Diese Woche
besuchte ich mit meiner Freundin die Infa
in Hannover. Es gab wieder einmal zahlreiche Stände, z.B. mit
Küchenutensilien, Wellnessartikeln, aber auch die üblichen
Fressbuden waren vertreten. An einer dieser Fressbuden belauschte ich
ein älteres Ehepaar.
Er regte
sich sehr darüber auf, dass ihn der Eintritt zu dieser Werbe- und
Verkaufsveranstaltung immerhin 10 € Eintritt gekostet hatte.
Im Kaufhaus
zahle er ja auch keinen Eintritt, war eines seiner Argumente. Seiner
Meinung nach sei es kein besonders schönes (Einkaufs-) Erlebnis,
wenn er erst 5 € für den Parkplatz und dann 10 € Eintritt für
jede Person zahlen müsse. Und letztendlich stünde ihm an jedem
Stand ein eifriger Geschäftsmann gegenüber, der nichts zu
verschenken habe, sondern seine Waren zu mehr oder weniger normalen
Preisen verticken möchte. Die Zeiten, dass auf dieser
"Hausfrauenmesse" etwas kostenlos zu holen sei, seien nun
einmal vorbei und umso weniger könne er verstehen, dafür Eintritt
zu zahlen.
Auch ich
hatte das Gefühl, dass "Beutelratten"
auf der Infa nicht auf ihre Kosten kommen. Dennoch möchte ich allen,
die sich über den Eintrittspreis aufregen, erklären, warum das so
ist und nicht anders. Auf der Infa fehlte mir die Zeit dazu, meine
Freundin war schon auf dem Weg zum nächsten Stand.
Grundsätzlich
kann ich wirtschaftlich, aber auch sozial begründen, weshalb für
diese Messe Eintritt verlangt wird.
Die
Veranstalter der Messe müssen ihre Kosten (Miete der Messehallen,
Werbungskosten, Gebühren, etc.) decken und wollen einen Gewinn
erwirtschaften. Die Veranstalter können Einnahmen erzielen, indem
die Standbetreiber eine Gebühr für ihren Stellplatz bezahlen oder
eben die Gäste Eintritt bezahlen. Der Eintritt kann generell für
den Besuch der Messe kostenpflichtig sein und / oder der Veranstalter
nimmt zusätzlich noch Geld ein, indem er sich den Toilettengang,
Infobroschüren, Personenbeförderung auf dem Messegelände, den
Parkplatz etc. extra bezahlen lässt.
Bei
der Preisgestaltung ist Fingerspitzengefühl gefragt. Sind die
Standgebühren zu hoch, bleiben die Aussteller weg, die Hallen leer.
Die Aussteller jedoch sind die Besuchermagnete und wenn die Besucher
ausbleiben, ist die ganze Messe ein Flop.
Die
Besucher werden durch hohe Eintrittspreise ebenfalls abgeschreckt.
Bei
der Infa hat man sich offensichtlich für eine Mischkalkulation
entschieden. Standbetreiber zahlen eine mäßige Gebühr, die
Besucher zahlen einen gemäßigten Eintrittspreis. Dafür erhalten
sie kostenlose Infobroschüren, finden Übersichtstafeln in den
Hallen, können die Toiletten und eine Bimmelbahn, welche die
fußmüden Besucher von Halle zu Halle transportiert, kostenlos
benutzen. Allerdings gilt die Eintrittskarte NICHT alles Ticket für
den öffentlichen Nahverkehr und der Parkplatz für den Pkw kostet
ebenfalls extra.
In
diesem Mix tragen die Eintrittspreise zur Kostendeckung des
Veranstalters bei, sie generieren Einnahmen in Abhängigkeit von der
Anzahl der Besucher.
Wie
oben beschrieben schrecken hohe Eintrittspreise Besucher davon ab,
eine Messe zu besuchen.
Dieser
abschreckende Effekt kann durchaus von den Messebetreibern gewollt
sein, um bestimmtes Klientel fernzuhalten. Der Erfolg einer Messe
wird zwar an der Besucherzahl gemessen, aber in erster Linie soll
eine Einkaufsmesse, wie die Infa eine ist, zahlende Kunden anziehen
und nicht bloß neugierige Menschen, die auf Schnäppchen aus sind
und am liebsten alles geschenkt haben wollen.
Drastisch
ausgedrückt ist der Eintrittspreis wie eine unsichtbare Mauer, die
Zahlungsunfähigen den Zutritt verwehrt.
Ist
eine Messe trotz des Eintrittspreises gut besucht, dann wäre sie
wahrscheinlich stark überlaufen, würde der Besuch weniger oder gar
nichts kosten. Die Menschen, die tatsächlich etwas kaufen wollen,
müssten sich in den Gängen und an den Ständen den Platz mit Leuten
teilen, die zwar kein Geld in der Tasche, aber eine leere Tasche
dabei haben, die sie mit kostenlosen Geschenken füllen möchten.
Dies könnte die zahlende Klientel sogar ganz abschrecken.
Es
ließe sich also durchaus eine andere Mentalität der Messebesucher
feststellen. Am ehesten wäre es dann wohl wie auf einem Flohmarkt,
wo gegenwärtig jeder am liebsten alles geschenkt haben möchte.
Mit
dem Eintrittsgeld verdient der Veranstalter Geld und hält ohne
Türsteher und Gesichtskontrolle HartzIV-Empfänger fern, die einen
Teil ihrer Ernährung über Verkostungsproben an den Messeständen
decken wollen.
Der
Eintrittspreis kommt einer Bonitätsprüfung gleich. Wer den Zehner
für den Eintritt im Portmonee hat, der hat dort vermutlich noch
mehr. Und wird gewillt sein, dieses Geld auch auszugeben. Schließlich
muss sich der Besuch und die Investition des Eintritts auch lohnen.
Denn
rein psychologisch wäre das Eintrittsgeld falsch investiert, würde
man die Messe mit leeren Händen verlassen.
Wie man das
Eintrittsgeld persönlich bewertet, bleibt Ansichtssache. Ich möchte
lediglich den Mechanismus des sozialen Ausschlusses aufzeigen, der
hinter dem Eintrittsgeld steckt. Letztendlich bleibt es jedem selbst
überlassen, für eine Verkaufsveranstaltung Eintritt zu zahlen.