Ich habe mir gestern (19.06.2008) das Sommerkonzert des
Gymnasiums Lehrte angeschaut. Ich bin wirklich beeindruckt von dem, was die
Schüler mit ihren engagierten Lehrern auf die Beine gestellt haben.
Ihr Stück „Lebst du noch oder beißt du schon?“ basiert auf
der Grundlage von Roman Polanskis Film „Tanz
der Vampire“ und dem daraus entwickelten, gleichnamigen Musical.
Ihre verkürzte Fassung gibt nicht alle Szenen des
Originals wieder. Dennoch ist die Handlung schlüssig und auch für Nicht-Kenner
des Originals zu verstehen.
Alle am Stück beteiligten Personen haben ganze Arbeit
geleistet, darunter die Visagisten, die beeindruckende Vampire und einen an Jar Jar Binks aus Star Wars erinnernden
Professoren geschaffen haben. Ich möchte ihre Leistung nicht als geringer
darstellen, wenn ich jetzt einige Darsteller und ihre Rollen herausgreife.
Herausragend besetzt war die Rolle der Magd Magda. Die Stimmgewalt der Darstellerin
ist mit der des Originals mindestens gleichzusetzen. Ihre Mimik und Gestik
verliehen der Rolle ein authentisches Leben. Die Interaktion mit den anderen
Darstellern verlief reibungslos. War Magda auf der Bühne, war sie Kraft ihrer
Ausstrahlung außerordentlich präsent.
Die Darstellerinnen von Sarah und Alfred
überzeugten ebenfalls mit ihrer Stimmgewalt und der fließend ineinander greifenden
Duette und Handlungen.
Auch im Original ist die Rolle des Vampirs Graf von Krolock die anspruchsvollste. Einerseits
muss hier einem untoten Wesen nicht nur Leben, sondern eine allseits
gegenwärtige Aura der Übermacht durch Mimik und Gestik verliehen werden.
Andererseits sind die Gesangseinlagen von einer großen Bandbreite von Tonlagen
und Stimmungen geprägt. Es ist der Darstellerin (!) nicht anzulasten, dass sie
ihre Stimme zu verstellen versuchte, um tiefer zu klingen und wegen ihrer Vampirzähne
an manchen Stellen auf eine niedliche Art und Weise etwas lispelte.
Stattdessen zolle ich ihr großen Respekt, dass sie sich
auf diese schwierige Rolle eingelassen hat und sie trotz aller Barrieren
überzeugend gespielt hat.
Es passt zu den Klischees einer Schulaufführung, dass der
Großteil der Rollen von Darstellerinnen besetzt war, da Jungs in diesem Alter anscheinend
Mangelware für solche Projekte sind. Aber es wirkt nur an wenigen Stellen etwas
grotesk, wenn z.B. Alfred und der homosexuelle Vampir Herbert miteinander tanzen
und diese beiden Rollen von Mädchen besetzt sind.
Denkwürdige Assoziationen ergeben sich, wenn die Aussage
des Musicals „Tanz der Vampire“ in Verbindung mit den letzten Tagen an der
Schule, den vielleicht letzten Sommerferien und dem baldigen Einstieg ins
Berufsleben gesetzt wird: Die Passage „Sei ein Schwein oder man macht dich zur
Sau…“ lässt anklingen, wie man sich in unserer Ellenbogen Gesellschaft
heutzutage durchzusetzen hat. Oder was jeden erwartet, der dies nicht vermag.
„[…]die Welt gehört den Lügnern und den
Rücksichtslosen[…]“ - auch aus den Reihen dieses Jahrganges werden wieder Bank-
oder Versicherungskaufleute hervorgehen, die als (Finanz-)Vampire ihr Unwesen
treiben werden…
Oder doch lieber in die Politik, bzw. ins mittlere
Management („[…]die Welt gehört den Kriechern und den Gnadenlosen[…]“)?
Letztendlich vermittelt das Stück die Erkenntnis, dass die
Wissenschaft eben nicht immer für Wahrheit und Klarheit sorgt und dass nicht zu
erwarten ist, dass sie jemals gegen alle bösen Mächte dieser Welt siegen wird.
Wo die Sonne scheint, da gibt es Schatten und auf jeden Tag folgt eine Nacht.
Im Stück beginnt die Herrschaft der Vampire.
Für die Abgänger von 2008 beginnt ein Leben jenseits des
Schulalltages. Wahrscheinlich haben sie ihre Lebensentwürfe für „die Zeit
danach“ bereits fertig oder tüfteln sie gerade aus. Eine schwierige
Entscheidung, die das ganze Leben prägen wird. Es bleibt zu hoffen und ihnen zu
wünschen, dass sie den Mut besitzen, auch eigene Ziele zu verwirklich, statt
den Weg des geringsten Widerstandes zu gehen und lediglich die Anforderungen
eines zukünftigen Arbeitgebers erfüllen zu wollen. Ein bisschen Vampirsein kann
hier nicht schaden, wenn man es als Widerstand gegen Unterdrückung und
Assimilation gleichsetzt.
Dass sie in der Lage sind, eigene Projekte erfolgreich
umzusetzen, haben die DarstellerInnen des Musicals eindrucksvoll bewiesen.
Vielleicht gibt Ihnen das die Kraft, an das eigene Schaffen zu glauben und
eigene kreative Werke auch zukünftig umzusetzen.
Dass sich mit Kreativität, mit künstlerischem und
geistigem Schaffen allgemein, berufliche Zukunftsperspektiven und
Verdienstmöglichkeiten ergeben, zeigen u.a. Web-Seiten wie typeer.de und
fileboom.de.