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Affengeil!!!

Autor: Netty
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Franz Kafkas "Ein Bericht für eine Akademie", gekonnt dargestellt von Guido Schmitt - ein gelungener Theaterabend, der nebenbei noch erklärt, woher das Wort "Nachgeäfft" stammt.

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Affengeil!!
von: Netty |  23.05.2009 22:28:11

Zoo oder Bühne

Leichter Kampf gegen die Affennatur

Von der Goldküste ins Varieté

 

Brillantes Schauspiel vor wenigen Zuschauern im Brieselanger Theater

 

Regungslos liegt der Affe hinterm Pult. Im hellen Scheinwerferlicht beginnt er den Teppich zu beschnüffeln, findet einen alten Streichholz und zerknirscht diesen genüsslich zwischen den Zähnen. Doch dann erklimmt das von Guido Schmitt gespielte, haarige Tier den Pult. Der Schauspieler brachte Franz Kafkas berühmte Erzählung „Ein Bericht für eine Akademie“ wild gestikulierend und mit vollem Körpereinsatz auf die kleine Bühne des Brieselanger Theaters Phönix. Dass sich nur sechs Zuschauer für das äffische Vorleben des Schimpansen und seine Annäherung an den Menschen interessiert hatten, nahm Guido Schmitt gelassen.

    Sein oft gespielter Text entstand zum Ende des Ersten Weltkrieges und erzählt von der Menschwerdung des an der afrikanischen Goldküste eingefangen Affen „Rotpeter“.

Fünf Jahre trennen ihn bei seinem Vortrag vom Schimpansenleben im Busch. Das affenmäßig Gefühlte zeichnet das Tier mit Menschenworten nach und demonstriert zwischen die Beine seines Pultes geklemmt, wie eng die Transportkiste bei der Überfahrt nach Europa war. Wenn Besucher kamen, zog er mit Vorliebe die Hosen herunter. Der Zuschauer erlebt, wie Affen aus ihrem Bauchgefühl handeln, schamlos Flöhe weitergeben, ihren Käfig beknabbern und abschlecken.

Doch der Schimpanse wollte weiter kommen und sich nicht ewig an die Wand der Transportkiste drücken lassen. Er beobachtete die vor seinem Käfig auf und ab gehenden Menschen, sah ihre trüben Blicke und berichtete: „Es war so leicht die Menschen nachzuahmen.“ Langsam ragte sein Kopf aus dem Käfig. Auf dem Weg zur Durchschnittsbildung eines Europäers hielt er bald die Hände gerade. Der Gang wurde aufrechter, die Kleidung extravaganter und der Ausdruck gewählter.

„In Vorbereitung auf das Stück war ich oft im Berliner Zoo. Dort habe ich verschiedene Menschenaffen studiert. Im Stück ist es ja der Affe, der den Menschen beobachtet und zu kopieren versucht, ich musste nun umgekehrt den Affen beobachten. Doch wenn ich in die Augen eines Tieres schaute, fragte ich mich oft, wer eigentlich wen beobachtet“, erzählte Guido Schmitt nach seinem Auftritt. Das kleine Publikum bewunderte bei einem Drink an der Bar vor allem die Sportlichkeit des 1960 geborenen Berliner Schauspielers. Die Beweglichkeit des Affen, der in und um sein Pult turnte, verlangte geradezu akrobatische Höchstleistungen.

Im kleinen Theater Phönix geht es am 17. April um 20 Uhr mit einem Chanson-Programm „Von Liebe und anderen Grausamkeiten“ mit Susanna Metzner und Klaus Schäfer weiter. Bleibt zu hoffen, dass dieses Genre mehr Liebhaber in Brieselang und Umgebung findet.

 

 

 

 

 

Tags: 

Franz Kafka, Guido Schmitt, Rotpeter, Goldküste, Ein Bericht für eine Akademie

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