Heute möchte ich einen zwar schon älteren, aber immer noch recht guten HiFi-Tuner vorstellen: den Akai AT-57.
Dieser Bericht entstand bereits 2005 und wurde von mir damals unter meinem alten Account bei ciao.de und yopi.de schon mal veröffentlicht. Die jetzige Neubearbeitung von 2009 erscheint bei preisvergleich.de und typeer.de.
WOFÜR BRAUCHE ICH EINEN TUNER?
Bei der Gerätegattung „Tuner“ handelt es sich um ein Radio-Empfangsgerät, welches keinen eigenen Verstärker besitzt. Um das Radiosignal also auch hören zu können, muss der Tuner an einen separaten Stereo- bzw. Raumklang-Verstärker angeschlossen werden. Das unterscheidet sich vom Receiver, bei dieser Gerätegattung befinden sich Verstärker und Empfangsteil in einem Gehäuse.
Tuner sind heutzutage nicht mehr ganz so populär, da heute wieder mehr Receiver auf dem Markt sind – und auch bei den immer beliebter werdenden gebrauchten „Hifi-Klassikern“ aus den 70ern die Receiver wesentlich höher im Kurs stehen. Diese Receiver waren bereits in den 60er und 70er Jahren bei einer Stereoanlage der mittleren Klasse üblich, häufig wurde so ein „Teil“ noch Steuergerät genannt (besonders bei den deutschen Herstellern von damals). Heute werden auch wieder mehr Receiver als reine Verstärker/Tuner produziert, vermutlich aus Kostengründen. In den 80er und 90er Jahren waren Verstärker und Tuner als „getrennte Kombination“ mehr verbreitet – mir wurde diese Kombination (Verstärker und Tuner einzeln) damals immer empfohlen beim Kauf einer Anlage.
Ehrlich gesagt würde ich heute als absoluter Neueinsteiger auch einen Receiver kaufen, allein schon weil ich nicht mehr so viel Radio höre wie in den 80ern – und das Radioprogramm trotz Sendervielfalt auch einfach nicht mehr das ist, was es mal war. Einen Tuner würde ich aber auch weiterhin immer dann empfehlen, wenn schon ein Verstärker (ohne Radioteil) vorhanden ist, genügend Platz für ein zusätzliches Gerät vorausgesetzt. Außerdem sind Tuner heute z.B. bei eBay häufig als Schnäppchen zu erwerben, viele sogar zu einstelligen Preisen.
DER AKAI AT-57
Der Akai AT-57 ist einer von vier Tunern (Receiver nicht mitgezählt), die ich insgesamt längerfristig hatte in meiner „HiFi-Karriere“. Gekauft hatte ich ihn Ende 1992 neu für knapp 500 DM (ca. 250 Euro), was für einen Tuner ein recht hoher Preis war. Dieses Modell war sehr lange auf dem Markt, von 1991 bis Ende der 90er Jahre. Dieser lange Produktzyklus war typisch für einige Top-Modelle von Akai (u.a. hatte ich auch mal das legendäre Tapedeck GX-75 II, das auch so lange auf dem Markt war), und so etwas sollte schon für Qualität sprechen. Auch ich wurde von diesem Produkt nicht enttäuscht!
Sehr auffällig ist, dass das Gehäuse dieses Tuners noch aus Metall besteht. Somit macht das Gerät einen recht soliden Eindruck (gleiches gilt auch für die anderen Akai Komponenten, die ich mal hatte, die stammten alle aus demselben Produktionszeitraum). Heute sind ja leider die meisten Gerätegehäuse nur noch aus Kunststoff, auch bei den teureren Einzelkomponenten. Man bedenke, dass der AT-57 ein Modell aus den 90er Jahren ist, auch damals war es leider schon nicht mehr selbstverständlich, dass man ein Gerät mit Metall-Gehäuse erwirbt. Akai baute aber in der ersten Hälfte der 90er Jahre noch gut verarbeitete Geräte. Die Gehäusefarbe meines Tuners war übrigens schwarz.
Wie es in dieser Zeit schon lange Standard war, handelt es sich natürlich um einen so genannten „Quarz-Synthesizer-Tuner“. Darunter versteht man Tuner mit digitaler Frequenzanzeige. Viele der jüngeren Leser werden nichts anderes kennen, aber die Tuner und Receiver, die bis etwa Anfang der 80er Jahre auf dem Markt waren, hatten in der Regel eine große, meistens schön beleuchtete Skala, auf der die Frequenzen abzulesen waren, und der Sender wurde mit Hilfe eines Drehkondensators mit der Hand eingestellt. Dieses System findet man heute nur noch bei Kleinradios (allerdings nun ohne die schöne Hintergrundbeleuchtung und mit nur sehr kleinem Drehrad), während Tuner der letzten ca. 25 Jahre nur noch mit Digitalanzeige ausgestattet sind, welche sowohl Vor- als auch Nachteile besitzt (mal abgesehen von der Optik, welche sicherlich Geschmackssache ist). Darauf komme ich im weiteren Bericht noch zurück.
DISPLAY UND BEDIENUNG
Beim AT-57 befindet sich dieses große Display in der Mitte der Gerätefront. Abzulesen ist hier natürlich die Frequenz (z.B. „96,2 MHz“), die Welle (UKW oder MW), Stereo-Empfang oder nicht, sowie mehrere Anzeigen über die Stärke/Qualität des empfangenen Signals.
Unter dem Display befindet sich eine Zehnertastatur, ähnlich wie beim CD-Player. Mit dieser kann man die Festspeicher auswählen. Dieses Gerät hat insgesamt 30 Speicherplätze (für UKW und MW insgesamt, also nicht getrennt), was auch bei der heutigen Sendervielfalt mehr als ausreicht. Ihr könnt also Eure Lieblingssender abspeichern und „per Knopfdruck“ wieder abrufen – vergleichbar ist das mit den Programmplätzen eines Fernsehers. Das ist meines Erachtens der Hauptvorteil der heutigen digitalen Anzeige. Bei einigen teureren Analoggeräten gab es zwar auch schon mal Senderspeicher, jedoch waren die sehr begrenzt (meist nur 5 oder 6) und auch manueller Natur. Mehr elektronische Senderspeicher hatten die allerersten Tuner mit Digital-Display Anfang der 80er Jahre auch häufig noch nicht.
Eine ganz besondere Funktion hat dieser Tuner auch noch: Nehmen wir mal an, wir hören gerade auf „107,6 MHz“ UKW, wollen aber das Programm wechseln, und zwar „90,2 MHz.“ Der Wunschsender ist nicht abgespeichert. Nun kann man also hingehen und die Abstimmtasten „Up“ und „Down“ so lange drücken, bis wir bei 90,2 angekommen sind. Dabei macht die automatische Senderwahl natürlich bei jeder Frequenz Halt, die einigermaßen stark zu empfangen ist. Das kann sehr langwierig sein, aber bei den meisten Tunern ist das so. Da ging das sogar bei den Analog-Radios schneller, indem man einfach „weiterkurbelte“.
Dieser Akai besitzt jedoch noch eine weitere Möglichkeit, nämlich die Verwendung der Zehnertastatur! Man drücke einfach die Taste für Direkt-Abstimmung (die befindet sich im Tastenblock unter den Abstimmtasten), drücke dann auf der Zehnertastatur die „9“, dann die „0“ und schließlich die „2“, und schon ertönt das Programm des Wunschsenders, ohne „Umweg“. Diese Funktion hatte ich sehr zu schätzen gelernt.
Dafür gibt es aber auch einen Nachteil aus heutiger Sicht. Das Gerät ist ja schon von 1991, und damals war RDS (Anzeige des Sendernamens) noch lange nicht in aller Munde. So ist dieses Gerät leider nicht mit RDS ausgestattet. Im Display wird also nur die Frequenz als Zahl angezeigt, man sieht nicht den Namen des Senders. Das finde ich persönlich nicht so gut, da es ja heute eine Vielfalt von Sendern gibt – und 30 Programmplätze sind ja auch eine ganze Menge. Ich kann mir einfach die Frequenzen nie merken, vor allem seit ich Kabelanschluss habe, denn da sind die Frequenzen ganz andere als früher zu Antennen-Zeiten bzw. beim Autoradio oder Radiowecker. Da wäre RDS schon ganz hilfreich gewesen – andererseits vermisse ich es auch nicht so sehr bei dem „bisschen“ Radio, das ich heute noch höre.
Der zweite Nachteil ist die fehlende Fernbedienung für dieses relativ moderne Gerät. Diese kann man auch nicht separat kaufen. Die Vorteile einer Fernbedienung können nur diejenigen genießen, die einen passenden Akai-Verstärker ihr eigen nennen (Systemfernbedienung). Und passende Akai-Verstärker sind heute auf dem Gebrauchtmarkt sehr teuer. Wenn man also einen guten Verstärker schon hat, lohnt es sich nicht, nur der Fernbedienung wegen umzusteigen.
DER EMPFANG
Nun ein paar Worte zum Empfang bzw. dessen Möglichkeiten. Wie oben schon angedeutet, kann man UKW und MW empfangen.
UKW kann zum einen mit einer mitgelieferten „Wurfantenne“ empfangen werden, jedoch finde ich das nicht sinnvoll. Während alte Radios damit oft noch einen guten Empfang haben, kommen modernere Radios damit in der Regel nicht mehr gut zurecht (starkes Rauschen, nur Mono möglich, etc.). Empfehlenswerter ist schon die UKW-Hausantenne bzw. der Kabelanschluss. Mit Hilfe eines Koaxial-Kabels wird der Tuner mit der Kabel-/Antennen-Steckdose in der Wand verbunden – und man empfängt die verfügbaren Sender in bestmöglicher Qualität.
Auch hier gibt es eine Besonderheit, die ich (neben der Frequenz-Direktwahl) bisher bei anderen Tunern nicht fand: Man kann 2 Antennen bzw. Kabel und 1 Antenne an diesen Tuner gleichzeitig (!) anschließen. In meinem Wohnort gibt es z.B. einen Lokalsender (der benachbarten Region), der nicht ins Kabelnetz eingespeist ist. Diesen habe ich per Antenne hören können, ohne umstöpseln zu müssen. Umschaltbar sind Antenne 1 und 2 bzw. Kabel und Antenne über eine Taste an der Gerätefront.
Zum UKW-Empfang an sich: Es wird oft behauptet, dass Digital-Tuner eine schlechtere Empfangsqualität besitzen als die älteren Analog-Tuner. Das mag oft zutreffen, aber mir ist das bei diesem Akai nur in geringem Maße aufgefallen. Diverse Vergleichsstücke habe/hatte ich nämlich, und zwar bin ich inzwischen wieder ganz auf klassische Analog-Receiver (und anfangs auch noch Analog-Tuner) umgestiegen. Als ich die Erstfassung dieses Berichtes schrieb, war der Akai noch in meiner Hauptanlage und ein älterer Yamaha-Tuner in der Zweitanlage.
Sämtliche ältere Tuner/Receiver, die ich inzwischen mal (auch kurzfristig) hatte (Yamaha, Denon, Grundig, Dual, Saba, Telefunken von 1967-81), haben mich zwar klanglich mehr überzeugt als der Akai, jedoch ist der Akai aber auch im klanglich oberen Bereich anzusiedeln, auf jeden Fall um Längen besser als viele „schwache“ Radioteile in so manchem neuen Surround-Receiver oder in modernen Kompakt- bzw. Mini/Midi-Anlagen. Abgesehen davon ist die Wiedergabequalität der Musik beim heutigen „Formatradio“ (10x am Tag dasselbe Liedchen von z.B. Lady Gaga oder P!nk, Werbung ohne Ende, etc.) ohnehin nicht mehr so ganz das, was sie mal war (immer und immer mehr komprimiert bis hin zum Klangbrei) – aber das scheint für die Hintergrundberieselung zu genügen. Ehrlich gesagt, zu etwas anderem als dieser Hintergrundberieselung benutze ich das Radio sowieso kaum noch. Für puren Musikgenuss verwende ich meine CDs und LPs.
Mittelwelle (MW) kann man damit auch hören. Dafür ist an der Rückseite des Tuners eine MW-Rahmenantenne angebracht. Der MW-Empfang ist wirklich sehr schwach und jaulend. In dem Bereich haben meine älteren Yamaha-Tuner alle etwas besser abgeschnitten – und übrigens die meisten Küchenradios und Radiowecker auch! Von MW mache ich aber schon seit Jahren absolut keinen Gebrauch (Radio Luxemburg und Europawelle Saar gibt’s ja nicht mehr in der alten Form), aber wer hört auch schon mit einer guten HiFi-Anlage MW? Für mich wäre der Tuner nicht schlechter bzw. nicht weniger empfehlenswert, wenn man mit ihm nur UKW empfangen könnte. Ich glaube, in den 80ern, als ich noch öfter MW hörte, waren allgemein die Empfangsbedingungen hier anscheinend überhaupt besser, denn auch mit meinen sehr alten Radios bekomme ich heute immer seltener einen MW-Sender rein.
DIE BEDIENUNGSANLEITUNG
Es handelt sich um ein nur 9-seitiges Heftchen im DIN A4-Format. Man bekam nur die deutsche Version, wenn man das Gerät in Deutschland gekauft hat. Die Bedienungsanleitung ist aber sehr gut verständlich und auch weitestgehend fehlerfrei geschrieben, was in der damaligen Zeit für japanische Geräte (Übersetzungen) noch nicht selbstverständlich war.
FAZIT
Ich empfehle diesen Akai AT-57 weiter, da es sich um ein (noch!) gut verarbeitetes Gerät mit guten Empfangseigenschaften handelt und er kaum Wünsche offen lässt (fehlendes RDS und fehlende Fernbedienung führen zum Abzug von je einem halben Stern – denn es ist ein Gerät aus den 90ern; den sehr schlechten MW-Empfang werte ich nicht, da man das nicht unbedingt braucht). Besonders hoch anzurechnen sind die beiden Extras in Form der Direktwahl und der zusätzlichen Antenne.
Obwohl ich gestehe, dass ich mir heute dieses Gerät kein zweites Mal kaufen würde. Dies liegt jedoch NUR an meinem persönlichen Geschmack, heute müssen es bei mir HiFi-Klassiker mit analoger Skala sein, dazu auch noch ausschließlich Receiver, es sind also nur Design-Gründe. Mit der technischen Leistung hat es nichts zu tun, dass ich mich heute nicht mehr für dieses Modell entscheiden würde. Von daher bewerte ich aus neutraler Sicht, es bleibt bei insgesamt vier von fünf Sternen. Eher halte ich die Ausstattung des AT-57 für heutige Ansprüche (Dudelfunk) sogar für etwas „überdimensioniert“ (z.B. die Möglichkeit der zwei Antennen).
Empfehlenswert ist dieser Tuner für alle, die schon einen hochwertigen HiFi- bzw. Surround-Verstärker haben und auf RDS verzichten können (vor allem „Gelegenheits-Hörer“). Und auch für diejenigen, die noch einigermaßen gutes, wertiges HiFi suchen, aber andererseits nicht solche Nostalgiker sind, dass es unbedingt eine Analogskala sein muss. So ein 90er-Jahre-Gerät wie der Akai ist ein guter Kompromiss zwischen alt und neu.
Weniger empfehlenswert ist dieser Tuner somit a) für diese Klassiker- und Analogfreaks (dazu gehöre ich ja mittlerweile wieder), b) für Vielhörer, die gern von Station zu Station „switchen“ (also RDS und Fernbedienung zu empfehlen), und c) für den Fall, dass eine ganz neue Anlage gekauft werden soll oder man den alten Verstärker/Receiver ausmustern will. Im Fall c) würde ich sagen, neuen Receiver kaufen. Gleiches gilt für alle, bei denen der Platz begrenzt ist und die Anlage so schlank wie möglich sein sollte.
Übrigens, inzwischen ist dieser Tuner längst nicht mehr in meinem Besitz, ich hatte ihn aber etwas mehr als 12 Jahre. Verkauft hatte ich ihn Anfang 2005, weil damals mein erster klassischer Receiver eingetroffen war und ich daher den Tuner „übrig“ hatte.
Von AKAI hatte ich insgesamt drei Audio- und drei Video-Geräte, überwiegend in den 90er Jahren. Dieser Tuner AT-57 war mein letztes AKAI-Gerät. Als letztes gekauft und auch am längsten in Benutzung!
Die Firma AKAI gibt es mittlerweile nicht mehr, zumindest in oder für Deutschland nicht. Somit dürfte es inzwischen mit Service ganz schlecht aussehen. Aber Tuner sind eigentlich auch sehr unproblematische und langlebige Komponenten.
Trotz allem kann ich diesen Akai-Tuner nur empfehlen, da er besser ist als vieles, was heute geboten wird. Günstig ist auch der Preis auf dem Gebrauchtmarkt (eBay), dieses für die 90er Jahre sehr solide verarbeitete Gerät wechselt für im Durchschnitt ca. 25 bis 30 Euro seinen Besitzer. Zu dem Preis verkaufte ich meinen Tuner auch damals, und heute hat sich das Preisniveau kaum geändert! Zwar noch lange nicht der günstigste Tuner, aber dennoch auf einem sehr akzeptablen Preisniveau!
Zum Schluss (wie immer) die Vor- und Nachteile:
PRO
- noch ziemlich solide Verarbeitung, was für das Baujahr schon recht ungewöhnlich ist
- recht passables (bezahlbares) Preisniveau
- hinreichend gute Empfangsqualität
- Direktwahl von Stationen per Zehnertastatur
- 30 Stationsspeicher
- 2 Antennen parallel zu betreiben (z.B. Kabel UND Antenne)
- passt optisch in viele Komponenten-Anlagen von ca. 1980 bis heute
CONTRA
- zwar schon relativ alt, aber leider kein wirklicher Klassiker (sieht dafür zu „modern“ aus)
- Klang- und Empfangsqualität zwar gut, aber dennoch teilweise unterhalb der echten Klassiker
- kein RDS
- nur mäßiger MW-Empfang
- keine Fernbedienung
- Häufigkeit (z.B. eBay) nur „mittel“
- teurer als sehr viele andere (klanglich mindestens gleichwertige) Tuner