Vergangenen Donnerstag
verunglückte der Flug Nr. 3407 auf dem Weg von Newark nach
Buffalo. Das Flugzeug zerschellte auf einem Wohnhaus. Alle Insassen
kamen ums Leben, sowie ein Mann, der sich innerhalb des Wohnhauses
aufgehalten hatte.
Ein tragisches Unglück,
nicht allein wegen der Zahl von 50 Toten.
Nehmen wir einmal an, der
Mann, der in den Trümmern seines Hauses starb, hätte an
Flugangst gelitten. Meine Recherchen konnten dies nicht belegen, aber
nehmen wir einfach mal an, eine der größten Ängste
dieses Mannes wäre es gewesen, mit einem Flugzeug zu fliegen und
damit abzustürzen.
Vielleicht hat er keine
langen Flugreisen unternommen und Ersparnisse lieber in sein eigenes
Wohnhaus gesteckt. Eine sichere Zuflucht, ein zu Hause für seine
Familie. Wie grausam und schicksalsträchtig erscheint es da,
dass ein Passagierflugzeug auf dieses Haus kracht und sein Leben
auslöscht? Vor allem: wie unwahrscheinlich! Ein Lebensrisiko,
dass viele für sich meinen, ausschließen zu können.
Wir Menschen neigen dazu,
aus allem eine Lehre ziehen zu wollen. Was könnte uns das
Schicksal von dem Mann, der in seinem Wohnhaus durch einen
Flugzeugabsturz getötet wurde, lehren?
Verstecke dich nicht vor
den Gefahren des Lebens, wenn es dich erwischen soll, dann wird es
dich erwischen. Und wenn du davon kommen sollst, dann wirst du davon
kommen? Wenn es dein Schicksal ist, durch ein Flugzeugunglück zu
sterben, dann nützt es nichts, nicht zu fliegen, denn der
Todesflug wird dich finden und dort erwischen, wo du dich sicher
fühlst?
Der Mensch mag es für
Schicksal halten. Für einen vorbestimmten Weg, dem man nicht
entfliehen kann. Oder er mag dem Glauben anhängen, alles mit
seinem freien Willen beeinflussen zu können. Modern ist es
derzeitig, alle auch nur erdenklichen Gefahren mit den Methoden der
Finanzmathematik berechnen zu wollen. Aus nicht kalkulierbaren
Gefahren werden Risiken errechnet, die mit einer gewissen
Wahrscheinlichkeit eintreten werden oder eben nicht.
Alle diese Annahmen über
das Leben bringen uns nicht weiter, als uns in einer trügerischen
Sicherheit zu wiegen.
Sprechen wir von
Schicksal, dann können wir tun, was wir wollen, eine höhere
Macht hat uns diesen Weg vorherbestimmt. Glauben wir an den freien
Willen, dann liegt es an uns und unserem Mut. Alles können wir
erreichen, wenn wir es nur wollen. Wenn wir diesen Mut nicht haben,
dann bleibt uns nur, uns zu verstecken.
Die trügerischste
dieser Annahmen bleibt jedoch das Risiko. Weil durch Untersuchungen
an statistischen Gruppen heraus gefunden wurde, dass das Eintreten
einer bestimmten Bedrohung wahrscheinlich oder unwahrscheinlich ist,
leiten wir daraus Aussagen für unser eigenes, persönliches
Leben ab.
Aber diese Annahme ist
falsch.
Wenn wir zu der
statistischen Gruppe der Nichtraucher gehören, dann hat diese
Gruppe ein Lungenkrebsrisiko von X Prozent. Das mag für die
statistische Gruppe zutreffen.
Aber niemals passt eine
Risikoaussage auf einen einzelnen Menschen. Jedoch sind wir
Individuen und keine Gruppen. Was soll es heißen, wenn das
Risiko für etwas bei angenommenen 11 % liegt? Wenn wir 100 mal
leben, dann wird es uns 11 mal erwischen und 89 mal verschonen.
Aber wir sind Menschen
mit nur einem Leben. Für alles, worum es sich auch handeln mag,
gibt es nur eine Chance von 50 zu 50: Entweder es trifft uns oder es
trifft uns nicht.
So ist das Leben. Jede
Risikoaussage, die sich auf einen einzelnen Menschen bezieht,
verleugnet das Leben. Sie verleugnet die Nichtraucher, die an
Lungenkrebs sterben. Sie verleugnet die Nicht-Flieger, die durch
einen Flugzeugabsturz ums Leben kommen.
Wir können Gefahren
nicht durch ein Risiko klein rechnen. Wenn wir uns einer Gefahr
aussetzen, müssen wir immer damit rechnen, dass sie uns kalt
erwischt.