Damit
uns Nachahmer und Trittbrettfahrer erspart bleiben und wir den Medien
in Zukunft stärker vertrauen können, muss Pro7 in irgendeiner Form
bestraft werden. Am besten finanziell und in einer Höhe, die den
wirtschaftlichen Erfolg der Kampagne übersteigt. Ansonsten bleibt
diese Kampagne ein Erfolg.
Es
ist nicht zu erwarten, dass eine solche Strafe durch den Staat
erfolgt, Pro7 hat gegen kein Gesetz verstoßen, sondern höchstens
gegen den Pressekodex,
dem sich die Medienbranche freiwillig unterwirft. Höchste Form der
Strafe wäre eine öffentliche Rüge.
Ziffern des
Pressekodex, die Pro7 missachtete:
Ziffer 1 -
Wahrhaftigkeit und Achtung der Menschenwürde
Die
Achtung vor der Wahrheit, die Wahrung der Menschenwürde und die
wahrhaftige Unterrichtung der Öffentlichkeit sind oberste Gebote der
Presse.
Jede in der Presse tätige Person wahrt auf dieser
Grundlage das Ansehen und die Glaubwürdigkeit der Medien.
Medien haben den Auftrag, die Menschen über aktuelle Geschehnisse
objektiv zu informieren. Pro7 ist dieser Anforderung nicht gerecht
geworden, ein seriös anmutendes Magazin wurde für Werbezwecke im
eigenen Interesse missbraucht. Das Vertrauen in mediale
Berichterstattung wurde zerstört, das Medium Fernsehen an sich hat
durch diesen PR-Gag an Glaubwürdigkeit verloren.
Ziffer 6 –
Trennung von Tätigkeiten
Journalisten
und Verleger üben keine Tätigkeiten aus, die die Glaubwürdigkeit
der Presse in Frage stellen könnten.
Michael Marx hat sich für die Werbeinteressen seines Senders
prostituiert. Als Journalist hätte er wissen müssen, dass das der
Berufsethik eines seriösen Journalisten widerspricht und der
Glaubwürdigkeit seiner Branche schadet.
Ziffer
7 – Trennung von Werbung und Redaktion
Die
Verantwortung der Presse gegenüber der Öffentlichkeit gebietet,
dass redaktionelle Veröffentlichungen nicht durch private
oder geschäftliche Interessen Dritter oder durch persönliche
wirtschaftliche Interessen der Journalistinnen und Journalisten
beeinflusst werden. Verleger und Redakteure wehren derartige
Versuche ab und achten auf eine klare Trennung zwischen
redaktionellem Text und Veröffentlichungen zu werblichen Zwecken.
Bei Veröffentlichungen, die ein Eigeninteresse des Verlages
betreffen, muss dieses erkennbar sein.
Mit
dieser bewussten Verarschung ihrer Fernsehzuschauer wollte Pro7 nur
eines erreichen: Hohe Einschaltquoten beim Start der neuen Serie.
Wirtschaftliche Interessen wurden verfolgt, die mediale Verantwortung
wurde missachtet.
Es
war nur zu vermuten und nicht eindeutig erkennbar, dass die
angebliche Nachrichtensendung unwahr ist. Diese Werbung hätte
gekennzeichnet werden müssen, zum Beispiel mit der Einblendung
„Werbesendung“ in einer Bildschirmecke. Das wurde, anscheinend
ganz bewusst, vermieden.
Die
Sendung sollte den Zuschauer schocken. Er sollte auf diesen Trick
hereinfallen. Pro7 hat seine Zuschauer arglistig getäuscht.
Absichtlich, denn sämtliches Material stammt aus dem eigenen Hause.
Ziffer
11 – Sensationsberichterstattung, Jugendschutz
Die Presse
verzichtet auf eine unangemessen sensationelle Darstellung von
Gewalt, Brutalität und Leid. Die Presse beachtet den Jugendschutz.
In diversen Internetforen melden sich Mütter zu Wort, deren Kinder
geschockt waren und nicht einschlafen konnten: Die erste Sendung
wurde gegen 18:50 Uhr in einem Werbeblock ausgestrahlt, der die
beliebte Zeichentrickserie „Die Simpsons“ unterbrach.
Die schnellen Schnitte der „Amateuraufnahmen“ sollen den
Zuschauer schocken. Werdende Mütter werden mit Urängsten
konfrontiert: Ist das eigene Kind von dieser angeblich existierenden
Krankheit / Gendefekt vielleicht auch betroffen? Wie gefährlich wäre
eine solche Schwangerschaft für mich?
Es ist ein Paradoxon: Pro7 verarscht wissentlich seine Zuschauer und
steht objektiv betrachtet hinterher besser da als zuvor. Eine
Bestrafung ist wünschenswert, aber unwahrscheinlich. Dies könnten
wünschenswerte Reaktionen sein:
Der
Aktienkurs
von Pro7 schmiert weiter ab, weil diese Aktie niemand mehr
besitzen möchte
prosieben.de
wird von Hackern lahm gelegt
Unternehmen
ziehen ihre Werbeanzeigen zurück
Fernsehzuschauer
boykottieren das Programm, Pro7 wird nicht mehr eingeschaltet
bedeutende
Künstler sagen ihre Auftritte in Pro7-Sendungen ab
Pro7
hat mit seiner geschmacklosen und egoistischen Werbeaktion das
Ansehen des Massenmediums Fernsehens an sich geschädigt. Das
Internet hingegen, auf das die „etablierten“ Medien gerne mit
erhobenem Zeigefinger verweisen, hat sich als korrigierendes Medium
heraus kristallisiert: Hier fanden die geschockten Zuschauer die
Informationen, die notwendig waren, um sie wieder zu beruhigen.
Nicht
das Medium ist gefährlich, in dem jeder (fast) alles schreiben kann,
was er möchte. Dort kann man schnell widersprechen und Kritik
äußern.
Gefahr
geht von dem Medium aus, das bewusst lügen ausstrahlt, um
wirtschaftliche Interessen zu verfolgen.
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