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Autor : basti
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Keine Lappalie: Der Pro7 Nachrichtenmissbrauch II


von : basti |  14.03.2009 17:46:03
Damit uns Nachahmer und Trittbrettfahrer erspart bleiben und wir den Medien in Zukunft stärker vertrauen können, muss Pro7 in irgendeiner Form bestraft werden. Am besten finanziell und in einer Höhe, die den wirtschaftlichen Erfolg der Kampagne übersteigt. Ansonsten bleibt diese Kampagne ein Erfolg.


Es ist nicht zu erwarten, dass eine solche Strafe durch den Staat erfolgt, Pro7 hat gegen kein Gesetz verstoßen, sondern höchstens gegen den Pressekodex, dem sich die Medienbranche freiwillig unterwirft. Höchste Form der Strafe wäre eine öffentliche Rüge.


Ziffern des Pressekodex, die Pro7 missachtete:




Ziffer 1 - Wahrhaftigkeit und Achtung der Menschenwürde
Die Achtung vor der Wahrheit, die Wahrung der Menschenwürde und die wahrhaftige Unterrichtung der Öffentlichkeit sind oberste Gebote der Presse.
Jede in der Presse tätige Person wahrt auf dieser Grundlage das Ansehen und die Glaubwürdigkeit der Medien.


Medien haben den Auftrag, die Menschen über aktuelle Geschehnisse objektiv zu informieren. Pro7 ist dieser Anforderung nicht gerecht geworden, ein seriös anmutendes Magazin wurde für Werbezwecke im eigenen Interesse missbraucht. Das Vertrauen in mediale Berichterstattung wurde zerstört, das Medium Fernsehen an sich hat durch diesen PR-Gag an Glaubwürdigkeit verloren.



Ziffer 6 – Trennung von Tätigkeiten
Journalisten und Verleger üben keine Tätigkeiten aus, die die Glaubwürdigkeit der Presse in Frage stellen könnten.


Michael Marx hat sich für die Werbeinteressen seines Senders prostituiert. Als Journalist hätte er wissen müssen, dass das der Berufsethik eines seriösen Journalisten widerspricht und der Glaubwürdigkeit seiner Branche schadet.


Ziffer 7 – Trennung von Werbung und Redaktion
Die Verantwortung der Presse gegenüber der Öffentlichkeit gebietet, dass redaktionelle Veröffentlichungen
nicht durch private oder geschäftliche Interessen Dritter oder durch persönliche wirtschaftliche Interessen der Journalistinnen und Journalisten beeinflusst werden. Verleger und Redakteure wehren derartige Versuche ab und achten auf eine klare Trennung zwischen redaktionellem Text und Veröffentlichungen zu werblichen Zwecken. Bei Veröffentlichungen, die ein Eigeninteresse des Verlages betreffen, muss dieses erkennbar sein.


Mit dieser bewussten Verarschung ihrer Fernsehzuschauer wollte Pro7 nur eines erreichen: Hohe Einschaltquoten beim Start der neuen Serie. Wirtschaftliche Interessen wurden verfolgt, die mediale Verantwortung wurde missachtet.

Es war nur zu vermuten und nicht eindeutig erkennbar, dass die angebliche Nachrichtensendung unwahr ist. Diese Werbung hätte gekennzeichnet werden müssen, zum Beispiel mit der Einblendung „Werbesendung“ in einer Bildschirmecke. Das wurde, anscheinend ganz bewusst, vermieden.

Die Sendung sollte den Zuschauer schocken. Er sollte auf diesen Trick hereinfallen. Pro7 hat seine Zuschauer arglistig getäuscht. Absichtlich, denn sämtliches Material stammt aus dem eigenen Hause.


Ziffer 11 – Sensationsberichterstattung, Jugendschutz
Die Presse verzichtet auf eine unangemessen sensationelle Darstellung von Gewalt, Brutalität und Leid. Die Presse beachtet den Jugendschutz.


In diversen Internetforen melden sich Mütter zu Wort, deren Kinder geschockt waren und nicht einschlafen konnten: Die erste Sendung wurde gegen 18:50 Uhr in einem Werbeblock ausgestrahlt, der die beliebte Zeichentrickserie „Die Simpsons“ unterbrach.

Die schnellen Schnitte der „Amateuraufnahmen“ sollen den Zuschauer schocken. Werdende Mütter werden mit Urängsten konfrontiert: Ist das eigene Kind von dieser angeblich existierenden Krankheit / Gendefekt vielleicht auch betroffen? Wie gefährlich wäre eine solche Schwangerschaft für mich?


Es ist ein Paradoxon: Pro7 verarscht wissentlich seine Zuschauer und steht objektiv betrachtet hinterher besser da als zuvor. Eine Bestrafung ist wünschenswert, aber unwahrscheinlich. Dies könnten wünschenswerte Reaktionen sein:


  • Der Aktienkurs von Pro7 schmiert weiter ab, weil diese Aktie niemand mehr besitzen möchte

  • prosieben.de wird von Hackern lahm gelegt

  • Unternehmen ziehen ihre Werbeanzeigen zurück

  • Fernsehzuschauer boykottieren das Programm, Pro7 wird nicht mehr eingeschaltet

  • bedeutende Künstler sagen ihre Auftritte in Pro7-Sendungen ab


Pro7 hat mit seiner geschmacklosen und egoistischen Werbeaktion das Ansehen des Massenmediums Fernsehens an sich geschädigt. Das Internet hingegen, auf das die „etablierten“ Medien gerne mit erhobenem Zeigefinger verweisen, hat sich als korrigierendes Medium heraus kristallisiert: Hier fanden die geschockten Zuschauer die Informationen, die notwendig waren, um sie wieder zu beruhigen.


Nicht das Medium ist gefährlich, in dem jeder (fast) alles schreiben kann, was er möchte. Dort kann man schnell widersprechen und Kritik äußern.

Gefahr geht von dem Medium aus, das bewusst lügen ausstrahlt, um wirtschaftliche Interessen zu verfolgen.


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Tags :

pro7 fringe fake werbung nachrichten berichterstattung strafe rüge boykott aktie doof sieben newsim

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