sollte ... das heisst man muss eigentlich auch die
alten ProE Versionen (mit UNIX-artigen Menues des letzten Jahrtausends)
beherrschen
- im 2D-Bereich Text z.B. in einer Box erstellen (Odysseus-Feeling garantiert)
- Hilfefunktion in ProE (nutzt diese Pseudohilfe ueberhaupt jemand – alles geht gleich zu CAD.DE)
...
...
...
Der Schulungstyp meinte zu uns: “Made by Engineers for Engineers.“ ...Wenn ich die in die Finger bekomme!
So,
jetzt geht’s mir wieder etwas besser. Etwaige Schluesse sind dem Leser
ueberlassen: Nun kann niemand behaupten es haette einem keiner gesagt.
Und vielleicht findet dieses Schreiben auch seinen Weg nach
Massachusetts**.
Danke wer’s bis hierher geschafft hat
MfG
Meine gestressten Kollegen und ich
**(Ich wuerde es -wenn’s uns denn tatsaechlich hilft- auch gerne noch uebersetzen!)