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Bocholt (Stadt)

Autor: mg2009
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Beschreibung:

Mittelgroße Stadt in NRW, westl. Münsterland, Kreis Borken, PLZ-Bereich 463xx

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Die nette kleine Industriestadt im Grünen
von: mg2009 |  07.09.2009 22:45:48

Heute möchte ich mal einen Bericht über meine Heimatstadt schreiben, der zugleich überhaupt der erste Bericht über diese Stadt ist. Die Rede ist von Bocholt, das ist eine Stadt, die leider noch nicht jeder kennt. In dieser Stadt wurde ich geboren, und hier lebe ich auch heute noch, schon seit fast vier Jahrzehnten. „Nörgends bäter as in Bokelt“, so lautet der Spruch im Bocholter Dialekt („Platt“), das heißt so viel wie „nirgendwo besser als in Bocholt“.

 

Ursprünglich schrieb ich diesen Bericht schon 2003 für ciao.de unter meinem damaligen Account. Diese neu überarbeitete Version von 2009 erscheint nun bei typeer.de und preisvergleich.de.

 

 

DIE LAGE

 

Die Stadt Bocholt befindet sich in Nordrhein-Westfalen, und zwar im westlichen Münsterland, direkt an der holländischen Grenze. Sie liegt etwa 50 km nördlich von Duisburg und Oberhausen. Bis Münster sind es etwa 90 km. Auch bis zu den weiteren Oberzentren Essen sowie der niederländischen Großstadt Enschede ist es nicht all zu weit.

Mit über 70.000 Einwohnern ist Bocholt die größte Stadt im westlichen Münsterland und im Kreis Borken.

Die nächstgelegenen bekannteren mittelgroßen Städte sind Wesel und Borken (jeweils ca. 20 km entfernt). Kleinere direkte Nachbarstädte sind Rhede, Isselburg und Hamminkeln. Auch Rees könnte man noch nennen, auch wenn diese Stadt nicht direkt an Bocholt angrenzt. Bocholt gehört dem PLZ-Bereich 463.. an.

80% des Stadtgebietes sind landwirtschaftliche Nutz-, Wald- und Wasserflächen, hier gibt es auch zahlreiche Bauernhöfe. Außerdem gibt es eine Vielzahl an Erholungsgebieten, wie z.B. der Aa-See oder der Stadtwald. Ein bedeutender Fluss ist die Bocholter Aa.

 

 

GESCHICHTLICHES

 

Erstmals erwähnt wurde Bocholt im Jahr 779. Bereits 1222 bekam Bocholt die Stadtrechte.

1850 wurde das erste Textilunternehmen (Baumwollspinnerei) gegründet. 1878 wurde die erste Eisenbahnlinie nach Wesel errichtet.

1923 wurde Bocholt vorübergehend kreisfreie Stadt.

1945 wurde die Bocholter Innenstadt bei einem Luftangriff im Zweiten Weltkrieg weitestgehend (84%) zerstört. Der Wiederaufbau dauerte bis weit in die 50er Jahre.

1975 verlor die Stadt Bocholt ihre Kreisfreiheit und gehört seitdem zum Kreis Borken (Kfz-Kennzeichen „BOR“, früher „BOH“). Gleichzeitig erfolgte der Zusammenschluss mit den ehemaligen Gemeinden des Amtes Liedern-Werth. Das sind Barlo, Hemden, Holtwick, Spork, Suderwick, Liedern, Lowick, Stenern, Mussum, Biemenhorst, sowie ein Teil von Lankern. Nach dieser neuen Eingliederung hatte Bocholt Mitte/Ende der 70er Jahre eine Einwohnerzahl von ca. 65.000 (vorher waren es etwa 47.000). In den 80er, 90er und 2000er Jahren ist die Einwohnerzahl auf mehr als 72.000 gestiegen.

 

 

STANDORT UND INDUSTRIE

 

Schon sehr lange ist Bocholt ein bedeutender Standort für die Industrie. Besonders in früheren Jahrzehnten gab es hier besonders viel Textilindustrie. Obwohl dieser Wirtschaftszweig seit einigen Jahren rückläufig ist, gibt es hier immer noch sehr viele Textilunternehmen. Ansonsten gibt es hier auch zahlreiche Unternehmen der Elektro- und Maschinenbauindustrie, neben vielen anderen kleinen bis mittleren Betrieben. Zu den größten Arbeitgebern zählen wohl Siemens (Gigaset), Flender, Olbrich, Borgers, Ibena, WM-Group, Benning, Spedition Duvenbeck, Rose (Fahrräder) und noch einige andere.

In den 80er Jahren ist am Stadtrand extra ein großer Industriepark (Mussum) errichtet worden, der bis heute als einer der größten im näheren Umfeld gilt. Bocholt wird wegen der hohen Anzahl an Industrieunternehmen gern als wirtschaftliches Zentrum des westlichen Münsterlandes betrachtet.

Aber auch in den kleineren Nachbarstädten gibt es noch einige weitere bedeutende Industriebetriebe (ich selbst habe z.B. lange in Hamminkeln gearbeitet, in der Textil- und Maschinenbaubranche). Kennen könntet Ihr vielleicht Fa. Rademacher in Rhede, bekannt für die Rolladen-Antriebe, Jemako in Rhede, oder Novoferm in Isselburg/Rees als bekannten Türen-Hersteller, Bresser (Optik) in Borken, usw.

 

Auch als Einkaufsstadt hat Bocholt eine besondere Bedeutung, da Bocholt eine der größten Städte im Umkreis von 25 – 30 km ist. Somit kommen gern Einkäufer aus den benachbarten Kleinstädten sowie vor allem auch aus den Niederlanden nach Bocholt. Es gibt hier zahlreiche Fachgeschäfte, und um die Jahrtausendwende ist auch noch ein neues großes Einkaufszentrum errichtet worden. Bei ganz speziellem Bedarf an einigen nicht alltäglichen und nicht ganz so populären Waren (z.B. CDs und Schallplatten abseits des „Mainstream“) wird man in Bocholt nicht unbedingt fündig, da muss man dann doch manchmal eher in eins der Oberzentren, z.B. Münster oder Oberhausen (oder halt im Internet kaufen).

 

 

SEHENSWÜRDIGKEITEN

 

Es gibt in Bocholt einige sehr alte Bauwerke und Sehenswürdigkeiten. Einige möchte ich davon mal nennen:

 

HISTORISCHES RATHAUS. Erbaut 1618-1624 im Renaissance-Stil, mit Erkerfenstern. Das Rathaus befindet sich mitten auf dem Marktplatz.

 

ST.-GEORG-KIRCHE. Spätgotischer Hallenbau 1415-1486. Eine der Bocholter Pfarrkirchen, liegt ebenfalls im Zentrum unweit des Historischen Rathauses. Beides sollte man als Tourist gesehen haben.

 

NEUES RATHAUS MIT KULTURZENTRUM. Großes, modernes Gebäude, zwischen 1972 und 1977 am Berliner Platz erbaut, liegt ebenfalls ziemlich zentral. Hier befindet sich auch das Stadttheater.

 

EUROPA-BRUNNEN vor dem Historischen Rathaus (Marktplatz).

 

LIEBFRAUENKIRCHE. Ebenfalls eine alte Pfarrkirche im Zentrum von Bocholt, 1785-1792 erbaut.

 

ST.-AGNES-KAPELLE (1484-1489), kleine alte Kapelle, frühe Klosterkirche, gehörte nachher zum St.-Agnes-Hospital, welches sich bis in die 80er Jahre neben der Kirche befand, aber 1985 in ein moderneres Gebäude am Stadtrand umzog.

Dann gibt es noch kleinere Sehenswürdigkeiten und Denkmäler, das wären z.B. das Mahnmal an der Südbrücke, der Fuckepott (eine Dampfmaschine), der Obelisk und die Lichtstele, das Windspiel. Die letzten drei sind erst in den 80er Jahren erschaffen worden und somit noch ziemlich junge Kunstwerke.

 

SCHLOSS DIEPENBROCK im Stadtteil Barlo, etwas außerhalb der Innenstadt liegend.

 

 

BELIEBTE FREIZEIT- UND ERHOLUNGSMÖGLICHKEITEN

 

Neben diesen „klassischen“ Sehenswürdigkeiten gibt es in Bocholt zahlreiche Ausflugsziele, Freizeit-, Kultur- und Erholungsmöglichkeiten. Viele sind erst in den letzten Jahren neu hinzugekommen. Das wären z.B.:

 

AA-SEE. Großer See, Freizeit- und Erholungsanlage mit u.a. Sport-, Schwimm-, Wander-, Ruhe- und Grillmöglichkeiten, mit einer Gesamtfläche von 74 ha, fertiggestellt im Jahr 1983.

In der Aa-See-Halle finden 10x im Jahr (monatlich bis auf Sommerpause) am ersten Sonntag im Monat große (Hallen-) Trödelmärkte statt, was mir als großer „Trödelgänger“ natürlich sehr gelegen kommt. Wenngleich das Angebot für „Spezialinteressen“ eher auf den Märkten in umliegenden Städten (Raum Borken/Wesel) meist noch besser ist.

 

STADTWALD im Nordosten Bocholts, Gesamtfläche von 69 ha, mit vielen Teichanlagen, Wildgehegen (z.B. Wildschweine) und zahlreichen Wandermöglichkeiten. Ein beliebtes Restaurant gibt es dort auch.

 

TEXTILMUSEUM. Ein westfälisches Industriemuseum mit Nachbau einer alten Textilfabrik (Kessel- und Maschinenhaus) inkl. alter Arbeiterhäuser aus dem 19. Jahrhundert, 1989 errichtet. Beliebtes Ziel auch für Ausbildungsbetriebe und Berufsschulen (Bereich Industrie), ich bin damals während meiner Ausbildungszeit auch mehrmals in diesem Museum gewesen, hat mir gut gefallen.

 

FREIZEITBAD BAHIA. Modernes Freizeitschwimmbad, 1993 eröffnet, mit Hallenbad, Erlebnisschwimmbecken, Whirlpools, Massagesprudlern, Wildwasserkanal, Außenschwimmbecken, Riesenrutsche, natürlich auch Sauna und Restaurant. Liegt am Hemdener Weg, „im Grünen“.

KINODROM. Modernes, großes Multiplex-Kino an der Meckenemstraße, einer Hauptverkehrsstraße in der Bocholter Innenstadt. 1998 errichtet.

 

RAVARDISTRASSE und EUROPAPLATZ. In diesen Straßen in der Bocholter City reiht sich eine Kneipe an die andere. Hier findet das Bocholter Nachtleben statt. Gern wird die Ravardistraße sogar als „Klein-Düsseldorf“ bezeichnet, obwohl in Wirklichkeit natürlich kein Vergleich besteht (ich bin auch mehrmals im Jahr in der Düsseldorfer Altstadt und finde die Atmosphäre dort wesentlich besser). Beliebt bei Schülern und Studenten sind z.B. das „Freudenhaus“ oder der „Diebels Fasskeller“.

 

DISKOTHEKEN. Davon gibt es auch einige in Bocholt, wie z.B. die „Neue Liebe“ (eine der ältesten, größten und beliebtesten Diskotheken) oder das „Baccara“. Früher gab es auch noch das „Hades“ und das „Pharao“, wo ich in meinen früheren Studienjahren gern hingegangen bin.

Leider muss ich jedoch sagen, dass es mir missfällt, dass sowohl in den Bocholter Diskotheken als auch im oben genannten Kneipenviertel sehr oft Schlägereien stattfinden, auch mit ernsthafteren Verletzungen (z.B. Schnittwunden im Gesicht). Man kann regelmäßig in der Zeitung „Bocholter Volksblatt“ darüber lesen, auch im Radio hörte ich mal, dass Bocholt diesbezüglich wohl besonders schlimm sei im westlichen Münsterland. Und für mich ist das ein Grund, solche Diskotheken und Kneipen deswegen zu meiden. Auch ist davon abzuraten, nachts im Dunkeln allein mit dem Fahrrad oder zu Fuß nach Hause zu fahren/gehen. Auch da sind solche Überfälle leider nicht auszuschließen (auch als Mann ist man dabei gefährdet). Dass es oft so weit kommen muss, finde ich wirklich sehr schade.

 

SPORT. Turnhallen, Mehrzweckhallen, Rasensportplätze, Squash-Anlagen, Reithallen, Minigolfplätze, Schießsportanlagen, eine Radrennbahn und Tennisplätze gibt es auch zahlreich. Außerdem gibt es mehr als 50 Sportvereine. Nicht zu vergessen das Tanz-Center, in dem schon seit Jahren viele Jugendliche ihren ersten Tanzkursus machten.

 

VOLKS- UND STADTFESTE. Angefangen mit dem Rosenmontagszug, der durch die ganze Innenstadt geht. Im Mai/Juni feiern die meisten Stadtteile (ehemalige Gemeinden bis 1975) immer noch ihr eigenes Schützenfest. Im Sommer werden regelmäßig Stadt- bzw. Cityfeste gefeiert, außerdem fand zu der Zeit öfter mal ein großes Open-Air-Konzert statt (in den letzten Jahren allerdings weniger). Bedeutende Rock-Größen wie die Simple Minds, Bryan Adams, Fury In The Slaughterhouse, Heinz Rudolf Kunze oder auch BAP waren schon hier. Im Oktober findet vier Tage lang die Bocholter Kirmes statt, einer der größten Jahrmärkte hier in der Umgebung. Und schließlich gibt es im November immer den Martinszug, an dem die unteren Klassen der Bocholter Schulen beteiligt sind.

 

GASTRONOMIE. Zwar waren das Angebot und die Qualität früher (80er Jahre) schon mal viel besser, aber es gibt auch heute noch etliche sehr empfehlenswerte Restaurants in Bocholt. Ich mache ja mehrmals im Jahr Tagesausflüge nach Münster oder Düsseldorf, und hier würde ich Bocholt genau in der Mitte einordnen, was die Gastronomie angeht. Natürlich gibt es in Düsseldorf die größte Auswahl an Restaurants. Während mir in Münster oft das Essen nicht geschmeckt bzw. die Speisekarte nicht zugesagt hat (dort gibt es viele Restaurants, die z.B. keine Pommes führen). Bocholt liegt hier also in der „goldenen Mitte“, und in den letzten Jahren habe ich gute Erfahrungen mit z.B. dem „Brauhaus“ oder dem „Zigeunerbaron“ gemacht. Es gibt auch zwei „McDonald’s“ und ein „Burger King“. Wer es gern italienisch mag: Pizzerien gibt es auch etliche, gute Erfahrungen habe ich z.B. mit „Taverna“ gemacht. Auch gibt es chinesische (z.B. „Jade“, oder mein Favorit: „Suyi“ in Hemden, sehr gut allerdings auch sehr teuer) oder griechische Restaurants. Die Auswahl kann ich als gut beurteilen, das Preisniveau liegt allerdings ziemlich hoch.

 

 

BILDUNGSMÖGLICHKEITEN

 

Schulen gibt es in Bocholt jede Menge. Und zwar gibt es 17 Grundschulen, 5 Hauptschulen, 5 Sonderschulen, 3 Realschulen, 4 Gymnasien, 1 Abendrealschule und 1 Abendgymnasium.

Dazu gibt es noch eine Reihe von berufsbildenden Schulen im gewerblichen und kaufmännischen Bereich. Im „Berufskolleg am Wasserturm“ kann man neben der berufsbegleitenden kaufmännischen Schulausbildung auch auf verschiedenen Bildungswegen sein Fachabitur (Typ Wirtschaft) erlangen.

 

Studieren kann man in Bocholt auch, denn hier befindet sich eine Zweigstelle der Fachhochschule Gelsenkirchen, welche 1992 gegründet wurde, und 1998 wurde das neue Hochschulgebäude an der Münsterstraße in Betrieb genommen. Hier kann man verschiedene Studiengänge in den Fachbereichen Wirtschaft, Elektrotechnik und Maschinenbau belegen. Auch ich habe in Bocholt an dieser Fachhochschule studiert – eine wirklich schöne unwiederbringliche Zeit, wenngleich das studentische Leben natürlich nicht mit dem von z.B. Münster oder anderen Uni-Städten zu vergleichen ist.

 

Andere Arten der Erwachsenenbildung gibt es auch noch. Zum einen hat Bocholt eine Volkshochschule, zum anderen gibt es Möglichkeiten der beruflichen Fortbildung in einer Zweigstelle der Deutschen Angestellten Akademie, oder auch in der nahe gelegenen Akademie Klausenhof in Hamminkeln-Dingden. Von EDV- und Sprachkursen am Wochenende bis zum einjährigen Qualifikationslehrgang (habe ich selbst bereits hinter mir) gibt es die verschiedensten Bildungsangebote.

 

 

EINKAUFSMÖGLICHKEITEN

 

Die Bocholter Innenstadt besteht zu einem großen Teil aus reiner Fußgängerzone. Die Hauptachsen sind die Nordstraße, die Osterstraße und die Neustraße (diese sind wie ein „T“ angeordnet, auf dem Marktplatz mit dem historischen Rathaus treffen sie zusammen). Hier liegen Geschäft an Geschäft, hauptsächlich Einzelhandel. Um die Jahrtausendwende ist ein großes, modernes Einkaufszentrum gegründet worden, zum einen die „Arkaden“, zum anderen der benachbarte „Neutor-Platz“. Als Vorbild galten sicherlich schon bestehende Einkaufszentren größerer Städte wie z.B. Oberhausen (Centro). Hier gibt es auch sehr viele Einzelhandel, aber auch Handelsketten, z.B. im Textil- und Elektrobereich. Natürlich findet man in der City auch zahlreiche Restaurants, Cafés und Kneipen.

Aktuelle Situation ist, dass sich der Großteil des Stadtlebens nun um die Arkaden und den Neutor-Platz abspielt, während die Nordstraße (und vor allem die verlängerte Nordstraße zwischen dem Herrenausstatter „Fisser“ und der Nord-Apotheke) heute ziemlich „tot“ ist im Vergleich zum Rest der Fußgängerzone.

 

 

VERKEHRSANBINDUNG UND INFRASTRUKTUR

 

Ehrlich gesagt ist diese nur teilweise zufriedenstellend. Bis zur nächsten Autobahn (A3, Richtung Oberhausen oder Arnheim) muss man schon ca. 15 km fahren, was nicht so bequem ist. Zum Glück gibt es nun seit einigen Jahren einen (kurzen) Tunnel, so dass man auch von der Dinxperloer Straße (z.B. Holtwick, Hemden, Spork) aus schneller zum Autobahn-Zubringer kann.

Der Bocholter „Bahnhof“ ist auch sehr klein, es gibt nur noch eine einzige Bahnverbindung, und zwar den Regionalzug nach Wesel („der Bocholter“), der meist stündlich fährt. Wenn man in Wesel umsteigt, kann man z.B. ins Ruhrgebiet, nach Düsseldorf/Köln/Koblenz. Nach Münster fährt von dort aus stündlich der „Sprinterbus“ S75, eine schnelle und bequeme Busverbindung, die ich schon sehr oft zu schätzen gelernt habe (mir gefällt Bocholt zwar, aber aus bestimmten Gründen besuche ich auch immer wieder gern die Innenstadt von Münster, und dazu bietet sich diese Buslinie nur an).

 

Ansonsten ist es nicht immer so einfach, vom Stadtrand mit dem Bus in die City oder andere Stadtgebiete zu fahren. So viele Busse fahren auch wieder nicht, und manchmal muss man auch erst 1 – 2 km bis zur nächsten Bushaltestelle laufen. Ein eigener PKW ist in Bocholt schon ein ziemlicher Vorteil. Leider gibt es auf den Bocholter Hauptverkehrsstraßen auch viel Stau, vor allem zu Stoßzeiten, und manche Ampeln sind sehr lange rot und nicht optimal geschaltet. In Bocholt ist es recht häufig so, dass man gerade mal hundert Meter oder so mit dem Auto fahren kann, bis man an der nächsten „roten“ Ampel halten muss. Selbst auf dem „Ring“ (rund um die Innenstadt) ist die Schaltung der Ampeln oft nicht optimal.

Oft sind das sogar bewusste Schikanen. Früher nämlich gab es in der Nähe des Bahnhofs bzw. der alten Post mal einen großen Kreisverkehr (zu vergleichen mit dem Ludgeri-Kreisel in Münster). Leider hat man diesen zurückgebaut zu einer sehr komplexen Ampelanlage, welche jetzt zu den größten „Nadelöhren“ in Bocholt gehört. Ähnlich war das auch bei der (heute) großen Kreuzung Münsterstraße/Uhlandstraße/Lönsstraße. Den Kreisverkehr zu einer Ampelanlage umzubauen, das war keine gute Idee.

 

Parkplätze sind ebenfalls zu wenige vorhanden – und kostenlos ist schon lange keiner mehr. Manche Geschäfte sind auch gar nicht mit dem Auto zu erreichen, bzw. liegt der nächste freie Parkplatz ca. 10 – 15 min. zu Fuß entfernt. Am schlimmsten ist das bei der derzeitigen Hauptstelle der Post (und ich spreche aus Erfahrung, da ich mal ein Paket abholen musste). Na ja, schließlich ist Bocholt als eine der „Radfahrerstädte“ im Münsterland bekannt. So findet man hier auch immer sehr viele Radfahrer. Vor Jahren las ich mal in der Zeitung, dass einige Schikanen für Autofahrer bewusst angelegt wurden, damit die Bocholter zurück aufs Rad finden.

 

Ein weiterer Nachteil ist, dass zwar Umgehungsstraßen von der Stadt aus geplant werden, aber bis zum Baubeginn locker 10, 20, 30 oder gar 40 Jahre vergehen können. Davon hat man natürlich weder heute noch morgen etwas, und oft sind solche Entscheidungen für die aktuelle Autofahrer-Generation gar nicht mehr relevant, sondern vielleicht erst für deren Nachkommen.

Obwohl ich sagen muss, dass es diesbezüglich in den letzten 20 Jahren schon einige Verbesserungen gegeben hat, wie z.B. die B473, die nach Hamminkeln/Wesel führt, seit wenigen Jahren mit verlängertem Stück (inkl. Tunnel) zur Dinxperloer Straße, die zu den Stadtteilen Holtwick, Hemden, Spork, Suderwick sowie ins benachbarte Holland führt. Auch wurde die B67n in den letzten Jahren schon optimiert, so dass z.B. die Fachhochschule und die benachbarten Gewerbegebiete sowie die Stadt Rhede nun viel schneller zu erreichen sind. Leider besteht noch keine direkte Durchfahrt bis Borken, aber auch das soll bis Mitte 2010 (voraussichtlich) endlich realisiert werden.

Ich bedauere auch, dass es in Bocholt auch noch einige Schandflecken in Form von sehr alten, heruntergekommenen unbewohnten Gebäuden gab oder noch gibt, deren Abriss auf den „Sankt Nimmerleinstag“ verschoben wird/wurde. Aktuelles Beispiel ist das ehemalige Hotel „Kaisereck“ am Benölkenplatz (Nähe Amtsgericht, St.-Georg-Gymnasium, Berufskolleg am Wasserturm und der schon erwähnten Nord-Apotheke). Vielleicht wird es ja 2010 doch noch etwas? Dort soll nämlich eine Mensa für die benachbarten Schulen entstehen. Andere „Schandflecken“ sind inzwischen beseitigt, aber das zog sich auch über Jahre in die Länge (z.B. die Ruine des schon teilweise abgerissenen „DochDu“, welches in den 80ern und 90ern mal eine Kult-Diskothek war) oder das alte „Klein-Wiele“ Gelände an der Kaiser-Wilhelm-Straße.

 

Also, was die Infrastruktur, die Verkehrsdichte und auch die Planung baulicher Neuerungen angehen (inkl. Straßenbau), so muss ich hier leider Minuspunkte vergeben!

 

 

EIGENES URTEIL

 

Mir gefällt die Stadt Bocholt gut. Die Stadt ist nicht so klein, dass man von einem „Kaff“ sprechen muss, aber andererseits auch nicht so groß, dass alles unübersichtlich und anonym wird. Gut gefallen mir die zahlreichen Freizeitangebote, und wenn das immer noch nicht zufriedenstellend oder genug ist, hat man es nicht weit bis zu einer anderen Stadt. So gibt es z.B. in Borken und Duisburg weitere sehr schöne Freizeitschwimmbäder, die auch relativ schnell zu erreichen sind. Wenn die Einkaufsmöglichkeiten für mein eigenes Hobby in Bocholt nicht ausreichend sind (Beispiel: Tonträger), oder wenn mir einfach mal danach ist, einen Stadtbummel mit jungem Publikum zu haben (sooo alt bin ich ja auch noch nicht), fahre ich halt nach Münster, wenn ich mal einen freien Tag habe. Schließlich gibt es eine bequeme Busverbindung. Ein weiterer Vorteil ist auch, dass man hier studieren kann. Ansonsten hätte ich mich wohl kaum für ein Studium woanders entschieden, da das mit einem Umzug verbunden gewesen wäre, welcher wieder teuer ist. Aber Mietwohnungen (speziell auch für Studenten) sind auch in Bocholt nicht billig, außerdem gibt es für die FH Bocholt leider kein Semesterticket. Somit musste ich auch stets den vollen Fahrpreis für den „Sprinterbus“ zahlen, wenn ich mal nach Münster fuhr, und diese Fahrpreise finde ich so langsam nicht mehr human (sie steigen jährlich).

 

Die Innenstadt hat durch die neuen Einkaufszentren so einiges an Attraktivität gewonnen, aber das Publikum in der City unterscheidet sich doch sehr stark von den „echten“ Studentenstädten wie Münster. Als junger Mensch sollte man nicht erwarten, dass einem in der City massenweise hübsche StudentInnen begegnen, die gibt es hier zwar auch hin und wieder mal, aber das Stadtbild ist dennoch von einem recht hohen Seniorenanteil geprägt.

Auch durch neue Freizeit- und Sportangebote hat die Stadt in den letzten 20 Jahren noch mal stark an Attraktivität zugelegt.

 

Zum Schluss nenne ich noch mal die Vor- und Nachteile im kurzen Überblick:

 

 

VORTEILE:

• Stadt nicht zu klein, nicht zu groß, also im Großen und Ganzen übersichtlich

• neuerdings verbesserte Einkaufs- und Freizeitmöglichkeiten

• Stadt im Grünen, noch kein Großstadt- oder Ruhrgebietscharakter

• Hochschulstandort

• Nachbarstädte relativ gut zumindest mit PKW zu erreichen

• gute Busverbindung nach Münster

• mehrere Freizeitschwimmbäder auch in den umliegenden Städten

• viele Unternehmen (Arbeitsplätze)

 

NACHTEILE:

• sehr hohes Verkehrsaufkommen, sehr viele Ampeln (rote Welle)

• wenige Parkplätze

• schlechte Zug- und Autobahnanbindung

• schlechte Busverbindungen innerhalb der Stadt

• keine „echte Studentenstadt“, nicht so viel los für junge Leute, sehr hoher Seniorenanteil

• öfter mal Schlägereien während des „Nachtlebens“ rund um die beliebten Discos/Kneipen

• einige Spezialgeschäfte findet man hier vergebens (Oberzentren!)

 

Insgesamt empfehle ich natürlich die Stadt als Wohn- oder Ausflugsort, aufgrund einiger Nachteile wie z.B. hohes Verkehrsaufkommen, nicht optimale Verkehrsanbindung, gibt es nur eine mittlere Bewertung. 

 

Tags: 

bocholt, westfalen, 46395, 46397, 46399, münsterland, kreis borken

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