Die Körner aus den Ähren geschlagen
oder
Mit der Hacke nach Kartoffeln graben
Nauener Ausstellung erinnert an Zeit in der Ernte noch Handarbeit war
Bei der Eröffnung der Schau wurden kostümierte Ackerbürger vom Verein „Nauener Heimatfreunde“ in die wichtigsten Dinge ihres künftigen Lebens eingewiesen.
Nauen
Wie sie mit Kartoffelhacke, Dreschflegel und Fruchtpresse umzugehen haben, erklärte Wolfgang Johl als Nauener Stadtoberhaupt zuerst seinen noch unwissenden Ackerbürgern. Die zur Eröffnung der Ausstellung „Erntezeit in der Ackerbürgerstadt“ im Haus Gartenstraße erschienenen Gäste hörten am Donnerstagabend ebenso interessiert wie amüsiert zu.
„Ihr nehmt die kleinen Kartoffeln mit und bringt sie im Frühjahr auf euren Acker“, trug er den Bauern auf, die einen am Boden stehenden Korb mit Erdäpfeln neugierig betrachteten und mit der Hacke noch nicht viel anzufangen wussten. Vor der großen, vom Tourismusverband Havelland gestifteten Erntekrone, wies der Vorsteher des Magistrats auf die unterschiedlichen Getreidesorten hin, die auf märkischer Erde wachsen. Dinkel, Roggen und Co gilt es nach der Ernte mit dem Dreschflegel zu behandeln. Johl deutete auf den vorlautesten Knecht in der Runde und wies ihn an, die Körner sorgsam aus den Ähren zu schlagen. Er befahl den Ackerbürgern auch: „Ihr werdet Euch, Eurem Stande gebührend kleiden! Denn jeder Stand in unserem Lande benutzt bestimmte Kleidung.“ Für das dafür notwendige Anschauungsmaterial sorgte der Landfrauen-Verein Havelland, der anhand von Trachtenpuppen und diversen Schautafeln ländliches Brauchtum und Traditionspflege vorstellte. In Lietzow bei Nauen trugen die Frauen Hauben, die vorn eine weit vorstehende Spitze hatten, später Bindekappen, heißt es in der Beschreibung über eine havelländische Tracht um 1910.
Im Nebenraum der Galerie werden die Besucher über die 100-jährige Geschichte der Zuckerfabrik informiert. Diese stand im engen Zusammenhang mit der Landwirtschaft, da auf dem lehmreichen Boden der Nauener Platte die notwendigen Zuckerrüben angebaut wurden. Heute noch eine dieser Erdfrüchte zu finden, die die Ausstellungsmacher in einem Bollerwagen liebevoll drapiert hatten, fiel wirklich schwer, berichtete Johl und sagte abschließend zu allen Besuchern: „Wenn es Ihnen gefallen hat, erzählen Sie es weiter. Uns ist es wichtig, dass wir Schulen erreichen. Es soll ja Kinder geben, die denken Kühe sind lila.“
Die Ausstellung „Erntezeit in der Ackerbürgerstadt“ ist bis zum 21. November im Haus Gartenstraße in Nauen zu sehen. Geöffnet ist montags bis freitags von 10 bis 16 Uhr. Thematische Führungen können mit Wolfgang Johl unter Tel. 03321/ 49360 vereinbart werden.