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Achebe Chinua Heimkehr in fremdes Land

Autor: giselamaria
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Achebe Chinua Heimkehr in fremdes Land
von: giselamaria |  07.08.2009 13:31:51

Der Autor:

Chinua Achebe, 1930 im ostnigerianischen Ogidi geboren, gehört dem Volk der Igbo an, einer der drei großen Ethnien im Vielvölkerstaat Nigeria. Er besuchte eine lokalen Missionsschule und ging anschließend an das Government College in Umahia, einer Sekundarschule. Nach dem Studium der Literatur in Ibadan war er an Schulen und im Rundfunk tätig.

1958-1966 war Chinua Achebe Herausgeber der African Writers Series. Seit 1967 galt er als Repräsentant der "Republik Biafra" in den USA und Europa, wo er bis 1981 unteranderem auch an verschiedenen Universitäten lehrte und die Literaturzeitschrift Okike herausbrachte.

1981 war Chinua Achebe Mitbegründer des nigerianischen Schriftstellerverbands (ANA), bis 1986 Präsident. Dem "Vater" der modernen afrikanischen Literatur wurde 2002 der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels verliehen.

Heute lebt er in Annandale-on-Hudson im Staat New York und lehrt dort am Bard College.


Klappentext:

"Aus dem Englischen von Susanne Koehler. Wie schon in seinem ersten Roman "Okonkwo oder das Alte stürzt" ist es auch in "Heimkehr in fremdes Land", dessen Hauptfigur der Enkel von Okonkwo ist, Achebes Anliegen, "meiner Gesellschaft zu helfen, den Glauben an sich selbst wiederzugewinnenund die Komplexe zu überwinden, die durch lange Jahre der Beleidigung und Selbsterniedrigung entstanden sind": Obi Okonkwo, Stolz und Hoffnung seines von alters her berühmten Dorfes, kehrt in den fünfziger Jahren vom Studium in England zurück, wohinihn die Dorfgemeinschaft gesandt hatte. Denn "die Dinge des weißen Mannes zeugen heute von Größe". Obi kehrt in der Zeit vor der Unabhängigkeit in die Hauptstadt Lagos zurück, wo er - als Regierungsbeamter Teil der neuen Elite - versucht, den Erwartungen seiner christlichen Familie und der den alten Traditionen verhafteten Dorfältesten gerecht zu werden. Zugleich muss er die Anforderungen seiner Stelle zu erfüllen versuchen. Seine Verbindung mit Clara, Tochter aus "verbotenem Hause", scheitert am Widerstand seiner Eltern. Zwischen den Kräften zerrieben, unfähig,das traumatische Erlebnis der Begegnung seiner Kultur mit Europa zu verarbeiten, erliegt Obi schließlich dem Versuch der Korruption."



Meine Zusammenfassung:
"Es ist mir unverständlich, warum ein junger Mann mit Ihrer Bildung und vielversprechenden Begabung so handeln konnte."
-sagt der Richter bei der Eröffnung einer Gerichtsverhandlung, wo Obi wegen Korruption angeklagt wird.
Was war geschehen?

Obi Onkonkwo kehrt um 1950 nach seinem Studium in England nach Nigeria zurück. Seine Ausbildung war von der Dorfgemeinschaft seines Heimatdorfes finanziert worden. Die Geschichte spielt in der Zeit vor der Unabhängigkeit Nigerias.
Wenn in einem Dorf ein Kind erkennbar "intelligent" schien, sparte die Dorfbevölkerung jahrelang, um eine Schule, später ein Studium im Ausland zu finanzieren. Sie waren der Meinung, dass das Wissen der Weißen wichtig ist und einige ihrer jungen Leute unbedingt dieses Wissen erringen müssen. Und natürlich haben sie große Erwartungen, wenn Junge, der erfolgreich sein Studium im Ausland abgeschlossen hat, zurückkehrt.
Obi Onkonkwo ist so ein Junge. Er hatte sein Studium in England erfolgreich abgeschlossen und kehrt nach Lagos zurück, der Hauptstadt Nigerias. Wie üblich für zurückgekommene Akademiker bekommt auch er einen Posten bei der Regierung.
Und zunächst ist vollkommen unklar, was er überhaupt tun soll. Sein Büro ist spärlich eingerichtet, seine Aufgaben total schwammig. - Was er dazu auch noch bekommt, ist eine Wohnung, einen "Boy", ein neues Auto inclusiive Chauffeur usw., was eben die Regierungsleute für wichtig halten, was ein Regierungsbeamter haben muss. -
Sein Gehalt ist nicht so, dass er dass leicht bezahlen kann; aber das bleibt sein Problem. Es wird einfach von ihm erwartet, einen bestimmten Lebensstil zu haben, egal wie das finanziert wird.
Schnell bekommt er auch mit, dass fast alles durch Korruption geregelt wird. - Wobei er sofort für sich beschließt, sich niemals korrumpieren zu lassen.

Schnell erkennt er, dass er finanziell überfordert ist; sind nicht nur die horrenden Kosten seiner Lebensführung als Regierungsbeamter in Lagos kaum überschaubar hoch, erwartet ja auch seine Dorfbevölkerung von ihm, dass er das ihm gewährte Stipendium zurückzahlt.
Und nicht nur das, sie erwarten Hilfen, die er gar nicht in der Lage ist zu gewähren. -

Es sind also riesengroße Erwartungen da, die er nicht erfüllen kann. Schnell befindet er sich in einem finanziellen Debakel; jede Rechnung stürzt ihn in größte Nöte, wo mit kleinen Krediten und rigorosen privaten Sparmaßnahmen eine Lösung gefunden werden muss. Wie von seinen Kollegen im Amt immer wieder versichert wird, muss er sich den völlig unbedenklichen Gepflogenheiten, Geld im Amt anzunehmen, anschließen.

Und schließlich wird er "hereingelegt", also der Korruption überführt. Was makaber ist, weil gerade er total gegen diese Amtsbestechungen gekämpft hat, aber deshalb von allen "Kollegen" schief angesehen wurde.

Nebenbei wird erzählt, wie er eine Frau kennenlernt, in sein Dorf fährt, seine Leute besucht. Und wie es in diesen Dörfern Sitte ist, bestimmt der Dorfältestete, wer wen heiratet, bzw. eine Brautwahl muss genehmigt werden. Und Obis Braut wird eben abgelehnt. Sie ist schwanger, treibt ab, sie trennen sich, obwohl er sie dann dennoch heiraten wollte, auch gegen den Willen seines Dorfes.


"Sein Interesse gilt in erster Linie einer Leserschaft, die vormals, wenn ihre Lebenswelt beschrieben wurde, immer nur auf Bücher auswärtiger Autoren traf, Texte von Reisenden, Forschern, Kolonialbeamten oder zivilisationsmüden Literaten, die Afrika je nach Bedürfnislage als Hort des Schreckens oder des erhofften Heils ausmachten. Statt nun umgekehrt der Welt das wahre Wesen dieses Kontinents zu deuten, wie es die Anhänger der négritude pflegten, sollten die Vertreter der jungen Literaturszene, die nach Ende des Weltkriegs besonders in westafrikanischen Ländern entstand, besser dafür sorgen, mit den lokalen Gesellschaften ins Gespräch zu kommen und in den Auseinandersetzungen um das Entstehen ihrer neuen, postkolonialen Nationen literarisch Stellung zu beziehen. Noch in "Home and Exile" (2000), seiner jüngsten Publikation, erklärt Achebe daher, was ihn Mitte der fünfziger Jahre zum Schreiben brachte: endlich Geschichten zu erzählen, in denen Nigerianer ihre eigene Geschichte wiederfinden können." (zitiert aus wikipedia).

 


Meine abschließende Meinung:

Der Stil Chinua Achebes mutet ein bisschen wie "Märchenerzählen" an.

Aber es spiegelt auch die Wahrnehmung und Ausdrucksweise von sehr unterschiedlichen Menschen in Nigeria wider.

Mit schrägem Mutterwitz und tiefsinnigem Spott gewürzt erzählt er nicht nur die Aktionen der Dorfbewohner, sondern auch die der Leute in Lagos, der sogenannten "Elite" seines Landes.

Und das machte das Lesen dieses Buches so leicht, so interessant und spannend.

Der Autor weist immer wieder darauf hin, dass er seine Bücher in erster Linie für die Nigerianer bzw. die Afrikaner allgemein schreibt. Konnten die jungen Afrikaner über diese Zeit vor der Unabhängigkeit, also die Zeit während der Kolonialzeit, nur aus europäischer Literatur was lesen, so möchte er das mit seinen Büchern ändern.

 

Tags: 

Afrika, Rückkehr, Literatur von/aus Afrika

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