In diesem Bericht geht es um ein aussterbendes Produkt,
welches ich in den letzten Jahren auch schon nicht mehr "wirklich"
genutzt habe, sondern nur noch aus nostalgischen Gründen und des Spaßfaktors
wegen: die gute alte Audiokassette! Dieses Medium war ca. 30 Jahre lang
Standard für eigene Musik- und Sprachaufnahmen, fast jeder hatte in den 80er und
90er Jahren mindestens einen Kassettenrecorder im Haushalt.
Zu einem Sammlerobjekt wurde die Kassette aber erst in den
letzten ca. 10 Jahren, nachdem sie zum einen vom CD-Rohling und vom MP3-Format
abgelöst wurde, und zum anderen weil die besonders frühen Leerkassetten-Modelle
immer knapper werden.
Ich selbst habe optisch ansprechende Markenkassetten
seinerzeit gern benutzt, irgendwie habe ich sie auch „gesammelt“, aber mehr als
Mittel zum Zweck. Der „Hardcore-Sammler“ sieht dagegen ganz anders aus, er
sammelt Kassetten gleich in hohen Stückzahlen und möchte gern von jeder
exotischen und raren Ausführung mindestens ein Exemplar in möglichst gutem
Zustand besitzen. Nur eins macht er nicht immer damit: hören, was darauf
aufgenommen ist. Dass es doch einige Sammler solcher Audiokassetten gibt, das
habe ich festgestellt, als ich Anfang dieses Jahrzehnts meine Kassettensammlung
(gelöscht natürlich) nach und nach bei eBay abgestoßen habe.
Anmerkung: Dieser Bericht stammt ursprünglich aus dem Jahre
2004, wurde von mir damals unter meinem früheren Account bei ciao.de und
yopi.de erstmals veröffentlicht. Diese neu überarbeitete Version von Ende 2009
erscheint ausschließlich bei typeer.de. Mittlerweile habe ich mir auch wieder
eine kleine Kassettensammlung zugelegt, mit den wichtigsten Exemplaren aus den
70er und 80er Jahren. Neu bespielt, mit Musik die mir gefällt, und gleichzeitig
dienen diese Kassettenaufnahmen als Sicherheitskopien meiner CD-Rs, denen ich
keine 30 Jahre Lebensdauer zutraue.
Viele jüngere Leser, die eine moderne Kompaktanlage mit
Kassettenteil besitzen, mögen auch noch einige Kassetten haben, die aber in den
seltensten Fällen tauglich als Sammlerobjekt sind. Ein Sammlerstück ist in der
Regel älter als 20 Jahre, Ausnahmen sind nur bestimmte Sonderausführungen wie
z.B. Reineisenband im schweren Gehäuse. Die in den letzten ca. 15 Jahren
erhältlichen „Standardkassetten“ haben ein so langweiliges Design wie auch die
CD-Rohlinge. Früher war das anders, es wurde noch Wert auf Design des „Labels“
der Kassette gelegt, und vor allem in der ersten Hälfte der 80er Jahre war das
Material der Kassetten auch noch deutlich wertiger.
Ich möchte jetzt mal ein paar beliebte Kassettentypen
vorstellen, natürlich auch mit meinen persönlichen (Langzeit-) Erfahrungen.
VOR MEINER ZEIT: ENDE
60ER, ANFANG 70ER JAHRE
1963 wurde die Kompaktkassette von Philips auf den Markt
gebracht. Zuerst als Medium für Diktiergeräte oder sonstige einfache
Sprachaufnahmen gedacht, schaffte sie erst um 1970 den Durchbruch im
HiFi-Bereich. Es war nun möglich, qualitativ hochwertige Musikaufnahmen auf
einem kleinen Tonband im kompakten Gehäuse zu speichern (vgl. Tonbandgerät mit
großen, offenen Spulen als Vorgänger der Kassette). Auch wenn der Klang nicht
ganz die Qualitäten einer teuren Bandmaschine erreichte, so setzte sich die
Kassette wegen ihres handlichen Formats und mobilen Einsatzbereiches durch.
Um 1970 dominierten in Deutschland zwei Hersteller: BASF und
AGFA. Beide Standardkassetten, die BASF LH hifi und AGFA Low Noise
„Magnetonband“ (mit einem „t“) hatten ein hellgraues Gehäuse. Eigentlich waren
das nur „graue Mäuse“, aber heute sind sie begehrte Sammlerobjekte mit
Kultstatus, denn all zu viele davon existieren nicht mehr.
Als ich noch sehr klein war, waren diese grauen Kassetten
schon in meiner Verwandtschaft im Einsatz, abgespielt auf Toplader-Kassettenrecordern
(aber schon Stereo), meist an ein großes Steuergerät (frühe Bezeichnung für
Receiver) angeschlossen. In unserem Haushalt gab es bis dahin noch keinen
Kassettenrecorder.
Etwa 15 Jahre später kam die graue AGFA-Kassette zurück in
meine Erinnerung, da eine solche mal auf einem Schulausflug im Bus gespielt
wurde. Die Besitzerin hatte sie wohl von ihren Eltern oder so bekommen. Ich war
mehr als erstaunt, dass eine Kassette, die älter war als ich, noch funktionierte!
Schließlich war ich „Weltmeister“ im Verschleißen von Kassetten aus meiner
Anfangszeit, meine ersten beiden Kassettenrecorder behandelten das Band nicht
gerade schonend!
Schließlich kaufte ich kurz vor Ende meines Kassettenhobbys
(ca. 2000) schon mal gebrauchte Bänder aus der damaligen Zeit, welche ich für
weniger wichtige Aufnahmen einsetzte. Das war schließlich sehr billig (ein
Audio-Rohling kostete da noch 2 bis 4 Euro umgerechnet, einen Karton mit alten
Leer-Tapes bekam man für ’ne Mark bei eBay). So kam ich in den Besitz einiger
AGFA und BASF der ersten Generation. So ein „Magnetonband“ bespielte ich auch
mal neu, mit einem modernen Kassettendeck, aber es kamen kaum noch Töne heraus.
Die BASF klangen besser, wenn auch um Längen von HiFi entfernt.
Ab 2007 machte ich dann noch einen weiteren Anlauf. Im
Rahmen meines kleinen "Neueinstiegs" ersteigerte ich mir erneut (u.a.)
ein paar graue AGFA und BASF, diesmal klangen die aber sehr gut. Wahrscheinlich
sind die uralten Kassettengeräte (ich verwendete nun einen Grundig CR 485 von
etwa 1979) besser auf diese alten Bandtypen eingemessen, die neuen
Kassettendecks kamen jedenfalls mit diesen Bändern nicht mehr zurecht.
Wahrscheinlich waren die zuletzt ersteigerten Kassetten aber auch besser
erhalten.
DIE 70ER JAHRE
Ab etwa 1972 kam Farbe ins Spiel: Sowohl BASF als auch AGFA
boten ab jetzt ihre "Standardkassetten" (also Typ Ferro) in poppigen
bunten Farben an. Das Standardband von BASF hieß weiterhin „LH hifi“, aber die
60er-Länge hatte ein rotes Gehäuse, 90er waren grün und 120er blau.
Chromdioxidbänder, damals noch eher für gehobene Ansprüche, gab es auch schon,
die waren sowohl von BASF als auch AGFA lange Jahre im schwarzen Gehäuse mit
silbergrauem Label.
1976 hatte ich meinen ersten Kassettenrecorder und fing mit
AGFA an. „Low Noise“ hieß die erste farbige Generation, die zu dem Zeitpunkt
schon ein paar Jahre auf dem Markt war und zum Ende der Produktion lediglich
ein kleines Facelifting erhielt. Anders als bei BASF war die Farbe für jede
Bandlänge gleich, allerdings konnte man zwischen drei Farben wählen.
Beispielsweise orange (erste Serie: rot) für aktuelle Hits, lila für Klassik und
gelb für Jazz. Dieses System ist einigen Jüngeren vielleicht auch bekannt, denn
in den 90ern war das nicht viel anders bei bestimmten Computerdisketten.
Unter anderem nahm ich im Januar 1977 zwei Sampler auf eine
orangefarbene AGFA auf. Diese habe ich sehr gern gehört, aber leider löschte
ich sie Anfang der 80er (habe die Sampler aber mittlerweile wieder als LPs,
dank eBay und Flohmarkt). Ich benutzte dann diese orangefarbene Kassette für
erste Mix-Versuche (2 Quellgeräte zusammen geschaltet, 1 Aufnahmegerät). Ende
der 80er hatte ich mal aktuelle Hits vom Radio darauf aufgenommen, und
schließlich war das Fischer-Z-Album „Red Skies Over Paradise“ die letzten ca.
12 Jahre auf dieser schon historischen Kassette!
An dieser Erzählung merkt man, dass mir zu bestimmten
Leerkassetten regelrechte Geschichten einfallen – und das war nicht nur bei
diesem einen Exemplar so!
Bei AGFA wurde in der zweiten Hälfte der 70er Jahre Farbe
und Design überarbeitet – und das Kind bekam einen anderen Namen. Die „Super
Color“ und den Nachfolger „Ferro Color“ gab es in Gelb, Rot und Blau. In der
Chromklasse gab es die „Stereo Chrom“, sowie die „Super Ferro Dynamic“ in der
gehobenen Normalklasse (mit dieser erzielte ich bessere Ergebnisse als mit der
„Stereo Chrom“). Die BASF-Normalkassette (LH) hatte in allen Längen ein
orangefarbenes Label, die gehobene Version (LH super) ein rotes, allerdings
quietschten die "Roten" sehr gern. Die silbergrauen „BASF
chromdioxid“ waren meiner Meinung nach die besten, die BASF jeweils gefertigt
haben. Die Nachfolger in den 80ern und 90ern verursachten leider auch dieses starke
Quietschen auf mehreren Abspielgeräten, wodurch das Band leierte und ständig
stehen blieb. Die Chromkassetten aus den 70ern waren robuster, hatten einen
klaren Klang, und bei mir gab es nur relativ wenig Ausschuss.
ENDE 70ER, ANFANG
80ER JAHRE
Nun war der absolute Höhepunkt erreicht. Als es um AGFA
schon etwas ruhiger wurde (bunt waren beim Typ I nun nur noch die Labels, das
Gehäuse war schwarz), gab es immer noch die bereits erwähnten „BASF
chromdioxid“, aber sie bekamen Konkurrenz von den Japanern! Die legendäre „TDK
SA“ setzte sich bei uns durch, damals mit weißem Label und in einer besseren
Verarbeitung als heute. Mein Favorit war allerdings die „Maxell UDXL II“ bzw.
die baugleiche „Hitachi EX“. Ein paar "XL II-S" der ersten Generation
hatte ich damals auch. Die alten Maxell sind bis heute unverwüstlich, und in
Kombination mit einem gleich alten Kassettendeck braucht man heute beinahe kein
digitales Aufnahmemedium. So einen guten Klang (wohl ziemlich nah an einer
Bandmaschine) habe ich von einer Kassette noch nie gehört, und selbst nach über
20 Jahren ließ sich kein Unterschied zum Original feststellen. Das funktioniert
natürlich nur mit einem hochwertigen Kassettendeck der späten 70er oder frühen
80er Jahre. Ich benutzte das Yamaha K-560 aus dem Jahr 1980/81. Sicher gab es
damals noch andere Kassettendecks dieser Güte. Ich selbst habe aber nur
Erfahrungen mit Yamaha gemacht (das kleinere K-350 war auch nicht schlecht).
Allerdings klangen dagegen schon Aufnahmen mit dem nur drei
Jahre jüngeren Yamaha K-320 (stammt aus einer allgemein schwächeren Periode bei
Yamaha) wie das Rauschen eines Sandsturms! Aber stabil liefen die Kassetten
natürlich auch auf allen anderen Recordern, lediglich konnte man mit einem
alten Spitzen-Deck das Maximum an Klang herausholen.
MITTE UND ENDE DER
80ER JAHRE
BASF hatte noch eine gute Marktposition, leider waren die
Kassetten bei mir aber sehr kurzlebig. Spätestens in den 90ern hatten alle
(z.B. CR-S II, LH-E I, Chrome Extra II) dieses Quietschen. Zufriedener war ich
mit dem Nachfolger der eben erwähnten Maxell-Kassette, der XL II. Und hierbei
war die mit dem komplett goldenen Label mein Favorit! Ebenfalls unverwüstlich
(die spätere XL II ab 1988 war schon billiger konstruiert, aber noch gut). Es gab auch noch die XL II-S,
welche ab 1986 in einem schweren, hitzebeständigen Gehäuse ausgeliefert wurde.
Und dabei machte manch schwächerer Kassettenspieler (Walkman, Portable, auch
Yamaha K-320) regelrecht schlapp. Deswegen bekam die XL II den Vorzug bei mir.
Aber auch TDK mit ihrer SA und SA-X waren sehr beliebt.
Zuerst im überwiegend schwarzen Gehäuse, später dann mit goldfarbenem Label,
und am Ende der 80er schließlich mit besonders großem Sichtfenster. Die TDK war
bei mir auch eine unproblematische Kassette (zumindest bis Ende der 80er),
jedoch fand ich die Maxell noch solider. SONY war ein weiterer recht
erfolgreicher Kassettenhersteller in den 80er Jahren.
Dann gab es auch noch „That’s“, eine Edelmarke von Taiyo
Yuden, Kennzeichen: dreieckiges Sichtfenster. Sehr gutes Bandmaterial, auch
nahezu unverwüstlich, aber schnell war diese Marke aus den Regalen
verschwunden.
MEINE ERFAHRUNGEN MIT
GEBRAUCHT-KASSETTEN
Für mich galt immer, je älter, desto schöner von der Optik. Und
bei mir hatte das Auge doch wesentlich mehr, wenn die Musik von einer „BASF
super ferro LH“ kam anstatt von einer neuen, „langweiligen“ EMTEC (Nachfolger
von BASF), vorausgesetzt natürlich ein älteres Kassettendeck noch mit
sichtbarem Kassettenfach.
Aber meine Erfahrung war lange Zeit, je schöner (also älter)
die Kassette, desto mehr auf der Strecke blieb der Hörgenuss. Ausnahmen mögen
vielleicht die Maxell und TDK der frühen 80er sein, die können durchaus heute
noch in modernen Tapedecks verwendbar sein (bei entsprechender Pflege).
Mit den 70er-Jahre-Kassetten machte ich aber überwiegend
schlechte Erfahrungen. Aufgefallen war mir schon, dass in den ersten 5 Jahren
die wenigsten überlebt hatten (wie ich oben schon schrieb, lag das an meiner
damaligen Gurke von Recorder), und so eine Kassette im Hochsommer im Auto zu
lassen, ist meist das Ende der Kassette. Die Gehäuse (speziell AGFA) neigen
doch sehr zur Verformung, was den Bandtransport teilweise unmöglich macht. Ein
altes sehr hochwertiges Tapedeck (speziell denke ich da z.B. an Revox, ich habe
nämlich mit diesem mal eine schon viele Jahre alte „AGFA Super Color“ gehört,
als meine ersten schon längst das Zeitliche gesegnet hatten) ist vielleicht
noch am ehesten in der Lage, diese mechanischen Probleme auszugleichen.
Ich jedenfalls hatte (als ich die Erstversion dieses Textes
schrieb) zuletzt Tapedecks der Oberklasse aus den 90ern von Yamaha, Akai und
Denon, und diese alten Kassetten hatten allesamt die Angewohnheit, Bandsalat zu
verursachen. Sehr häufig rissen dabei die Bänder auch.
Sollten Mechanik und Band dieser alten Kassetten noch intakt
sein, so bleibt aber in der Regel der Klang auf der Strecke, wenn man das Band mit
solchen Geräten neu bespielt. Alle von mir getesteten Exemplare neigten nach 25
Jahren zu einem sehr rauen Klangbild. Auch wenn sie vorher noch nie oder nur
einmal bespielt wurden. Automatische und manuelle Einmesshilfen haben bei mir
den Dienst verweigert. Vor allem die mehrfach schon bespielten Kassetten wiesen
kontinuierlich Dropouts auf. Die besten Ergebnisse bei Neubespielung erzielte
ich (Stand: Erfahrungen bis 2004) ebenfalls mit dem Yamaha K-560, damals waren
die Kassetten ca. 15 Jahre alt. Nachtrag von 2009: Wieder sehr gut klingen
diese alten Kassetten nun auch mit meinen jetzigen Kassettendecks: Grundig
CR-485 und Yamaha K-350, beide aus der guten alten Zeit. Nur das ebenfalls
verwendete Grundig CN 510 von 1978 fällt da doch stark ab, was die
Aufnahmequalität angeht. Vielleicht liegt es auch daran, dass es wohl schon so
einige "Kilometer" auf dem Buckel hat.
Und so komme ich auch schon zu der Erfahrung, dass der Kauf
unbenutzter 70er-Jahre-Bänder (Restposten, Lagerfunde) nicht der richtige Weg
ist, wenn man Musik pur genießen möchte. Zumindest nicht, wenn man
Kassettendecks aus den 90er bis 2000er Jahren besitzt, die sind wohl eher auf
neuere Kassetten eingemessen. Das Material der Alt-MCs ist auch durch die lange
Lagerung schlechter geworden, das Band kann zum „Kleben“ neigen, Andruckfilze
können sich lösen, so dass man sie im Kassettenschacht des Recorders wieder findet.
Ich persönlich würde davon abraten, wenn man nicht gerade ein Vintage-Fan ist.
Lediglich der Kauf unbenutzter oder zumindest gepflegter Maxell-Tapes
aus den 80ern könnte sich noch lohnen, da dieser Typ über fast 30 Jahre hinweg
nahezu keine Ermüdungserscheinungen bei mir zeigte. Aber besser und billiger
sind immer noch CD-Rohlinge! Und diese sind für mich auch weiterhin erste Wahl,
während ich aus heutiger Sicht die Kassette nur noch als Ergänzung sehe, mehr
als Liebhaberei alter Technik.
Sammler sind tatsächlich bereit, horrende Summen für
unbenutzte historische Kassetten zu zahlen. Mehr als den Neupreis lassen sie
sich das schon schnell kosten, aber ich habe auch schon besonders seltene
Kassetten für 10 bis 20 Euro pro Stück weggehen sehen (z.B. die guten alten
Maxell). Während man bespielte alte Kassetten auch heute meist noch zu
Tiefstpreisen bekommt. Wobei jede dieser Kassetten natürlich heute eine
"Wundertüte" ist! Nach meinem kleinen Wiedereinstieg flog auch bei
mir so manche Kassette in den Mülleimer, weil sie sich nicht mehr verwenden
ließ. Nur die besten habe ich behalten.
Man muss mit einer erhöhten Störanfälligkeit rechnen, wenn
man „veraltete“ Kassetten einsetzt. Man kann sie auch noch so gut gepflegt
haben. Gleiches gilt für die Kassettendecks. Wenn man als Sammler auch noch
ernsthaft Musik von diesen Kassetten hören will, sollte man schon ein darauf
abgestimmtes gebrauchtes Kassettendeck ersteigern, sofern nicht vorhanden. Und
die sind inzwischen auch nicht mehr ganz so billig, zumindest nicht die
Topgeräte von damals. Man muss auch davon ausgehen, dass Verschleißteile wie
Tonköpfe, Andruckrollen und Antriebsriemen nach mehr als 20 Jahren nicht mehr
frisch sind.
FAZIT
Die Kassetten der 70er und 80er Jahre waren optisch zwar
ganz schön anzusehen, aber sie heute noch zu sammeln bzw. zu benutzen, empfiehlt
sich nur für Fans. Vom bloßen Anschauen habe ich persönlich überhaupt nichts.
Ich sehe mir meine paar alten Exemplare zwar auch ganz gern mal an, aber für
mich gehört dazu, dass ich sie jederzeit ins Kassettendeck einlegen kann und
dann was Vernünftiges höre (Inhalt, Aufnahmequalität). 2001-03 löste ich ja
meine ursprüngliche Sammlung auf. Ich hätte nämlich dringend in andere Hardware
investieren müssen. Das war mir damals zum einen finanziell nicht möglich, zum
anderen war die Klangqualität meiner vorhandenen Aufnahmen größtenteils zu
schlecht. Was damals auf den Kassetten war, habe ich heute auf CD, CD-R oder LP
in feinster Qualität. Daher bereue ich diesen Schritt nicht, zumal ich mir ja
später wieder eine kleine Sammlung mit den wichtigsten Kassettentypen von
"damals" zugelegt habe. Heute höre ich im Schnitt vielleicht noch 1
bis 2-mal im Monat Kassetten. Für den wirklichen Musikgenuss bevorzuge ich nun
CD oder LP.
Die "Urversion" dieses Beitrages veröffentlichte ich schon ab 2004 unter ähnlichem Benutzernamen in den Verbraucherportal „ciao.de“ und „yopi.de“, wo ich allerdings nicht mehr Mitglied bin. Natürlich habe ich nun diesen Text den aktuellen Gegebenheiten angepasst.
In diesem Beitrag geht es um Tipps und Tricks, wie man Musik von seinen alten Kassetten (MC) auf CD (oder MP3/WAV) übertragen kann, um diese dauerhaft zu sichern und dann ohne weitere Klangverluste weiterhin zu hören.
Entstanden ist die Erstversion dieses Beitrages kurz danach, als ich mich nach fast 30 Jahren ganz von der Kassette als Musikmedium verabschiedet hatte. Zumindest vorläufig. Aktuell habe ich zwar wieder ein paar Kassetten, aber die spielen keine große Rolle mehr bei meiner Musiknutzung.
WARUM ABSCHIED VON DER KASSETTE?
Seit meiner Kindheit war sie ein treuer und selbstverständlicher Begleiter für mich, ich habe viele Stunden Arbeit hineingesteckt und auch viel Geld (neue Aufnahmegeräte), sie hat mir viel Freude bereitet in all den Jahren. Dennoch habe ich mich schweren Herzens für die Trennung entschieden. Die Gründe:
• 450 Kassetten (Stand: kurz vor meiner Entscheidung, das Format aufzugeben), das ist eine ganze Menge. Somit waren darunter auch jede Menge Aufnahmen, die klanglich nicht gut genug waren oder die ich aus Geschmacksgründen irgendwann nicht mehr mochte. Da ich inzwischen (2001) CDs selbst brennen konnte, fand ich es unsinnig, diese Kassetten neu zu bespielen. • Kopieren von ein paar guten Liedern auf eine andere Kassette ist nicht empfehlenswert, da die Qualität jedes Mal schlechter wird (auch allein schon technisch bedingt). • Sehr viele Kassetten stammten aus den 70er und 80er Jahren. Optisch zwar sehr schön und mit Nostalgie-Effekt, aber für Neubespielungen praktisch unbrauchbar. • Immer öfter hatte ich Bandsalat, die Kassetten leierten, quietschten laut (vor allem die BASF aus den 80er und frühen 90er Jahren), der Bandtransport setzte aus, manchmal rissen die Bänder sogar, so dass ich sie kleben musste. • Zum Schluss klang jede Kassette dumpf. Da ich als HiFi-Fan „allergisch“ gegen schlechte Musikaufnahmen bin, fand ich das nachher unzumutbar. Noch schlimmer wurde es, wenn ich die Kassetten mit einem anderen Gerät abspielte (Azimutprobleme). • Der Zugriff auf einzelne Titel war unbequem. • Ich war arbeitslos, hatte somit viel Zeit, somit nahm ich schließlich das gleich weiter unten beschriebene „Projekt“ in Angriff. • Ich war arbeitslos, das bedeutet auch „kein Geld“. An mindestens einem meiner Kassettendecks wären aber Wartungsarbeiten notwendig gewesen – und unsere Werkstatt ist teuer (Anmerkung: Seit 2006 gibt es diese Werkstatt nicht mehr)! Der Verkauf meiner Kassetten und Kassettendecks versprach dagegen eine kleine Finanzspritze. • Das schwächste Kassettendeck musterte ich schließlich zuerst aus – somit hatte meine Zweitanlage gar keins mehr. Außerdem hatte ich im Auto längst schon ein CD- anstelle eines Kassettenlaufwerks. Somit konnte ich meine Kassetten längst nicht mehr überall hören. • Wenn die Kassetten jetzt schon leiern und dumpf klingen, sind sie in ein paar Jahren mit Sicherheit noch schlechter enthalten als jetzt.
So entschied ich mich im Herbst 2001, die Kassettensammlung nach und nach aufzulösen, indem die Aufnahmen auf CD gebrannt werden. Das kann natürlich auch Minidisc (war zur Erstellung der Erstversion noch aktuell) oder MP3/WAV sein, je nachdem, was man wünscht und/oder zur Verfügung hat. Ich habe mich für die CD entschieden, da entsprechende Hardware schon im Haus war und ich dieses Medium auch am flexibelsten einsetzen kann (Auto, Zweitanlage…). Da ich keine neue Hardware brauchte (z.B. MD-Recorder), war das auch die kostengünstigste Lösung für mich.
DIE BENÖTIGTE TECHNIK
Meine Hauptanlage verfügt über einen reinen Audio-CD-Brenner, da sich kein PC im Wohnzimmer befand (2001). Selbstverständlich kann man auch ein Kassettendeck an die Soundkarte des PC anschließen und direkt auf Festplatte aufnehmen. Ich habe aber ausschließlich den Audio-Brenner verwendet (somit brauchte ich keine Geräte zu transportieren und nichts umstöpseln), deswegen gehe ich hier verstärkt drauf ein.
Für eine solche Aktion braucht man ein HiFi-Kassettendeck, ein digitales Aufnahmegerät (CD-, MD-Recorder oder PC), ggf. einen WAV-Editor und einen CD-Brenner. Das Kassettendeck sollte einen guten Gleichlauf und eine gute Wiedergabequalität bieten, sprich es sollte nicht schon „abgenudelt“ sein, und ein Walkman oder Ghettoblaster ist als Quelle auch nicht so empfehlenswert.
ABLAUF DER KONVERTIERUNG
Wenn alles korrekt angeschlossen ist, macht man das Aufnahmegerät startbereit. In meinem Fall heißt das: man legt einen CD-RW-Rohling (!) in den Audio-Brenner, schaltet dieses Gerät auf „Analog“ und auf Aufnahmebereitschaft. Der Verstärker der Anlage wird auf „Tape“ geschaltet.
Man legt die Kassette ein und spielt sie ab. Nun kann man die Qualität begutachten und ggf. gleich optimieren. Ich habe mein bestes noch vorhandenes Kassettendeck hierzu verwendet, und zwar ein Yamaha KX-690 mit Play Trim. Mit dieser Funktion kann man die Höhen fremdbespielter Bänder optimieren. In den meisten Fällen waren bei mir die dumpfen Höhen verschwunden, und die Kassetten klangen wieder (fast) wie neu. Und in solcher Qualität soll die Aufnahme auf der CD schließlich auch bleiben! Sollte das vorhandene Kassettendeck kein „Play Trim“ besitzen, dann geht das oft auch anders. Unterhalb des Kassettenfachs befindet sich häufig ein kleines Loch, durch das man mit einem kleinen Schraubenzieher eine kleine Schraube erreichen kann. Bei spielender Kassette (am besten mit eingeschaltetem Dolby wie bei der Aufnahme verwendet) wird so lange an dieser Schraube gedreht, bis der Klang sehr klar wird und man die Höhen kräftig hören kann. Oft ist dieser Vorgang bei der nächsten Kassette zu wiederholen. Es empfiehlt sich auch, vor der ersten Aufnahme den Tonkopf zu reinigen.
Hat man nun das Optimum an Klangqualität erreicht, spult man die Kassette an den richtigen Liedanfang, und nun kann man den Kopiervorgang starten. Natürlich kann man jedes gewünschte Lied einzeln aufnehmen, bei Liedende stoppt man dann die Aufnahme. Somit hat man gleich schon alles in einzelne Tracks zerlegt. Da sich aber ohnehin eine Nachbearbeitung empfiehlt (daher auch unbedingt nur CD-RW beim Audio-Brenner), kann man sehr viel Zeit sparen, indem man einfach die ganze Kassettenseite auf einmal aufnimmt. In der Zeit kann man sich mit anderen Dingen beschäftigen (sogar kurz in die Stadt…) und muss nicht immer dabei sein während der Aufnahme. Ist die CD-RW voll, muss sie noch finalisiert werden.
Jetzt kann man die CD-RW ins CD-ROM-Laufwerk des PC legen und die aufgenommene Musik mit Hilfe einer geeigneten Software (z.B. CDex) in WAV-Dateien umwandeln. Ist das geschehen, braucht man einen WAV-Editor, um die Dateien nachzubearbeiten. Mein Lieblingsprogramm ist das „Creative Wave Studio“, das den meisten Soundblaster-Karten von Creative Labs beiliegt. Das bekannteste Freeware-Programm ist „Audacity“, aber solange mein altes Schätzchen noch unter neuen Betriebssystemen läuft, behalte ich dieses bei. Auf Klangoptimierer und Rauschfilter verzichte ich (auch aufgrund nicht so guter Erfahrungen), ich lasse die Aufnahme (auch bei Schallplatten) lieber originalgetreu. Optimiert habe ich schon genug durch diesen „Play Trim“-Regler.
Hat man eine ganze Kassettenseite aufgenommen und somit ein riesiges WAV-File erzeugt, kann man die Lücken zwischen den einzelnen Songs auf dem Bildschirm erkennen. Man markiert so ein Lied und schneidet es aus. Achtung: der PC kann dabei durchaus eine Viertelstunde oder so blockiert sein, denn hier ist hohe Rechenleistung erforderlich. Ich hatte einen Pentium 4 mit 1,4 GHz und 512 MB RAM, da musste ich schon mal warten. Zum Schluss verwendete ich einen PC mit doppelter Leistung (2,8 GHz/1 GB), und das machte das Arbeiten schon effizienter. Als Minimum empfehle ich einen PC mit 1 GHz und 256, besser 512 MB RAM. Die Festplatte sollte mindestens 60 GB groß sein. Meldet der PC sich wieder, so erzeugt man eine neue, leere Datei und kopiert das Ausgeschnittene hinein. Nun zoomt man den Liedanfang und entfernt den weißen Raum vor Aufnahmebeginn. Dadurch fängt nachher der CD-Track auch exakt mit der Musik an, und das nervende Rauschen der leeren Bandzwischenräume ist auch beseitigt. Am Ende des Liedes macht man das genau so. Hier hat man auch noch andere Möglichkeiten. Man kann z.B. ein abruptes Liedende (z.B. wenn ein Lied am Ende der Kassettenseite nicht mehr ganz passte) dezent ausblenden – und auch den Radiosprecher am Ende des Liedes endlich verschwinden lassen. Wurden die Kassetten von Schallplatten aufgenommen, lassen sich auch noch große, störende Knackser vorsichtig von Hand entfernen (zoomen, nur! den Knackser markieren, Entf-Taste drücken, fertig). Das gilt natürlich auch, wenn man direkt von Schallplatte ein Lied digitalisiert. Wichtig ist auch, zum Schluss das Lied zu normalisieren, um später bei der CD Lautstärkeunterschiede der einzelnen Lieder zu vermeiden.
Ist das Lied ausreichend nachbearbeitet, so speichert man es als WAV-Datei in ein bestimmtes Verzeichnis ab. In der Regel ist es der Name des Interpreten und des Titels, z.B. „ABBA – Dancing Queen.wav“ Was ich persönlich hasse ist, wenn die CD-Zusammenstellung keinen Bezug zueinander hat, z.B. hinter „Dancing Queen“ hören wir Mark van Dale mit „Water Verve“ und danach direkt Connie Francis mit „Schöner fremder Mann“. Danach vielleicht Marillion mit „Kayleigh“? Verschiedenste Musikrichtungen, verschiedenste Jahrzehnte – das sollte nicht sein. Deswegen füge ich, sofern bekannt, die Jahreszahl hinzu, und zwar unbedingt an den Anfang des Dateinamens, damit die Dateien im Verzeichnis schon sofort nach Alter sortiert sind: „(1976) ABBA – Dancing Queen.wav“ So kann ich z.B. leicht eine CD nur mit Titeln aus z.B. 1976 bis 1978 zusammenstellen. Ist die CD gebrannt, so verschiebe ich die 1976er bis 1978er-Titel in ein Unterverzeichnis namens „sicher“ oder „erledigt“, damit ich sie nicht versehentlich ein zweites Mal brenne. Schließlich gebe ich dem Dateinamen noch einen Zusatz. Ich mische meine Zusammenstellungen gern auch mit Aufnahmen aus höherwertigen Quellen, sprich Platte oder CD. Um zu kennzeichnen, welches Lied von Kassette stammt, setze ich noch ein „[Tape]“ dahinter, also: „(1976) ABBA – Dancing Queen [Tape].wav“
Und so weiter, und so fort. Irgendwann hat man immer mehr Kassetten bereits digitalisiert, und schon befindet sich eine Menge an Songs auf der Festplatte. Jetzt kann man anfangen, CDs zu brennen. Bei eigenen Zusammenstellungen brenne ich die ältesten Lieder zuerst, im weiteren Verlauf werden sie immer jünger. So harmonieren die Zusammenstellungen am besten. Nehmen wir an, unsere erste CD mit Hits von 1976 bis 1978 hat Platz für 21 Titel. Das sind knapp 80 Minuten. Wir markieren nun Track 2 bis 21 (ich verwende Nero), gehen dann auf Eigenschaften und ändern bei „Leerstellen zwischen den Titeln“ die „2“ in eine „0“. So klingt die CD am professionellsten. Musik nonstop, ohne Leerstellen. War die Kassettenaufnahme noch brauchbar, und hat man auch alle Leerstellen im WAV-Editor gelöscht, erinnert nichts mehr daran, dass die Vorlage mal eine Kassette war. Musik nonstop mit ganz präzisen Liedanfängen und ohne knisternde und rauschende Zwischenräume, das macht für mich eine gute Qualität des CD-Samplers aus.
Langsam aber sicher hat man schon eine stattliche Anzahl an Liedern auf CD, die man früher nur auf Kassette hatte. Und das Anhören der CDs macht richtig Spaß: einigermaßen gute, nicht mehr schlechter werdende Qualität, keine Leerstellen mehr (die früher für den Musiksuchlauf mal wichtig waren), keine abgeschnittenen Lieder, kein Vor- und Zurückspulen, kein Leiern, kein dumpfer Klang und kein Bandsalat!
ALLGEMEINE TIPPS & TRICKS
Damit diese Aktion nicht zum Frust wird, möchte ich noch ein paar Tipps geben!
• Man muss für diese Aktion sehr, sehr viel Zeit mitbringen, je nach Größe der Kassettensammlung. Dem Berufstätigen, der jeden Tag sehr viele Überstunden machen muss, empfehle ich so etwas weniger (höchstens für einen Teil der Sammlung) – eher könnte man sich noch auf dem Gebrauchtmarkt nach sehr guten Tapedecks umsehen, die (2009) gar nicht mehr teuer sind. Schon ab 15€ bekommt man ein damaliges Spitzengerät z.B. von Yamaha. • Die Kassetten sollten schon zumindest mit einem mittelmäßigen HiFi-Kassettendeck in Stereo aufgenommen sein und nicht in all zu schlechtem Zustand. Wenn in den 70ern die Hitparade von Mittelwelle mit eingebautem Mikrofon auf minderwertiges Band aufgenommen wurde, sind die Rohlinge dafür zu schade. Meine Meinung: weg damit. • Nie erst nach Überspielung der kompletten Sammlung erst brennen. Erstens haben die Festplatten begrenzte Kapazität, und zweitens können nach einem Virus, einem Festplattencrash oder einer Fehlinstallation unter Windows sehr viele Stunden harter Arbeit umsonst gewesen sein! Besser nach ca. 10 – 15 Kassetten schon mal alles bis dahin auf CD brennen. • Die alten Kassetten und das Verzeichnis „sicher“ werden erst dann gelöscht, wenn man die neuen CDs einmal gehört hat. (Update 2009: Heute sind die Festplatten so groß, dass man oft die Möglichkeit hat, die Dateien als Sicherheitskopie auf dem Rechner zu belassen). • Die alten Kassetten MÜSSEN komplett gelöscht werden, wenn man diese bei z.B. eBay veräußern möchte. Ansonsten kann man enorme Probleme in Sachen Urheberrecht bekommen. Es ist nämlich nicht erlaubt, bespielte Ton- oder Datenträger zu verkaufen, sofern es keine Originale sind. Aber dem Verkauf gelöschter Kassetten steht nichts im Wege – viele aus den 70ern sind gesuchte Sammlerstücke, und die hochwertigsten aus den 80ern (z.B. Maxell) werden heute oft noch gut bezahlt von Analog-Fans. • Ist das zu viel Aufwand, so findet man auch schon mal öfter bei eBay ein magnetisches Kassetten-Löschgerät, durch das die Kassette lediglich ein paar Mal „gezogen“ wird. • Gleiches gilt für den Verkauf des letzten Kassettendecks. Bitte erst dann, wenn alle neu gebrannten CDs komplett abgehört wurden. • Es ist auch manchmal von Vorteil, die Festplatte zu defragmentieren. • Es ist zwar etwas teurer, aber man spart sich eine ganze Menge Arbeit, wenn man komplette Alben auf Kassette nicht digitalisiert. Es gibt in manchen Großstädten Second-Hand-Shops – und vor allem eBay! Oft für wenig Geld findet man dort die Original-Alben. Ich habe mir die aufgenommenen Alben alle als gebrauchtes Original besorgt – natürlich wenn möglich als Vinyl-LP! Wobei letzteres bei eBay wegen der weggefallen Formate „DHL Päckchen“ und „Warensendung“ inzwischen (2009) ein teurer Spaß geworden ist. Bekannte Alben der 60er bis 80er bekommt man auf CD dagegen billig. • Immer nur gute Markenrohlinge verwenden! Nicht jeder moderne Rohling ist mit jedem älteren CD-Player kompatibel. Das sollte zuerst mal getestet werden.
Ich selbst bin im Herbst 2001 mit dieser Aktion angefangen. Bei knapp 500 Kassetten war das natürlich eine Menge Arbeit. Erst im Juli 2003, also 2 Jahre später, war diese Aktion komplett beendet.
FAZIT: ABSCHLIEßENDE KURZÜBERSICHT VOR- UND NACHTEILE
VORTEILE
• kein weiterer Verschleiß mehr, langfristige Sicherung der Aufnahmen • oft besserer Klang als früher bei der Kassette (Nachbearbeitung) • direkter Titelzugriff • moderneres Format • gerade bei CD sehr hohe Verbreitung an Abspielgeräten • bringt Geld, wenn man noch gute Kassettendecks und viele gute/seltene Kassetten hat • man hat ein Format weniger (Kompatibilität mit Zweit- oder Auto-Anlagen) • bei der Gelegenheit „entledigt“ man sich endlich auch einiger Titel oder schlechter Aufnahmen, die man gar nicht mehr mag • Kassette stirbt langsam aus (Bedarf an neuem Kassettendeck oder Ersatzteilen?) • man hat wieder mehr Platz (Wegfall von Kassettendeck, Kassettensammlung) • bessere und professionellere Zusammenstellungen als vorher • man spart sich den Kauf besserer Kassettendecks, wenn das alte nicht mehr so will
NACHTEILE
• man muss sehr viel Freizeit haben • manchmal fällt der Abschied von diesem alten Medium etwas schwer
• es gibt, vor allem in Audio-Internetforen, viele weniger tolerante Zeitgenossen, die kein Verständnis für das „Entsorgen“ von Kassetten haben
• hohe Rechnerleistung empfohlen, wenn Nachbearbeitung perfekt sein soll • Rohlinge gehen ins Geld • gleiches gilt für den Kauf von kompletten Original-Alben • Löschen der Kassetten evtl. aufwändig
• Haltbarkeit der CD-Rs nur begrenzt (Sicherung auf Festplatte empfohlen)
UND WAS DANACH?
Nun sind alle Kassetten auf CD oder einem anderen Format. Man braucht sie nicht mehr. Jetzt kann alles bei z.B. eBay verkauft werden (aber bitte die Kassetten zuerst löschen!). Ein Kassettendeck der höheren Preisklasse (z.B. Akai GX-75, Yamaha KX-670/690) kann durchaus noch um die 80 Euro und mehr bringen, sofern es technisch einwandfrei ist. Da es kaum noch gescheite Leerkassetten neu zu kaufen gibt, freuen sich einige Analog-Fans sicherlich, wenn sie gut erhaltene gebrauchte Chrom- oder Reineisenkassetten ersteigern können. Und selbst die bunten „Agfa Low Noise“, „Magnetonbänder“ oder „BASF super ferro LH“ aus den 60ern und 70ern können noch so abgenudelt sein, und kein Ton kommt mehr heraus, trotzdem gehören sie nicht in die Mülltonne, sondern in eBay. Ihr glaubt gar nicht, wie viele Leute solch alte Kassetten noch sammeln, egal ob funktionstüchtig oder nicht. Die Schätzchen sind zu Sammlerobjekten geworden! Obwohl mittlerweile (2009) der Trend auch hier rückläufig ist.
PERSÖNLICHE MEINUNG
Wem etwas an seinen alten Kassettenaufnahmen liegt und wer auch noch etwas Zeit mitbringen kann, dem ist es auf jeden Fall zu empfehlen, seine Kassetten zu digitalisieren – bevor es zu spät ist. Bevor noch mehr Höhen schwinden, bevor das Band der Lieblingskassette reißt, bevor es keine Ersatzteile für das Kassettendeck mehr gibt oder eine Reparatur/ein Neukauf zu teuer wird.
Selbst bei noch gut erhaltenen Kassetten ist es eine Überlegung wert, denn bei mir ging es nach ca. 20 Jahren der Nutzung auch auf einmal rapide abwärts, und immer weniger Kassetten waren hörbar.
In diesem Bericht geht es um eine Sammel-Leidenschaft, die bei etlichen Leuten gerade in den letzten Jahren wieder neu aufgekommen ist. Es geht um das Sammeln von Schallplatten. Damit sind keine CDs gemeint, sondern die großen, (meist) schwarzen analogen Schallplatten, die bis etwa 1990 in jedem Haushalt Standard waren.
Die "Urversion" dieses Beitrages veröffentlichte ich schon 2006 unter ähnlichem Benutzernamen im Verbraucherportal „ciao.de“, wo ich allerdings nicht mehr Mitglied bin. Natürlich habe ich nun diesen Text den aktuellen Gegebenheiten angepasst.
ALLGEMEINES ZUR ENTWICKLUNG DER TONTRÄGERFORMATE
Die Schallplatte in ihrer heutigen Form war in den 50er, 60er, 70er und 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts das meistverbreitete Tonträgerformat überhaupt. Auch als ab Anfang der 70er Jahre die meisten Alben (Langspielplatten) parallel als Kassette (MusiCassette, MC) veröffentlicht wurden, blieb die Schallplatte das besser verkaufte Medium. Die Kassette war zwar kleiner und handlicher, klang dafür aber schlechter als die LP-Version (vorausgesetzt die LP ist gut erhalten). Ab Mitte der 80er Jahre wurden dann die meisten Alben auch zusätzlich als CD angeboten, welche als Nachfolger des LP-Formats gelten sollte. In den ersten Jahren (ca. 1983-87) wurden immer noch deutlich mehr LPs als CDs verkauft, denn das neue Format musste sich erst einmal langsam durchsetzen, und für sehr viele Leute (auch für mich) waren die frühen CD-Player noch unerschwinglich!
Was passierte dann aber? Ende der 80er Jahre, 1988 oder 89, wurden erstmals mehr CDs als LPs verkauft. Auch ich war mittlerweile auf die CD-Schiene aufgesprungen. Da ich aber noch Schüler war und nicht so viel Geld für ständig neue CD-Käufe hatte, spielte die Aufnahmekassette für mich die größte Rolle zu der Zeit. Damals war es üblich, dass man noch normale Musik-CDs in Videotheken leihen und auf Audio-Leerkassetten überspielen konnte. Besondere Titel oder auch irgendwelche Sonderangebote legte ich mir damals aber auch schon als Original-CD zu, und das Format Schallplatte war für mich erst mal nicht mehr interessant.
Genau so wie ich dachten auch die meisten anderen Musikfans! Jedermann kaufte sich einen CD-Player (ich war unter den echten Musikfans in meiner Schule einer der letzten, die noch keinen hatte, mein Erstgerät wurde Ende 1988 angeschafft). Und dann dauerte es nur noch ca. 2 Jahre, bis die Schallplatte fast vollständig aus den Verkaufsregalen verschwand. Ich selbst bekam es in den Jahren 1990 bis 1992 mit, dass die damaligen Plattengeschäfte nach und nach ihre LP-Bestände abbauten und komplett durch CDs (bis Mitte/Ende der 90er oft auch noch MCs) ersetzten.
WIE KAM ICH ZURÜCK ZUR SCHALLPLATTE?
Zuerst war ich vom „CD-Hype“ auch begeistert, und wenn mal etwas Taschengeld übrig war, wollte ich bestimmte Alben unbedingt auf CD haben. Ich verkaufte sogar den Großteil meiner Schallplatten, die ich in den 80er Jahren gekauft hatte. Mein Einstiegsklasse-Plattenspieler von damals war nicht mehr interessant für mich.
Aber ab 1991 hatte ich das Bedürfnis, jene Lieder wieder zu besitzen, die ich in den 70er und 80er Jahren mal auf Kassette hatte (die Aufnahmen entsorgte ich mal in meinem jugendlichen Leichtsinn, einige MCs waren aber auch technisch unbrauchbar) und die unser CD-Verleih nicht führte. Ich stellte nach einiger Zeit der „CD-Euphorie“ fest, dass längst nicht jedes Lied, das es früher mal gegeben hat, auf CD neu veröffentlicht wurde.
Was also tun?
Ich erinnerte mich an die 80er, als ich über den damaligen „Disc-Center“ in Weikersheim (einige kennen ihn vielleicht noch) günstig Schallplatten einkaufte. Diese Idee nahm ich Mitte 1992 erstmals wieder auf. Ich dachte mir, wenn schon nicht auf CD, dann eben wieder auf Schallplatte, denn früher gefielen mir die Schallplatten ja auch gut.
Etwa ein halbes Jahr später kaufte ich auch erstmals gebrauchte Schallplatten. Zuerst über den Kess-Versand, später kam die monatliche Zeitschrift „Musik-Flohmarkt“ auf, das war wie der Name schon sagt ein An- und Verkaufs-Magazin für Tonträger. Ich erstellte mir Suchlisten am PC, und nach und nach versuchte ich, die gesuchte Sammlung zu vervollständigen.
Ich war ganz erstaunt, wie gut so eine Schallplatte wieder klingen konnte. Noch viel mehr Freude bekam ich daran, als ich 1993 von meinen Eltern deren Dual-Plattenspieler übernehmen konnte, welcher klanglich doch in einer ganz anderen Liga spielt als mein Japan-Plastikbomber aus den 80ern. Seit dem Wechsel des Plattenspielers (mittlerweile sind noch zwei weitere alte Dual-Spieler hinzugekommen, und damit habe ich mich technisch noch weiter verbessern können) stieg ich richtig wieder in die Schallplatten-Materie ein und fand immer mehr Freude daran.
Das einzige, was mir nicht so gefiel war, dass manche Gebrauchtplatten in einem schlechten Zustand waren (dazu häufig noch überteuert). Ich achtete schon darauf, möglichst noch neue oder neuwertige Platten zu bekommen.
In Sachen „Musik-Flohmarkt“ war ich bis Mitte 1995 aktiv. Danach folgten einige Jahre, in denen ich durch berufliche Einspannung nur sehr wenig Zeit für Musik hatte. Ich bestellte nur noch gelegentlich beim Disc-Center, dieser schloss dann aber gegen Ende der 90er.
Als ich 1999 diese Arbeitsstelle verließ und wieder mehr Zeit hatte, entdeckte ich per Zufall einen Laden für gebrauchte Schallplatten, und das zu Tiefstpreisen. Seitdem habe ich neue Quellen für das begehrte Vinyl. Zu diesen niedrigen Preisen (oft unter 1 Euro pro Platte) kaufte ich auch oft schon welche, auf denen nicht alle Lieder für mich interessant waren und/oder die schlecht erhalten waren. Dank der digitalen Aufnahmetechnik, die ich seit Ende der 90er besitze, kann ich mir nun eigene CD-Sampler mit den guten alten Oldies aus diesen Platten zusammenstellen. Diese CDs besitzen somit natürlich auch den für mich angenehmen Vinylklang.
Zeitgleich lernte ich auch eBay kennen. Hier habe ich vor allem im Anfang (2000-03) oft gebrauchte Platten ersteigert, die nicht alle in so einem tollen Zustand waren. Später erwarb ich auf diesem Wege oft nagelneue Platten von gewerblichen Anbietern. Leider ist das nicht mehr so oft möglich, da die Preise für neues Vinyl in der letzten Zeit gestiegen sind und eine neue LP preislich ein ganzes Stück oberhalb der CD liegt. Außerdem erscheint nur noch ein Bruchteil aktueller CD-Veröffentlichungen ebenfalls auf LP.
Ab 2006 wurde ich auf Trödelmärkte aufmerksam. Hier konnte ich schon einige Platten günstig bekommen, wenngleich nicht mehr so günstig wie noch um die Jahrtausendwende in diesem einen Second-Hand-Laden. Meistens zahle ich 1 oder 2 Euro für eine LP. Seit Beginn der „Trödelmarkt-Ära“ ist es mir auch möglich, sehr günstig gebrauchte HiFi-Klassiker zu kaufen. Somit habe ich auch meine anderen „Hörräume“ mit Plattenspielern ausstatten können – was einen erneuten starken Zuwachs meiner Plattensammlung zur Folge hatte.
WAS KLINGT BESSER – CD ODER LP?
„CDs klingen besser als Schallplatten“ – dieses Argument muss man sich immer wieder anhören. So ganz stimmt das nicht immer. OK, CDs haben einen lupenreinen „digitalen“ Klang, aber eine gute Schallplatte hat oft eine viel bessere Dynamik (hängt von der Pressqualität ab). Und für den Schallplatten-Fan ist das gelegentliche Hintergrundknistern doch nicht störend, oder? Vielmehr gehört es doch beinahe dazu, zur analogen Musikwiedergabe.
Voraussetzungen, dass eine Schallplatte mindestens so gut klingen soll wie eine CD, ist zum einen eine gut erhaltene, also weder verkratzte noch abgenutzte Schallplatte, und vor allem sollte man schon einen guten Plattenspieler besitzen. Der uralte Kofferplattenspieler von den Großeltern oder auch der eigene frühere Jugendplattenspieler mit Lautsprecher im Deckel („Mister Hit“) klingt sicherlich sehr schlecht. Auch sind diese Billig-Plastik-Komponenten von heute (Kaufhaus) nicht empfehlenswert für den echten Fan. Der Plattenspieler sollte schon ein hochwertiges Gerät sein, und sehr beliebt sind auch heute noch bestimmte alte Klassiker der 60er bis frühen 80er Jahre, die damals eine sehr gute Verarbeitung hatten und von denen sehr viele ins neue Jahrtausend ohne Probleme überlebt haben. Allgemein wird dazu geraten, besser ein 20-40 Jahre altes Qualitätsgerät (z.B. Dual, Thorens, Technics…) zu kaufen als einen nagelneuen Plattenspieler. Da letzteres nun ein Nischenprodukt ist, lassen Qualität, Verarbeitung und Ausstattung bei den meisten Neugeräten schon seit langer Zeit zu wünschen übrig. Bei Auktionen z.B. werden oft deutlich höhere Preise für solch einen „Oldie“ erzielt als für heutige Plastikgeräte aus dem Kaufhaus. Bei diesen alten Gebrauchten ist natürlich zu beachten, dass sie evtl. Wartung benötigen wie z.B. Lager neu fetten, Justierung, Wiederherstellung einer defekten Tonarmautomatik, oft auch Austausch des kompletten Tonabnehmersystems, bevor man die Vinyl-Schätzchen wieder hören kann. Neue Plattenspieler in ähnlicher Güte gibt es auch noch vereinzelt, aber häufig liegen sie weit über dem Budget eines Otto Normalverbrauchers (vier- bis fünfstellige Preise, und deren Design ist Geschmackssache, z.B. Glas- oder Acryl-Plattenteller).
Die Nadel sollte nach ca. 500 bis 1000 Betriebsstunden (siehe Angaben des Herstellers) ausgetauscht werden, da abgenutzte Nadelspitzen die Platte beschädigen können. Allgemein geht man davon aus, dass der Plattenspieler über ein Magnetsystem mit Diamantnadel verfügen sollte (die älteren und einfacheren Keramik- und Kristallsysteme gelten als weniger schonend für die Platten und haben auch einen völlig anderen Klangcharakter).
Der Verstärker und die Lautsprecherboxen sollten natürlich auch hochwertig sein. Bei Verwendung der Plastikboxen einer Kompaktanlage nützt Dir der beste Plattenspieler nichts. Meine besten Erfahrungen habe ich gemacht, wenn der Verstärker ebenfalls in einem ähnlichen Alter ist wie der Plattenspieler. Geräten aus dieser Zeit wird nachgesagt, dass sie natürlicher, harmonischer klingen als moderne Verstärker/Receiver, und früher hatten die Verstärker meist auch noch bessere Phono-Vorstufen (die meisten Neugeräte haben gar keinen Phono-Eingang mehr, dazu müsste man einen separaten Phono-Vorverstärker zwischen Plattenspieler und Verstärker schalten).
WARUM HEUTE ÜBERHAUPT NOCH SCHALLPLATTEN?
Ich gehöre zu der Generation, die noch mit Schallplatten aufgewachsen ist. Ich war nämlich wie gesagt in den 80er Jahren Jugendlicher (und als Kind in den 70ern war mein Musikinteresse schon sehr groß). Dementsprechend kenne ich noch sehr viele Lieder und sogar teilweise auch komplette Alben, die bis heute nie auf CD erschienen sind. Wenn jetzt jemand sagt, es gibt doch so viele 80er-Jahre-CD-Sampler, dann hat er zwar einerseits Recht, aber andererseits werden hier immer nur wieder dieselben Songs veröffentlicht, und das ist nur ein Bruchteil der 80er-Titel, die ich früher gern gehört habe.
Dann gibt es den nostalgischen Aspekt. Vielen macht das Musikhören erst richtig Spaß, wenn noch „Hand angelegt“ wird und das Auge „mithört“. Damit meine ich, wenn man die Platte auflegt und sie sich während des Musikgenusses auf dem Plattenteller dreht. Hinzu kommt dann der „analoge Klang“ (siehe oben), der vielen Musikhörern sympathischer ist als der eher etwas sterile CD-Klang.
Und man denke an die vielen Musikfans, die dieses Musikhobby schon in den 80er Jahren und noch früher hatten. Sicher existiert hier oft noch eine große Plattensammlung, auf die man nicht verzichten will. Alle nach und nach als CD besorgen ist oft teurer als ein guter Plattenspieler (sofern nicht mehr vorhanden), und wie gesagt bekommt man nur einen Teil der damaligen Veröffentlichungen heute auf CD. Das Überspielen auf CD oder MP3/WAV ist eine aufwändige Sache. Somit ist es für Besitzer einer großen Plattensammlung empfehlenswert, weiterhin einen Plattenspieler zu besitzen.
WO BEKOMMT MAN HEUTE NOCH SCHALLPLATTEN?
Das ist schwierig, aber nicht unmöglich. Zum einen gibt es in vielen Großstädten regelmäßig Plattenbörsen. Häufig werden gebrauchte Schallplatten dort sogar zu sehr niedrigen Preisen verkauft. Ich selbst gehe eigentlich kaum auf solche Börsen, eher besuche ich mehrmals im Jahr diesen bestimmten Second-Hand-Shop, der mir sehr sympathisch ist und wo man auch heute noch relativ günstig Vinyl bekommt. Leider ist das Geschäft für mich auch nicht gerade um die Ecke, sonst würde ich hier noch öfter hingehen. In der Kleinstadt, in der ich wohne (und auch in der näheren Umgebung), gibt es keine solcher Läden. Hier in der Region wurden 1992/93 die letzten neuen Schallplatten angeboten. Dafür besuche ich aber regelmäßig Trödelmärkte – wobei man dort leider kaum etwas aus dem Bereich Rock/Pop bekommt, sondern eher Schlager, Volksmusik, Instrumental (James Last) usw.
Sehr beliebt ist aber auch eBay. Hier kann man ständig jede Menge Schallplatten ersteigern. Nachteil ist hier allerdings, dass man meistens schon mindestens 4 bis 5 Euro für den Versand einer (!) LP zahlen muss (die speziellen Kartons für Warensendungen sind nicht leicht zu bekommen). Außerdem werden viele neuere LPs ab 1990 (z.B. The Cure, Nirvana, Alanis Morissette, R.E.M., U2, Pearl Jam, Red Hot Chili Peppers…) inzwischen meist ab 20 bis 30 Euro aufwärts gehandelt. Während man ein „Standard-Album“ aus den 80ern sehr oft für einen Euro ersteigern kann.
In Großstädten sowie bei einigen Internetversendern kann man auch noch einige (!) aktuelle Alben als Vinyl-LP kaufen. So etwas mache ich schon mal, sofern es meinem Geldbeutel nicht weh tut (d.h. die LP darf nicht wesentlich teurer sein als die CD). Von einigen wenigen Interpreten, z.B. Madonna, Herbert Grönemeyer oder Amy Winehouse, erschienen aktuelle Alben der letzten Jahre oft parallel zur CD auch als LP, wobei man aber sehr häufig mehr bezahlt als für die CD. Und natürlich nicht zu vergessen die unzähligen Dancefloor- und Techno-Maxis, die ganz besonders an die DJ-Szene gerichtet sind.
Apropos DJ und Techno, allgemein ist ein Trend zu beobachten, dass inzwischen auch immer mehr jüngere Leute sich für das Vinyl-Format begeistern konnten.
WAS IST BEIM SCHALLPLATTENKAUF ZU BEACHTEN?
Der Zustand! Die meisten heute erhältlichen Schallplatten sind natürlich nicht mehr neu und haben oft schon eine lange „Vergangenheit“. Nicht jeder ging so behutsam mit dem „schwarzen Gold“ um wie es eigentlich sein sollte, und es ist auch ein Unterschied, ob eine LP mit einem 50er-Jahre-Standardlaufwerk oder einem hochwertigen moderneren Plattenspieler gespielt wurde. Auch einmal „nass gespielte“ Platten (war irgendwann mal „in“, das Nassabspielen mit einer speziellen Flüssigkeit sollte eine Reduzierung der Nebengeräusche bewirken) sind in der Regel nicht mehr normal abspielbar. Ich habe auch schon gebrauchte LPs gehabt, die optisch und auch akustisch absoluter Schrott waren. Wenn man sie billig kaufen kann, ist dieses Risiko noch eher zu verschmerzen. Teure Platten sollte man vor dem Kauf optisch begutachten oder sogar falls möglich (Second-Hand-Shop) Probe hören.
Bei Versendern gebrauchter Platten (und auch Privatauktionen) weiß man natürlich nicht, was man kauft. Hier habe ich auch schon sehr schlechte Erfahrungen gemacht, aber die Mehrheit meiner Erfahrungen war gut!
Einigen Sammlern ist auch noch wichtig, dass das Cover (die Plattenhülle) noch in einem einwandfreien Zustand ist.
HAT DIE SCHALLPLATTE DER CD GEGENÜBER VORTEILE?
„Niemals“, werden viele sagen. Das lästige Plattenauflegen, das große Format, die Nebengeräusche, die Gefahr unbrauchbar zu werden (bei falscher Behandlung), die wenigen heute noch vorhandenen Abspielmöglichkeiten, etc.
Und ob es viele Vorteile gibt! Für mich größter Vorteil ist das viel breitere Musikangebot, wie ich schon am Anfang erwähnt habe. Besonders der Oldie-Fan kann (natürlich mit Glück) ganz andere Songs bekommen, die es nie auf CD geben wird.
Ich fand die Zusammenstellungen bzw. Formate auch sympathischer als heute CDs. Will man sich heute ein Lied kaufen (wenn nicht online als MP3/WMA), bekommt man eine Maxi-CD. Das Lied wird in 3 bis 7 Versionen hintereinander (!) aufs Neue verunstaltet (Bumm-Bumm-Bumm). Und das zu einem Preis, zu dem man früher schon fast eine LP bekam. Damals kaufte man sich „das Lied“ als Single, das war eine 17 cm große Scheibe, die mit 45rpm abgespielt wird. Neben dem Wunschlied konnte man sich „nur“ über die teils weniger gute B-Seite ärgern (anstatt heute über den kompletten „Anhang“ der Maxi-CD). Manchmal war auch mal ein gutes Lied auf der B-Seite, oder eine Instrumentalversion der A-Seite.
Wahlweise konnte man (vor allem in den 80ern) eine 30 cm große Maxi-Single bekommen, die eine bessere Dynamik hatte als die kleine Single (wegen der großen Rille). Meistens fand man eine längere Version des Titels. Und da gaben sich die Produzenten auch noch Mühe im Vergleich zu heute. Die Versionen wurden oft mit ganz neuen Elementen verlängert, teilweise wurden sogar extra neue Strophen für die Maxi getextet (z.B. Mike Oldfield „Moonlight Shadow“, Al Corley „Square Rooms“ oder auch einige NDW-Titel). Von den alten Maxi-Versionen gibt es heute leider nur die wenigsten auf CD.
Die Sampler (Compilations) wurden auch mit mehr Liebe als heute zusammengestellt. Heute gibt’s die nur noch als teure Doppel-CD, von 40 Titeln sind 35 oft Schrott. Sicher gab es damals auch mehr oder weniger gute Songs auf den Samplern, aber die meisten Sampler bekannter Labels (Ariola, Polystar, Arcade, K-tel, EMI, CBS sind hier die wichtigsten) konnte man sich gern komplett anhören.
Und natürlich die Preise. Schon damals befanden sich die Tonträger in einem bezahlbaren Rahmen im Gegensatz zu heute. Auf dem Gebrauchtmarkt sind die meisten LPs heute deutlich günstiger zu bekommen als sie damals neu gekostet haben. Bei Album-Klassikern ist das nun durchaus eine Alternative zum Kauf der (neuen oder auch gebrauchten) CD.
FAZIT
So, nun hoffe ich, es Euch etwas näher gebracht zu haben, dass die Vinyl-Schallplatte noch lange nicht „tot“ ist und es in manchen Fällen sogar sehr angebracht sein kann, Schallplatten zu kaufen. Und ich hoffe auch, dass das Vinyl noch lange eine „kleine aber feine“ Fangemeinde hat. Ich jedenfalls werde diesem Format weiterhin treu bleiben.
Tags:
schallplatte, vinyl, platte, lp, plattenspieler, single, maxi, album
Die "Urversion" dieses Beitrages veröffentlichte ich schon 2003 unter ähnlichem Benutzernamen in Verbraucherportalen (ciao.de, yopi.de), wo ich allerdings nicht mehr Mitglied bin. Natürlich habe ich nun diesen Text den aktuellen Gegebenheiten angepasst.
Es soll hier um einen Vergleich der bekanntesten Aufnahmemedien für Musik gehen. Ich selbst bin seit mehr als 30 Jahren Musik- und auch HiFi-Fan, von daher habe ich so einige gängige Aufnahmemedien kennen gelernt und selbst ausprobieren können.
Früher war das ja noch einfach, beim Wort "Aufnahme" dachte man gleich an die Kassette, bzw. vor meiner Zeit hatte man Spulentonbänder. Heute gibt es so viele verschiedene Medien, so dass man nicht mehr unbedingt ein einheitliches Format hat. CD-R, MD, MP3 bzw. WAV, teilweise noch die gute alte Kassette, das sind derzeit die am meisten verbreiteten Formate. Es gab in den 90er Jahren (und auch vorher) aber noch mehr.
Was ist nun das richtige Format für den Anwender?
Das hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie z.B. finanzielle Mittel, vorhandene Tonträger und Hardware, Einsatzbereiche (mobil, stationär), Anforderungen an die Klangqualität und Haltbarkeit der Aufnahmen.
Inspiriert zu dieser Gegenüberstellung der gängigsten Formate wurde ich durch (ältere) ähnliche Texte auf diversen HiFi-Seiten, jedoch habe ich teilweise andere Erfahrungen und Meinungen, so dass ich dazu nun gern meine eigene Meinung schreiben möchte.
Was sind denn nun die gängigsten Medientypen?
DIE AUDIOKASSETTE (MC, Compact Cassette)
Sicherlich langfristig gesehen noch das bekannteste Aufnahmemedium. Zumindest die meisten Leute, die bis ca. Ende der 80er Jahre geboren wurden, dürften irgendwann mal welche davon besessen oder gar selbst bespielt haben. Zwischen Anfang/Mitte der 70er und Mitte/Ende der 90er Jahre war es DAS Aufnahmemedium, an dem man nicht vorbeikam, wenn man eine Aufnahme machen wollte. Es war eine Weiterentwicklung des Spulentonbands, nun war das Tonband in "Miniaturform" in einer geschlossenen Einheit (Kassettengehäuse) untergebracht, klein und praktisch, somit sehr gut für den mobilen Einsatz geeignet. Kommt klanglich trotz vieler Verbesserungen in all den Jahren (Dolby B/C/S/HX-Pro, Auto-Bias) nicht an die Qualitäten der großen Tonbänder heran. Die Haltbarkeit der Kassetten und der Aufnahmen ist auch nur begrenzt. Mit der Zeit schwinden die Höhen, manche Kassetten "leiern" irgendwann auch, und ein "Bandsalat" (Band wickelt sich um die Andruckrolle des Laufwerks) bedeutete schon oft den "Tod" einer schönen Lieblingskassette. Da sich die Lieder hintereinander auf einem Band befinden, kann nicht wie z.B. bei CD direkt auf ein bestimmtes Lied zugegriffen werden. Obwohl die Kassette sehr lange Zeit für viele das einzige Medium überhaupt war, wurde sie doch seit ca. 2000 relativ schnell verdrängt und von der bespielbaren CD überholt. Jedoch gibt es immer noch einige Kassettenrecorder und Leerkassetten, allerdings nur noch sehr wenige Modelle und nicht mehr in der Güte wie noch vor 10 Jahren, Tendenz fallend. Gebrauchte Kassettendecks bekommt man heute schon für ab 1 Euro (ohne Versandkosten), je nach Modell, Bekanntheitsgrad und Güte. Gebrauchte ehemalige Spitzenmodelle (z.B. Yamaha KX-690, Akai GX-75) bekommt man häufig für 50 bis 100 Euro. Neue dürfte es so ab ca. 125 Euro geben, allerdings ist die Auswahl inzwischen sehr klein. In neuen Portables und Kompaktanlagen ist derzeit meistens noch ein (Doppel-) Kassettendeck eingebaut (wahrscheinlich nur, weil viele Leute noch Kassetten besitzen). Autoradios mit Kassettenteil werden aber immer mehr zum Auslaufmodell. Gleiches gilt für den guten alten Kassetten-Walkman.
VORTEILE: zur Zeit noch (!) recht verbreitetes Format (was sich aber immer mehr ändert, denn es sind immer weniger Recorder bzw. Player vorhanden), preiswert, Aufnahmen können wieder gelöscht werden, kleines und kompaktes Format, mit entsprechender Hardware auch für spontane Sprachaufzeichnungen geeignet (Diktiergerät, Interviews…).
NACHTEILE: klanglich schlechter als die "Konkurrenzmedien", stark begrenzte Haltbarkeit der Aufnahmen und auch der physischen Teile der Kassette, Inkompatibilität in Sachen Klang auf anderen Abspielgeräten (Azimuth, Einmessung), nach und nach aussterbendes Format, technisch sehr veraltet, Zugriffszeit, viele Anlagen haben kein Kassettenlaufwerk mehr bzw. kaum noch neue Kassettendecks auf dem Markt.
EMPFEHLENSWERT: Nicht mehr. Nur noch dann ein neues (oder gebrauchtes) Gerät, wenn noch viele Kassetten vorhanden sind und eine Digitalisierung nicht machbar oder unrentabel ist. Als Aufnahmemedium nur noch dann, wenn schon ein Aufnahmegerät vorhanden ist und der Klang den Ansprüchen genügt, man (noch) kein Geld für was Neueres ausgeben will oder kann. Oder wenn z.B. das Autoradio immer noch nur über ein Kassettenteil verfügt und man dieses nicht austauschen will oder kann. Alte Leerkassetten bekommt man bei eBay nachgeschmissen (vor allem die qualitativ noch guten aus den 90ern, während Modelle aus den 70ern und 80ern oft "gehyped" sind), aber wer unbedingt noch aufnehmen will, dem sind neue Kassetten eher zu empfehlen (Angebot geht aber stark zurück!). Industriell bespielte Original-Kassetten lohnen sich gar nicht mehr (gibt es neu sowieso kaum noch), denn selbst eine schon öfter benutzte Langspielplatte klingt um Längen besser. Übrigens, nachdem ich 2003 das Kassettenmedium nach knapp 30 Jahren schon persönlich abgeschrieben hatte, habe ich mir 2007 doch wieder ein paar Leerkassetten aus den 70ern und 80ern besorgt und neu bespielt, denn ich kam wieder zu einem Kassettenrecorder. Bei mir waren das nur rein nostalgische Gründe. Etwa 1-2x im Monat wird nun mal wieder eine Kassette angehört! Auch wenn weniger Höhen zu hören sind als bei meinen CDs, LPs oder Musikdateien, aber es ist doch was Schönes, mal wieder eine "AGFA Ferro Color" oder "Maxell UD-XL II" in den Händen zu halten und ins Kassettendeck einzulegen. Genau so wie schon vor 30 Jahren...
DAS TONBAND (Spulentonband)
Aus diesem Prinzip ist die beliebte Audiokassette entstanden. Das Tonband wird während des Transports von einer großen, offenen Spule auf eine leere Spule gewickelt. Beide Spulen müssen von Hand eingelegt und das Band in die leere Spule und unterhalb der Tonköpfe "eingefädelt" werden. Man kann gebrauchte Tonbandgeräte der 50er oder 60er Jahre schon ab 1 Euro ersteigern, aber in den vollen Genuss einer Tonbandaufnahme kommt man erst mit einer ordentlichen Bandmaschine (z.B. Revox, Akai, Teac). Die sind meist in den 70ern gebaut worden und liegen heute bei eBay (weit) jenseits der 500 Euro. Dafür ist der Klang aber auch exzellent, schließlich werden Tonbänder auch in Studios verwendet. Ich habe zwar auch schon mal gehört, dass auch das eine oder andere Tonband verschleißen kann, aber allgemein sind Tonbänder und die darauf enthaltenen Aufnahmen wesentlich länger haltbar als Kassetten und CD-Rs. Es gibt heute nur noch sehr wenige Haushalte mit einem Tonbandgerät. Man findet sie heute in erster Linie bei High-End- und Analog-Fans. Bandmaschinen sind zu Liebhaberstücken geworden. Ich selbst machte Mitte der 70er Jahre meine ersten Schritte ins Musikhobby mit einem einfachen Telefunken "Magnetophon" aus den 60ern. Danach hatte ich nie mehr ein eigenes Tonbandgerät.
VORTEILE: hervorragende Klangqualität, lange Haltbarkeit der Bänder und Aufnahmen, eine Bandmaschine ist heute für HiFi-Puristen natürlich was ganz Besonderes, lange Spielzeit der Bänder, für "Mix-Freaks" sogar Schneiden und Kleben der Bänder möglich (manuelles sehr genaues Editieren).
NACHTEILE: kaum noch Verbreitung, daher sehr, sehr teuer (Bandmaschinen und Leerbänder), nur noch Gebrauchtgeräte erhältlich, Bänder meist auch nur noch gebraucht, Geräte sind groß und schwer, Zugriffszeit auf einzelne Lieder siehe Kassette, Handhabung umständlich.
EMPFEHLENSWERT: Nur noch für Liebhaber und HiFi-Enthusiasten, kein Einsatz mehr als "Massentonträger".
DIE HIFI-VIDEOKASSETTE (VHS)
Und das ist die preiswertere Alternative zum oben genannten Spulentonband, für den kleinen Geldbeutel. Ist Dein Videorecorder HiFi-tauglich und hat einen Audio-Eingang bzw. einen entsprechenden Adapter für die Scartbuchse, kann man auch Musik auf herkömmliche VHS-Kassetten aufnehmen. Da das Band breiter als bei den Audiokassetten ist und der Kopf eine Schräglage hat, erreichen die Aufnahmen beinahe Qualitäten eines Spulentonbands. Aufgrund des Kassettenformats natürlich leichter zu handhaben als Tonbänder, dafür hat das Auge weniger (sich drehende große Spulen haben das gewisse Etwas). Und vor allem preiswerter. HiFi-Recorder bekommt man heute schon ab 100 Euro neu (ist nämlich auch ein Auslaufmodell), gebrauchte Spitzenmodelle wie z.B. mein ehemaliger Loewe Centros dürften etwa um die 50 Euro kosten. Sehr nützlich, wenn man längere Radioprogramme, Konzerte oder Opern mitschneiden will, denn die Spielzeit kann max. 10 Stunden betragen (Longplay bei Verwendung einer E-300 Kassette). Nur ist halt dadurch die Zugriffszeit noch schlechter als bei den beiden oben genannten Formaten. Außerdem sterben die Videorecorder auch schon langsam aus, wie die Kassettendecks, so dass es nicht mehr das aktuellste Medium ist und die Auswahl der Geräte auf dem Markt nachlässt. Genau wie beim Tonband fällt natürlich hier auch der mobile Einsatz weg. Meine 6 - 10 Jahre alten Filme mit HiFi-Ton klangen noch wie neu, als ich mich 2003 vom VHS-Format zugunsten der DVD trennte.
VORTEILE: hervorragende Klangqualität, dazu sehr günstig, sehr lange Aufnahmedauer, Aufnahmen klingen auch auf Fremdgeräten nicht schlechter, lange Haltbarkeit der Aufnahmen.
NACHTEILE: noch relativ wenig Verbreitung, kein mobiler Einsatz, aussterbendes Format, extrem schwieriger Zugriff auf einzelne Lieder.
EMPFEHLENSWERT: Wer einen HiFi-VHS-Recorder im Haus hat, sollte damit ruhig mal ein Radio- oder Fernseh-Musikprogramm aufnehmen, um z.B. später brauchbare Lieder auf ein "handlicheres" Medium zu überspielen. Oder wenn kein digitales Aufnahmegerät im Haus ist, ist das eine klanglich gute (dafür weniger flexible) Alternative. Oder wer es "analog" bevorzugt, aber Audiokassetten klanglich zu schlecht findet und kein Geld für eine Bandmaschine hat...
DIE CD-R (heute übliche PC-Rohlinge)
Das ist neben MP3 das zur Zeit meistverbreitete Format. Steht klanglich dem Original in nichts nach, ist dazu auch noch die günstigste Alternative, was "anfassbare" Medien betrifft. Ein CD-Rohling kostet oft schon unter 30 Cent, ein gebrauchter Brenner ab 5 Euro (neu ab 50 Euro). Die meisten PC-Benutzer dürften diese Möglichkeit schon "eingebaut" haben mittlerweile, denn spätestens seit ca. 2000 ist ein Brenner Standard im PC. Mit dem PC lassen sich CDs duplizieren (auch einzelne Stücke daraus), oder von seinen Lieblings-MP3s sich eigene CDs zusammenstellen. Auch analoge Aufnahmen kann man über die Soundkarte machen, wenn man die Möglichkeit dazu hat. Größter Vorteil ist hier das Nachbearbeiten der Aufnahmen. Das kann man jedoch nur, solange die Lieder nur als WAV-File auf der Festplatte liegen und noch nicht gebrannt sind. Eine gebrannte CD kann man nämlich nicht mehr löschen oder editieren, auch nicht teilweise. Es sei denn, man verwendet wiederbeschreibbare CD-RWs. Jedoch werden diese von sehr vielen CD-Playern nicht erkannt. Normale CD-Rs sind heute in jedem CD-Player abspielbar, es sei denn, man hat noch so ein uraltes Gerät aus den 80ern oder ein etwas älteres Autoradio. Da könnte es schon mal Probleme geben.
VORTEILE: extrem hohe Verbreitung (CD-Player gibt es in jedem Haushalt und mittlerweile auch in vielen Autos und als Mobilgeräte), mobiler Einsatz, Aufnahmen bleiben immer so gut erhalten wie am ersten Tag (die CDs sollten natürlich nicht zerkratzen, und man sollte Markenrohlinge verwenden), direkte Titelanwahl, besonders günstiger Preis.
NACHTEILE: CDs kann man nicht löschen, Gefahr des Zerkratzens, einige Rohlinge haben evtl. kürzere Haltbarkeit (ganz wenige waren bei mir nach 2-4 Jahren im Eimer, andererseits laufen meine ältesten schon seit über 10 Jahren problemlos), eine perfekt klingende und harmonierende CD-Zusammenstellung erfordert schon einige Nachbearbeitungsschritte vor dem Brennen.
EMPFEHLENSWERT: auf jeden Fall, allein schon wegen der Verbreitung und wegen des günstigen Preises.
DIE CD-R (Audio-Rohlinge)
Es gibt bei der CD-R noch eine Variante, und zwar die reinen HiFi-CD-Recorder. Dabei handelt es sich um eine Komponente, die an die HiFi-Anlage angeschlossen und wie ein Kassettendeck bedient wird. Eignet sich für all diejenigen, die viel analog aufnehmen und entweder keinen PC mit Brenner haben, oder aber (wie bei mir viele Jahre lang der Fall) den PC nicht im Wohnzimmer stehen haben wollen, gleichzeitig aber die Anschaffung einer Zweit- oder Drittanlage samt zusätzlichem Plattenspieler nicht einsehen. Die Handhabung ist einfacher als beim PC, allerdings kann man die Aufnahme nicht nachbearbeiten und auch keine Fehler korrigieren (z.B. zu früher/zu später Aufnahmestart, springende Nadel bei Plattenaufnahmen, verpasstes Aufnahmeende durch Telefon oder Haustürklingel). Deshalb meine Empfehlung, CD-RWs sind mit diesem Gerät sinnvoller, die kann man sogar noch in den PC einlesen und vor dem endgültigen Brennen nachbearbeiten. Ein spezieller Audio-Rohling kostete zuletzt ca. 1 - 2 Euro mehr als ein PC-Rohling, letztere kann man leider mit diesem Gerät nicht verwenden. Diese Variante ist leider auch wesentlich teurer als die PC-Variante (Neupreise waren ab ca. 300 - 400 Euro fürs Gerät, heute bekommt man so etwas fast nur noch gebraucht ab 50 Euro aufwärts), dafür hat man aber ganz andere Möglichkeiten, z.B. wenn Anlage und PC räumlich getrennt sind. Leider gibt es auch kaum noch Audio-Rohlinge zu kaufen, von daher ist es empfehlenswert, sich mit CD-RWs noch einzudecken und deren Inhalt nachher am PC zu bearbeiten und auf herkömmliche CD-Rs zu brennen.
VORTEILE: ideal für alle, die keine Anlage in PC-Nähe stehen haben, einfache Bedienung, ansonsten Vorteile siehe PC-Rohlinge.
NACHTEILE: keine Nachbearbeitungsmöglichkeit (außer bei CD-RW und PC parallel dazu), deswegen hoher Ausschuss, sehr hoher Anschaffungspreis, keine neuen Recorder mehr erhältlich, auch sind die speziellen Rohlinge ein Auslaufmodell.
EMPFEHLENSWERT: auf jeden Fall, allein schon wegen der Verbreitung. In diesem Fall aber nur, wenn die Aufnahmequellen für die PC-Variante nicht ausreichend vorhanden sind (z.B. räumliche Trennung PC und Anlage).
DIE MINIDISC (MD)
Sehr viele dürften dieses Format besitzen oder mal besessen haben. Das war nämlich einige Jahre lang das "Konkurrenzformat" zur CD-R und hat(te) auch eine relativ hohe Verbreitung. In meinem Bekanntenkreis hatte (2003) so etwas vielleicht jeder dritte. Jedoch ist heute der Trend schon wieder rückläufig, auch die MD entwickelt sich langsam zum Auslaufmodell. Die MD hat in etwa das Format einer 3,5"-Diskette und ist somit optimal für den mobilen Einsatz (Joggen, Bus/Zug…). Vorteil gegenüber der CD: man kann nachträglich löschen, verschieben und editieren. Da die MD mit einem Datenkompressionsverfahren arbeitet, ist der Klang ein wenig schlechter als bei der CD-R, fällt aber kaum bis gar nicht auf. Da der Datenträger in einer Art "Kassette" untergebracht ist, ist die Oberfläche vor Kratzern geschützt. Von daher ist die Lebensdauer einer MD höher als die einer CD-R oder Musikkassette. Ein großer Nachteil ist der Preis, so sind die Medien teurer als CD-Rohlinge, und die Geräte bewegen sich preislich im Bereich der HiFi-CD-Recorder. Wer wie ich mehr als eine stationäre Anlage besitzt, müsste sämtliche Anlagen aufrüsten, so dass für mich MD schon mal nicht in Frage kommt. Außerdem habe ich schon so viele CDs, warum dann noch ein Format mehr? Das würde die Sache nur noch komplizierter machen.
VORTEILE: kompaktes, sehr robustes Format, sehr gut für mobilen Einsatz, nachträgliches Löschen und Editieren möglich, einigermaßen gute Verbreitung, Zugriffszeit siehe CD, besser vor Beschädigungen geschützt als die CD oder MC.
NACHTEILE: der Preis (vor allem wenn man deswegen mehrere Anlagen aufrüsten muss), Klang evtl. geringfügig schlechter als CD, deutlich weniger MD- als CD-Player vorhanden, heute bereits wieder Auslaufmodell.
EMPFEHLENSWERT: für den mobilen Einsatz ja. Ansonsten, wenn Ihr schon CD-Brenner und vor allem mehrere CD-Player habt, bleibt bei der CD, ist billiger und klanglich zumindest genau so gut. Wenn man vorher gut überlegt, was man aufnimmt, und die Lieder im WAV-Format vorher gut nachbearbeitet, ist die fehlende Löschmöglichkeit bei der CD auch nicht mehr so ein schwerwiegender Nachteil.
DAS DIGITAL AUDIO TAPE (DAT)
Sollte ab Ende der 80er Jahre Nachfolger der Kompaktkassette werden, hat sich aber nicht durchgesetzt. Wahrscheinlich waren die Medien und Geräte immer schon zu teuer. Heute fast nur noch im Studiobereich zu finden, Neugeräte quasi für Privat kaum noch erhältlich. Klanglich sehr gut, mindestens so gut wie die anderen Digitalmedien, wenn nicht sogar noch besser, wie ich schon mal gelesen habe. Bänder werden heute oft als Sicherungsmedien für Computerdaten eingesetzt. Kein schlechtes System, aber da DAT ein BAND ist, Zugriffszeit siehe Kassette.
VORTEILE: gute Klangqualität.
NACHTEILE: kaum noch Verbreitung, teuer, ist halt ein Band (Zugriffszeit).
EMPFEHLENSWERT: nicht mehr, außer im Studiobereich
DIE DIGITAL COMPACT CASSETTE (DCC)
Nächster Versuch für den Nachfolger der Kompaktkassette, Anfang der 90er war dies eine von Philips entwickelte Digitalkassette. Handhabung und Zugriffszeit wahrscheinlich ähnlich wie bei DAT, allerdings konnte man mit diesen Geräten auch seine alten MCs abspielen, allerdings in etwas schlechterer Qualität als beim Kassettendeck. Dies sollte den Übergang vom alten aufs neue Format erleichtern. Die Produktion der Geräte und Bänder wurde sehr schnell wieder eingestellt, da sich das Format nicht durchsetzte.
VORTEILE: besserer Klang als MC, aber sonst?
NACHTEILE: quasi keine Verbreitung mehr, Zugriffszeit, Medien und Geräte nur noch gebraucht erhältlich, wenn überhaupt, mit Sicherheit ein Exot unter den Medien.
EMPFEHLENSWERT: auf keinen Fall. Mit 8-Track-Cassetten aus den 70ern (USA) kann man wahrscheinlich auch nicht viel mehr anfangen.
MP3
Vermutlich das heute am meisten verbreitete Format, noch häufiger als die CD-R mit Audio-Tracks. Auf fast jeder PC-Festplatte schlummern Dateien mit dieser Endung. Über P2P-Filesharing-Programme wie KaZaA oder WinMX konnte man sich jahrelang alte und neue Songs auf die Festplatte laden und hatte unbegrenzte Möglichkeiten, an seine gewünschte Musik zu kommen. Aber Vorsicht! So etwas ist der Musikindustrie schon seit langem ein Dorn im Auge, und der Download aus solchen Quellen kann rechtlich verfolgt werden. Aus dem Grund rate ich von dieser Methode der Musikbeschaffung ab, zumal die Qualität oft zu wünschen übrig lässt (gibt es diese Tauschbörsen überhaupt noch?). Aber der Trend geht immer mehr in die Richtung, dass man legal MP3s im Internet kaufen kann. Erst ab einer Rate von 192 kB werden annähernd (!) CD-Qualitäten erreicht. Aber MP3 ist nicht generell illegal. Man kann z.B. auch seine eigenen CDs mit Hilfe von Software in MP3s umwandeln, oder sogar seine alten Platten und Tonbänder (erst als WAV aufnehmen, dann in MP3 umwandeln). Als Aufnahmemedium ist das allerdings sehr umständlich. Der MP3-Player für den mobilen Einsatz hat inzwischen so ziemlich alle Walk- und Discmen abgelöst, die Speicherkapazität hängt vom Modell und Fabrikat ab (iPod's können ganze Musiksammlungen "mobil" machen, andererseits gibt es auch Handys mit MP3-Playern, für eine längere Busfahrt etc. sollte es reichen). MP3s sollten unbedingt auf CD- oder DVD-Rohlingen gesichert werden, denn geht die Festplatte mal kaputt, oder man fängt sich einen Virus ein bzw. zerschießt sein Windowssystem, ist die ganze Musiksammlung futsch. Hat man diese CDs erst mal, so lesen viele DVD- oder auch CD-Player neuerer Bauart auch dieses Format, so dass man MP3s über die Stereoanlage auch ohne PC oder MP3-Player hören kann. Viele neue Autoradios lesen dieses Format inzwischen auch von CD-R.
VORTEILE: sehr weit verbreitet, wenig speicherintensiv, MP3-Player im mobilen Einsatz heute Standard, großes Angebot im Netz (legaler Kauf), Platz sparend, auch geeignet zum Probehören (Internet) vor dem Kauf einer CD.
NACHTEILE: viele Downloads sind illegal, Qualitätsunterschiede je nach Bitrate und Quellmaterial, Aufnahme recht kompliziert, oft Anschluss von PC an Stereoanlage notwendig.
EMPFEHLENSWERT: als einziges Aufnahmemedium nicht unbedingt, aber auf jeden Fall vorteilhaft im mobilen Bereich, auch gute Alternative für Kinder-/Jugendzimmer oder auch Studentenbuden, wo zum einen das Geld, zum anderen der Platz für eine Stereoanlage nicht ausreicht - dann wird die Musik halt über den PC gehört. Sehr empfehlenswert im mobilen Bereich.
WAV
Im WAV-Format kann man Musikaufnahmen verlustfrei auf der Festplatte seines Computers speichern. Wird der Computer an eine Stereoanlage angeschlossen, so hat man beste HiFi-Qualität! Aber man braucht natürlich etwa 10x mehr Festplattenspeicher als bei MP3, wobei dieses Problem in Zukunft vernachlässigt werden kann, denn Speicherplatz wird immer günstiger. Da Festplatten auch mal kaputt gehen können, gilt hier dasselbe wie für MP3: regelmäßig sichern!
VORTEILE: für PC-Besitzer die wohl günstigste Aufnahmemöglichkeit, ein verlustfreies Format
NACHTEILE: im Mobilbetrieb wegen der Dateigröße unbrauchbar, PC muss für wirklichen HiFi-Genuss an Stereoanlage angeschlossen sein.
FAZIT
Welches der hier vorgestellten Systeme für den einzelnen Anwender am besten geeignet ist, das muss jeder selbst herausfinden. Das hängt wie gesagt von Faktoren wie finanzielle Mittel, vorhandene technische Gegebenheiten, Einsatzbereiche oder Anforderungen ab. Für die meisten kommen sicherlich CD-R oder MP3/WAV in die engere Auswahl. Die Kassette ist neben der MD noch bedingt eine Alternative (aber sicher nicht mehr oft als neu hinzukommendes Medium), Tonband und DAT sind mehr etwas für Fans und Liebhaber, die DCC wird wohl gar nicht mehr in Frage kommen.
Meine persönliche Wahl: In meinem Haushalt hat sich die CD-R als wichtigstes Aufnahmemedium durchgesetzt, und zwar ergänzen sich beide Brennertypen (Audio und PC) gegenseitig. Im Wohnzimmer wird bei mir das analoge Signal (Schallplatte, Radio, früher auch MC und VHS) erst mal auf eine CD-RW (Audio) aufgenommen, diese wird dann am PC, der in einem anderen Raum steht, nachbearbeitet und endgültig gebrannt. Mittlerweile könnte ich auch mittels einer neu hinzugekommenen Anlage direkt von Schallplatte zum PC überspielen, aber im Wohnzimmer habe ich meine besten HiFi-Komponenten, und solange mein Audio-CD-Recorder und die Rohlinge noch funktionieren, verwende ich diese Möglichkeit weiterhin. Ich war als Kind, Jugendlicher und junger Erwachsener ein sehr großer Kassettenfan, schließlich gab es damals noch nichts anderes (außer den für Schüler und Azubis nicht erschwinglichen Formaten wie Tonband und später DAT). Hunderte von Kassetten sammelte ich. Als Ende der 90er die ersten HiFi- und PC-Brenner aufkamen, war ich dann dabei, und schnell wusste ich die Vorteile zu schätzen. Zwischen 2001 und 2003 wandelte ich dann meine ganze bestehende Kassettensammlung entweder ins CD-R-Format um, oder ich kaufte die aufgenommenen Komplettalben als LP oder CD nach, so dass ich auf die Kassette als zweites Tonträgerformat inzwischen komplett verzichten konnte. Die Minidisc kam nie in Frage für mich, weil ich zur Zeit des "Booms" leider eine berufliche Niederlage erlebte, arbeitslos wurde und so weiter - und das bei den hohen Preisen für MD-Recorder. Die CD-R ist für mich ausreichend, außerdem besitze ich 2 stationäre Anlagen und einen CD-Spieler im Auto. Das müsste ich sonst alles für viel Geld einzeln aufrüsten. Aufgrund meiner Geldknappheit kam auch wohl meine Entscheidung zustande, mich von allen Kassetten und Kassettendecks zu trennen, denn ich brauchte dringend Geld, und da es sich um 4 Decks der Oberklasse handelte (die nachher kaum noch genutzt wurden), war (2003) auch noch ein einigermaßen ordentlicher Verkauf möglich. MP3 spielt bei mir nur eine Nebenrolle, ist ganz nett, wenn man mal am PC Musik hören will, aber MP3-Download ist abgesehen von der rechtlichen Sache sowieso nicht mein Ding, da ich die aktuelle Chartmusik nicht mag und bei älteren Sachen mit der Qualität selten zufrieden wäre. Als Alternative nutze ich jedoch eins der legalen Downloadportale, die haben aber wieder ihr "eigenes" Format (WMA). Dieses überspiele ich wiederum analog in Echtzeit in WAV, damit ich diese Lieder auch als normale CD hören kann, z.B. im Auto.