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Alkohol als Schmerzmittel

Autor: Abaton
Beschreibung:

Eine ungewöhnliche Art in die Alkoholsucht zu geraten

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1. Teil
von: Abaton |  03.10.2009 05:44:36
Bestimmt ein halbes Leben kenne ich nun bereits schon einen meiner besten Freunde und eine Geschichte, die ich zu einem Teil selbst miterlebt und zum Anderen von ihm erzählt bekommen habe, versetzt mich auch heute noch immer in Erstaunen. Das Ganze ist jetzt zwar schon viele Jahre her, doch wusste ich nicht, wenn ich ihn darauf ansprechen würde, ob ich nicht alte Wunden dadurch aufreiße? Nur um das, was ihm damals widerfahren wahr, hier berichten zu dürfen, bräuchte ich natürlich seine Erlaubnis. Da ich eigentlich ein ganz gutes Gefühl hatte und ich von ihm wusste, dass er es gar nicht leiden konnte, wenn man wie eine Katze um den berühmten heißen Brei schlich, erzählte ich ihm von meiner Idee und sagte mir, dass ich sofort davon aufhören würde, wenn ich ein Unbehagen erkennen würde. Aber er war sofort hell auf begeistert und sagte, dass so das Ganze dann im Nachhinein, doch noch einen vernünftigen Sinn bekäme und eventuell Andere davor gewarnt würden, dass sie nicht den gleichen Fehler begingen. Es fing ohne Ankündigung an und begann auch nicht schleichend. Von einer Sekunde auf die Andere, waren sie plötzlich eines Tages da...., höllische Schmerzen in der linken Taille. Ähnliches hatte er schon mal Jahre zuvor erlebt, als kleine Nierensteine den linken Harnleiter herunter wanderten und Kolikschmerzen auslösten. Sie waren damals schon kaum zu ertragen und hatten es in sich. Aber das jetzt, das war ein völlig anderes Kalieber. Das war ein dumpfer, schwerer Schmerz, der bis an die Substanz ging und Todesangst auslöste. Von seinem Hausarzt bekam er sofort eine Überweisung zum Urologen, denn dass es etwas mit den Nieren zu tun hatte, war schon mal sicher. Dort wurden dann die üblichen Untersuchungen gemacht,nebst Röntgen der Nieren. Als er dann die Diagnose erhielt, war er erleichtert, denn er hatte schon mit dem Schlimmsten gerechnet. Aber der Urologe meinte, das seine Blutwerte völlig OK wären und das die Röntgenbilder auch nichts auffälliges zeigen würden. Da er ja früher schon mal mit Nierensteinen zu tun gehabt hatte, würde der Arzt auf Nierengrieß tippen, der auf den Weg durch den Harnleiter, dann diese schlimmen Schmerzen verursachen würde. Mit dem bloßen Auge könnte man das im Urin nicht erkennen, da es mikroskopisch kleine Kristalle seien. Gegen die Schmerzen würde er ihm etwas verschreiben und dann müßte der Spuk eigentlich in ein paar Tagen wieder vorbei sein. War er aber nicht!!! Zu Hause sah ich ihn mehr schräg liegen als sitzen auf seinem Sofa, mit einem Kissen in die linke Seite gedrückt, um die Schmerzen auszuhalten. Als ich ihn nach dem Schmerzmittel fragte, lachte er gequält und sagte: "Wenn ich dieses Zeug nehme,dann wird es mir zu allem Anderen auch noch Übel dazu. Gegen diese Schmerzen, ist das viel zu schwach". Er hielt mir ein Fläschchen Novalgin entgegen und ich wusste Bescheid. Meine Mutter und meine Schwestern nahmen es gelegentlich, wenn sie mal von Kopfschmerzen, oder den üblichen Frauenbeschwerden traktiert wurden. Ich schüttelte nur den Kopf und riet ihm, gleich Morgen noch einmal zu diesem Arzt zu gehen und sich dann etwas anderes verschreiben zu lassen. Er sagte mit einem drohenden Unterton, dass er das sowieso vor gehabt hätte und erzählte dann noch, dass er etwas festgestellt hätte. Wenn er sich das Kissen so in die Seite drücken würde und sich ruhig verhielte, dann ginge es mit den Schmerzen. Und ebenso meist immer kurz danach, wenn er was gegessen hätte, dass dann sogar die Schmerzen für eine gewisse Zeit, ganz weg wären. Nur wehe wenn er sich bewege, oder aufstünde, dann ginge es sofort wieder zur Sache. Ich weiß noch, wie ich darauf hin damals vorausahnend zu ihm sagte, dass ich dass ungute Gefühl hätte, das seine Schilderung irgend wie gar nicht zu der Diagnose des Arztes passen würde. Worauf er meinte, dass er genau das Gleiche gedacht hätte. Als ich ging, sagte er mir noch, dass er mit dem Arzt mal ein paar klare Worte sprechen würde. Ich wünschte ihm viel Glück und dachte so für mich, dass ich gespannt wäre, wie diese Sache wohl ausgehen würde? Nichts ahnend, dass das noch nicht einmal der Anfang sein sollte. Als ich dann am nächsten Tag zu ihm kam, traute ich meinen Augen kaum und dachte im ersten Moment, das alles gut ausgegangen und vorbei sei und er dass nun feiern würde. Der ganze Tisch stand voller Bierflaschen...., wovon einige bereits leer waren. Aber sein Gesicht sah gar nicht so nach feiern aus. Damit er sich noch erinnert, dass ich einer von den Guten war, sagte ich: "Na mein Freund, was gab´s denn heute beim Onkel Doktor"? "Onkel Doktor, dass ich nicht lache", gab er leicht angeschlagen zurück. "Du wirst es nicht Glauben", sprudelte es nun aus ihm heraus,"mir ist heute von ärztlicher Seite aus, das Saufen verordnet worden". "Ja sicher", entgegnete ich,"und das bestimmt auch noch auf Kassenrezept, nicht war? Wenn er noch auf hat, dann gehe ich gleich auch noch eben bei ihm vorbei und besorge mir eins", juxte ich weiter. "Pass mal auf", begann er jetzt im gewichtigem Ton,"ich war heute Morgen wieder da und stellte ihn zur Rede, was ich bei diesen Schmerzen denn mit Novalgin soll? Das es mir schlecht davon würde und das es rein gar nichts Nutzen würde. Darauf hin fing er dann so linkisch an und fragte mich doch glatt, welches Opiat er mir denn verschreiben solle? Als er dann noch einiges davon aufzählte, platzte mir der Kragen und ich fragte ihn auf den Kopf zu, was er mir da eigentlich unterstellen wolle und das ich mit keiner Silbe etwas von Opiaten gesagt hätte. Nur eben, dass das was er verschrieben hatte, nichts nutzt und sonst nichts. Er merkte wohl, dass er bei mir an der falschen Adresse mit seinen Spielchen war und entschuldigte sich bei mir. Meinte aber, dass ich doch den Befund kennen würde....! Das Blut und Röntgenbild in Ordnung gewesen wären und dass er da nichts anderes verschreiben könnte. Ich solle mal jeden Tag zwei bis drei Flaschen Bier trinken und dann würde sich das auch wieder geben". Ich kam aus dem Staunen nicht mehr heraus und hörte mich sagen: "Das gibt´s doch gar nicht! Hat der sie noch alle?" "Tja", sagte er, "jetzt weißt du Bescheid, so sieht´s aus". Als ich dann zwei, drei Tage später wieder zu ihm kam, wir telefonierten aber täglich in jener Zeit, war eigentlich noch alles beim Alten; außer eines, statt der Bierflaschen, standen jetzt Weinflaschen auf dem Tisch. "Bist du jetzt vornehm geworden?", fragte ich ihn lachend. "Mach du dich mal immer lustig über einen alten, kranken Mann", gab er zurück. "Du weißt doch", sagte er, "das Bier eigentlich so richtig nie mein Fall gewesen ist und dass ich, wenn überhaupt, dann schon eher mal ein leckeres Glas Wein getrunken habe. Das Bier ist mir einfach zu bitter und dann die ewige Rennerei zur Toilette". "Und das hast Du jetzt beim Wein nicht?", fragte ich ihn. "Eigentlich nicht", meinte er. "Wie eigentlich? Was heißt das?" fragte ich nach. "Ganz einfach! Früher, als ich mal zwei,drei Gläser Wein getrunken habe, hatte ich ja nicht viel, um es dann zum Klo zu bringen. Aber jetzt, bei vier, bis fünf Flaschen am Tag, da ist es wieder genau so wie beim Bier". "Waaaaaas", rief ich erschreckt aus, "vier, bis fünf Flaschen, an einem Tag? Bist du verrückt? Ich dachte, dass das für mehrere Tage wäre, was Du hier immer hattest?" Mittlerweile war er dazu über gegangen und stellte nun die Flaschen auf dem Boden, neben dem Tisch. "Du vergisst, dass ich das Zeug nicht zu meinem Vergnügen trinke, sondern nur um die Schmerzen weg zu bekommen. Und ich hatte es satt gehabt, dass ich mich von morgens bis abends nur noch gekrümmt habe und mit dem Kissen auf dem Sofa hing. Ich finde den Zustand echt zum Kotzen", meinte er weiter, "und mir ist es auch unerklärlich, was Alkoholiker so gut an dem Rausch finden. Ich habe täglich das Gefühl, als wenn mein Kopf so groß wie eine Melone wäre und die wiederum aus zähem Kaugummi bestehen würde. Du weißt selbst, dass ich meine Angelegenheiten immer viel lieber mit einem klaren Kopf erledigt habe, als jetzt so. Aber was soll ich denn machen?", fragte er mich resignierend. Darauf konnte ich ihm auch keine Antwort geben, so gerne wie ich es getan hätte und so langsam bekam ich ein mulmiges Gefühl, was meinen Freund anging. Am nächsten Tag erzählte er mir am Telefon, dass er jetzt die Lösung gefunden hätte, wollte es mir aber nicht sagen, sondern zeigen. Was das wohl wieder sein wird, dachte ich bei mir. Denn in der letzten Zeit, war er wirklich laufend für eine Überraschung gut, wie man so sagt. Noch am selben Tag, fuhr ich wieder zu ihm. Ohne große Umschweife, kam ich sofort zum Thema und sagte: "Na, erzähl mal, was es neues gibt?" "Fällt dir nichts auf?", gab er zurück. Ja, die Wohnung sah wieder ordentlicher und aufgeräumter auf. Auch waren alle Flaschen spurlos verschwunden. Und noch bevor ich etwas sagen konnte, fing er selbst an zu erzählen. "Du weißt ja, dass ich dir letztens sagte, dass ich das Zeug ja eigentlich nur trinke, um die Schmerzen los zu werden. Also sagte ich mir, da ich den Alkohol wie ein Schmerzmittel benutze, wäre es doch eigentlich viel effektiver, wenn ich ihn in konzentrierterer Form zu mir nehme? Wo ich vorher ein, zwei Flaschen Wein brauchte, trinke ich jetzt ein, zwei Pinnekes Schnaps, spüle es mit Orangensaft nach und fertig". Ja, aus seiner Sicht hörte es sich ganz vernünftig an, aber aus der Sicht des gesunden Menschenverstandes wohl eher nicht. Und so sagte ich ihm das auch, dass ich ein ganz komisches Gefühl bei der Sache hätte. Aber er versuchte mich zu beruhigen, dass das ja doch sowieso alles sofort zu Ende wäre, so bald die Schmerzen wieder fort wären. Und das der Arzt ja auch gesagt hätte, das der Nierengrieß auch wieder verschwinden würde. "Ja", mahnte ich, "in ein bis zwei Wochen sollte es wieder fort sein, nur jetzt sind bereits schon über zwei Monate vergangen". Aber er brachte wieder nur die gleichen Einwände wie bisher. Und mit dem einzigen Gescheiten was man in so einem Fall täte, nämlich in´s Krankenhaus zu gehen, damit brauchte ich ihm erst Recht nicht zu kommen, denn davor hatte er eine Heidenangst. Das was dann kam, erzähle ich am Besten in der Zeitraffer. Aus den anfänglichen paar Pinnekes Korn, wurde eine Flasche pro Tag. Dann kam Doppelkorn, dann Weinbrand, dann Whisky und zu guter letzt, eine Flasche 54%iger Rum, pro Tag. Vom anfänglichen Bier bis zu dieser Dröhnung, kann man wohl getrost so sagen, verging gerade mal ein Jahr. Was meinen Freund aber dann doch noch dazu bewegte, die Reißleine zu ziehen, wie er zu Lebzeiten den Vorhof der Hölle kennen lernte und was tatsächlich hinter dieser ganzen Geschichte steckte, erzähle ich dann im zweiten Teil.
 

Tags: 

Alkohol,Abhängigkeit,Sucht,Therapie,Delirium,Entzug

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