Am Wochenende vor dem
Serienstart der neuen Mystery-Serie Fringe setzte Pro7 gezielt diese
Fake-Nachrichtensendungen ein, um Aufmerksamkeit für die Serie zu
bekommen.
Der Verdacht liegt nahe,
dass Pro7 auf eine virale Verbreitung dieser Nachrichten setzte. Man
hatte wohl die Hoffnung, die zunächst geschockten Zuschauer würden
diese Sensationsnachrichten in ihrem sozialen Umfeld als
Mundpropaganda verbreiten und im Internet erregt in Chats,
Diskussionsforen und in Communities über den Wahrheitsgehalt
diskutieren.
Vorläufig geben die
guten Einschaltquoten Pro Sieben Recht. Der Missbrauch der
Nachrichtensendung Newstime
für eigene Werbezwecke des Senders war erfolgreich. Aber es bleibt
abzuwarten, ob dieser kurzfristige Erfolg auch langfristig anhält.
Vielleicht wird langfristig sogar ein gravierender Imageschaden als
Ergebnis zu verbuchen sein.
Die Kommentare zu den
Fake-Nachrichten auf youtube und in Onlinemagazinen sind in der
überwiegenden Mehrheit negativ. Entrüstet äußern sich hinters
Licht geführte Zuschauer über die „geschmacklose“
Werbekampagne.
Virales Marketing bietet
die große Chance, mit wenigen Mitteln Werbematerial in Umlauf zu
bringen, das sich dann wie ein Lauffeuer verbreitet. Aber es besteht
auch die große Gefahr, die los getretene Lawine nie wieder stoppen
zu können.
Selbst wenn der Sender es
wollte: Pro7 wird die Fake-Videos niemals wieder aus den Tiefen des
Internet heraus bekommen, ebenso wird trotz größter Anstrengungen
von Youtube, der SPD und des Radiosenders FFN diese verbotenerweise
veröffentlichte Telefonverarsche nicht wieder aus dem Netz
verschwinden. Wird es an einer Stelle gelöscht, dann taucht es an
anderer Stelle wieder auf.
Auch der Autohersteller
Ford hat die negativen Auswirkungen viraler Verbreitung von
Werbemitteln zu spüren bekommen. In TV-Spots sollte der neue
Kleinwagen „Streetka“ als sportliche Alternative zu dem
als Frauenmobil verschrieenen Ka positioniert
werden. Der Streetka sollte als „böser Zwilling“ des Ka daher
kommen .
Diesen Spot fanden viele
Fernsehzuschauer zunächst noch witzig:
Welcher Autofahrer hat
sich noch nicht über aggressiven Vogeldreck auf dem Autolack
geärgert? Tauben haben gerade unter Großstädtern keinen guten Ruf,
gerne setzt man sie als „fliegende Raten“ mit Schädlingen
gleich.
Zwar kommt in diesem Spot
ein Tier ums Leben, aber die Taube ist eben kein Sympathieträger und
der Großteil der Fernsehzuschauer weiß, dass in der Regel nicht
wirklich ein Lebewesen sterben musste, auch wenn es im Fernsehen so
gezeigt wird.
Mit dem nächsten Spot
schnitt sich Ford allerdings ins eigene Fleisch, er löste heftige
Proteste aus und das nicht nur seitens militanter Tierschützer
sondern auch aus der gemäßigten Mitte, die als Zielgruppe angepeilt
wurde:
Langsam und grausam
bringt der sportliche Kleinwagen einer Katze hinterlistig den Tod.
Hunde und Katzen sind die die beliebtesten Haustiere überhaupt und
Ford hat bei zahlreichen Tierfreunden sämtliche Sympathie eingebüßt,
weil in diesem Spot der Sympathieträger Katze gekillt wurde.
Ford reagierte schnell
und stoppte die weitere Ausstrahlung beider Stopps. Doch es war zu
spät, die Clips verbreiteten sich weltweit und sind auch heute noch,
wie wir gerade gesehen haben, problemlos auf youtube zu finden.
Jeder Werbetreibende
sollte sich bewusst sein, dass sich die Geister, die er ruft, auch
gegen ihn wenden können. Ist eine Botschaft erst einmal abgefeuert,
dann lässt sie sich nicht wieder einfangen.