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| 3. Teil
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von: Abaton |  03.10.2009 05:26:12
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Am späten Nachmittag traf ich dann bei seiner Mutter ein, wo schon ein gedeckter Tisch zum Abendbrot auf mich wartete. Nur, so richtigen Appetit hatte keiner von uns und jeder aß eigentlich nur um etwas im Magen zu haben. Der Tisch war auch anschließend schnell wieder abgedeckt, weil jeder mit zur Hand ging.
Da saßen wir nun und unterhielten uns über Gott und die Welt, bis wir dann doch an das eigentliche Thema ankamen, dass uns an diesem Tag zusammen geführt hat.
Jeder trug noch mal seine Sicht der Dinge dazu bei, wohl wissend, dass Vorwürfe und Selbstvorwürfe jetzt völlig fehl am Platz waren.
Mir fiel auf, je mehr Zeit verstrich, um so klarer wurde wieder die Ausdrucksweise meines Freundes. Aber zugleich steigerte sich auch seine Art zu erzählen, in eine künstliche Heiterkeit und Aufgedrehtheit. Auch seine Mutter bemerkte das und wies ihn an, sich etwas zurück zu nehmen und die Stimme wieder etwas zu dämpfen.
"Ja ja", gab er etwas gereizt zurück, "ich weiß ja, dass ich im Moment viel quasell. Mir ist ganz schön mulmig, weil ich nicht weiß was mich erwartet".
Seine Mutter versuchte zu beruhigen, dass sie das ja wüsste und nur in seinem eigenen Interesse so handele. Sie erklärte, dass sie sich an Kinder erinnert fühlte, wo die plötzliche Ausgelassenheit zuletzt dann immer in Heulen und Jammern endete und dass habe ihr Angst gemacht. Denn auch sie, bemerkte sie entschuldigend weiter, sei nervlich ganz schön angespannt. Als mich daraufhin zuerst mein Freund und dann sie mich grinsend ansahen, sagte ich:"Oh nein, ich bin nicht die Ruhe weg. Ihr könnt mich in eurem Club ruhig begrüßen" und wir lachten dann alle.
Ich meine mich daran zu erinnern, dass das erste richtige Anzeichen dafür, das es los ging das war, dass er plötzlich aufsprang und fluchend in´s Bad verschwand, wo er auch seine Tasche mit Sachen stehen hatte.
"Was war jetzt?", fragte mich seine Mutter, die abseits an der Spüle gestanden hatte. Ich antwortete ihr, dass ich etwas von scheiß Schwitzen und von ganz nassen Klamotten verstanden hätte. Als er kurz darauf wieder kam, sichtlich außer Atem vom Umziehen, erzählte er, wie ihm ganz plötzlich unangenehm die Hitze hochgestiegen wäre und dass fast gleichzeitig seine ganzen Sachen nass waren.
Er hatte sich seinen Jogginganzug angezogen und jetzt, wo er es sagte sah man, dass sein Gesicht von kleinen Schweißperlen übersät war und es zu glänzen begann.
Noch bevor die ersten Rinnsale an seinen Schläfen herunter liefen, reichte ihm seine Mutter auch schon ein Handtuch. Als er sich das Gesicht abtupfte, zitterte seine Hand leicht und es war für mich klar, dass es angefangen hatte.
Das Nächste, was dann auffallend war, war seine Frage, ob nicht etwas ganz kaltes zu trinken da wäre, am Besten noch mit Eiswürfeln darin, da er das Gefühl hätte, innerlich am Ausbrennen zu sein. Das sei wohl jetzt die Quittung des hochprozentigen Rum´s, meinte er.
Seine Mutter wusste natürlich, dass er lieber Apfelsaft als O-Saft trank und so stand schon kurz darauf eine Karaffe davon auf dem Tisch, mit Eiswürfel.
Er kippte förmlich ein Glas nach dem Anderen, wie ein verdurstender gierig in sich hinein und stöhnte dann erleichtert:"Das tat gut". Seine Frage, ob wir nicht auch was davon wollten, wurde einstimmig von seiner Mutter und mir abgelehnt, da wir spürten, dass das noch eine wichtige Rolle an diesem Abend spielen sollte.
Die Eiswürfel hatten noch nicht einmal richtig zu schmelzen begonnen, da war die Karaffe auch schon leer. Das nächste Pack wurde geöffnet und hinzu geschüttet.
Jedoch, als er das fast ebenso schnell getrunken hatte, fing er an zu würgen und er startete wie der Blitz zur Toilette. Wir konnten es bis in die Küche hören, wie es wie ein Wasserfall immer wieder aus ihm herausschoss.
Als er zurückkam, war er nicht mehr wieder zu erkennen. Er lief vornüber gebeugt, die Arme um seine Brust verschränkt, am ganzen Körper Zitternd und klitschnass von Schweiß, wieder zur Eckbank zurück. Leise und mit sichtlicher Mühe, bei diesem starken Zittern Worte heraus zu bringen, sagte er:"Es tut mir Leid, dass ich euch das zumute". Es wurde natürlich von seiner Mutter und mir, als Quatsch abgetan und dass er sich mal darüber keine Gedanken machen solle. Seine Mutter fragte ihn dann, ob er nicht noch was zum Wechseln mitgebracht hätte, was er verneinte.
Er hätte an so was gar nicht gedacht, meinte er und dass aber Sachen zum Wechseln sowieso unnütz wären, da sie bei diesem Schwitzen, ebenfalls binnen weniger Minuten durch wären. Jedoch wusste seine Mutter Rat und kam mit einem ganzen Stapel Badetücher, Handtücher und einem Bieberbetttuch wieder zurück. Dann wies sie ihn an, die nassen Klamotten auszuziehen, bis auf die Unterhose, ein Badetuch auf die Bank zu legen und zu guterletzt, das Bieberbetttuch umzuhängen. Das Letztere könne er dann ja so wie er sich fühle, ob warm oder kalt, dann Öffnen oder Schließen.
Ich habe noch nie einen Menschen so zittern sehen. Nicht nur die Hände, sondern der ganze Körper war darin einbezogen, so als wenn man ihm permanent Strom durch den Körper jagen würde. Es war das berühmt berüchtigte "Mandolinenfieber", wie ich später erfahren sollte.
In seinem Zustand war es ihm schon gar nicht mehr möglich, sich alleine auszuziehen und so halfen seine Mutter und ich ihm dabei.
Als das geschafft war, saß er dann da wie ein alter Indianer bei 30 Grad minus und er fragte sofort auch schon wieder nach etwas trinkbaren. Das Gefühl, dass er innerlich brennen würde, verstärkte sich immer mehr. Zu allem Übel stellte seine Mutter fest, dass alles was sie an Säfte da gehabt hatte, aufgetrunken war. Und zu mir nach Hause brauchte ich erst gar nicht zu gehen, da ich es mit Saft nicht so hatte.
Sie bot ihm an, dass sie ihm Tee kochen könnte, wenn er es möchte, denn davon hätte sie noch einige Sorten.
Er meinte, dass das auch OK wäre, Hauptsache was zu trinken.
Ich habe heute noch das Bild vor Augen. Vor ihm auf dem Tisch kam nun ein Bierkrug zu stehen, da es das größte Trinkgefäß war, was seine Mutter im Haushalt hatte.
Und rechts neben ihn auf der Bank wurde ein Plastikeimer platziert...,für alle Fälle.
Ob es nun der Pfefferminz-,oder Kamillentee war, oder der heiße Tee überhaupt, jetzt ging der "Tanz" erst richtig los.
Er trank und erbrach es sogleich wieder, er trank und erbrach es wiederum, er trank... und so weiter und so weiter. Eigentlich konnte man gar nicht von erbrechen sprechen, denn der Tee kam so wie er ihn vor Sekunden trank, in einem Strahl wieder herausgeschossen. Das sollte dann auch erst mal für die nächsten Stunden seine Hauptbeschäftigung sein, mit kleinen Pausen.
Es mag sich vielleicht komisch anhören, aber ich weiß noch, dass ich damals ganz froh darüber war, dass er damit zu tun hatte, denn so ging die Zeit wenigstens für ihn um, ohne dass er sich seines üblen Zustandes zu sehr bewusst wurde und sein Kreislauf blieb so verhältnismäßig stabil.
Es muss so gegen 2 Uhr in der Nacht gewesen sein, als er plötzlich innehielt und mal seine Mutter und mal mich ansah und sagte:" Ich kann nicht mehr. Ich glaub´ich schaff das nicht. Das es nicht leicht würde, dass hörte ich ja hier und da. Aber mit so was habe ich nicht gerechnet. Das ist ja mörderisch!!! Ich würde es lieber ein anderes Mal wieder versuchen und dann vielleicht mit unterstützenden Medikamente".
"Ist ja alles schön und gut", gab ihm seine Mutter zur Antwort" ich würde jetzt auch nichts lieber als mich in mein Bett begeben und ich Glaube, dass da noch jemand so denkt. Nur, wie stellst Du Dir das vor? Du redest, als wenn wir uns jetzt alle gute Nacht sagen und jeder einfach so zu Bett geht. Dieses Aufhören und Abbrechen heißt doch in Deinem Fall, dass du erst mal wieder Sprit brauchst, um normal zu werden. Und genau da, mein lieber Junge, liegt der Hase nämlich im Pfeffer. Ich habe hier in der Wohnung keinen einzigen Tropfen Alkohol".
Es sah aus, als wenn er in diesem Moment noch blasser geworden wäre, als er es ohnehin schon war und sackte dann resignierend in sich zusammen, immer noch zitternd wie Espenlaub.
"Und wenn Du mal bei Deinen Nachbarn anschellst und fragst?",versuchte er es mit Panik in seinen Augen noch einmal.
"Ich tu ja schon einiges für Dich, aber ich schelle ganz bestimmt nicht mitten in der Nacht die Nachbarn aus dem Bett und frage nach Alkohol, so Leid wie es mir auch für dich tut. Aber das kannst du nicht von mir verlangen. Wenn es sein muss, dann koche ich gerne für dich noch bis Morgen um diese Zeit, weiter Tee" und sie füllte mit diesen Worten seinen Krug wieder auf. So ging es dann notgedrungen weiter...;trinken und erbrechen, trinken und..... .
Später fiel mir noch ein, dass es wohl so was wie eine höhere Fügung war, dass er nicht auf die Idee kam, sich mit einer Taxe etwas von einer Tankstelle kommen zu lassen, denn das wäre gegangen.
Wieder einmal mehr hatte er einen Schutzengel gehabt, ohne es zu wissen. Die Zeit lief weiter für ihn, in dieser Nacht
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Tags: Alkohol,Abhängigkeit,Sucht,Entzug,Therapie,Delirium
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