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Aichner Ursula und Bernhard: A. Hofer

Autor: giselamaria
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Beschreibung:

gebundene Ausgabe

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Aichner Ursula und Bernhard, A. Hofer
von: giselamaria |  02.01.2010 16:28:03

Buchdaten:

Gebundene Ausgabe:
280 Seiten
Verlag: Skarabaeus
3. November 2009
Sprache: Deutsch

ISBN-10: 3708232674

ISBN-13: 978-3708232676

 

Die Autoren:

Ursula und Bernhard Aichner

Ursula Aichner, geboren 1976 in Klagenfurt, lebt in Innsbruck. Meisterfotografin, spezialisiert auf Werbe- und künstlerische Fotografie. Schreibt Lyrik und Prosa. www.fotowerk-aichner.at

Bernhard Aichner, geboren 1972, lebt als Schriftsteller und Fotograf in Innsbruck. Mehrere Literaturpreise und -stipendien. Zahlreiche Theaterstücke sowie Veröffentlichungen in Zeitschriften und Anthologien. Bei Skarabæus zuletzt: Schnee kommt. Roman (2009). www.bernhard-aichner.at


"Eine Heldentat, die Leben rettet. Eine ganz normale Frau, die sie vollbringt eine Heldin in dem einen entscheidenden Moment. Dann geht sie nach Hause und alles ist, wie es immer war. Niemand erfährt davon. Heute ist sie 86 Jahre alt und sitzt jeden Tag von eins bis zwei auf ihrer Veranda. Das Heldentum sieht ihr keiner mehr an, aber einmal im Leben war es groß genug, um die Welt zu verändern

Das ist eine von zwölf Frauen, die alle den Namen Andrea Hofer tragen und Heldinnen sind, jede auf ihre ganz besondere Art. Echte, vermeintliche oder von Medien gemachte Heldinnen, aber auch solche, die in ihrer Tat gescheitert sind. In ihren Texten und Fotografien spüren Ursula und Bernhard Aichner den Heroinen unserer Zeit nach und geben ihnen ein Gesicht. Ohne Zwang und Vorbehalt rücken sie den traditionellen Heldenkult ins rechte Licht und zollen den vergessenen und nicht zugelassenen Heldinnen der letzten 200 Jahre den ihnen gebührenden Tribut." (Klappentext)



Ich versuche mal, den Inhalt dieses Werkes zu beschreiben, das nicht nur Text beinhaltet, sondern auch sehr eindrucksvolle Fotos dazu impliziert.

Es sind 13 Kapitel, jedes Kapitel beginnt mit einer ganzseitigen in pink gehaltenen Seite, mit einer großen Zahl darauf.

‚01' zeigt zuerst ein Foto, wo eine Frau im Bett neben einem Mann liegt. Der Mann hat die Augen geschlossen, ist bärtig, die Stirn gerunzelt. Sie hat einen sorgenvollen Blick. - Die Geschichte dazu handelt von einem Paar, sie heißt Andrea Hofer, er heißt Björn Hofer, grade ist ein Baby angekommen, das auf den ausdrücklichen Wunsch des Vaters auch den Namen Andrea erhält. - Nun beginnt eine Phase, die ziemlich verrückt ankommt. - Es ist das 200-jährige Jubiläum des österreichischen Freiheitskampfes, wo Andreas Hofer eine allseits bekannte Figur war. - Und Björn entwickelt sich in ziemlich schnellem Tempo zu einem ‚Andreas-Hofer-Fetichist' - - Er lässt sich zunächst einen Bart wachsen, kauft sich dann die Tracht, läuft schließlich nur noch so herum, ist nicht mehr zugänglich, rührt seine Frau nicht mehr an, sie und das Baby interessieren ihn nicht mehr. Er ist total dem Wahn verfallen, Andreas Hofer zu sein. - - -

Die Geschichte hat ein überraschendes, aber interessantes Ende. - Es bleibt alles phantastisch, teilweise imaginär sind die Bilder der Geschichte. - Die Fotos, die weiter zu dieser Geschichte gehören, immer seitengroß, zeigen dann Björn, verkleidet als Andreas Hofer, in Tracht und mit Gewehr usw. -

Ich beschreibe nicht jedes Kapitel ausführlich, wäre zu viel verraten.

In Kapitel 02 geht es um eine Tennisspielerin, auch wieder eine Andrea Hofer, Nr. 1 in der Weltrangliste, die erzählt - nach einem grandiosen Sieg, nach einer Pressekonferenz - . - Fotos dazu zeigen zur Beschreibung, wie sie in einem total in schwarz gehaltenen Bad unter der Dusche steht, liegt, sich krümmt, immer das Wasser, das auf ihren nackten Körper perlt.

Kapitel 03 beschreibt eine Vergewaltigung, (an einer Andrea Hofer) auch wieder mit seitengroßen sehr ausdrucksstarken Fotos der Protagonistin erzählt.

Im 04. Kapitel gibt's keinen Text, es sind Frauen abgebildet, das Gesicht aber weiß, also unkenntlich, es geht um anonyme Frauen aus allen möglichen Berufen.

In Kapitel 05 geht es um eine makabere Geschichte, auf der ersten Seite ein Frauengesicht, das offen in die Kamera lacht. Die ganze Geschichte ist ein Dialog. -

Es geht darum, dass Andrea einen Freund, der oft bei ihr und ihren zwei Kindern ist, aber nicht ihr Liebhaber, an ihrem PC Seiten für Pädophile geöffnet hat, und sie das zufällig gesehen hat. - Er versucht ihr zu erklären, dass er niemals das ‚richtig' mit Kindern macht, mit ihren Kindern niemals, sie niemals angefasst hat. - Er versucht ihr auch zu erklären, dass das eine Krankheit ist, und dass er Hilfe braucht - - - -.

Die Fotos dazu zeigen dann, auch wieder seitengroß, das Gesicht dieser Frau, das sich wandelt, nachdenklich, besorgt, traurig, stirnrunzelnd, verzweifelt. Die Frau versucht, eine Hilfe für ihn zu schaffen, und zwar mit Hilfe einer Internetseite, und einem Outing, einer Pressekonferenz usw. - - wie das alles endet, lasse ich offen.

Nr. 06 ist sehr schwer zu verstehen, für mich.
Die Fotos zeigen zuerst eine maskenhafte Frau, also ein Kopf, der aussieht als sei er aus Plastik, ohne Haare, aber bei jedem Foto das dann folgt, bricht dieser Kopf, zuerst nur wenig, dann immer mehr, bis am Ende dieser Kopf nur noch aus Bruchstücken besteht.

Die Geschichte dazu ist in einem ungewöhnlichen, und sehr schweren, bzw. gar nicht zu verstehenden Stil geschrieben. Beispiel: "Das Kranke fiel nicht auf ihren Schweiß fantasiert knapp am Ende defibriliert ging die Türe plötzlich auf sie zu kam ein kleines Tier leckte lange den Fuß schmeckte ihr Salz so schön wie die Haut wieder zu Andrea wurde wieder lebendig selber aufgestanden war sie seit Wochen nicht mehr auf der Toilette gewesen alles im Bettzeug keine Bewegung bitte das war der Plan funktionierte sie fasste neuen Mut darf ich sie behalten dachte sie zweimal zum Essen mit gutem Geschmack da rannte ihr Herz davon und sie hinterher aber zu langsam um das Tier nicht zu töten." Ohne Punkt und Komma, und egal wo man einen Punkt oder Interpunktion anbringen möchte, imaginär, um den Text verstehen zu können, es passt keine, an keine Stelle. -

07 beschränkt sich auf einzelne Fotos von nackten Frauen, die in einer Liste von vielen ‚Andrea Hofer' erscheinen. Jedes Foto eine Seite.

Kapitel 08 beginnt mit einem ganzseitigen Foto einer blonden, kurzhaarigen, nicht nackten Frau, die sich auf einem Sessel, auf einem Sofa räkelt. - Die Geschichte dazu: Sie wohnt in einem Einrichtungshaus. Wird telefonisch interviewt von einem Stern-Reporter.

Sie wohnt dort schonmehr als zwei Jahre, mitten in diesem Möbelhaus, hat sich dort eingerichtet, alles wie sie es will, ist lebendes Inventar, das dem Besitzer einen großen Kundenansturm über Jahre beschert. - Es ist ein Dialog zwischen diesen beiden, sie, Andrea Hofer, und er, der Report vom Stern. Sie erzählt ihre Geschichte, will aber auch seine wissen, sie streiten sich, sie entschuldigen sich wieder, es ist ein sehr langes Gespräch, das dann unvorhergesehen endet…..

In Kapitel 09 geht es um Schwangerschaft, Geburt, Erlebnisse, Gedanken vor, während und nach einer Geburt. Alles ziemlich in nie vorher erzählter Genauigkeit. Es ist eine Persiflage eigentlich, grauenhaft in ihren Gedanken, die Realität dazwischen, dann wie es alle Frauen erzählen, warum sie so grauenhaft lügen über dieses schmerzhafte, grauenvolle Ereignis ….. An Fotos gibt's in diesem Kapitel nur drei ganzseitige Babyfotos.

Kapitel 10 besteht nur aus ganzseitigen Fotos, Text nur ganz vorne: "Seit ich eine Frau bin, ist alles gut" - Andrea Hofer, Kartitsch. Vom ersten Foto bis zum letzten sieht man die Verwandlung eines Männergesichts, wie es sich langsam zu einem Frauengesicht entwickelt.

Kapitel 11 zeigt mehrere Fotos von Frauen, die nicht schlank sind. Runde Gesichter, runde Bäuche, dicke Schenkel. Die Geschichte dazu ist auch wieder makaber. Es geht um eine Internetseite, wo eine Frau Mädchen anspricht, sich tot zu hungern. Sie selbst ist fett. -
Akribisch zählt diese Geschichte auf, mit welchen Mitteln und Magie hier versucht wird, junge Mädchen hörig zu machen, nur noch auf sie zu hören, das zu machen was sie sagt in ihrem Forum. Sie beschimpft sie zunächst als dicke Sau, fette Sau usw. - um sie dann dazu zu bringen, dass sie sich wirklich vor sich selbst ekeln und nichts mehr essen können. - - Die ersten zwei Fotos zeigen vermutlich diese Frau selbst, dann folgen einige Fotos von dicken Mädchen oder Frauen. -

Kapitel 12 widmet sich dem Alter schlechthin. Die Fotos zeigen riesige Vergrößerungen von Haut, wozu die Haut gehört, kann ich nicht feststellen, es sind tausend Runzeln und Falten. - Es geht um Erinnerungen - hier um die Erinnerungen von Andrea Hofer, als sie alt ist, und sich an bestimmtes nicht mehr erinnern kann oder will.

Kapitel 13 hat keinen Text, wenn ich davon absehe, dass als Hintergrund von den ganzseitigen Fotos von Frauengesichtern das Wort ‚Heldin' unendlich wiederholt wird.



Meine abschließende Meinung
Ein sehr schön aufgemachtes Buch, vom Einband bis zur Gestaltung hochwertig verarbeitet.

Die Fotografien sind alle Schwarzweißfotos, alle sagen sehr viel aus, sind sehr interessant, genau zu den Geschichten passend gestaltet.

Die Themen sind alle aus dem Leben gegriffen, nur eben in ganz besonderer Art und Weise, oft sehr diffizil und akribisch, in kaum sonst gekannter Weise aufgegriffen. -

Die Sprache direkt, nichts ist umschrieben, alles genau - oft bis in alle Einzelheiten - beschrieben. Auch wenn das auf Anhieb nicht in allen Geschichten so aussieht.

Die Fotografien haben alleine eine sehr große Aussagekraft, meisterlich fotografiert.

Das ganze Buch ist kein heiteres Buch, es gibt vieles zum Über- oder Nachdenken. Viel Kritik, ob an Sachzwängen, Menschen, ihren Verhaltensweisen, den Medien, aber auch an Vermarktung und Umgang mit Stars, Lebenssituationen, Verbrechen.

Aber hinterlässt dennoch kein negatives Gefühl, sondern rundet irgendwie ab, besonders das 13. Kapitel, das ohne Worte, auch nur wieder mit der Gestaltung dieser Frauenportraits, einen positiven Eindruck zum Abschluss vermittelt.


Leider darf ich aus Copyright-Gründen kein Foto hier mal zeigen.


 

Tags: 

Aichner Ursula und Bernhard, A. Hofer

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