Na, schon wieder vergessen? Bis
vor kurzem war da doch noch etwas... Ich meine den gleichen Zirkus,
der jetzt auch schon wieder langsam anläuft. Ja. DSDS (Deutschland
sucht den Superstar). Von der Mattscheibe, aus dem Sinn. Wie hieß
der Sieger der Staffel 2008 / 2009 doch gleich?
Es fällt Ihnen nicht ein? Gar
nicht schlimm. Es ist ein Zeichen unserer Zeit, dass sich die Medien
ihre Ereignisse selbst schaffen. Sie rufen selbst Wettbewerbe ins
Leben, über deren Teilnehmer sie berichten können. Nur so können
sie den luftleeren Raum füllen, der dadurch entstanden ist, dass in
der Welt einfach zu wenig passiert, um den Medienzirkus zu
beschäftigen.
Dass uns der Name von Daniel
Schumacher schon gar nicht mehr geläufig ist, ist nur ein
Beweis dafür, dass er zwar der Sieger des DSDS-Finales ist, aber
eben noch lange kein Superstar.
Überhaupt: RTL und die zur
Konzerngruppe gehörenden TV-Sender, die sich gegenseitig die Bälle
zuwerfen, um aus einem künstlich geschaffenen Medienereignis etwas
zu machen, worüber der Pöbel spricht, lehnen sich ganz schön weit
aus dem Fenster, wenn sie diesen Knilch, der vielleicht passabel
singen aber nur mit Fistelstimme sprechen kann, als Superstar
bezeichnen. Ein Superstar ist er nicht, sonst hätten Sie, lieber
Leser, ihn nicht schon längst wieder vergessen.
Superstars werden nicht aus dem
Nichts heraus von Medienunternehmen geschaffen, um Sendeplätze zu
besetzen. Superstars müssen mehr liefern, als ein Kassettenrekorder
für alte Hits und neue Bohlen-Nummern zu sein.
Zur
Untermalung Musik von Künstlern, die diese Einschätzung teilen:
Superstars müssen sich selbst
erfinden. Und das nicht nur einmal, sondern immer wieder. Superstars
werden von ihren Fans gemacht – aber nicht durch Telefonanrufe,
sondern durch einen gemeinsamen Erfahrungsschatz. Über Jahrzehnte
hinweg und Krisen überdauernd.
Ich kann es nicht mehr hören,
dass eine Person, die noch nicht einmal ihren ersten Sommer im
Rampenlicht überstanden hat, als Superstar betitelt wird. Wenn
dieser Mensch und seine Vorgänger als prominent zu bezeichnen sind,
dann weder als A-, B-, C-, sondern höchstens als D-Promis.
Wir haben innerhalb eines Jahres
erlebt, wie der Teig, der ein bekannter Sänger werden wollte, nach
seiner Schnellerhitzung wie ein Soufflee zusammen gefallen ist. Die
neue Staffel rollt bereits an. Der Zirkus geht wieder von vorne los.
Manege frei - aber nicht mehr für das Gesicht von gestern.
Ebenso wenig handelt es sich um
Top-Models, was da am Ende der GNTM-Staffel an
Möchtegern-Laufstegschönheiten übrig bleibt. Nicht einmal die
alles prägende Klum war jemals eines gewesen.
In den seltensten Fällen
passt der Stempel, den ein Medium einer Person aufzudrücken
versucht. Es bleibt bei uns, falsche Etikettierungen zu erkennen und
abzulehnen. Ich halte nichts davon, wenn Künstler als
Industrieprodukt der Wegwerfgesellschaft daher kommen.