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| 5. und letzter Teil.
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von: Abaton |  03.10.2009 04:51:59
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Als ich das Haus verließ, bemerkte ich, wie von mir langsam eine beklemmende Last abfiel und unter welchen Stress ich gestanden hatte. Jetzt fing ich wohl erst damit an, das Erlebte auch vom Kopf her, zu verarbeiten. Noch nie in meinem ganzen Leben, habe ich einen Menschen so extrem Zittern gesehen. Bei Kranken oder alten Leuten, das die Hände und Beine zitterten..., ja , das kannte man.
Aber das der ganze Körper sich sozusagen regelrecht verselbständigte, das war beängstigend anzusehen. Und immer wieder tauchten Bilder vor meinem geistigen Auge auf, wie er in diesem Zustand über seinem Eimer hing und sich stundenlang fast die Seele aus dem Leib würgte. Erst jetzt fiel mir ein, dass ich nicht nur einmal nach dem Telefon schaute, ob es noch an seinem Platz stand, um im Notfall sofort den Krankenwagen anrufen zu können. Es war wohl für alle Anwesenden die absolute Ausnahmesituation gewesen, die wohl so schnell keiner mehr vergessen würde. Ganz besonders hoffte ich für meinen Freund, das ihm diese Tortour in Erinnerung blieb, damit er sich nie wieder in so eine Situation bringen würde. Aber noch war ja nicht alles vorbei.
Am nächsten Tag schaute ich dann auch, wie versprochen vorbei. Jedoch sah ich gleich, dass ihm überhaupt nicht nach Reden zu Mute war. Bis zur Nasenspitze war er mit seinem Zudeck dick eingepackt. Stirn und Haare waren immer noch Schweißnass und vor seinem Bett lagen Handtücher, die ihre Aufgabe bereits erfüllt hatten.
Seine Mutter sagte später, dass sie so etwas auch noch nicht erlebt hätte, dass tagelang die Waschmaschine lief, nur mit Handtücher und Bettzeug.
Seine Aussage war dazu, dass er sich eine Woche lang so gefühlt hätte, als wenn er eine fette Grippe auskurieren würde. Auch wäre vom Essen her nicht mehr drin gewesen, als mal ´ne Hühnerbrühe, oder eine Ochsenschwanzsuppe; später dann auch eine Scheibe Toastbrot dazu. Erst nach dieser Woche begannen seine Lebensgeister langsam wieder zurück zu kommen, was dann später nach seinem Erzählen, in richtige Fressanfälle überging. So als wenn sich sein Körper plötzlich alles zurückholen würde, worauf er monatelang verzichten musste.
Als ich ihn mal vorsichtig nach seinem Verlangen nach Alkohol fragte, gab er mir ehrlich zur Antwort, wenn er in der ersten Woche gewusst hätte, dass irgendwo in der Wohnung etwas gestanden hätte, dann hätte es für ihn kein Halten mehr gegeben; egal was er erst kurz zuvor noch durchmachte.
Aber je mehr Zeit verging, um so mehr trat auch sein rationaler Verstand wieder in den Vordergrund.
Wer aber nun denkt:"Ende gut, alles gut", der hat die Rechnung ohne sein Schicksal gemacht. Denn das verhielt sich, als wenn es sagen wollte, dass der, der sich so in Lebensgefahr begibt, wohl unmöglich so glimpflich davon kommen könne und es verpasste ihm noch eine Extra-Quittung.
Er hatte sich äußerlich tatsächlich wieder richtig gut erholt und auch an Gewicht zugelegt. Nur irgendwie fühlte er sich nicht so, wie es sein sollte.
Mit der Nierengeschichte meinte er, dürfe dass eigentlich nichts zu tun haben, da die Schmerzen, obwohl immer noch da, aber jetzt auszuhalten wären. Er fühle sich nur noch matt, schlecht und abgeschlagen. Im Gegensatz zu früher, war er nun aber in der Lage, einen Arzt aufsuchen zu können. Nach einigen Tests und Röntgenaufnahmen, war der Befund klar: "Verdacht auf Lungen - TB". Die Röntgenbilder zeigten einwandfrei zwei Kirschstein große Löcher in der Lunge; je eines unterhab des Schlüsselbein´s.
Da das bei uns in Deutschland unters Seuchengesetz fiel, hieß dass für ihn, sofort in ein Krankenhaus, das dafür ausgelegt war, mit Sicherheitsschleuse, Schutzkleidung, etc. . Das Kuriose ist jedoch, dass man sagt, dass dieser Tuberkelbazillus sich sowieso überall in der Luft befindet, er aber gesunden Menschen, mit einem intakten Immunsystem, nichts anhaben kann. Anders hingegen verhält es sich bei alten und Kranken Menschen, mit einem geschwächten Immunsystem.
Sie können leicht zum Opfer werden, so wie es auch meinem Freund widerfuhr.
Das all die, mit denen er ständigen Kontakt hatte, ebenfalls zur Untersuchung mussten, war klar. Aber im Gegensatz zu dem, was er bisher schon mitgemacht hatte und was ihm noch bevor stand, ist dies nicht weiter erwähnenswert.
Bei seiner Mutter und mir, war der Befund wie erwartet negativ. Bei ihm hingegen hatte sich der Verdacht des einweisenden Arztes bestätigt und das hieß..., 6 Monate Klinikaufenthalt.
Zum Glück hatte man da bereits schon sehr gute Medikamente, so das die Behandlung bis zur Heilung, kein Problem mehr darstellte. Und die zweite gute Nachricht war, dass man in der Klinik endlich genau feststellte, woher seine Dauerschmerzen in der Nierengegend kamen. Auch hier brachten die Röntgenbilder die Gewissheit.
In seiner linken Niere saßen zwei Daumennagel große Steine und nichts, von wegen "Nierengrieß". Nun war jedem klar, warum er sich Monate lang vor Schmerzen gekrümmt hatte, denn solche Oschi´s wachsen nicht von Heut´auf Morgen.
In der Klinik sagte man ihm aber auch, dass man wegen der TB nicht darangehen könnte und dass er erst einmal die Kur erfolgreich absolvieren müsste.
Als das dann so weit war, machte er sich auf die Suche, nach einen guten Spezialisten.
Denn es war klar, das diese Steine nur noch operativ zu entfernen wären. Und wenn er eines aus dem Höllentrip gelernt hatte, dann war es erstens, dass er sich nie mehr gleich auf die erst beste Diagnose verlassen würde und zweitens, dass er sich immer nur noch das bestmögliche Krankenhaus, bzw. die bestmöglichen Spezialisten suchen würde.
Er fand ein kleines Krankenhaus, ca. 30 km vom Heimatort entfernt, mit einem super guten Ruf, was sich in der Urologie einen Namen gemacht hatte. Die OP verlief reibungslos und nach drei Wochen war er schon wieder zu Hause. Wie er mir sagte, fühlte er sich da erstmalig wieder richtig gesund. Sich endlich wieder bewegen zu können und dass ohne diese stechenden und brennenden Schmerzen, die ganze zwei Jahre seines Lebens dominierten.
Manch einer wird sich jetzt natürlich noch fragen, was aus seiner Alkoholgeschichte wurde? Und das der, der bereits solche Symptome zeigt, wohl kaum eine Chance hat, ohne eine Therapie abstinent zu bleiben. Dazu muss ich sagen, im Prinzip absolut richtig!!!
Lange habe ich überlegt, ob ich dies jetzt einfach so enden lasse, oder aber der Wahrheit zu Liebe, den Tatsachen treu bleibe? Auch auf die Gefahr hin, dass ich bei Leidensgenossen falsche Hoffnungen wecke und sie in einen Rückfall befördere?
Aber ich glaube, wenn ich das Folgende deutlich genug mache und ein jeder der betroffen ist, ehrlich mit sich und der Materie umgeht, kann er für sich selbst entscheiden, zu welcher Kategorie er gehört.
Aus meiner Einleitung heraus ahnt man wohl schon, was jetzt kommt.
Wie mein Freund mir erzählte, wollte er es eines Tages ganz genau wissen, ob Bier und Wein nun endgültig der Vergangenheit angehörten, oder ob er doch wieder so wie früher einmal, rausgehen und etwas trinken kann? Nach dem ersten Mal, so erzählte er mir, hätte er danach ganze zwei Tage lang einen enormen Kater gehabt, was wohl auch auf die lange Abstinenz zurück zu führen war. Aber dann ging sein Leben wieder ganz normal weiter. Es spukten ihm keine Gedanken durch den Kopf, wieder etwas trinken zu müssen, oder zu wollen, noch hatte er je das Gefühl gehabt, dass es ihm mit Alkohol in bestimmten Situationen besser ginge. So gab es vor dieser Geschichte auch nie bei ihm zu Hause Alkohol und er hatte auch danach kein Verlangen, dies zu ändern.
Wenn er raus ging, dann stand der Spaß an erster Stelle, das Essengehen, das Billardspiel u.s.w., und der Alkohol war stets nur Beigabe.
Wenn jetzt jemand sagt, dass das noch kommen würde und dass das erst der Einstieg und der so genannte Selbstbetrug wäre, dem muss ich entgegnen, das die geschilderte Geschichte heute 30 Jahre zurückliegt und mein Freund sich noch immer bester Gesundheit erfreut.
Ich hatte ihn damals auch danach gefragt und er sagte mir, dass er sich mehrfach mit Fachleuten darüber unterhalten hätte und man könnte sich dass nur so erklären, weil der Alkohol bei ihm nie vom Kopf oder Gefühl her, wichtig war. Sondern wie er es ja auch immer wieder sagte, dass er seine Angelegenheiten immer viel lieber im nüchternen Zustand erledigte. Auch das es ihn eher nerven würde, wenn er im alkoholisierten Zustand in´s Fernsehen schauen würde, oder gar dass obligatorische Fußballspiel. Das er es gar nicht verstehen könne, was Andere daran so toll und gemütlich fänden, wenn sie von einem Fernsehabend mit ihrem "Bierchen" schwärmten? (Man achte auf die gängige Verniedlichung).
Es war tatsächlich so, wie es in der Einleitung beschrieben wurde. Er benutzte den Alkohol als Schmerzmittel und nicht, weil ihm der Rausch gefiel. Dies ist bei einem Alkoholiker anders, er trinkt in erster Linie wegen des Rausches.
Man sagte ihm auch, dass wohl seine Geschichte absolut einmalig wäre, dass sich jemand fast bis in´s Delirium säuft, um Schmerzen ertragen zu können.
Obwohl sich mit der Zeit eine körperliche Abhängigkeit entwickelte, war die Psyche kaum davon betroffen. Und nur darum ist er einer der ganz, ganz seltenen Fälle, die nach einer Entziehung wieder Alkohol trinken können, ohne den berühmten Kontrollverlust zu erleben.
Nur wer dieses ebenso von sich behaupten kann und der dass Gleiche erlebt hat,darf es meinetwegen versuchen. Aber jedem Anderen rate ich ernsthaft, die Finger davon zu lassen und keine Experimente mit seinem Leben zu machen. Denn leider merkt man erst dann wie wichtig etwas in seinem Leben war, wenn man es unwiederbringlich verloren hat.
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Tags: Alkohol,Abhängigkeit,Sucht,Therapie,Delirium
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