Der Autor:
Chinua Achebe, 1930 im ostnigerianischen Ogidi geboren,
gehört dem Volk der Igbo an, einer der drei großen Ethnien im Vielvölkerstaat
Nigeria. Er besuchte eine lokalen Missionsschule und ging anschließend
an das Government College in Umahia, einer Sekundarschule. Nach
dem Studium der Literatur in Ibadan war er an Schulen und im Rundfunk
tätig.
1958-1966 war Chinua Achebe Herausgeber der African
Writers Series. Seit 1967 galt er als Repräsentant der "Republik
Biafra" in den USA und Europa, wo er bis 1981 unteranderem auch
an verschiedenen Universitäten lehrte und die Literaturzeitschrift
Okike herausbrachte.
1981 war Chinua Achebe Mitbegründer des nigerianischen
Schriftstellerverbands (ANA), bis 1986 Präsident. Dem "Vater" der
modernen afrikanischen Literatur wurde 2002 der Friedenspreis des
Deutschen Buchhandels verliehen.
Heute lebt er in Annandale-on-Hudson im Staat New
York und lehrt dort am Bard College.
Klappentext:
"Aus dem Englischen von Susanne Koehler. Wie schon
in seinem ersten Roman "Okonkwo oder das Alte stürzt" ist es auch
in "Heimkehr in fremdes Land", dessen Hauptfigur der Enkel von Okonkwo
ist, Achebes Anliegen, "meiner Gesellschaft zu helfen, den Glauben
an sich selbst wiederzugewinnenund die Komplexe zu überwinden, die
durch lange Jahre der Beleidigung und Selbsterniedrigung entstanden
sind": Obi Okonkwo, Stolz und Hoffnung seines von alters her berühmten
Dorfes, kehrt in den fünfziger Jahren vom Studium in England zurück,
wohinihn die Dorfgemeinschaft gesandt hatte. Denn "die Dinge des
weißen Mannes zeugen heute von Größe". Obi kehrt in der Zeit vor
der Unabhängigkeit in die Hauptstadt Lagos zurück, wo er - als Regierungsbeamter
Teil der neuen Elite - versucht, den Erwartungen seiner christlichen
Familie und der den alten Traditionen verhafteten Dorfältesten gerecht
zu werden. Zugleich muss er die Anforderungen seiner Stelle zu erfüllen
versuchen. Seine Verbindung mit Clara, Tochter aus "verbotenem Hause",
scheitert am Widerstand seiner Eltern. Zwischen den Kräften zerrieben,
unfähig,das traumatische Erlebnis der Begegnung seiner Kultur mit
Europa zu verarbeiten, erliegt Obi schließlich dem Versuch der Korruption."
Meine Zusammenfassung:
"Es ist mir unverständlich, warum ein junger Mann mit Ihrer Bildung
und vielversprechenden Begabung so handeln konnte."
-sagt der Richter bei der Eröffnung einer Gerichtsverhandlung, wo
Obi wegen Korruption angeklagt wird.
Was war geschehen?
Obi Onkonkwo
kehrt um 1950 nach seinem Studium in England nach Nigeria zurück.
Seine Ausbildung war von der Dorfgemeinschaft seines Heimatdorfes
finanziert worden. Die Geschichte spielt in der Zeit vor der Unabhängigkeit
Nigerias.
Wenn in einem Dorf ein Kind erkennbar "intelligent" schien, sparte
die Dorfbevölkerung jahrelang, um eine Schule, später ein Studium
im Ausland zu finanzieren. Sie waren der Meinung, dass das Wissen
der Weißen wichtig ist und einige ihrer jungen Leute unbedingt dieses
Wissen erringen müssen. Und natürlich haben sie große Erwartungen,
wenn Junge, der erfolgreich sein Studium im Ausland abgeschlossen
hat, zurückkehrt.
Obi Onkonkwo ist so ein Junge. Er hatte sein Studium in England
erfolgreich abgeschlossen und kehrt nach Lagos zurück, der Hauptstadt
Nigerias. Wie üblich für zurückgekommene Akademiker bekommt auch
er einen Posten bei der Regierung.
Und zunächst ist vollkommen unklar, was er überhaupt tun soll. Sein
Büro ist spärlich eingerichtet, seine Aufgaben total schwammig.
- Was er dazu auch noch bekommt, ist eine Wohnung, einen "Boy",
ein neues Auto inclusiive Chauffeur usw., was eben die Regierungsleute
für wichtig halten, was ein Regierungsbeamter haben muss. -
Sein Gehalt ist nicht so, dass er dass leicht bezahlen kann; aber
das bleibt sein Problem. Es wird einfach von ihm erwartet, einen
bestimmten Lebensstil zu haben, egal wie das finanziert wird.
Schnell bekommt er auch mit, dass fast alles durch Korruption geregelt
wird. - Wobei er sofort für sich beschließt, sich niemals korrumpieren
zu lassen.
Schnell erkennt
er, dass er finanziell überfordert ist; sind nicht nur die horrenden
Kosten seiner Lebensführung als Regierungsbeamter in Lagos kaum
überschaubar hoch, erwartet ja auch seine Dorfbevölkerung von ihm,
dass er das ihm gewährte Stipendium zurückzahlt.
Und nicht nur das, sie erwarten Hilfen, die er gar nicht in der
Lage ist zu gewähren. -
Es sind also
riesengroße Erwartungen da, die er nicht erfüllen kann. Schnell
befindet er sich in einem finanziellen Debakel; jede Rechnung stürzt
ihn in größte Nöte, wo mit kleinen Krediten und rigorosen privaten
Sparmaßnahmen eine Lösung gefunden werden muss. Wie von seinen Kollegen
im Amt immer wieder versichert wird, muss er sich den völlig unbedenklichen
Gepflogenheiten, Geld im Amt anzunehmen, anschließen.
Und schließlich
wird er "hereingelegt", also der Korruption überführt. Was makaber
ist, weil gerade er total gegen diese Amtsbestechungen gekämpft
hat, aber deshalb von allen "Kollegen" schief angesehen wurde.
Nebenbei wird
erzählt, wie er eine Frau kennenlernt, in sein Dorf fährt, seine
Leute besucht. Und wie es in diesen Dörfern Sitte ist, bestimmt
der Dorfältestete, wer wen heiratet, bzw. eine Brautwahl muss genehmigt
werden. Und Obis Braut wird eben abgelehnt. Sie ist schwanger, treibt
ab, sie trennen sich, obwohl er sie dann dennoch heiraten wollte,
auch gegen den Willen seines Dorfes.
"Sein Interesse gilt in erster Linie einer Leserschaft,
die vormals, wenn ihre Lebenswelt beschrieben wurde, immer nur auf
Bücher auswärtiger Autoren traf, Texte von Reisenden, Forschern,
Kolonialbeamten oder zivilisationsmüden Literaten, die Afrika je
nach Bedürfnislage als Hort des Schreckens oder des erhofften Heils
ausmachten. Statt nun umgekehrt der Welt das wahre Wesen dieses
Kontinents zu deuten, wie es die Anhänger der négritude pflegten,
sollten die Vertreter der jungen Literaturszene, die nach Ende des
Weltkriegs besonders in westafrikanischen Ländern entstand, besser
dafür sorgen, mit den lokalen Gesellschaften ins Gespräch zu kommen
und in den Auseinandersetzungen um das Entstehen ihrer neuen, postkolonialen
Nationen literarisch Stellung zu beziehen. Noch in "Home and Exile"
(2000), seiner jüngsten Publikation, erklärt Achebe daher, was ihn
Mitte der fünfziger Jahre zum Schreiben brachte: endlich Geschichten
zu erzählen, in denen Nigerianer ihre eigene Geschichte wiederfinden
können." (zitiert aus wikipedia).
Meine abschließende Meinung:
Der
Stil Chinua Achebes mutet ein bisschen wie "Märchenerzählen" an.
Aber
es spiegelt auch die Wahrnehmung und Ausdrucksweise von sehr unterschiedlichen
Menschen in Nigeria wider.
Mit
schrägem Mutterwitz und tiefsinnigem Spott gewürzt erzählt er nicht
nur die Aktionen der Dorfbewohner, sondern auch die der Leute in
Lagos, der sogenannten "Elite" seines Landes.
Und
das machte das Lesen dieses Buches so leicht, so interessant und
spannend.
Der
Autor weist immer wieder darauf hin, dass er seine Bücher in erster
Linie für die Nigerianer bzw. die Afrikaner allgemein schreibt.
Konnten die jungen Afrikaner über diese Zeit vor der Unabhängigkeit,
also die Zeit während der Kolonialzeit, nur aus europäischer Literatur
was lesen, so möchte er das mit seinen Büchern ändern.